Geschichte Vietnams

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Die Geschichte Vietnams begann mit dem ersten Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. im Delta des Roten Flusses errichteten Reich Au Lac und entwickelte sich, zeitweise als selbstständiges, von vietnamesischen Dynastien beherrschtes Staatsgebilde, zeitweise als chinesische Provinz, zeitweise als Kolonie, mehrfach geteilt und wieder vereinigt, zum heutigen Vietnam.

Altertum[Bearbeiten]

Prähistorische Kulturen Vietnams
Altsteinzeit
Dieu-Kultur ca. 30.000 v. Chr.
Sơn-Vi-Kultur 20.000–12.000 v. Chr.
Mittelsteinzeit
Hòa-Bình-Kultur 12.000–10.000 v. Chr.
Jungsteinzeit
Bắc-Sơn-Kultur 9.000–5.000 v. Chr.
Quỳnh-Văn-Kultur 3.000–1 v. Chr.
Đa-Bút-Kultur 4.000–1.700 v. Chr.
Bronzezeit
Phùng-Nguyên-Kultur 2.000–1.500 v. Chr.
Đồng-Đậu-Kultur 1.500–1.000 v. Chr.
Gò-Mun-Kultur 1.000–700 v. Chr.
Đông-Sơn-Kultur 800 v. Chr.–200 n. Chr.
Eisenzeit
Sa-Huỳnh-Kultur 500 v. Chr.–100 n. Chr.
Óc-Eo-Kultur 1–630 n. Chr.
Van Lang – 500 v. Chr.
Indischer Einfluss:
Ganesha im Cham-Museum in Đà Nẵng

Die frühesten Spuren menschlicher Aktivität auf dem Gebiet des heutigen Vietnam lassen sich auf bis vor 300.000 bis 500.000 Jahren zurückdatieren. Die älteste bisher bekannte Kultur der Region ist die mehr als 30.000 Jahre alte Dieu-Kultur. Der Hauptfundort für deren Artefakte ist die namensgebende Dieu-Höhle in der Provinz Hòa Bình südlich von Hanoi. Ab etwa 16.000 vor Christus existierte, ausgehend von derselben Region, die so genannte Hoa-Binh-Kultur, deren Steinwerkzeuge im Gebiet des gesamten kontinentalen Südostasien gefunden wurden. Die letzte altsteinzeitliche Kultur der Region ist die Bacson-Kultur (ca. 10.000 v. Chr.). Neben Steinwerkzeugen war hier auch bereits Keramik verbreitet. Der Bewässerungsanbau von Reis war etwa ab 3000 v. Chr. bekannt.

Die Bronzezeit ist durch Kulturen wie Go Mun und Dong Dau belegt. Die Eisenzeit begann hier etwa 500 v. Chr. mit der Sa-Huynh-Kultur, deren Mitglieder, vermutlich von den Inseln des heutigen Indonesien kommend, an den Küsten und auf den vorgelagerten Inseln siedelten. Im Süden fand sich die Dong Nai-Kultur. Zugleich existierte im Delta des Roten Flusses die Dong-Son-Kultur, bekannt vor allem für ihre reich verzierten Bronzetrommeln. Aus dieser Kultur ging Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. das erste bekannte Königreich der Việt (chin. 越 Yuè), genauer der Lạc Việt, Văn Lang, hervor. Dieses Reich umfasste den größten Teil des heutigen Nordvietnam. Im 3. Jahrhundert v. Chr. wanderten aus dem Gebiet des heutigen Südchina Âu Việt ein und vermischten sich mit den ansässigen Lạc Việt. Im Jahre 258 v. Chr. gründete Thục Phán das Königreich Âu Lạc (aus der Vereinigung von Âu Việt und Lạc Việt) und erklärte sich selbst zum König An Dương Vương.

Nach einem langen Krieg mit den Qín wurde An Dương Vương 208 v. Chr. von dem Qín-General 赵佗/趙佗 Zhào Tuó (vietnamesisch: Triệu Đà) besiegt. Triệu Đà rief sich selbst zum König aus, als Qín von den Hàn erobert wurde, nannte er sein Königreich Nam Việt (南越,Nányuè = Südviệt oder Südyuè), nahm den Namen Vũ Vương (chin. 武王,Wǔ Wáng) an und begründete die Triệu-Dynastie.

