Franco Nero

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Franco Nero (2008)

Franco Nero (* 23. November 1941 in San Prospero bei Modena als Francesco Sparanero) ist ein italienischer Schauspieler, der vor allem für seine Darstellung des Django in Italo-Western Bekanntheit erlangte. Er wirkte zudem in verschiedenen Filmen über die italienische Mafia mit und verkörperte in den 1970er Jahren in zahlreichen Polizeifilmen die Rolle des Staatsanwaltes. Auch ist er einer der wenigen westlichen Schauspieler, die für Filmproduktionen der damals kommunistischen Staaten verpflichtet wurden. In seiner Karriere arbeitete er unter zahlreichen namhaften Regisseuren.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Als Francesco Sparanero wurde der Sohn eines Polizisten in San Prospero geboren, einer kleinen Gemeinde in der Provinz Modena, die zur Region Emilia-Romagna gehört. Seine Kindheit verbrachte er dann in Parma, wo er als Jugendlicher seine Leidenschaft für die Theaterbühne und die Schauspielerei entdeckte.[1] Er organisierte Schulaufführungen und leitete später als Wehrdienstleistender ein Laientheater, ehe er nach Mailand ging, um ein Studium der Wirtschaftswissenschaften zu beginnen, das er als Nachtclubsänger finanzierte, es aber nie beendete.[1] Später arbeitete Sparanero dann als Buchhalter in Mailand, obwohl seine Liebe weiterhin dem Film galt.

Bei einem Besuch der römischen Cinecittà-Studios begegnete er den Regisseuren Carlo Lizzani, Antonio Pietrangeli und John Huston, die ihn in seinen schauspielerischen Ambitionen ermutigten und ihm später erste Filmrollen anboten. Sein Filmdebüt gab er jedoch 1963 in Alfredo Gianettis Film Das ausgeliehene Mädchen (La ragazza in prestito).[2] Seinen Durchbruch schaffte er 1966 in der Rolle des „eiskalten und einsamen Rächers“ Django in Sergio Corbuccis gleichnamigem Film. Seine Darstellung machte ihn international bekannt; unzählige Filmangebote folgten. Mit Sergio Corbucci drehte er noch die Italowestern Mercenario – Der Gefürchtete (Die gefürchteten Zwei) und Zwei Companeros (Lasst uns töten, Companeros). Um dem Genre des Italo-Westerns zu entfliehen und ein anerkannter Schauspieler zu werden, wirkte er in der Folgezeit auch in Science-Fiction-Filmen, Dramen und Komödien mit.

[…] Ich musste eine Entscheidung treffen. Ich konnte ein Star sein und vielleicht viel Geld verdienen, oder ich konnte meine Rollen ständig wechseln und eine interessantere – und längere – Karriere haben.

The Globe and Mail, Toronto: 12. November 1982 [3]

Für seine Verkörperung des Lancelot du Lac in der Kinoversion des Broadway-Musicals Camelot neben seiner späteren langjährigen Lebensgefährtin Vanessa Redgrave erhielt Nero eine Nominierung für den Golden Globe Award als Bester Nachwuchsdarsteller.

In Italien ist er in erster Linie durch Filme über die Mafia von Damiano Damiani bekannt. So spielte Nero in Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert (Confessione di un commissario di polizia al procuratore della repubblica), Das Verfahren ist eingestellt: Vergessen Sie's (Istruttoria è chiusa: dimentichi), Der Tag der Eule / Don Mariano weiß von nichts (Il giorno della civetta) und Der Terror führt Regie / Warum musste Staatsanwalt Traini sterben? (Perché si uccide un magistrato?) mit. In diesen Filmen spielt Nero immer einen Norditaliener, der überrascht wird, wieweit die sizilianische Gesellschaft von der Mafia unterwandert ist. In den Filmen von Pasquale Squitieri Der Denunziant (Il Pentito) und Die Rache der Camorra / Gesetz der Gesetzlosen (I Guappi) wird diese Problematik auch behandelt.

