Grabs

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Grabs (Begriffsklärung) aufgeführt.
Grabs
Wappen von Grabs
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Kanton St. Gallen (SG)
Wahlkreis: Werdenbergw
BFS-Nr.: 3273i1f3f4
Postleitzahl: 9472 Grabs
9470 Werdenberg
UN/LOCODE: CH WDB (Werdenberg)
Koordinaten: 752439 / 22777347.1833279.450007465Koordinaten: 47° 11′ 0″ N, 9° 27′ 0″ O; CH1903: 752439 / 227773
Höhe: 465 m ü. M.
Fläche: 54.64 km²
Einwohner: 6943 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 127 Einw. pro km²
Website: www.grabs.ch
Grabs

Grabs

Karte
Seealpsee (Appenzeller Alpen) Sämtisersee Fälensee Schwendisee Voralpsee Chapfensee Walensee Liechtenstein Österreich Kanton Appenzell Innerrhoden Kanton Graubünden Wahlkreis Rheintal Wahlkreis Sarganserland Wahlkreis Toggenburg Buchs SG Gams SG Grabs Sennwald Sevelen SG WartauKarte von Grabs
Über dieses Bild
w

Grabs ist eine politische Gemeinde des Kantons St. Gallen im Alpenrheintal.

Geographie[Bearbeiten]

Grabs liegt im Rheintal zwischen Buchs im Süden und Gams im Norden. Es berührt im Westen die Toggenburger Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann, im Süden die Gemeinde Sevelen, sowie im Südwesten die Gemeinde Walenstadt. Zur Gemeinde Grabs gehören die ausgedehnten Streusiedlungen am Grabserberg und am Studnerberg sowie auch das Städtchen Werdenberg.

Zur Gemeinde gehören ausgedehnte Alpen sowie grosse Waldgebiete – die Ortsgemeinde Grabs ist die grösste Waldbesitzerin im Kanton St. Gallen. Eingebettet zwischen den Bergen liegt auf Gemeindegebiet in 1'123 m ü. M. Höhe der Voralpsee.

Grabs gehört zum Wahlkreis Werdenberg und ist flächenmässig mit 54.64 km² grösser als der Kanton Basel-Stadt. Die Gemeinde hat einen grossen Anteil an den Voralpen. Die Berge gehören zur Alviergruppe (höchster Berg: Gamsberg 2'385 m ü. M.) sowie zu den Churfirsten (höchster Berg: Hinterrugg 2'306 m ü. M.). Die Höhenlage reicht von 443 m ü. M. beim Ochsensand bis hinauf auf den 2'384 m ü. M. hohen Gamsberg.

Berge
Name Höhe Gebirgsgruppe Bemerkung
Gamsberg 2'384,8 m ü. M. Alviergruppe
Sichelchamm 2'269 m ü. M. Alviergruppe
Margelchopf 2'163 m ü. M. Alviergruppe
Chli Fulfirst 2'372 m ü. M. Alviergruppe
Glannachopf 2'233 m ü. M. Alviergruppe
Isisizer Rosswis 2'334 m ü. M. Alviergruppe
Sichli 2'321 m ü. M. Alviergruppe
Schiffberg 2'195 m ü. M. Alviergruppe
Rotstein 2'225 m ü. M. Alviergruppe
Schlösslichopf 1'806 m ü. M. Alviergruppe
Höchst 2'024,7 m ü. M. Alviergruppe
Förenchopf 1'813 m ü. M. Alviergruppe
Tristencholben 2'160 m ü. M. Churfirsten
Gamserrugg 2'076 m ü. M. Churfirsten durch ein Skilift des Skigebiets Wildhaus-Unterwasser-Alt St. Johann erschlossen

Geschichte[Bearbeiten]

Churrätien im Frühmittelalter
Die Kantone Linth und Säntis der Helvetischen Republik, 1798

Die Geschichte von Grabs geht auf die römische Zeit zurück. Damals standen auf dem Gebiet der Gemeinde Grabs zwei römische Türme, so genannte "Kastelle", die zur Sicherung der linksrheinischen Römerstrasse von Sargans nach Gams gebaut wurden.

Ein Kastell stand am unteren Teil des Grabserberges und das zweite unterhalb des Margelchopfs über dem Obergatter. Beide Orte heissen heute "Gästelen". Durch die Eroberung des Rheintals wurde die ansässige Urbevölkerung romanisiert, das Volk der Rätoromanen entstand. Noch heute weisen viele Orts- und Flurnamen auf die Besiedlung durch die romanischen Bevölkerung hin, wie z.B. "Valspus" und sogar Grabs selbst, das aus dem Wort "Quadravedes", "Quaradaves", "Quadrabitis" (9. Jahrhundert) und "Grabdis" (1235) entstanden ist, was so viel bedeutet wie "Ende/Anfang eines starken Baches".