Im Jahre 111 v. Chr. wurde Nam Việt von Truppen Hàn Wǔdìs erobert und als Präfektur (郡 jùn (quận)) 交趾 Jiāozhǐ (Giao Chỉ) in das chinesische Reich eingegliedert. Unter der chinesischen Herrschaft werden technische Errungenschaften im Reisanbau, in der Viehhaltung und der Baukunst von den Chinesen übernommen. Es kommt zu zahlreichen Aufständen gegen die chinesische Fremdherrschaft und zu kurzen Phasen der Unabhängigkeit. Einen selbstständigen Staat kann die vietnamesische Nation jedoch gegen die chinesische Militärmacht nie lange halten. Im Jahre 679 wird die Provinz in Annam (friedlicher Süden) umbenannt.

In Süd- und Mittelvietnam entsteht Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. das Königreich Champa. Im 2. Jh. n. Chr. schließen sich weiter südlich, im Gebiet des Mekong-Delta, einige kleinere politische Einheiten zu Funan zusammen, das als Vorläufer des späteren Kambuja, des Reiches der Khmer, gilt. Funan gilt als der älteste nachgewiesene Staat Südostasiens. Champa und Funan waren beide stark von indischen Einflüssen geprägt, vor allem was Kultur (Schrift, Kalender, Architektur...) und Religion (Hinduismus, Buddhismus) betrifft. Es kam in der Folge immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Khmer, den Cham und Annam – auch mit wechselnden Verbündeten – und Piraten entlang der Küste.

Frühe Dynastien[Bearbeiten]

Nam tien (1069 bis 1757)

Am Ende des 10. Jahrhunderts bricht in China die Tang-Dynastie zusammen. Annam nutzt die Schwächephase, um sich der chinesischen Macht zu entziehen. Der erste vietnamesische Staat entsteht nach der Schlacht am Bạch Đằng-Fluss 938 in Nordvietnam unter dem Strategen Ngô Quyền. Bis 968 wird der Staat unter Đinh Bộ Lĩnh konsolidiert; bis 1009 wechseln sich jedoch mehrere kurzlebige Dynastien an der Macht ab.

Von 1010 bis 1225 wird der Staat Dai Viet von der Ly-Dynastie beherrscht, deren Gründer Ly Thai To ist. Unter den Ly verteidigt sich der Staat erfolgreich gegen die Chinesen unter den Sung, gegen die Khmer und Cham. Ab der Mitte des 11. Jahrhunderts werden von den Cham erste Gebietsgewinne gemacht. Unter den Ly wird das Staatswesen nach chinesischem Vorbild gestärkt, Machtstrukturen und Organisation werden konsolidiert und an vietnamesische Bedürfnisse angepasst.

Im Jahre 1225 stürzen die Ly in der Folge von Unruhen. Die Tran-Dynastie übernimmt die Macht. Sie verteidigt in Allianz mit den Cham das Land erfolgreich gegen die Chinesen unter der Yuan-Dynastie des Kublai Khan. Von 1400 bis 1407 löst die Ho-Dynastie die Tran ab, und es kommt zu einer kurzzeitigen chinesischen Herrschaft unter den Ming. Die Ming versuchen, Vietnam bewusst weiter zu sinisieren, so wurde etwa das vietnamesische Literaturerbe systematisch zerstört.

Im Jahre 1427 gründet Le Loi die Le-Dynastie, die bis 1789 regiert. Unter den Le werden wieder die vietnamesischen Traditionen bewusst betont, es bleibt jedoch der Konfuzianismus die dominante Säule der Staatsorganisation. Unter den Le wird Champa erobert und die vietnamesische Macht bis an den Mekong ausgedehnt. Bereits ab dem Ende des 14. Jahrhunderts erodiert die Macht des Königshauses. Nutznießer sind einflussreiche Händlerfamilien (v.a. die Trinh und Nguyen) und die seit 1516 präsenten Europäer. Das vietnamesische Königshaus muss zahlreiche Jesuiten und Franziskaner im Land dulden. Die europäischen Missionare bringen neben neuen Religionen auch neue Technologien ins Land, beispielsweise wird von dem Jesuiten Alexandre de Rhodes die bis heute gebräuchliche, auf den lateinischen Buchstaben basierende vietnamesische Schrift Quốc ngữ entwickelt.