Als seinen Lieblingsregisseur bezeichnete er vielfach Enzo G. Castellari, mit dem er die Filme Ein Bürger setzt sich zur Wehr (Il Cittadino si ribella), Die Rückkehr der Cobra (Il giorno del cobra), Dschungel Django, Keoma und den hochgelobten Tote Zeugen singen nicht (La polizia incrimina, la legge assolve!) gedreht hat.

Bekanntheit erlangte er auch durch die filmische Erschießung von Mussolini in dem Film Mussolini – Die letzten Tage von Carlo Lizzani sowie dem Mitwirken in Lucio Fulcis Verfilmung des Jack London Romans Wolfsblut. Neben seiner Rolle als sadistischer Offizier in Marco Bellocchios Militärdrama Triumphmarsch – Il capitano der Sadist (La marche triomphale) sind Neros Zusammenarbeiten mit Rainer Werner Fassbinder in Querelle – Ein Pakt mit dem Teufel und Kamikaze 1989 von besonderem Interesse. An der Seite von Catherine Deneuve spielte Nero in dem oscarprämierten Luis Buñuels Film Tristana.

Nero gehört zu den wenigen Schauspielern aus einem westlichen Land, die in den verschiedensten Prestige-Filmprojekten ehemaliger kommunistischer Länder mitspielen konnten. So spielte Nero in den Filmen von Sergei Bondartschuk Mexiko in Flammen und 10 Tage, die die Welt erschütterten und in dem serbischen Nationalepos Der schwarze Falke den Held Banović Strahinja. Beachtung fanden zudem seine Rollen als Terrorist bei den Olympischen Spielen 1972 in München in dem Film Die 21 Stunden von München, wie auch die Rolle als sadistischer Ehemann in dem Drama Wenn du krepierst, lebe ich (Autostop rosso sangue), die bis heute zahlreiche US-amerikanische Filmproduktionen beeinflusste.

Von 1967 bis 1972 war Nero mit der britischen Schauspielerin Vanessa Redgrave liiert, seit Dezember 2006 sind sie verheiratet. Sie haben einen gemeinsamen Sohn, Carlo Gabriel Nero.[4]

