Gerhard Rohlfs (Afrikaforscher)

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Gerhard Rohlfs
Gerhard Rohlfs, um 1863.

Gerhard Rohlfs (eigentlich Friedrich Gerhard Rohlfs; * 14. April 1831 in Vegesack, Freie Stadt Bremen; † 2. Juni 1896 in Rüngsdorf, Landkreis Bonn) war ein deutscher Afrikareisender und Schriftsteller.

Biografie[Bearbeiten]

Jugend und Ausbildung[Bearbeiten]

Rohlfs wurde als dritter Sohn eines Landarztes geboren. In seiner Kindheit und frühen Jugend wurde er wie seine sechs Geschwister von Hauslehrern unterrichtet.[1] Der körperlich sehr schwach konstituierte Junge erwies sich in seiner Jugend als schwacher Schüler, der es ablehnte, den von den Eltern vorgegebenen Berufsweg als Mediziner einzuschlagen. Im Alter von 15 Jahren kam er auf das Gymnasium von Osnabrück. Der schulische Zwang wurde ihm so unerträglich, dass er seine Uhr verkaufte, seinen Eltern einen Abschiedsbrief schrieb und in Amsterdam versuchte, als Decksjunge auf einem Schiff anzuheuern. Die Mutter verhinderte dies im letzten Moment. Rohlfs wechselte auf das Gymnasium in Celle.[2] Im Alter von 17 Jahren verließ er das Gymnasium und trat zunächst in das Bremische Füsilier-Bataillon und anschließend als Unteroffizier in die schleswig-holsteinische Armee ein. In der Schlacht bei Idstedt im Juli 1850 wurde Rohlfs wegen besonderer Tapferkeit noch auf dem Schlachtfeld zum Leutnant befördert. Die Niederlage im Krieg gegen Dänemark führte jedoch bald danach zur Auflösung der Armee.

Wie seine beiden älteren Brüder Hermann und Heinrich begann Rohlfs 1850 ein Medizinstudium in Heidelberg, Würzburg und Göttingen, brach es nach einigen Semestern jedoch ab.

Soldat, Legionär, Abenteurer[Bearbeiten]

Rohlfs meldete sich zur österreichischen Armee. Auch dort hielt es ihn nicht lange, er desertierte und ging schließlich als Fremdenlegionär nach Algerien, wo er 1856 bis 1860 als Truppenapotheker und als Feldscher an französischen Feldzügen teilnahm. Zuletzt war er Leiter eines Feldhospitals. In den Kämpfen der Jahre 1856 und 1857 gegen die Kabylen Nordostalgeriens wurde Rohlfs mehrmals mit Tapferkeitsmedaillen ausgezeichnet. Bei seinem Abschied bekleidete er den Rang eines Sergeanten, den höchstmöglichen Rang eines ausländischen Legionärs. Rohlfs hat nie über seine Erlebnisse in der Legion geschrieben. Auch im Freundeskreis durfte dieses Thema nicht angeschnitten werden. Zu diesem Zeitpunkt hatte er Arabisch in Grundzügen erlernt. Es gelang ihm, in Fès als oberster Arzt der marokkanischen Armee bestellt zu werden. Des Weiteren wurde ihm gestattet, eine Privatpraxis zu eröffnen. Rohlfs gelang es, sein Arabisch zu vervollkommnen, und Kenntnis von Sitten, Lebensart und Religion der Nordafrikaner zu erlangen.[3] Sein größter Wunsch war es, nach der in Europa legendären Oase Timbuktu zu reisen. Er überquerte den bis dahin in Europa unbekannten Anti-Atlas, wurde aber überfallen und bei der Oase Boanen lebensgefährlich verwundet. Durch die massiven Verletzungen seines linken Armes waren seine Finger zeitlebens teilweise steif.[4] Nach der Genesung unternahm er einen weiteren Versuch, Timbuktu zu erreichen. Er gelangte als erster Europäer in die Oasen von Tafilet, Tuat und Tidikelt. In In Salah, dem Hauptort der Tidikelt-Oasen, galt Rohlfs als französischer Spion. Dies zwang ihn, seine Pläne aufzugeben und über Ghadames an die Mittelmeerküste nach Tripolis zurückzukehren.

Im Januar 1865 kehrte Rohlfs nach Deutschland zurück, das er fast zehn Jahre zuvor verlassen hatte. Der Gothaer Kartograph August Petermann redigierte und überarbeitete Rohlfs Reisenotizen nach wissenschaftlichen Kriterien. Als besonderer Förderer ermöglichte er dem einstigen Aussteiger den gesellschaftlichen Wiedereinstieg als angesehener Forschungsreisender.