Im Jahre 1771 bricht die Tây-Sơn-Rebellion aus. Aus dem folgenden Bürgerkrieg geht mit französischer Hilfe um 1802 der Prinz Nguyễn Phúc Ánh, der der einflussreichen Händlerfamilie Nguyễn entstammt, als Sieger hervor. Er ruft sich zum Kaiser Gia Long aus, verlegt die Hauptstadt des Landes nach Huế und gibt dem Land erstmals den Namen Viet Nam. Unter seiner Herrschaft und mit französischer Beratung werden große Infrastruktur- und Verteidigungsprojekte in Angriff genommen, wodurch die Staatskasse geleert wird. Das Territorium des Reiches wird erweitert, ab 1834 gehören Teile des heutigen Kambodscha als Provinz Tran-tay-thanh zu Vietnam.

Französische Kolonialherrschaft[Bearbeiten]

Karte der Region um 1888

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts verstärken die Franzosen ihren Druck auf die Nguyen-Kaiser. Es kommt zu Ausschreitungen der verarmten Bevölkerung, wobei sich der Zorn gegen französische Missionare und einheimische Christen (Andreas Dung-Lac und Gefährten) richtet. Um Stärke zu demonstrieren und die christlichen Missionen zu schützen, greifen französische Kanonenboote 1858 den Hafen Da Nang und das Mekong-Delta an. Kurz darauf tauchten auch Kanonenboote auf dem Parfüm-Fluss auf, der durch die damalige Hauptstadt Huế fließt. Ab 1862 muss Vietnam Gebiete an die Franzosen abtreten, bis 1883 werden die drei Protektorate Annam, Cochin-China und Tonkin gegründet; der vietnamesische Kaiser wird zu ihrer Anerkennung gezwungen. Damit steht Vietnam unter französischer Kolonialherrschaft. Die Verarmung der Bevölkerung schreitet voran.

In der Folgezeit kommen vietnamesische Studenten und Intellektuelle in Europa, vor allem in Frankreich, mit den Ideen des Nationalismus und Kommunismus in Kontakt. Bereits ab 1905 waren vietnamesische nationalistische Freiheitskämpfer um Phan Bội Châu (1868-1940) und Cuong De in Japan und Südchina aktiv.[1] Der später bedeutendste unter ihnen war Ho Chi Minh (1890-1969), der 1929 die in Annam, Cochin-China und Tonkin tätigen kommunistischen Parteien zu einer Einheitspartei vereinigt. Die Partei wird jedoch 1930, nach dem missglückten Yen-Bai-Aufstand und der Hinrichtung vieler ihrer Mitglieder, dezimiert und geschwächt.

1938 wird mit Georges Catroux erstmals seit 1879 wieder ein militärischer Generalgouverneur eingesetzt. Dies war die Reaktion der französischen Regierung auf die Bedrohung durch japanische Truppen, die 1938 die Hafenstadt Kanton und die Insel Hainan erobern konnten. Doch die Japaner unternahmen bis zum Sommer 1940 keinen Versuch, die Kolonie Indochina unter ihre Kontrolle zu bringen.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Nach der Besetzung Frankreichs durch deutsche Truppen war Indochina jedoch militärisch isoliert. Den Japanern gelang es daraufhin, durch ständige Erhöhung des Druckes auf die Kolonialregierung, ihren Einmarsch im Juli 1941 mit diplomatischen Mitteln vorzubereiten und durchzuführen. Dazu gehörte unter anderem die Ermutigung Thailands zu einem Angriff auf die Westgrenzen Indochinas im Winter 1940.