Nero hat mit dem italienischen Sänger Roby Vandalo 1991 den Titel Insciallah – Peace in the World für Unicef aufgenommen. Der jamaikanische Reggae-Produzent Joe Gibbs hat einen Titel mit dem Namen „Franco Nero“ eingespielt.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Kinofilme
  • 1962: Pelle viva – Regie: Giuseppe Fina
  • 1963: Maskenball bei Scotland Yard – Regie: Domenico Paolella
  • 1963: Das ausgeliehene Mädchen (La ragazza in prestito) – Regie: Alfredo Gianetti
  • 1964: La Celestina P… R… – Regie: Carlo Lizzani
  • 1965: Ich habe sie gut gekannt (Io la conoscevo bene) – Regie: Antonio Pietrangeli
  • 1965: Die Bibel (The Bible: In the Beginning…)
  • 1965: Tödliche Nebel (I diafanoidi vengono da Marte) – Regie: Antonio Margheriti
  • 1965: Raumschiff Alpha – Der Planet der Verdammten (I Criminali della galassia) – Regie: Antonio Margheriti
  • 1965: Die Trampler (Gli Uomini dal passo pesante) – Regie: Albert Band
  • 1966: Das dritte Auge (Il terzo occhio)
  • 1966: Django (Django)
  • 1966: Django – Sein Gesangbuch war der Colt (Tempo di massacro)
  • 1966: Django, der Rächer (Texas, addio)
  • 1966: Ich heiße John Harris (Tecnica di un Omicidio) – Regie: Franco Prosperi
  • 1967: Camelot – Am Hofe König Arthurs (Camelot)
  • 1967: Mit Django kam der Tod (L'uomo, l'orgoglio, la vendetta)
  • 1968: Die gefürchteten Zwei (Il mercenario) vormals unter: (Mercenario - der Gefürchtete)
  • 1968: Der Tag der Eule (Il giorno della civetta)
  • 1968: Die Mafia-Story (Sequestro di persona) – Regie: Gianfranco Mingozzi
  • 1969: Die Schlacht an der Neretva (Bitka na Neretvi)
  • 1969: Die Klette (Un detective) – Regie: Romolo Guerrieri
  • 1969: Das verfluchte Haus (Un tranquillo posto di campagna) – Regie: Elio Petri
  • 1969: Gott mit uns – Regie: Giuliano Montaldo
  • 1970: Das Mädchen und der Zigeuner (The Virgin and the Gypsy) – Regie: Christopher Miles
  • 1970: Tristana (Tristana)
  • 1970: Zwei Companeros (¡Vamos a matar, compañeros!)
  • 1971: Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert (Confessione di un commissario di polizia al procuratore della repubblica) – Regie: Damiano Damiani
  • 1971: Das Verfahren ist eingestellt: Vergessen Sie's (L'Istruttoria è chiusa: dimentichi) – Regie: Damiano Damiani
  • 1971: Ein schwarzer Tag für den Widder (Giornata nera per l'ariete) – Regie: Luigi Bazzoni
  • 1971: Zwei wilde Companeros (Viva la muerte… tua!)
  • 1972: Das Lied von Mord und Totschlag (Los Amigos)
  • 1972: Der Mönch und die Frauen (Le Moine) – Regie: Adonis Kyrou
  • 1972: Papst Johanna (Pope Joan) – Regie: Michael Anderson
  • 1973: Blutrausch (Squadra volante uccideteli… senza ragione)
  • 1973: Wolfsblut (Zanna bianca) – Regie: Lucio Fulci
  • 1973: Tote Zeugen singen nicht (La polizia incrimina la legge assolve)
  • 1973: Die Rache der Camorra (I Guappi) – Regie: Pasquale Squitieri
  • 1973: Die Ermordung Matteottis (Il Delitto Matteotti) – Regie: Florestano Vancini
  • 1974: Die Teufelsschlucht der wilden Wölfe (Il Ritorno di Zanna Bianca)
  • 1974: Mussolini – Die letzten Tage (Mussolini: Ultimo atto)
  • 1974: Warum musste Staatsanwalt Traini sterben (Perché si uccide un Magistrato?) – Regie: Damiano Damiani
  • 1974: Ein Bürger setzt sich zur Wehr (Il cittadino si ribella) – Regie: Enzo G. Castellari
  • 1975: Eine ehrenwerte Gesellschaft (Gente di rispetto) – Regie: Luigi Zampa
  • 1975: Zwiebel-Jack räumt auf (Cipolla colt)
  • 1976: Keoma (Keoma)
  • 1976: Die Schuldigen mit den sauberen Händen (Les Magiciens) – Regie: Claude Chabrol
  • 1976: Triumphmarsch (Marcia trionfale) – Regie: Marco Bellocchio
  • 1977: Sahara Cross – Duell in der Wüste (Sahara Cross) – Regie: Tonino Valerii
  • 1977: Wenn du krepierst, lebe ich! (Autostop rosso sangue) – Regie: Pasquale Festa Campanile
  • 1978: Der wilde Haufen von Navarone (Force 10 from Navarone)
  • 1979: Die Außerirdischen (The Visitor) – Regie: Giulio Paradisi