Nach einigen Monaten Aufenthalt in Europa ging Rohlfs als offiziell unterstützter Forschungsreisender erneut nach Tripolis, um von dort (Abreise Mai 1865) das Hoggar-Massiv zu erforschen und nach Timbuktu weiterzuziehen. Schon in Ghadames musste er seine Marschrichtung wegen des feindlichen Verhaltens der Tuareg ändern. Er zog über Murzuk im Fessan und Bilma im Kaouar-Tal am Tschad-See vorbei nach Kuka, der Hauptstadt des Reiches Bornu. Mit Unterstützung des Sultans von Bornu gelangte er von dort an den Benue, den er bis zur Einmündung in den Niger bei Lokoja befuhr. Über Ilorin und Ibadan erreichte er im Mai 1867 Lagos am Golf von Guinea.

Gerhard Rohlfs und Diener Henry Noël

Rohlfs beschreibt in seinem Werk "Quer durch Afrika" sehr anschaulich die Praxis des Sklavenhandels, dessen erklärter Gegner er war. Dennoch behandelte er in Murzuk einen erkrankten Sklavenhändler aus Kordofan. Aus Dank für seine Genesung schenkte dieser Rohlfs einen jungen Sklaven, der etwa 7 oder 8 Jahre alt war. Dies war am 25. Dezember 1865. Rohlfs gab ihm den Namen Henry Noël. Da Rohlfs den Jungen nicht allein zurücklassen wollte, begleitete er Rohlfs auf seiner weiteren Reise. Rohlfs nahm ihn später mit nach Berlin, wo ihn der Deutsche Kaiser Wilhelm I. auf seine Kosten erziehen ließ.[5]

Rohlfs hatte damit nicht nur als einer der ersten Europäer die gesamte Sahara durchquert, seine Reise vom Mittelmeer an die westafrikanische Küste wurde als die zweite europäische Afrikadurchquerung überhaupt gefeiert. Dies war zuvor nur dem Engländer David Livingstone geglückt. In Berlin wurde er von König Wilhelm I. von Preußen empfangen und zum Ehrenmitglied der Berliner Gesellschaft für Erdkunde ernannt. Er erhielt die goldenen Medaillen der geographischen Gesellschaften von Paris und London.[6]

Preußischer Beobachter in Afrika[Bearbeiten]

Der zunehmende Ruhm öffnete Rohlfs anschließend im politischen Bereich viele Türen. 1867/68 nahm er als Dolmetscher im Auftrag des Königs von Preußen an der britischen Strafexpedition in Abessinien teil. Er war Augenzeuge des Sturms auf Magdala und verarbeitete das Erlebte in seinem Buch über die Expedition.[7] Rohlfs nahm bei diesem Unternehmen Höhenmessungen vor, die er ebenfalls in diesem Werk veröffentlichte. Noch im selben Jahr führte ihn eine ebenfalls vom preußischen Königshaus unterstützte Expedition in die Cyrenaika. Rohlfs wollte von dort aus in die Kufra-Oasen gelangen, die zuvor noch kein Europäer erfolgreich bereist hatte. Die feindselige Einflussnahme der Senussi, die in ihm einen osmanischen Agenten sahen, machte es ihm aber unmöglich, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Rohlfs musste seine Pläne ändern und reiste zur Oase Siwa weiter. Bei dieser Expedition wurde Rohlfs auch von einem Fotografen begleitet, so dass viele der dortigen historischen Stätten erstmals dokumentiert werden konnten.

Zu dieser Zeit war Rohlfs bereits so populär, dass er Vortragsreisen nicht nur in Europa sondern auch nach Übersee unternahm. Während einer Vortragsreise in Russland lernte er in Riga Leontine Behrens, die Nichte des Afrikareisenden Georg Schweinfurth, kennen und heiratete sie nach nur dreiwöchiger Bekanntschaft. Das Ehepaar ließ sich in Weimar nieder. Seine Einkünfte sicherten ihm ein von materiellen Problemen unbeschwertes Leben.[8]

Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 reiste Rohlfs als preußischer Agent nach Tunesien, um von dort aus algerische Berberstämme zum Aufstand gegen Frankreich zu ermutigen. Seine Mission scheiterte, da die französische Abwehr früh von seinen Absichten erfuhr.[9]

Inschrift Gerhard Rohlfs Expedition 1874 am Tempel Deir el-Hagar, Oase Dachla

Expeditionen in Nordafrika[Bearbeiten]

Seine wissenschaftlich wahrscheinlich bedeutsamste Expedition führte Rohlfs in den Jahren 1873 und 1874 im Auftrag des ägyptischen Khediven Ismail Pascha durch. Der Khedive finanzierte die Expedition mit einem Betrag von 80.000 Mark. So war diese Expedition außerordentlich gut ausgestattet. Von Ägypten aus wollte Rohlfs nach Kufra vorstoßen, aber auch dieses Mal verhinderte die Einflussnahme der Senussi, dass er geeignete Führer fand. Erneut musste Rohlfs seine Pläne ändern und nach Siwa abdrehen. Dieser Rohlfs`schen Expedition gehörten zahlreiche namhafte deutsche Wissenschaftler an. Ein Schwerpunkt der Expedition war die Erforschung der Oase Dachla und ihrer zahlreichen archäologischen Fundstätten, sowie die Flora und Fauna der Oase und die Ausgrabung und Dokumentation des Tempels Deir el-Hagar. Ein weitere Besonderheit war die Verpflichtung des Photographen Philipp Remelé. Remelé fertigte über 150 Fotografien der Oase und seiner Bewohner an und war mit der Ausgrabung des Tempels Deir el-Hagar von Rohlfs beauftragt worden. An einer Säule des Tempels befindet sich ein Graffitio der Expeditionsteilnehmer.[10]

Grab auf dem Vegesacker Friedhof in Bremen

1878 führte Rohlfs im Auftrag der Afrikanischen Gesellschaft von Tripolis aus eine weitere Expedition durch. Durch die massive Unterstützung der osmanischen Regierung gelang es ihm dieses Mal tatsächlich, als erster Europäer nach Kufra zu gelangen. Dort aber wurde die Karawane überfallen und ausgeraubt. Rohlfs musste daraufhin die Rückreise antreten.

1880 reiste Rohlfs als Gesandter des preußischen Königs an den Hof des Königs Johannes von Abessinien. 1884/1885 stand er für einige Monate im Reichsdienst als Generalkonsul auf Sansibar, zeigte dabei aber nur wenig diplomatisches Geschick.

Im Jahr 1890 verlegte das Ehepaar Rohlfs seinen Wohnsitz von Weimar nach Bad Godesberg und bezog dort die kleine Villa "Meinheim". Während eines Kuraufenthaltes in Wiesbaden im Jahr 1894, erlitt Gerhard Rohlfs einen Schlaganfall. Dem um die Jahreswende 1895/96 ein Weiterer folgte. Gerhard Rohlfs verstarb am 2. Juni 1896 in Rüngsdorf bei Bad Godesberg. Seine Urne wurde, wie auch die seiner Ehefrau, die ihn um 40 Jahre überlebte, auf dem Vegesacker Friedhof an der Lindenstrasse in Bremen-Vegesack beigesetzt. Das Grabmal blieb erhalten (Lage: 53° 10′ 43,96″ N, 8° 35′ 50,87″ O53.1788777777788.5974638888889). Seine Bibliothek und ein Teil seines schriftlichen Nachlasses vermachte er seiner Heimatstadt Bremen. Dieser wird heute im Museum Schloss Schönebeck in Bremen-Vegesack aufbewahrt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1865 Große Goldene Medaille der Pariser Geographischen Gesellschaft
  • 1867 Ehrung durch die Royal Geographical Society, London
  • 1867 Preußischer Kronen-Orden III. Klasse
  • 1870 Ernennung zum Preußischen Hofrat
  • 1870 Korrespondierendes Mitglied an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
  • 1871 Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Universität Jena

Persönliches[Bearbeiten]

Rohlfs besondere Liebhaberei war eine Schuhsammlung, die er mit Stücken aus aller Welt vervollständigte.[11]

Nachruhm, Ehrungen[Bearbeiten]

Gerhard-Rohlfs-Denkmal in Bremen Vegesack

Denkmal[Bearbeiten]

Thieme-Beckers Künstlerlexikon nennt den sächsischen Bildhauer Walter Hauschild als Schöpfer eines Denkmals für den Afrikaforscher Gerhard Rohlfs in Vegesack,[12] das, gestaltet vom Bildhauer Paul Halbhuber, seit 1961 im Fährgrund an der Schulkenstraße steht.

Werke[Bearbeiten]

  • Reise durch Marokko, Übersteigung des großen Atlas. Exploration der Oasen von Tafilelt, Tuat und Tidikelt und Reise durch die große Wüste über Rhadames nach Tripolis. Norden 1868.
  • Im Auftrage Sr. Majestät des Königs von Preußen mit dem Englischen Expeditionskorps in Abessinien. Bremen 1869.
  • Land und Volk in Afrika. Bremen 1870.
  • Von Tripolis nach Alexandria. (Bd. 2) Band 1–2. Norden 1871.
  • Mein erster Aufenthalt in Marokko und Reise vom Atlas durch die Oasen Draa und Tafilelt. Bremen 1873.
  • Quer durch Afrika. Reise vom Mittelmeer nach dem Tschad-See und zum Golf von Guinea. Band 1 und 2. Leipzig 1874–1875.
  • Drei Monate in der libyschen Wüste. Cassel 1875.
  • Beiträge zur Entdeckung und Erforschung Afrikas. Berichte aus den Jahren 1870–1875. Leipzig 1876.
  • Kufra. Reise von Tripolis nach der Oase Kufra, ausgeführt im Auftrage der afrikanischen Gesellschaft in Deutschland. Leipzig 1881.
  • Neue Beiträge zur Entdeckung und Erforschung Afrikas. Cassel 1881.
  • Expedition zur Erforschung der Libyschen Wüste unter den Auspizien Sr. H. d. Chedive von Ägypten im Winter 1874/1875 ausgeführt. Cassel 1883.
  • Meine Mission nach Abessinien. Auf Befehl Sr. Maj. des deutschen Kaisers, im Winter 1880/1881 unternommen. Leipzig 1883.
  • Angra Pequena. Leipzig 1884.
  • Quid novi ex Africa. Kassel 1886.

Rezeption[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard Rohlfs "Quer durch Afrika" Die Erstdurchquerung der Sahara vom Mittelmeerh zum Golf von Guinea 1865-1867, Herausgegeben von Herbert Gussenbauer, Verlag Neues Leben Berlin, Einleitung von Herbert Gussenbauer S. 10.
  2. Gerhard Rohlfs "Quer durch Afrika" Die Erstdurchquerung der Sahara vom Mittelmeerh zum Golf von Guinea 1865-1867, Herausgegeben von Herbert Gussenbauer, Verlag Neues Leben Berlin, Einleitung von Herbert Gussenbauer S. 10.
  3. Gerhard Rohlfs "Quer durch Afrika" Die Erstdurchquerung der Sahara vom Mittelmeerh zum Golf von Guinea 1865-1867, Herausgegeben von Herbert Gussenbauer, Verlag Neues Leben Berlin, Einleitung von Herbert Gussenbauer S. 11 ff.
  4. Gerhard Rohlfs "Quer durch Afrika" Die Erstdurchquerung der Sahara vom Mittelmeerh zum Golf von Guinea 1865-1867, Herausgegeben von Herbert Gussenbauer, Verlag Neues Leben Berlin, Einleitung von Herbert Gussenbauer S. 9,10.
  5. Gerhard Rohlfs "Quer durch Afrika" Die Erstdurchquerung der Sahara vom Mittelmeerh zum Golf von Guinea 1865-1867, Herausgegeben von Herbert Gussenbauer, Verlag Neues Leben Berlin, S. 126/127.
  6. Gerhard Rohlfs "Quer durch Afrika" Die Erstdurchquerung der Sahara vom Mittelmeer zum Golf von Guinea 1865-1867, Herausgegeben von Herbert Gussenbauer, Verlag Neues Leben Berlin, Einleitung von Herbert Gussenbauer S. 18.
  7. Gerhard Rohlfs, Im Auftrage Sr. Majestät des Königs von Preussen mit dem Englischen Expeditionscorps in Abessinien, Bremen 1869
  8. Gerhard Rohlfs "Quer durch Afrika" Die Erstdurchquerung der Sahara vom Mittelmeerh zum Golf von Guinea 1865-1867, Herausgegeben von Herbert Gussenbauer, Verlag Neues Leben Berlin, Einleitung von Herbert Gussenbauer S. 19.
  9. Peter Heine: Das Rohlfs/Wetzstein-Unternehmen in Tunis während des deutsch-französischen Krieges 1870/71. In: Die Welt des Islams 22 (1982), S. 61-66.
  10. Olaf E. Kaper: "Archäologische Forschungen der Rohlfs´schen Expedition in der Oase Dachla (1874)"
  11. Wolfgang Genschorek: Im Alleingang durch die Wüste - Das Forscherleben des Gerhard Rohlfs, Brockhaus Verlag Leipzig, 1982, S. 180
  12. Walter Hauschild. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 16, E. A. Seemann, Leipzig 1923, S. 138.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gerhard Rohlfs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Gerhard Rohlfs – Quellen und Volltexte