Während des restlichen Verlaufs des Zweiten Weltkrieges bis zum August 1945 wurde Vietnam durch Japan verwaltet. Dies geschah allerdings bis zum Frühjahr 1945 in Zusammenarbeit mit der französischen Kolonialverwaltung unter dem inzwischen von dem Vichy-Regime eingesetzten Admiral Decoux. Durch die Zusammenarbeit verschlimmerte sich die Situation der Vietnamesen dramatisch: Sie wurden nun von den Franzosen und den Japanern ausgebeutet. Die sich ins Bodenlose steigernden Forderungen der Besatzer nach immer mehr Nahrungsmitteln führten 1945 zu einer katastrophalen Hungersnot, der schätzungsweise zwei Millionen Menschen zum Opfer fielen.

Nachdem Ho Chi Minh 1941 aus dem Exil zurückkehrte, wurde bald aus über 40 Widerstandsgruppen eine »Liga für die Unabhängigkeit Vietnams« unter dem Namen Việt Minh zur Abwehr des japanischen Imperialismus und französischen Kolonialismus gebildet (siehe Vietnam während des Zweiten Weltkrieges). Die Japaner stürzen die französische Herrschaft und setzen Kaiser Bảo Đại ein. Nationalchina und die USA, einschließlich ihrem Geheimdienst OSS, unterstützen die Việt Minh, die bei der Bekämpfung der japanischen Okkupation einige Erfolge erzielen. Nach der Kapitulation Japans muss am 25. August 1945 Kaiser Bảo Đại abdanken.

Nach der Potsdamer Konferenz fällt Vietnam in den Herrschaftsbereich der Briten. Diese müssen jedoch die besiegten Japaner bitten, im Süden die Ordnung herzustellen.

Unabhängigkeit 1945[Bearbeiten]

Ho Chi Minh rief als Führer der Việt Minh nach der erfolgreichen Augustrevolution am 2. September 1945, unmittelbar nach Unterzeichnung der Kapitulation des Japanischen Kaiserreichs, die Demokratische Republik Vietnam als unabhängige Republik in ganz Vietnam aus. Er berief sich dabei auf die Unabhängigkeitserklärung der USA von 1776: „All men are born equal: the Creator has given us inviolable rights, life, liberty, and happiness!” [2]. Vietnam war damit die erste unabhängige Republik Südostasiens.

Am 6. Januar 1946[3] fand die erste all-vietnamesische Wahl zur 1. Nationalversammlung statt, die von der Việt Minh gewonnen wurde.

Indochinakrieg[Bearbeiten]

Hauptartikel: Indochinakrieg
Französische Fremdenlegionäre patrouillieren 1954 zwischen Haiphong und Hanoi, der leichte Panzer im Hintergrund vom Typ M24 Chaffee stammte ursprünglich aus amerikanischen Beständen

Wenige Tage nach der Unabhängigkeitserklärung Vietnams, landen britische Truppen in Saigon[4], mit dem offiziellen Auftrag japanische Streitkräfte zu entwaffnen. Vom Norden her marschieren national-chinesische Truppen in Vietnam ein. Trotz eines Friedensvertrages mit den Viet Minh erzwingen die Franzosen am 23. September 1945 die Wiedererrichtung ihres kolonialen Regimes in Südvietnam. Der Versuch Frankreichs, sich auch das inzwischen unabhängige Nordvietnam wieder botmäßig zu machen, führt 1946 zum Ausbruch des Indochinakrieges. In Südvietnam wird 1948 eine unter französischer Aufsicht stehende Gegenregierung eingesetzt, der ab 1949 der ehemalige Kaiser Bao Dai als Staatschef vorsteht. Nach jahrelangem Guerillakampf gelingt es den Viet Minh unter General Võ Nguyên Giáp am 7. Mai 1954, die Franzosen in der Schlacht von Điện Biên Phủ zu besiegen. Dieses Ereignis markiert das Ende der französischen Kolonialherrschaft in Indochina. Es folgen ein Waffenstillstand und die Genfer Konferenz, auf der die Teilung Vietnams entlang des 17. Breitengrades in die (nördliche) Demokratische Republik Vietnam (Hauptstadt Hanoi) und die (südliche) Republik Vietnam (Hauptstadt Saigon) beschlossen wird.

