Geschichte des Jemen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Die antiken Königreiche[Bearbeiten]

Hauptartikel: Altes Südarabien

Die Frühgeschichte des Jemen ist bisher nur ansatzweise erforscht. Allerdings begann mit der jemenitischen Bronzezeit (seit 2200 v. Chr.) wegen der zunehmenden Austrocknung der Arabischen Halbinsel die Entwicklung von landwirtschaftlichen Bewässerungssystemen. Zwar bestanden schon Beziehungen zum Mittelmeerraum, wobei schon Weihrauch getauscht wurde, doch ermöglichte erst die Domestizierung des Dromedars den Aufschwung des Handels auf der Weihrauchstraße. Dies führte auch zum Aufstieg der südarabischen Zivilisation. Im 8. Jahrhundert v. Chr. kam es durch die Ausweitung des Warenaustausches zur Herausbildung der Königreiche Saba, Ma'in, Qataban, Ausan und Hadramaut.

Neben dem Weihrauchhandel bestanden auch enge Handelskontakte mit Indien und Ostafrika. Als Seefahrer nutzen die Südaraber dabei schon ihre Kenntnisse über die Monsunwinde im Bereich des Indischen Ozeans. Die Handelskontakte nach Afrika waren so eng, dass vor allem in Eritrea Kolonien südarabischer Siedler entstanden. Durch den ausgedehnten Handel konnten auch Kultureinflüsse aus dem Nahen Osten im Jemen wirksam werden. So wurde die südarabische Schrift im 8. Jahrhundert v. Chr. aus dem phönizischen Alphabet entwickelt. Weiteren Einfluss erlangte seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. die hellenistische Kultur im Jemen. Sie bereicherte vor allem die südarabische Kunst, wovon u.a. mehrere Bronzestatuen zeugen.

In römischer Zeit galt der Jemen wegen seiner Fruchtbarkeit als Arabia felix (glückliches Arabien).

Nach der Zeitenwende begann der Niedergang der südarabischen Kultur, als sich der Handel von der Weihrauchstraße auf den Seeweg durch das Rote Meer verlagerte. Dies entzog den alten Königreichen zunehmend die wirtschaftliche Grundlage und führte zur Verschärfung der Auseinandersetzungen. Zwar konnte der Jemen im 3. Jahrhundert von den Himjariten vereinigt werden, doch war der Untergang der antiken Stadtkultur nicht mehr aufzuhalten. Nachdem das Land 525 vom Königreich Aksum erobert worden war und einen letzten Aufschwung unter König Abraha erlebt hatte, geriet das Land Ende des 6. Jahrhunderts unter persische Oberherrschaft.

Nach dem Tod von Chosrau II. im Jahre 628 gingen die im Land lebenden Perser, die die Oberschicht bildeten, unter ihrem Führer Bādhām ein Bündnis mit dem Propheten Mohammed ein. Damit wurde der Teil des Jemen, der unter persischer Herrschaft stand, Teil des islamischen politischen Systems. Nach dem Tod von Bādhām erkannte Mohammed verschiedene andere lokale Führer an und entsandte eigene Stellvertreter in den Jemen, darunter Chālid ibn Saʿīd. Diese Männer hatten den Auftrag, die Zakat einzusammeln. Das Gebiet von Sanaa verblieb unter der Herrschaft von Bādhāms Sohn Schahr. Dieser wurde allerdings im März 632 durch Männer aus dem Stamm Madhhidsch, die unter der Führung eines gewissen ʿAbhala standen, ermordet. Die Männer von ʿAbhala, der auch al-Aswad ("der Schwarze") genannt wurde, vertrieben auch die Abgesandten Medinas, und brachten große Teile des Landes unter ihre Kontrolle.[1] Damit begann im Jemen die Ridda-Bewegung. Erst unter Abū Bakr (632-634), der den Mekkaner al-Muhādschir ibn Abī Umaiya in den Jemen entsandte, um die dortige Absetzbewegung zu zerschlagen, kam das Gebiet unter festere muslimische Kontrolle.[2]

Das muslimische Mittelalter[Bearbeiten]

Ab 661 gehörte der Jemen zum Kalifat der Umayyaden. Seit dem 9. Jahrhundert gewannen verschiedene Dynastien die Herrschaft im Land (u. a. Ziyadiden, Sulaihiden, Nadschahiden). Zu den bedeutendsten Dynastien gehörten die Zaiditen, die 901 ein Imamat begründeten, das bis 1962 bestehen sollte.

Die Unabhängigkeit wurde auch durch einen wirtschaftlichen Aufschwung begünstigt, da der Seeweg von Indien über den Jemen nach Ägypten für den Ost-West-Handel erheblich an Bedeutung gewann. In dieser Zeit des wirtschaftlichen Wohlstandes lebte mit al-Hamdani auch der bedeutendste jemenitische Gelehrte.

Im 11. Jahrhundert vereinigte die schiitische Dynastie der Yuʿfiriden den Jemen und erkannte die Oberhoheit der Fatimiden in Ägypten an. Nach dem Zerfall dieses Reiches eroberte Thuran Schah, ein Bruder von Saladin, 1174 den Jemen und begründete eine jemenitische Seitenlinie der Ayyubiden (1174-1228) (siehe: Ayyubiden (Jemen)).

1228 errichteten die Rasuliden ihre bis 1454 dauernde Herrschaft, die neben dem jemenitischen Kernland auch den Hadramaut und zeitweise sogar den Hedschas bis nach Mekka umfasste. Unter den Rasuliden erfolgte ein wirtschaftlicher Aufschwung, wobei vor allem Aden eine sehr große Bedeutung im Seehandel des Indischen Ozeans errang. Mit dem Sturz der Rasuliden begann der wirtschaftliche Niedergang Adens, da es von Dschidda als wichtigstem Handelshafen abgelöst wurde. 1513 scheiterten die Portugiesen mit einem Eroberungsversuch von Aden. Daraufhin gaben sie den Plan zur Eroberung von Mekka und Sues auf. Aden geriet später dennoch zeitweise unter portugiesische Kontrolle.[3]

Nachdem die Osmanen 1517 Syrien und Ägypten erobert hatten, geriet der Jemen seit 1538 unter ihren Einfluss. Aden wurde zum osmanischen Flottenstützpunkt ausgebaut. Sanaa wurde 1546 erobert, und 1552 unterwarf sich der Imam der Zaiditen den Osmanen. Schon 1569 musste ein neuer Feldzug die osmanische Herrschaft über den Jemen festigen.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts erwuchs den Osmanen mit dem Prophetennachkommen al-Qâsim b. Muhammad ein neuer und gefährlicher Gegenspieler. Al-Qâsim proklamierte sich 1597 in der Provinz al-Sharaf (nordwestlich von Sanaa gelegen) zum Imam und rief die Bevölkerung zum Dschihad gegen die Osmanen auf. Unter al-Mansûr al-Qâsim (1597–1620) und seinem Sohn al-Mu`ayyad Muhammad (1620–1644) zwangen zaiditische Truppen, die sich vor allem aus Stammesleuten zusammensetzten, die Osmanen zur Räumung des Landes und begründeten damit die qâsimidische Dynastie. Nach heftigen Kämpfen zogen die letzten osmanischen Truppen 1635 aus dem Jemen ab.

Im 16. und 17. Jahrhundert wurde die jemenitische Hafenstadt Mokka (arabisch: al-Mukha, englisch: Mocha) wegen ihres Kaffeeexports bedeutend für den Welthandel.

Kolonialzeit und Unabhängigkeit[Bearbeiten]

Situation im Nordjemenitischen Bürgerkrieg zwischen Republikanern (schwarz) und Royalisten (rot) Ende 1967

Im 19. Jahrhundert kam es erneut zu einer Teilung des Landes. Die südöstliche Region um Aden wurde 1839 von den Briten besetzt, im Nordwesten machten in den späten 1840er Jahren Stammesführer aus dem jemenitischen Hochland und dem ʿAsīr den qāsimidischen Imamen die Herrschaft streitig.[4] Der hier bestehende kriegsähnliche Zustand führte 1869 zur osmanischen Neubesetzung des Landes. Die zaiditischen Imame konnten jedoch ihre Macht zum Teil wiederherstellen und unternahmen 1891-92, 1898-99, 1904-07 und 1910-11 großangelegte Aufstände gegen die osmanische Herrschaft.[5] Am 30. Oktober 1918 erklärte Imam Yahya Muhammad Hamid ad-Din die formelle Unabhängigkeit des Jemen vom Osmanischen Reich, im Jahre 1926 rief er sich zum König des Jemen aus. Das hiermit begründete Königreich Jemen bestand bis 1962 weiter. Von 1958 bis 1961 schloss es sich den Vereinigten Arabischen Staaten an.

