Bruck (Erlangen)

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49.56916666666710.996944444444Koordinaten: 49° 34′ 9″ N, 10° 59′ 49″ O

Bruck
Stadt Erlangen
Einwohner: 20.700 (2001)
Eingemeindung: 15. September 1924
Postleitzahl: 91058
Vorwahl: 09131
Karte

Die Statistischen Bezirke 42 (Schönfeld), 44 (Bachfeld) und 45 (Bierlach) sowie die Gemarkung Bruck in Erlangen

Bruck ist eine Gemarkung im Stadtteil Süd der kreisfreien Stadt Erlangen im bayerischen Regierungsbezirk Mittelfranken.

Geschichte[Bearbeiten]

Fachwerkhäuser an der Fürther Straße und Evangelische Kirche St. Peter und Paul, 2010
Postkarte, um 1900
Ehemaliges Gasthaus Zum Goldenen Schiff, Fürther Straße 27 (früher Haus Nr. 95), 2010

Als Brucca im 11. Jahrhundert entstanden, wurde der Ort 1282 erstmals urkundlich erwähnt. König Rudolf belehnte damals den Nürnberger Burggraf Friedrich mit dem Dorf. 1374 wurden die Nürnberger Burggrafen zusätzlich mit Zoll und Geleit belehnt. Die Grundherrschaften teilten sich Burggraf, Bürger und kirchliche Einrichtungen aus Nürnberg sowie die Ansbacher Markgrafen.

Im Ersten Markgrafenkrieg wurde der Ort 1449 niedergebrannt. Auch im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort weitgehend zerstört.

Dennoch entwickelte sich die an der Regnitz gelegene Ansiedlung wegen ihrer verkehrsgünstigen Lage an der einzigen Regnitzbrücke zwischen Vach und Baiersdorf zu einem blühenden Dorf. Zahlreiche Fuhrleute und Wirte lebten dort, zeitweilig gab es vier Brauereien. Ab dem 17. Jahrhundert florierte zusätzlich zum Handel die Tabakverarbeitung.

Der Ausbau der Eisenbahnstrecke von Nürnberg nach Erlangen und weiter bis Bamberg ließ Brucks Bedeutung zunächst sinken. Erst durch die Eröffnung der Eisenbahnstrecke nach Herzogenaurach 1894 erhielt Bruck einen eigenen Bahnhof.

Die nahen Erlanger Industriebetriebe führten dazu, dass sich Bruck im 19. Jahrhundert vom Dorf zur Arbeitersiedlung entwickelte. Der Ort wuchs immer näher an Erlangen heran.

Am 15. September 1924 erfolgte die Eingemeindung nach Erlangen.[1] Die Bebauung wuchs stetig weiter. Im Südosten Brucks entstand 1939 jenseits der Eisenbahnlinie eine Werksiedlung mit kleinen Einfamilienhäusern.

Auf dem Anger, einem ehemaligen Weideland und späteren Exerzierplatz, errichtete die Baugenossenschaft für das Verkehrspersonal in den 1920er Jahren eine weitere Siedlung. Diese wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ein Schwerpunkt des sozialen Wohnungsbau in Erlangen. Bis 1974 wuchs die Einwohnerzahl allein dieses Viertels auf 8230 an, sank jedoch bis 1999 wieder auf 6700. Mit 27 Prozent weist dieses Viertel den höchsten Ausländeranteil innerhalb Erlangens auf.

Durch die starke bauliche Erweiterung mit vielen Hochhausbauten sowie die Nähe der Bundesautobahn hat Bruck insgesamt seinen dörflichen Charakter verloren. Dieser ist jedoch im alten Ortskern um die Wehrkirche noch zu spüren.

Religionen[Bearbeiten]

Evangelische Kirche St. Peter und Paul, 2009

Seit der Reformation 1527 war Bruck evangelisch-lutherisch geprägt. Zur Gemeinde St. Peter und Paul gehören 2001 etwa 4620 Mitglieder.