Nordvietnam[Bearbeiten]

Nordvietnams Wirtschaft war traditionell stark nach China orientiert. Das von den Franzosen angelegte Eisenbahnnetz hatte Anschluss an chinesische Bahnlinien, sodass Transportmöglichkeiten für Waren zur Verfügung standen. Um die Städte Hanoi und Haiphong herum wurden metallische Rohstoffe gefördert und verarbeitet. Der Aufbau dieser Metallindustrie wurde mit Anleihen der Ostblockstaaten gefördert. Neben der Ausfuhr von Rohstoffen lag der Schwerpunkt der Ausfuhr traditionell beim Export von Reis. Nordvietnam baute den Handel mit Japan zunehmend ab und band sich seit 1949 wirtschaftlich stärker an die Volksrepublik China und Staaten des Ostblocks.

Die französischen Kolonialherren hatten Großgrundbesitz und Pachtverhältnisse, Geldwirtschaft und Exportorientierung eingeführt und dabei eine neue, stark ungleiche Sozialstruktur in Vietnam erzeugt.[5] Gleichwohl hatten die ländlichen Eliten den Unabhängigkeitskampf der Viet Minh aktiv mitgetragen. Nach ersten militärischen Erfolgen im Indochinakrieg gründete Ho Chi Minh 1951 die Kommunistische Partei Vietnams neu. Diese führte in Nordvietnam von 1953 bis 1956 eine Agrarreform nach dem Vorbild der Volksrepublik China durch, um die landlosen und mittelständischen Bauern stärkerer politischer Kontrolle zu unterwerfen und am Aufbau der Wirtschaft zu beteiligen. Mit Klassenkampf-Agitation und Hetze gegen „konterrevolutionäre Elemente“ von Dorf zu Dorf wurden sie gegen die in der Kolonialzeit wohlhabend gewordenen Bauern aufgebracht. Etwa drei bis vier Prozent der Bauern wurden enteignet und inhaftiert oder hingerichtet.

1956 steigerte sich die „Ausrichtung“ genannte Terrorwelle: Bis zu 86 % der Parteikader auf dem Land, in manchen Bezirken bis zu 95 % der früheren Widerstandskämpfer wurden aus der Partei ausgeschlossen und vielfach hingerichtet, weil man davon ausging, gerade die engagierten Führungskräfte seien von Grundbesitzern und Franzosen „unterwandert“. Im Verlauf wurden bis zu 50.000 Menschen getötet, weitere 50.000 bis 100.000 wurden inhaftiert. Nach einer Fluchtwelle und vielen Desertionen stellte die Parteileitung die „Säuberungen“ ein, um die angestrebte Wiedervereinigung Vietnams unter ihrer Führung nicht zu gefährden. Eine kurze Tauwetter-Periode infolge der sowjetischen Entstalinisierung 1956 beendete die KP Nordvietnams im Dezember mit einer Kampagne gegen Künstler und Intellektuelle, um sie auf Parteilinie zu bringen. Ho Chi Minh leitete 1957 mit Propaganda den Bau großer Bewässerungsprojekte nach chinesischem Vorbild ein. Diese führten während einer schweren Dürre zu Ernteausfällen und einer Hungersnot mit einer unbekannten Zahl von Todesopfern.[6] Die Regierung Nordvietnams bezeichnete ihre frühere Repressionspolitik später öffentlich als Fehler.

1958 erhielt Nordvietnam einen unverzinslichen und untilgbaren Kredit von 800 Millionen Yuán, um in China Produktionsanlagen zu kaufen. Nordvietnam importierte vor allem industrielle Anlagen und lieferte dafür Bergbauprodukte und landwirtschaftliche Erzeugnisse. Größtes Hindernis der angestrebten Industrialisierung Nordvietnams war der Mangel an Ingenieuren, Technikern und Facharbeitern. Die VR China und die Ostblockstaaten stellten deswegen technisches Lehrpersonal, um einheimische Kräfte anzulernen.

