Greensleeves

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Dieser Artikel behandelt die englische Volkslied-Melodie. Zu anderen Bedeutungen siehe Greensleeves (Begriffsklärung).
Melodie von Greensleeves
(Infos zur Audiodatei)

Greensleeves (engl. für „grüne Ärmel“, sinngemäß „Grünkleid“) ist eine englische Volkslied-Melodie. Sie beruht auf der musikalischen Grundform der Romanesca. Der genaue Adressat des Liedes ist unbekannt; ursprünglich muss es einem Mädchen oder einer Frau mit grünem Kleid gewidmet worden sein. Zum Gegenstand hat es die im Streit zerbrochene Liebe zwischen Erzähler und „Lady Greensleeves“; vielleicht hat es deshalb einen so melancholisch anmutenden Charakter.

Geschichte[Bearbeiten]

Eine viel zitierte Legende behauptet, sie sei von König Heinrich VIII. (1491–1547) für seine zweite Frau Anne Boleyn komponiert worden. Heinrich kommt jedoch als Komponist nicht in Frage, da das Lied in einem italienischen Stil komponiert ist, der sich in England erst nach seinem Tod verbreitete.[1]

Wahrscheinlich kursierte sie, wie die meiste volkstümliche Musik ihrer Zeit, in Form von handschriftlichen Blättern, lange bevor sie gedruckt erschien. 1580 wurde sie bei der London Stationer’s Company unter dem Titel A New Northern Dittye of the Lady Greene Sleeves (Ein neues nördliches Lied über Lady Greensleeves) verzeichnet. Von diesem Druck blieb keine bekannte Kopie erhalten. In der erhalten gebliebenen Sammlung A Handful of Pleasant Delights (Eine Handvoll vergnüglicher Freuden) von 1584 ist das Stück unter dem Titel A New Courtly Sonnet of the Lady Green Sleeves. To the new tune of Green Sleeves (Ein neues höfisches Sonett über Lady Greensleeves. Zu der neuen Melodie von Green Sleeves) enthalten.

My Lady Greensleeves von Dante Gabriel Rossetti, 1864

In Shakespeares um 1602 entstandenem Bühnenstück Die lustigen Weiber von Windsor wird die Rolle der Mistress Ford zweimal, ohne Erklärung, auf die Melodie von Greensleeves bezogen. Das bekannteste Zitat stammt ebenfalls aus obigem Stück, nämlich Falstaffs Ruf:

„Let the sky rain potatoes! Let it thunder to the tune of Greensleeves!“

„Soll der Himmel Kartoffeln regnen! Soll es die Melodie von Greensleeves donnern!“

All diese Zitate deuten darauf hin, dass das Lied zu dieser Zeit sehr bekannt war.

Nachahmungen und Variationen[Bearbeiten]

Greensleeves hat eine große Zahl von Nachahmungen und Variationen hervorgebracht.

In Ferruccio Busonis Oper Turandot (Uraufführung 1917) singt ein Frauenchor nach der Lösung der Rätsel zu Beginn des 2. Aktes die Melodie von Greensleeves.

Die meisten Gesangsinterpretationen des Stücks gehen auf die britischen Komponisten Ralph Vaughan Williams (1872–1958) und Ralph Greaves zurück. Der italienische Orchesterleiter Mantovani hatte mit seiner Einspielung des Titels einen derart großen Erfolg, dass er voller Begeisterung seinen Wohnsitz nach dem Titel benannte.