Churrätien ist ab dem Frühmittelalter bis in die frühe Neuzeit eine Bezeichnung für den Teil der spätrömischen Provinz Raetia prima, zu der auch das Gebiet der Gemeinde Grabs gehörte. In der Zeit der Völkerwanderung blieb im Bereich Churrätiens die romanische Kultur noch einige Jahrhunderte und teilweise bis heute erhalten.

Von Norden drängen die Alemannen rheinaufwärts, nur der Hirschensprung (der enge Durchgang zwischen dem Alpstein und dem Rhein) stoppte den Ansturm zeitweise, aber auch er war kein unüberwindbares Hindernis. Schon im 8. Jahrhundert gab es Alemannen unter der rätischen Bevölkerung. Der Prozess der Bevölkerungsumschichtung beschleunigte sich, als die Grafen von Werdenberg das Gebiet beherrschten. Mit dem Niedergang des Geschlechts 1484 kam Werdenberg 1517 nach Kurzherrschaften verschiedener Herren als Landvogtei an Glarus.

Diese Herrschaft dauerte bis zum Einmarsch der Franzosen 1798. Von da an bis 1803 war Grabs ein Bestandteil des Distrikts Werdenberg im neu gegründeten Kanton Linth. Der Kanton Linth bestand aus dem ehemaligen eidgenössischen Ort Glarus und seinem Untertanengebiet Werdenberg, ehemaligen Untertanengebieten des Ortes Schwyz (Höfe, March, Einsiedeln) und des Ortes Zürich (Sax), den ehemaligen gemeinen Herrschaften Uznach, Gaster, Sargans und der Stadt Rapperswil sowie dem Obertoggenburg, das zuvor zur Fürstabtei St. Gallen gehört hatte.

Der Kanton Linth wurde durch die Mediationsakte Napoleons von 1803, mit der die Schweiz eine neue Verfassung erhielt, wieder aufgelöst. Sein Gebiet wurde auf die neuen Kantone 'Schwyz (Höfe, March, Einsiedeln), Glarus und St. Gallen (Rapperswil, Uznach, Gaster, Sargans, Werdenberg mit Grabs, Sax, Obertoggenburg) aufgeteilt.

Grabserberg
Schloss und Städtchen Werdenberg im Hintergrund die Kreuzberge

Werdenberg[Bearbeiten]

Hauptartikel: Werdenberg (Ort)

Werdenberg ist eine Ortschaft mit historischem Stadtrecht. Das Städtchen Werdenberg gehört zur Gemeinde Grabs und liegt 0.5 km westlich von Buchs (SG) am kleinen Werdenbergersee.

M.L. In der Grafschaft Werdenberg gab es zwei uralte Korporationen, die, weil sie ihren ursprünglichen Zweck seit über 150 Jahren verloren hatten, im Jahr 2010 aufgelöst wurden:

Die Burger und Stürer.

Die ursprünglichen Werdenberger-Burger haben keinen Zusammenhang mit den Werdenberger Ortsgemeinden. Als die Grafen im 13.Jahrhundert Burg und Schloss Werdenberg erstellten, brachten sie wohl auch Gefolgsleute mit. Diese bauten an- und innerhalb der Stadtmauern ihre Häuser, daher die Bezeichnung 'Burger'. Sie hatten von der Herrschaft verordnete Pflichten, wie zum Beispiel die Bewachung von Stadt und Burg, und als Gegenleistung waren sie von den meisten Abgaben die andere Untertanen erbringen mussten, befreit. Burger konnte sich während Jahrhunderten nur nennen, wer innerhalb der Stadtmauer wohnhaft ("haushablich")war. Da die Landesherren damals nur selten in Werdenberg ansässig waren, organisierten sich die Burger in einer Korporation, sie erfreuten sich für damalige Verhältnisse grosser Freiheiten, sie konnten den Stadtammann und weitere wichtige Ämter aus ihren Reihen ernennen und bauten um 1478 sogar ihr eigenes Rathaus im Städtli beim Obern Tor (heute Eigentum des Kantons St.Gallen und hat während rund 200 Jahren als Schulhaus gedient). Weiter gehörte ihnen die einzige Metzg in der Grafschaft, mehrere Waldungen und Wiesen, sowie das Mühlenrecht.