  • 1979: Dschungel-Django () – Regie: Enzo G. Castellari
  • 1979: Rosen von Danzig (Le rose di Danzica) (Erst Kinofilm, dann als TV-Miniserie)
  • 1980: Tag der Kobra (Il giorno del Cobra) – Regie: Enzo G. Castellari
  • 1980: Der Bandit mit den schwarz-blauen Augen (Il bandito dagli occhi azzurri)
  • 1980: Der Mann mit Bogarts Gesicht (The Man with Bogart's Face) – Regie: Robert Day
  • 1981: Ninja, die Killer-Maschine (Enter the Ninja) – Regie: Menahem Golan
  • 1981: Kennwort: Salamander (The Salamander) – Regie: Peter Zinner
  • 1981: Der Falke (Banovic Strahinja) – Regie: Vatroslav Mimica
  • 1982: Querelle – Ein Pakt mit dem Teufel
  • 1982: Mexico in Flammen (Krasnye kolokola) – Regie: Sergei Bondartschuk
  • 1982: 10 Tage, die die Welt erschütterten (Krasnye kolokola II) – Regie: Sergei Bondarchuk
  • 1983: Krasnye kolokola, film vtoroy – Ya videl rozhdenie novogo mira
  • 1984: André schafft sie alle – Regie: Peter Fratzscher
  • 1985: Der Denunziant (Il Pentito) – Regie: Pasquale Squitieri
  • 1986: The Girl – Ein gefährliches Mädchen (The Girl) – Regie: Arne Mattsson
  • 1986: Entscheidung in Cartagena (Tre giorni ai tropici) – Regie: Tommaso Dazzi
  • 1986: Geliebtes Land (Sweet Country) – Regie: Michael Cacoyannis
  • 1987: Djangos Rückkehr (Django 2: il grande ritorno)
  • 1988: Run for your Life – Seine Rache kennt keine Grenze (Run for Your Life) – Regie: Terence Young
  • 1988: Top Line - Das Geheimnis des Azteken-Berges (Top Line) – Regie: Nello Rossati
  • 1989: Magdalene – Regie: Monica Teuber
  • 1990: Stirb langsam 2 (Die Hard 2: Die Harder)
  • 1991: Bei Berührung Lebensgefahr (Touch and Die) – Regie: Piernico Solinas
  • 1992: Crimson Dawn
  • 1992: From Time to Time
  • 1992: Zoloto
  • 1993: Der Fall Lucona – Regie: Jack Gold
  • 1993: Die Rache des weißen Indianers (Jonathan degli orsi)
  • 1994: Nemici intimi
  • 1995: Delphin Girl (The Dolphin Girl) – Regie: Filippo De Luigi
  • 1996: Honfoglalás – Heimeroberung
  • 1996: Der Schlaf der Gerechtigkeit (The Innocent Sleep) – Regie: Scott Michell
  • 1996: Cue Master – Der Todesstoß (Il Tocco: la sfida) – Regie: Enrico Coletti
  • 1996: Die Rückkehr des Sandokan- Regie: Enzo G. Castellari
  • 1997: La medaglia
  • 1997: Il tocco: la sfida
  • 1998: Gianni Versace – Der Mord (The Versace murder) – Regie: Menahem Golan
  • 1998: Talk of Angels
  • 1999: Brigands
  • 1999: Uninvited
  • 2000: Kreuzritter 3 – Die Krone des Königs (Sacra Corona) – Regie: Gábor Koltay
  • 2000: Mirka
  • 2000: Winds of Passion
  • 2001. Chimera
  • 2001: Sacra Corona
  • 2001: Meggido – Das Ende der Welt (Megiddo: Omega Code 2)- Regie: Brian Trenchard-Smith
  • 2002: Ultimo stadio
  • 2002: White Smoke
  • 2002: L’ultimo pistolero
  • 2003: Cattive inclinazioni
  • 2004: Post coitum
  • 2004: Guardiani delle nuvole
  • 2005: Forever Blues
  • 2006: Hans
  • 2006: Amore e libertà – Masaniello
  • 2007: Bathory
  • 2007: Mineurs
  • 2007: Two Families
  • 2008: Ti stramo
  • 2008: La rabbia
  • 2008: Bastardi
  • 2008: Una storia di lupi
  • 2008: Márió, a varázsló
  • 2009: Mord ist mein Geschäft, Liebling
  • 2009: Lullaby
  • 2010: Prigioniero di un segreto
  • 2010: Briefe an Julia (Letters to Juliet)
  • 2010: Rasputin
  • 2011: Cars 2 (Originalstimme von Onkel Topolino)
  • 2012: Django Unchained
Fernsehproduktionen

Diskografie[Bearbeiten]

  • 1985: Cambierà mit seinem Sohn Carlo Sparanero
  • 1991: Insciallah – Peace in the World mit Roby Vandalo für Unicef

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b mdr.de, 3. April 2003
  2. prisma-online.de
  3. Franco Nero. In: IMDb. Abgerufen am 23. September 2010 (englisch): „Original: […] I had to make a choice. I could be a star and maybe make lots of money, or I could change roles all the time and have a more interesting – and longer – career.
  4. moz.de, 22. November 2006