Südvietnam[Bearbeiten]

Hauptartikel: Südvietnam

In Südvietnam beauftragte Staatschef Bảo Đại am 16. Juni 1954 den antikolonialistischen und antikommunistischen Katholiken Ngô Đình Diệm mit der Regierungsbildung. Zu diesem Zeitpunkt wurde Südvietnam in weiten Teilen von zwei Sekten beherrscht, die eigene Milizen unterhielten und Steuern eintrieben, den Cao Dai und den buddhistischen Hoa Hao, die bereits gegen die französische und gegen die japanische Fremdherrschaft gekämpft hatten. Dazu kamen die Bình Xuyên genannten organisierten Gangster-Banden. Nach der Teilung waren kommunistische Viet-Minh-Kader im Süden geblieben und operierten im Untergrund. Daher war die innenpolitische Situation bei Diems Amtsantritt labil. Dazu kam, dass unmittelbar nach Abschluss des Waffenstillstandsabkommen etwa 880 Tausend vorwiegend katholische Nordvietnamesen vor der kommunistischen Herrschaft nach Südvietnam geflohen waren und in dessen Volkswirtschaft integriert werden mussten.

Im Frühjahr 1955 gelang es Diem mit amerikanischer Unterstützung zwei Aufstände, eine Meuterei der eigenen Armee und einen Angriff bewaffner Sekten-Milizen niederzuschlagen. Am 23. Oktober 1955 setzte er Bao Dai ab, nachdem er in einer umstrittenen Volksabstimmung mit angeblich 98 Prozent der Stimmen gewann. Am 26. Oktober 1955 proklamierte er Vietnam zur Republik und übernahm als erster Präsident die Regierungsgewalt selbst.

1956 verweigerte Diem mit amerikanischer Rückendeckung die im Genfer Abkommen vorgeschriebenen gesamtvietnamesischen Wahlen, auf die eine Wiedervereinigung mit Nordvietnam folgen sollte. Statt dessen liess er Wahlen für eine Verfassunggebende Nationalversammlung durchführen, die er gegen mehrere Oppositionsparteien mit großer Mehrheit gewann. Mit dieser Wahl wurde die im Jahr zuvor proklamierte Eigenstaatlichkeit Südvietnams bestätigt. Diem und die USA lehnten alle Forderungen Nordvietnams nach Wiedervereinigung strikt ab.

Die von den Viet Minh durchgeführten Landreformen wurden zurückgenommen. Die Regierung der Republik Südvietnam versuchte nach dem langen Indochinakrieg, mit Fünfjahresplänen einen wirtschaftlichen Wiederaufbau in Gang zu bringen. Der erste Fünfjahresplan (1956-1961) sollte zu etwa achtzig Prozent durch ausländisches Kapital finanziert werden. Förderungsgebiete sollten Landwirtschaft, Industrie und Bergbau sein. Wegen der zahlreichen Flüchtlinge aus Nordvietnam war die Ernährungsbasis der Bevölkerung aus eigenem Anbau nicht gesichert. Deswegen sollten 560.000 Hektar Land neu mit Reis, Mais, Tabak und Kaffee bepflanzt werden. Außerdem sollte eine Ernährungsindustrie aufgebaut werden, um die landwirtschaftlichen Erzeugnisse im Land zu verarbeiten. Im Bergbau sollte die fast völlig zusammengebrochene Kohleförderung wieder auf den Vorkriegsstand gebracht werden, um die hohen Einfuhren zu verringern. Textilindustrie sollte aufgebaut werden, um dadurch zu Deviseneinnahmen zu kommen. Erschwerendes Hindernis war der hohe Anteil an ausländischem Privatbesitz, wie beispielsweise im Anbau von Kautschuk. Dessen Erträge blieben nicht im Land, sondern gingen vorwiegend nach Frankreich.

Die USA unterstützten Diems Ziel, einen unabhängigen und souveränen Staat aufzubauen. Die amerikanische Wirtschafts- und Militärhilfe erreichte bis 1960 einen Wert von rund drei Milliarden Dollar.