Ehemalige Synagoge, Judengasse 1a (früher Haus Nr. 58), 2011

Vom 17. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts bestand eine bedeutende jüdische Gemeinde in Bruck. 1763 wurden 37 jüdische Familien am Ort gezählt, 1811 184 jüdische Einwohner (15 % der Gesamteinwohnerschaft). Zwischen 1860 und 1900 verzogen die meisten Familien in das für eine jüdische Niederlassung wieder offene Erlangen. Die Erlanger jüdische Gemeinde war zunächst Filialgemeinde zu Bruck (Israelitische Kultusgemeinde Bruck-Erlangen). Die ehemalige Synagoge in der Judengasse 1a (früher Haus Nr. 58) ist erhalten und wird für Lager- und Wohnzwecke genutzt.

Katholische Kirche St. Peter und Paul, 2010

Die wenigen verbliebenen Katholiken wurden bis zur Einrichtung einer Kuratie in Erlangen (1784) durch die Pfarrei St. Xystus in Büchenbach betreut. Doch erst 1908 erhielten die Brucker Katholiken mit der Weihe der Kirche St. Peter und Paul eine eigene Kirche. Am 8. November 1924 erhielt Bruck einen eigenen Kaplan und wurde zur Kuratie. Über vier Jahrhunderte nach der Reformation wurde diese Kuratie am 1. November 1956 zur Pfarrei erhoben. 2001 zählt die Gemeinde 2750 Mitglieder.

Um dem raschen Anstieg der katholischen Bevölkerung Rechnung zu tragen, wurde für das nördliche Bruck am 24. August 1967 eine weitere Pfarrei namens Heilig Kreuz errichtet. Die Seelsorge übernahmen die Karmeliten, die direkt neben der 1969 geweihten modernen Kirche ein Kloster errichteten.

Die seit mindestens 1903 in Erlangen vertretenen Siebenten-Tags-Adventisten haben 1995 in Bruck ein neues Gemeindezentrum bezogen. Die im Jahr 2003 gegründete Adventgemeinde ERlebt hat im Oktober 2007 in der Gutenbergstr. 1 die zweite Adventistenkirche in Bruck eingeweiht. Zwischen beiden Gemeinden besteht eine gute Zusammenarbeit. Die Adventisten nehmen am Erlanger Stadtgeschehen aktiv teil. Ihr soziales Engagement zeigt sich unter anderem an der Pfadfinderarbeit (Stamm „Erlanger Markgrafen“) oder an öffentlichen Blutspendeaktionen, die in den Gemeinderäumen durchgeführt werden. Der Verein „Christen für Kultur e. V.“ wurde im Jahr 1999 von Erlanger Adventisten gegründet.

Die Erlanger Zeugen Jehovas haben seit 1980 in Bruck einen Königreichssaal.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1814: 1155 Einwohner
  • 1924: 2255 Einwohner (in diesem Jahr Eingemeindung nach Erlangen)
  • 2001: 20.700 Einwohner

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Ehemaliges Gasthaus Zum Schwarzen Adler, Fürther Straße 19 (früher Haus Nr. 91), 2010

Wichtigstes Wahrzeichen ist die evangelische Kirche St. Peter und Paul. Diese liegt im Zentrum des alten Dorfes direkt an der Regnitz. Der Baubeginn für diese Kirche lag im 13. Jahrhundert. Der 68 Meter hohe Chorturm besteht aus vier klar gegliederten Geschossen und ist mit einem achtseitigen Spitzhelm sowie vier Scharwachttürmchen versehen. Der ursprünglich spätromanische Bau wurde mehrfach verändert. Das kurze Langhaus weist gotische Elemente unter anderem am Nord- und Südportal auf. Der Innenraum ist durch die Barockisierung geprägt, die während der durch die nach dem Dreißigjährigen Krieg erforderlich gewordenen Instandsetzung 1726 vollendet wurde. Der Kirchensaal ergibt durch die Doppelempore von 1660, die Kanzel von 1680 das Kirchengestühl und die Chorschranken (1700) sowie die Stuckierungen und das Deckengemälde von 1726/27 einen geschlossenen Eindruck.

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Wasserschöpfrad an der Regnitz, 2010

Östlich von Bruck findet sich das Waldgebiet Brucker Lache. In den Aurachwiesen an der Regnitz wurde im Jahr 2004 ein Biotop mit einem historischen Wasserschöpfrad angelegt.

Sport[Bearbeiten]

Der Turnverein 1861 Erlangen-Bruck wurde am 11. August 1861 gegründet. Seine 400 Mitglieder betreiben in der Hauptsache Handball, Tennis und Breitensport.