  • In Vaughan Williams’ Oper Sir John in Love (1935) kommt eine Fantasie über Greensleeves vor, die Greaves bearbeitete.
  • In John Gays und Johann Christoph Pepuschs The Beggar’s Opera wird Greensleeves im Lied Tyburn Tree aufgenommen, das Macheath unter dem Galgen singt.
  • Das englische Weihnachtslied What Child is This? von William Chatterton Dix (1837–1865) folgt der Melodie von Greensleeves. Hiervon gibt es eine Version der Moody Blues und von Joan Baez. Unter dem Titel Bébé Dieu fand das Lied seinen Weg in die französische Sprache. Von Jochen Rieger gibt es eine deutsche Version unter dem Titel Wer ist das Kind.
  • Die Melodie wird mit einem anderen Text (Home in the Meadow) als Thema in dem Cinerama-Film „Das war der Wilde Westen“ (How the West was won, 1962) verwendet. Auch in der Zeichentrickserie Charlie Brown (A Charlie Brown Christmas), der Fernsehserie Jericho und unter dem Dirigat von Miklós Rózsa, Laurie Johnson, John Williams, Peter Thomas oder Ennio Morricone gibt es Einspielungen des Titels mit der Verwendung in Filmen.
  • Drafi Deutscher veröffentlichte 1965 eine eingedeutschte Fassung auf seinem ersten Album. Der Titel dieser Fassung lautete: Denn da waren wir beide noch Kinder.
  • Von den Lords gibt es eine am 19. März 1966 erschienene Betaversion.
  • Vicky Leandros sang die Melodie 1966 mit einem neuen Text unter dem Titel Young Love auf ihrem ersten Album Songs und Folklore.
  • Jeff Beck veröffentlichte 1968 eine Instrumentalversion auf dem Album Truth.
  • John Coltrane nahm eine Jazz-Version des Stückes für das Album Africa/Brass auf.
  • Leonard Cohen veröffentlichte auf seinem 1974 erschienenen Album New Skin for the Old Ceremony eine Version des Stückes mit dem Titel Leaving Green Sleeves.
  • Es existiert eine Fassung von The Band.
  • Jethro Tull nahmen das Lied ebenfalls auf.
  • Marianne Faithfull veröffentlichte 1964 ihre Version auf der B-Seite ihrer Debütsingle As Tears Go By.
  • George Martin verwendete 1967 die Melodie im von ihm gestaltetem Schlussteil der Beatles-Single All You Need Is Love.
  • Eine Punkrock-Version erschien 1982 auf dem Slime-Album Yankees raus!
  • Loreena McKennitt veröffentlichte 1991 auf ihrem Album The Visit eine Version von Greensleeves.
  • Roy Black sang das Stück auf dem Album Im Land der Lieder von 1970.
  • Freddy Quinn sang das Stück auf Deutsch mit dem Titel Zeit kennt keine Wiederkehr auf dem Album Überall ist es schön von 1973.
  • Hildegard Knef und Bernd Stelter paraphrasierten das Lied mit jeweils eigenem Text.
  • Es existiert eine Hardrock-Fassung der Band Rainbow. Jahre später nahm Ritchie Blackmore dieses Lied auch in das Repertoire seiner heute noch bestehenden Band Blackmore’s Night auf.
  • Richard Anthony sang 1962 unter dem Titel "Loin" (weit weg) eine französische Version.
  • Von Ritchie Blackmore gibt es einen Rocksong mit eigenem Text auf dem ersten Album von Rainbow 1975 mit dem Song 16th century greensleeves.
  • 2010 komponierte Sergio Drabkin, Arrangeur des Rastrelli Cello Quartett, Variationen über das Thema Greensleeves für Joel Blido, Violoncello, und Louise Engel, Violoncello. Die Variationen sind in verschiedenen Stilen gehalten (Klassik, Jazz, Rock etc.)
  • Nolwenn Leroy veröffentlichte 2010 auf ihrem Album Bretonne eine Version von Greensleeves.

Text[Bearbeiten]

Die traditionellen Verse von Greensleeves handeln vom Wehklagen eines Liebenden. Es gibt viele Textvariationen, die sich oft nur durch die Silbendichte unterscheiden. Die erste gedruckte Version beginnt folgendermaßen:

Alas my loue, ye do me wrong,   O weh, mein Lieb', tust Unrecht mir
to cast me off discourteously: grob fort zu stoßen mich im Streit
And I haue loued you so long so lange hielt ich treu zu Dir
Delighting in your companie. voll Glück an Deiner Seit'.
Greensleeues was all my ioy, Greensleeves war all mein Freud'
Greensleeues was my delight: Greensleeves war mein Entzücken
Greensleeues was my heart of gold, Greensleeves war mein gülden Herz
And who but Ladie Greensleeues. Und wer außer Lady Greensleeves?

Dass in der englischen Originalfassung statt des Buchstabens v der Buchstabe u steht, ist kein Fehler, sondern liegt daran, dass das englische Alphabet der Tudorzeit nur 24 Buchstaben hatte und dass die Laute u und v beide als u geschrieben wurden (analoges galt für i und j).[2]

Eine weitere bekannte deutsche Fassung des Texts stammt von dem Dramatiker Peter Hacks.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikibooks: Liederbuch: Greensleeves – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alison Weit: Henry VIII: The King and His Court; Ballantine Books, 2002, ISBN 0-345-43708-X; S. 131
  2. Lady Greensleeves: Warum man in der Tudor-Ära „Greensleeues“ und nicht „Greensleeves“ schrieb (englisch), abgerufen 13. Juni 2008