Im Laufe der Zeit vermehrten sich die Burger und konnten nicht mehr alle innerhalb der Stadtmauer wohnen. Diejenigen die sich ausserhalb niederliessen, wurden nun "Usburger" und die innerhalb "Inburger" genannt. "Usburger" hatten nicht mehr die gleichen Rechte wie die "Inburger", genossen aber im Vergleich mit den gewöhnlichen Untertanen (Leibeigene) immer noch viele Privilegien. "Usburger" liessen sich in der ganzen Grafschaft (den Kilch- oder Genossengemeinden Grabs, Buchs und Sevelen) nieder und hatten alle die gleichen Rechte. Die damaligen "Inburger" und "Usburger" schlossen sich später wieder alle als "Burgerkorporation der Grafschaft Werdenber" zusammen. Erst im Jahr 1818 teilten sich die Burgergenossen und ihr Eigentum auf die drei Gemeinden Grabs, Buchs und Sevelen auf, und bestanden alle selbstständig bis weit ins 20.Jahrhundert. Die ursprünglichen Burger Geschlechter sind nicht bekannt. Die älteste schriftliche Nennung eines Hausbesitzers, wohl im Städtli,stammt aus dem Jahr 1294: "...ze Werdenberg in Ulrichs Hus des Litscher..." findet in Anwesenheit des Grafen Hugo von Werdenberg ein Schiedsspruch statt. Dass dieser Ulrich Litscher - das Geschlecht gibt es immer noch - ein Burger war, ist anzunehmen aber nicht gesichert. 1303 erscheint ein "Litscher von Werdenberg" der in Lüchingen einen Hof und Weingärten vom Kloster St.Gallen zu Lehen hatte. Ein "Johannes Litscher" erscheint 1349 als Burger der Stadt Feldkirch, und ein "Joseph Litscher" verkaufte 1425 in Folge Auswanderung einen Edelsitz in Vaduz. Im Laufe der Jahrhunderte erscheinen und verschwinden Dutzende Geschlechter. Durch Heiraten, Einkauf kamen neue Namen und mangels Nachkommen starben viele aus. Die zum Beispiel in Grabs bis etwa 1990 bekannten gültigen Burger-Geschlechter waren keineswegs seit den Anfängen dieselben.

Die "Stürer" haben sich gemäss ältesten schriftlichen Belegen, wohl im 15.Jahrhundert ebenfalls als Korporation organisiert. Die "Stürsgnoßen" setzten sich aus den sogenannten "Landlüten" zusammen, Einheimische aus allen drei Grafschaftsgemeinden, die von keinen Abgaben an die Obrigkeit befreit waren. Man nimmt an, dass die Bezeichnung "Stürer" nichts im Sinne der heutigen Steuern zu tun hat, sondern den Begriff von 'zusammensteuern' umschreibt. Die "Stürer" führten - wie die "Burger" - eine gemeinsame Kasse aus der sie - ebenfalls wie die "Burger" - ihren Mitgenossen vorwiegend Liegenschaften gegen Zins belehnten und die Zinsen wieder an alle, auch die mittellosen Genossen, auszahlten. Dies wurde von beiden Korporationen bis weit ins 19.Jahrhundert so gehandhabt, bis die Belehnungen mit der Zeit gänzlich durch die Banken übernommen wurden. Gespiesen wurden die Kassen nebst den Zinseinnahmen auch aus sogenannten "Abzügen" und "Einkäufen", das waren Gelder die jemand der sich in der Grafschaft niederliess - oder auch abzog. Um diese und andere Einnahmen kam es zwischen den beiden Korporationen oft zu Streit und Prozessen. Betreffend der Stürer-Geschlechter gilt dasselbe wie bei den Burger-Geschlechter. Sie haben sich im Laufe der Jahrhunderte ständig wieder geändert.