Die Regierung Diệms war unpopulär, Studenten und Buddhisten protestierten gegen die Regierungspolitik. Bis 1960 versank Südvietnam immer mehr in Korruption und Chaos. Am 2. November 1963 wurde Diệm ermordet. Darauf folgten mehrere kurzlebige Regierungen, bis eine von den USA protegierte Militärjunta unter Nguyễn Văn Thiệu und Nguyễn Cao Kỳ die Regierungsgewalt übernahm und Dương Văn Minh zum Staatschef erhob.

Vietnamkrieg[Bearbeiten]

Hauptartikel: Vietnamkrieg
Trophäe im Vietnamkriegsmuseum
Bomben-Terror von Viet Cong in Saigon, 1965
Ho-Chi-Minh-Mausoleum in Hanoi

Am 30. Juli 1964 provozierten bzw. fingierten die USA einen Zwischenfall im Golf von Tonkin. Nachdem unter dem bisherigen Präsidenten Kennedy nur sogenannte Militärberater der USA in Vietnam stationiert waren, nahmen die USA diesen Zwischenfall als Grund für eine massive militärische Aufrüstung. Zu dieser Zeit gingen die USA davon aus, dass durch Infiltration nordvietnamesischer, also kommunistischer Kräfte das westlich orientierte Südvietnam umkippen und ebenfalls kommunistisch werden könnte (Domino-Theorie).

Das Ereignis im Golf von Tonkin bildete den Beginn des Vietnamkrieges, der technisch gesehen als Vietnamkonflikt bezeichnet werden muss, da es nie eine offizielle Kriegserklärung gab. Ab 1965 gibt es einen systematischen Luftkrieg der USA gegen Nordvietnam; im Süden operieren US-Bodentruppen. Bis 1968 eskaliert der Krieg, obwohl die USA Nordvietnam militärisch weit überlegen sind. Auf der Seite der Befreiungsbewegung NLF (von den US-Amerikanern als Viet Cong bezeichnet) kämpfen rund 230.000 Partisanen und 50.000 Angehörige der offiziellen nordvietnamesischen Streitkräfte. Ihnen stehen rund 550.000 Amerikaner, ungefähr die gleiche Zahl ARVN-Soldaten, 50.000 Südkoreaner und kleinere Kontingente Verbündeter (darunter auch aus Australien und Neuseeland) gegenüber.

Am 31. Januar 1968 gelingt den Viet Cong in einer Operation ein politisch wichtiger Sieg: In der Tet-Offensive nehmen die kommunistischen Partisanen Südvietnams vorübergehend Teile Saigons und weiterer Städte ein, die gut gesicherte Botschaft der USA in Saigon wird angegriffen. Den Verantwortlichen der USA wurde dadurch klar, dass die Lage nicht in der Art unter Kontrolle war, wie bisher angenommen. Die öffentliche Meinung in den USA, die bisher hauptsächlich für den Krieg war, schwenkte um, als aufgrund freier Presseberichte und Bildreportagen über Kriegsgreuel, Massaker und Napalm-Opfer die wahren Grausamkeiten für jeden Bürger in den USA sichtbar wurden. Die USA beschließen deshalb 1969 die Vietnamisierung des Krieges und den Abzug ihrer Truppen in mehreren Schritten. Die Bombardierungen und Luftangriffe, insbesondere die Verwendung von Entlaubungsmitteln (Agent Orange), dauern jedoch bis 1973 an. Man sagt heute, die USA haben den Krieg vor allem auch in ihrem eigenen Land verloren, da zuletzt selbst hochdekorierte Soldaten gegen den Krieg waren.