Der Fußball- und Sportverein Erlangen-Bruck wurde im Sommer 1916 zunächst unter dem Namen 1. Fußballclub Markt Bruck gegründet. Der heutige Mehrspartenverein mit rund 1100 Mitgliedern verfügt über ein 60.000 Quadratmeter großes Gelände. Besonders erfolgreich ist der Verein im Jugendfußball. Die 1. Mannschaft der Herren spielt seit der Saison 2008/09 in der fünftklassigen Bayernliga.

Der FSV Erlangen-Bruck organisiert alljährlich zum Feiertag am 6. Januar das Drei-Königs-Hallenfußballturnier für Amateurvereine aus Erlangen und Umgebung. Diese Turnier gilt als Höhepunkt der Erlanger Hallensaison.

Ein weiterer großer Verein ist der ATSV 1898 Erlangen e.V., der als „Arbeiterturnverein“ mit der Turnabteilung gegründet wurde. 1913 wurde der Verein durch die Fußballabteilung vergrößert. Mit 12 Abteilungen hat er zur Zeit über 1200 Mitglieder. Nach dem Krieg begann der Wiederaufbau des Vereins mit Gründungen folgender Abteilungen: Judo (1949), Kegeln (1960), Tischtennis (1967), Kanu, Volleyball und Tennis (1975). Die Billardabteilung (1979) spielt schon seit Jahren in der ersten Bundesliga sehr erfolgreich. Nach einer langen Geschichte wurden noch die Abteilungen Badminton (1992) und zuletzt Kickboxen, Iaido und Kendo gegründet.

Fasching[Bearbeiten]

Das größte öffentliche Ereignis in Bruck ist der alljährliche Festumzug am Faschingssonntag. Diesen organisiert die 1970 gegründete Faschingsgesellschaft Brucker Gaßhenker. Die Anzahl der Wagen liegt meist bei um die 30, neben anderen Faschingsgesellschaften aus der Region gibt es auch eine internationale Beteiligung zum Beispiel von Gruppen aus Australien. Wie andernorts wählen die Brucker Gaßhenker ebenfalls ein Prinzen- und Kinderprinzenpaar. Der Name Brucker Gaßhenker rührt von der Legende her, dass die Einwohner Brucks während einer Belagerung und dem Mangel an Viehfutter einer Geiß ein Seil um den Hals legten und an der Kirche hochzogen, damit sie auf der Kirchenmauer das Gras fressen konnte. Dabei erstickte die Geiß und streckte die Zunge heraus, worauf die Brucker ausriefen: „Seht, sie verlangt schon nach dem leckeren Gras“. Dieser Schildbürgerstreich wurde als Name der Faschingsgesellschaft gewählt.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Stadtteil wird durch zwei große Verkehrstrassen in Nord-Süd-Richtung zerteilt. Zum einen verläuft auf dem Bett des ehemaligen Ludwig-Donau-Main-Kanals die Bundesautobahn 73. Der alte Ortskern liegt westlich davon. Zum anderen verläuft in die gleiche Richtung etwas weiter östlich die Bahnstrecke Nürnberg–Bamberg. Die alte Zweigstrecke nach Herzogenaurach, die vom Bahnhof Bruck aus in westlicher Richtung abzweigt, wird inzwischen nur noch für Transporte des Zweckverbandes Abfallwirtschaft genutzt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Der Kantor, Schulleiter und geistliche Dichter Sebald Heyden (* 8. Dezember 1499 in Bruck; † 9. Juli 1561 in Nürnberg) verbrachte seine Kindheit in Bruck.

Sonstiges[Bearbeiten]

Die Erlanger Fun-Metal-Band J.B.O. verfasste einen Song über diesen Stadtteil: No Sleep 'Til Bruck. Ein weiteres Lied von J.B.O. mit ähnlichem Thema ist das Heimatlied mit der Schlusszeile: „Milchstraße - Sonnensystem - Erde - Europa - Süddeutschland - Franken - Erlangen - Bruck.“

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 601

Literatur[Bearbeiten]

 Christoph Friederich, Bertold Freiherr von Haller, Andreas Jakob (Hrsg.): Erlanger Stadtlexikon. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 2002, ISBN 3-921590-89-2, S. 171 (Gesamtausgabe online).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bruck (Erlangen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien