Giallo
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Der Giallo (von ital. 'gelb', Mehrzahl: Giallos) ist ein spezifisches italienisches Subgenre des Thrillers, das von Mario Bava in den 1960ern begründet wurde und in den 1970ern seinen Höhepunkt hatte. Die Handlung dreht sich zumeist um die Aufdeckung einer Mordserie. In der Inszenierung werden vor allem detaillierte Mordszenen und Spannungsszenen durch stilvolle Kameraführung, Ausstattung und Musik betont.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
Literarisch findet er seine Vorläufer in einer Reihe von Groschenromanen, die sich reißerisch und spekulativ mit üblichen Krimithemen beschäftigten. Deren gelber Einband war das charakteristische äußerliche Erkennungsmerkmal und ihnen verdanken die Romane und Filme auch ihre kategorische Bezeichnung. Als Vorläufer und frühen Einfluss des Giallo gelten die deutschen Edgar-Wallace-Filme, die im nicht-deutschsprachigen Raum auch als „(The) Krimi“ zusammengefasst werden.
Der filmische Giallo wurde maßgeblich durch Mario Bavas Arbeiten The Girl who knew too much und Blutige Seide geprägt. Letzterer bietet bereits den gesamten Katalog an üblichen Motiven, Elementen und ästhetischen Strategien, die zahlreiche weitere Regisseure - darunter am prominentesten: Dario Argento und Sergio Martino - in den folgenden Jahren aufgriffen und fortentwickelten. Ab 1970 erreichte das Genre seinen produktiven Höhepunkt mit einer Vielzahl an Veröffentlichungen, die zum Ende des Jahrzehnts langsam abnahmen.
Der Giallo und insbesondere die Arbeiten von Bava werden als Vorläufer des amerikanischen Slasherfilm gesehen. So bestätigten einige Regisseure wie John Carpenter (Halloween) und Sean S. Cunningham (Freitag der 13.) in Interviews eine direkte Verbindung ihrer Filme mit denen von Bava.
[Bearbeiten] Genremerkmale
Im Mittelpunkt des Plots steht oft ein (häufig maskiert auftretender) Serienmörder, dessen Taten in der Regel im Kontext einer psychosexuellen Pathologie stehen und der unter deutlich ritualisierten oder fetischisierten Vorzeichen (z.B. schwarze Handschuhe, phallische Tatwaffen) mordet. Bei den Opfern handelt es sich häufig um sexuell attraktive, junge Frauen.
Die oft spektakulär inszenierten Morde bilden die eigentliche Attraktion des Films, während kriminologische und investigative Aspekte der Krimihandlung deutlich nachrangig behandelt werden. Hier ergibt sich eine direkte Verbindungslinie zu Hitchcocks Psycho, der den ersten Giallos als maßgebliche Inspiration diente. Allerdings dient vor allem auch dieser Hang zur „Nummernrevue“, zur Aneinandereihung einzelner Mordszenen, den Kritikern des Giallos zum Anlass für Vorwürfe der Gewaltverherrlichung und der Misogynie.
Oft sind die Giallos visuell sehr reizvoll und effizient inszeniert. Einige Arbeiten dürfen zu den großen Klassikern des italienischen Genrekinos gezählt werden. Nahezu jeder prominente italienische Genreregisseur hat sich im Giallo, lange Zeit neben dem Western und dem Horrorfilm eines der populärsten Genres in Italien, geübt.
[Bearbeiten] Filmauswahl
- 1963: The Girl who knew too much (La Ragazza che sapeva troppo)
- 1964: Blutige Seide (Sei donne per l'assassino, Blood and Black Lace)
- 1970: Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe (L' Uccello dalle piume di cristallo, The Bird with the Crystal Plumage)
- 1970: Red Wedding Night (Il Rosso segno della follia, Hatchet for the Honeymoon)
- 1970: Der Killer von Wien (Lo Strano vizio della Signora Wardh)
- 1971: Cold Eyes of Fear (Gli Occhi freddi della paura)
- 1971: Der Schwanz des Skorpions (La Coda dello scorpione, Case of the Scorpion's Tail)
- 1971: Die neunschwänzige Katze (Il gatto a nove code)
- 1972: Don't torture a Duckling (Non si sevizia un paperino)
- 1972: Der schwarze Leib der Tarantel (La Tarantola dal ventre nero, Black Belly of the Tarantula)
- 1972: Your Vice Is a Locked Room and Only I Have the Key (Il Tuo vizio è una stanza chiusa e solo io ne ho la chiave)
- 1973: Torso – Die Säge des Teufels (I Corpi presentano tracce di violenza carnale, Torso)
- 1975: Rosso – Farbe des Todes (Profondo Rosso)
- 1975: Die Nacht der blanken Messer (Nude per l'assassino, Strip Nude for Your Killer )
- 1978: Blutiger Schatten (Solamente nero, The Blood Stained Shadow)
- 1982: Tenebrae (Tenebre)
- 2001: Sleepless (Non ho sonno)
[Bearbeiten] Literatur
- Keßler, Christian: Das wilde Auge. Ein Streifzug durch den italienischen Horrorfilm. Meitingen: Corian-Verlag, 1997. ISBN 3890483119
- Koven, Mikel J.: La Dolce Morte: Vernacular Cinema And the Italian Giallo Film. Scarecrow Press, 2006. ISBN 0810858703
[Bearbeiten] Weblinks
- In drei Artikeln der Filmzeitschrift Splatting Image hat der Filmjournalist Christian Keßler auf humorvolle Weise dem Giallo nachgespürt: 1, 2, 3