Nach dem Rückzug Großbritanniens aus dem Südjemen im Jahr 1967 geriet dieser in den Einflussbereich der Sowjetunion bzw. des kommunistischen Blocks und wurde am 30. November 1967 zur Volksrepublik Südjemen, ab 1970 zur Demokratischen Volksrepublik Jemen unter der linksgerichteten Einheitspartei Jemenitische Sozialistische Partei.

Der arabisch-schiitisch geprägte Nordjemen nannte sich von 1962 an Jemenitische Arabische Republik und stand ebenfalls unter einer Einparteienherrschaft mit der Einheitspartei des Allgemeinen Volkskongresses.

Wiedervereinigung[Bearbeiten]

Nach mehreren gescheiterten Anläufen (1972-73/77 und 1979-82/86) kam es erst am 22. Mai 1990, kurz vor der Auflösung der Sowjetunion, es zu einer Vereinigung von Nord- und Südjemen unter Präsident Ali Abdullah Saleh. Eine wirkliche Vereinigung der Verwaltung und der Armee gelang lange Zeit nicht. Bis 1991 litt das Land unter einer schweren Wirtschaftskrise, als es nach der Besetzung Kuwaits den Krieg gegen den Irak ablehnte und daraufhin 850.000 jemenitische Gastarbeiter aus den Golfstaaten ausgewiesen wurden.

Gegen die Vorherrschaft des konservativen Nordens, Misswirtschaft und der Zentralisierungspolitik der Regierung in Sanaa kam es ab Februar 1994 zum Bürgerkrieg und im Mai zur vorübergehenden Wiederabspaltung des Süden als Demokratische Republik Jemen, bis der Widerstand des Südens mit der Eroberung von Aden im Juli gebrochen wurde. Seit 2001 steht der Jemen zunehmend im Verdacht, Rückzugsgebiet für international gesuchte Terroristen zu sein, da die Regierung, wegen der Autonomie der Stämme, weite Teile des Landes nicht voll kontrolliert. Außerdem wurden in den vergangenen Jahren immer wieder Touristen durch Stämme entführt, um von der Regierung in Sanaa Zugeständnisse zu erpressen.

Sturz Salihs[Bearbeiten]

Hauptartikel: Proteste im Jemen 2011/2012

Durch den Arabischen Frühling kam es zu Protesten gegen die Diktatur von Ali Abdullah Salih, die zu gewaltsamen Ausschreitungen führten. Schließlich trat Salih zurück. Bei der Präsidentschaftswahl war der einzige Kandidat jedoch der bisherige Vizepräsident Abed Rabbo Mansur Hadi, weshalb immer mehr Menschen eine Abspaltung des Südens fordern.

Die al-Qaida gewinnt in letzter Zeit immer mehr an Macht. So konnten die Islamisten die Stadt Rada'a unter ihre Kontrolle bringen.[6] Des Weiteren halten sich viele Mitglieder der Terrororganisation Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel im Jemen auf.[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Kuehn: Empire, Islam, and Politics of Difference. Ottoman Rule in Yemen, 1849-1919. Leiden-Boston: Brill 2011.
  • Klaus Schippmann: Geschichte der alt-südarabischen Reiche. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1998, ISBN 3-534-11623-2.
  • Rudolf Strothmann: Das Staatsrecht der Zaiditen. K.J. Trübner, Straßburg 1912 (PDF, 7,3 MB)

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Vgl. W. Montgomery Watt: Al-Aswad in The Encyclopaedia of Islam. New Edition Bd. I, S. 728a.
  2. Vgl. Elias Shoufany: Al-Riddah and the Muslim Conquest of Arabia. Toronto: University of Toronto Press 1973. S. 138.
  3. A. H. de Oliveira Marques: Geschichte Portugals und des portugiesischen Weltreichs. Kröner 2001, ISBN 978-3-52-038501-7.
  4. Vgl. Kuehn 71.
  5. Vgl. Kuehn 147.
  6. http://www.rp-online.de/panorama/ausland/al-qaida-uebernimmt-stadt-im-jemen-1.2675177
  7. http://www.welt.de/politik/ausland/article118813947/Jemen-ist-die-neue-Brutstaette-des-Terrors.html