Weder "Burger" noch "Stürer" konnten die sogenannten "Hindersäß" (eingewanderte Geschlechter)werden, ausser, auch dies kam vor, wenn jemand das nötige Geld für einen "Einkauf" hatte, was aber sehr teuer war. Einen Sonderstatus genossen die "freien Walser". Da sie ursprünglich weit ab der Siedlungen, Wiesen und Allmenden in hohen, meist unwirtlichen Gebieten lebten, waren sie von allen Abgaben befreit. Als sie allmählich auch in tiefere Lagen drängten und ebenfalls an den allgemeinen Einrichtungen und Allmenden teilhaben wollten, führte auch dies während Jahren immer wieder zu viel Streit und Prozessen.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung:

In Silber natürlicher Mann, mit grünem Laub gekrönt und umgürtet. In der Rechten eine natürliche Holzkeule, in der Linken eine ausgerissene Tanne haltend

Das offizielle Hoheitszeichen der Gemeinde Grabs ist am 26. Juni 1938 beschlossen worden. J. Schläpfer schrieb 1834 über ein diesbezügliches Glasgemälde an einem Fenster vom Schloss Werdenberg: "Nr. 30. Kleine runde Glasscheibe. Ein gelbes Wappenschild mit einem wilden Mann, eine Tanne haltend. Umschrift: A° Domini 1559. NB. Ist aus der Kirche zu Grabs, wahrscheinlich das Wappen dieser Gemeinde."

Das Wappen kann verschieden gedeutet werden; "Tanne" = steht vermutlich für das grosse Waldvorkommen in der Gemeinde. "Wilder Man" = könnte vom früheren Glauben der Menschen herkommen, dass wilde Gestalten die dichten Wälder bevölkerten.

Die Gemeinde Grabs, die 1803 aus den Orten Grabs, der Stadt Werdenberg, Grabserberg und Studen gegründet wurde, besass kein eigenes Wappen. Einzig Werdenberg führte ein eigenes Wappen, "in Silber ein schwarzer Pfau". Erst nach der Jahrhundertwende legte sich Grabs ein Wappen zu.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Gesundheitswesen[Bearbeiten]

Neben dem kantonalen Spital gibt es in Grabs das Regionale Pflegeheim Werdenberg sowie das Betagtenheim "Stütlihus".

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1816 1850 1900 1950 2000 2010 2012
Einwohner 2'354 3'272 4'411 4'516 6'297 6'842 7'074[2]
Bevölkerungsgruppen (Stand 31. Januar 2013)[3]
Einwohner Total 7'078
davon Grabser Bürger 2'396
Niedergelassene 3'324
Wochenaufenthalter 96
Ausländer 1'267

Wirtschaft[Bearbeiten]

Das grösste Unternehmen in Grabs ist nach dem Kant. Spital der international tätige Etiketten- und Etikettiermaschinenhersteller Pago.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Göldi: Grabs im Historischen Lexikon der Schweiz.
  • Oskar Peter: Grabs. Eine Ortschaft des St. Galler Rheintales. In: E. Winkler (Hrsg.): Das Schweizer Dorf. Beiträge zur Erkenntnis seines Wesens. Zürich und Berlin 1941, S. 175–198.
  • Peter Hasler, This Isler: Grabser Heimatkunde. 50 Fragen – 50 Antworten. Geografie, Geschichte, Brauchtum. Bradford AG, 1990.
  • Hans Stricker: Das Urbar der Gemeinde Grabs 1691. Buchs 1991.
  • Giorgio von Arb, Hans Stricker: Leute am Grabserberg. [Fotoband]. Buchs-Druck und Verlag, Buchs SG 1988, ISBN 3-905222-40-X; 2. Auflage 1989.
  • Giorgio von Arb, Robert Kruker, Hans Stricker: Leute am Grabserberg, zwanzig Jahre danach. [Fotoband]. Verlag Neue Zürcher Zeitung. Zürich 2007, ISBN 978-3-03823-303-9 (= NZZ Libro).
  • Hans Stricker: Die romanischen Orts- und Flurnamen von Grabs. Juris, Zürich 1974, ISBN 3-260-03704-7 (Zugleich Dissertation an der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich); 2. Aufl. Chur 1981 als St. Galler Namenbuch (= Romanistische Reihe, Band 1).
  • Hans Eggenberger, Ruedi Schäpper: Grabser Brögge. Ausdrücke in Mundart. R. Schäpper, Evilard 2003, ISBN 978-3-905501-69-8.
  • Mathäus Lippuner: Grabser Alpen. Alle Alpgebäude: Zeichnungen von Hans Eggenberger, Beschrieb Mathäus Lippuner, Buchsdruck, Buchs SG. 2004.
  • Schläpfer, J.: Beschreibung alter Glasgemälde, welche an den Fenstern des Schlosses zu Werdenberg vorhanden sind. Nro 30. Trogen 1834.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Grabs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. 2013_01_Website2.pdf (application/pdf Object). In: grabs.ch. Abgerufen am 15. Februar 2013 (PDF; 8,3 MB).
  3. Grabser Blatt, Ausgabe 2013/2 (PDF; 4,7 MB)