Am 3. September 1969 stirbt Hồ Chí Minh, der Präsident Nordvietnams. Am 28. Januar 1973 vereinbaren Henry Kissinger und Lê Đức Thọ, der Nachfolger von Hồ Chí Minh, einen Waffenstillstand. Damit endet die direkte Kriegsbeteiligung der USA, die Waffenlieferungen an Südvietnam gehen jedoch weiter. Die Nordvietnamesen setzen den Kampf gegen Südvietnam fort. Die Volksbefreiungsarmee erzielt fortlaufend Gewinne in Südvietnam. Am 21. April 1975 steht Saigon vor dem Fall, Staatschef Nguyễn Văn Thiệu legt sein Amt nieder, die letzten verbliebenen Vertreter der USA werden evakuiert. Am 30. April wird Saigon eingenommen, Südvietnam kapituliert bedingungslos. Der Vietnamkrieg ist damit zu Ende.

Sozialistische Republik Vietnam[Bearbeiten]

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Am 2. Juli 1976 werden Nord- und Südvietnam unter dem Namen Sozialistische Republik Vietnam wiedervereint. Saigon, die ehemalige Hauptstadt Südvietnams, wird in Ho-Chi-Minh-Stadt umbenannt.

Infolge der Umerziehungsmaßnahmen wurde fast die gesamte Elite Südvietnams in Lagern grausam zu Tode gefoltert. Laut amnesty international werden die Menschenrechte in Vietnam auch langfristig nicht Gültigkeit erlangen. Vietnamesen werden und wurden auch im Ausland observiert und bei zu starker regimekritischer Haltung "ruhiggestellt".

Das infolge des Vietnamkrieges entstandene Terrorregime der Roten Khmer in Kambodscha und vor allem das Ausbreiten von kriegerischen Auseinandersetzungen auf vietnamesisches Gebiet veranlassen Vietnam, in Kambodscha einzumarschieren. Am 7. Januar 1979 erobern vietnamesische Truppen die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh und errichten am folgenden Tag einen von Vietnam abhängigen „Revolutionären Volksrat“ unter Heng Samrin. Die Volksrepublik China, die die Regierung der Roten Khmer unterstützt hatte, provoziert daraufhin entlang der Grenze zu Vietnam bewaffnete Auseinandersetzungen. Nach zu hohen Verlusten auf chinesischer Seite werden die Kämpfe jedoch bald wieder eingestellt. Erst 1989 zieht Vietnam sich aus Kambodscha zurück.

Seit 1986 betreibt die Kommunistische Partei Vietnams (KPV), ähnlich wie China, eine Politik der Transformation zu einer sozialistischen Marktwirtschaft, die sogenannte „Đổi mới" Politik. Die KPV hält aber an ihrem politischen Machtmonopol fest und lehnt ein Mehrparteiensystem ab. Das 14-köpfige Politbüro bestimmt die Richtlinien der Politik. Seit Januar 2011 leitet es Generalsekretär Nguyễn Phú Trọng. Auf dem XI. Parteitag, der vom 11. bis 19. Januar 2011 in Hanoi stattfand, verabschiedeten ca. 1.400 Delegierte den politischen Fünf-Jahres-Plan für den Zeitraum 2011-2016.[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean Chesneaux: Geschichte Vietnams. Rütten & Loening, Berlin (Ost) 1963.
  • Thành Khôi Lê (Autor), Otto Karow (Übersetzer): 3000 Jahre Vietnam. Kindler, München 1969.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tran My-Van; A Vietnamese Royal Exile in Japan; Abingdon 2005; ISBN 0-415-29716-8
  2. Interview mit dem US-amerikanischen OSS-Agenten Colonel Archimedes L. A. Patti vom 1. April 1980 In: Media Library and Archives openvault.wgbh.org
  3. Veröffentlichungen der Offiziellen Webseite der Vietnamesischen Nationalversammlung na.gov.vn
  4. Philip Gavin The Vietnam War - Seeds of Conflict 1945 - 1960 historyplace.com
  5. Gabriel Kolko: Anatomy of a War, S. 68-71.
  6. Jean-Louis Margolin: Vietnam: Die Sackgasse des Kriegskommunismus. In: Stéphane Courtois (Hrsg.): Das Schwarzbuch des Kommunismus, München 1998, S. 634-636
  7. Amos R. Helms: "Der XI. Parteitag der Kommunistischen Partei Vietnams (KPV)" – Länderbericht der Konrad-Adenauer-Stiftung