Gunter Gabriel

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Gunter Gabriel, 2008
Gunter Gabriel, 2006

Gunter Gabriel (* 11. Juni 1942 in Bünde/Westfalen,[1] eigentlich Günter Caspelherr) ist ein deutscher Country- und Schlagersänger, Komponist, Texter, Produzent und Fernsehmoderator. Durch seine erste Ehe mit Gabriele kam er zu seinem Künstlernamen „Gabriel“.

Leben[Bearbeiten]

Gunter Gabriel wuchs mit seiner kleineren Schwester in Bünde und Kirchlengern auf. Seine Mutter starb, als er vier war, sodass der Vater die beiden Kinder allein erziehen musste. Die Volksschule brach Gabriel vorzeitig ab, um Geld zu verdienen. Er schlug sich mit verschiedenen Arbeiten in ganz Mitteleuropa durch. Schließlich machte er das Fachabitur und studierte Maschinenbau an der FH Hannover, brach das Studium aber ohne Abschluss ab. Er widmete sich in der Folge ganz der Musik, war DJ und wurde schließlich Promoter bei einer Plattenfirma. So kam er in Kontakt mit verschiedenen Künstlern, für die er Lieder zu schreiben begann. Seinen ersten Song komponierte er für Rex Gildo. Sein erster eigener Hit war der Fernfahrersong Er ist ein Kerl (Er fährt ’nen 30-Tonner Diesel), für den er die Goldene Europa bekam und der ihm die Bahn ebnete für deutschsprachige Schlager im Country-Musikstil mit Interpreten wie Truck Stop, Tom Astor oder Linda Feller, die bis heute erfolgreich sind. Ein weiterer großer Hit für Gabriel war Hey Boss, ich brauch’ mehr Geld. Viele seiner Songs waren „Übertragungen“, die sich sehr eng an ihre US-amerikanischen Originale hielten, unter anderem Johnny Cashs Wanted Man (Ich werd gesucht in Bremerhaven) oder Shel Silversteins The Winner (Der Sieger).

Daneben schrieb er weiter zahlreiche Hits für andere Künstler, etwa für Juliane Werding (Wenn du denkst, du denkst) oder für Frank Zander (Ich trink auf dein Wohl, Marie), für Wencke Myhre (Das wär John nie passiert; Ein Sonntag im Bett), Siw Inger, Peter Alexander, Tom Astor und die Zillertaler Schürzenjäger. Schließlich bekam er eine eigene Fernsehshow beim Bayerischen Rundfunk Country-Musik mit Gunter Gabriel.

Dann folgte der wirtschaftliche Ruin. Seine Ehen scheiterten und die Erfolge blieben aus.[2] 1989 gelang ihm mit dem Album Dieselknechte ein Comeback. 1993 erhielt er zusammen mit Tom Astor für den Song Sturm und Drang den Award der German American Country Music Federation (GACMF), den er 2002 erneut für sein Album Gunterwegs erhielt. 1993 nahm ihn die GACMF in die deutsche Country Music Hall of Fame auf.

Im Jahre 2003 nahm er im Studio von Johnny Cash in Hendersonville (Tennessee) ein Album mit Cash-Liedern auf Deutsch auf, The Tennessee-Recordings, das von dessen Sohn John Carter Cash produziert wurde. Bereits von der schweren Krankheit gezeichnet trug Cash ein gesprochenes Intro bei, das auf Liebe, Autos, Abenteuer erschienen ist - an diesem Tribut-Album beteiligten sich insgesamt 54 Künstler aus den unterschiedlichsten Musikrichtungen. Johnny Cash verstarb kurze Zeit später. Gabriels 2009 erschienenes Album Sohn aus dem Volk war eine weitere Hommage an Johnny Cash und trägt den Untertitel German Recordings, ein Pendant zu Cashs American Recordings. Das Album war - genauso wie die „Wohnzimmertour“, auf der er für anfangs 1000 Euro für jedermann spielte, der ihn anfragte - ein Wendepunkt in Gabriels Karriere. Es wurde in den Feuilletons der seriösen Presse thematisiert, ebenso wie Gabriels Fähigkeit, seine wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überwinden[3].

Für negative Schlagzeilen sorgte Gabriel, als er Alkoholprobleme bekam und seine Frau misshandelt haben soll. Bei einem Auftritt in der Lutherstadt Eisleben im September 2004 sorgte er mit Äußerungen für einen Eklat, die als Beschimpfung von Arbeitslosen empfunden wurden („Ihr habt ja so viel Zeit, sonst wärt ihr ja nicht am Nachmittag schon hier. Ich hab leider keine Zeit, ich muss meinen Arsch immer in Bewegung halten, damit die Knete stimmt.“). Das Publikum hatte zuvor mit Unmut auf Gabriels Verspätung reagiert. Dieser Satz wurde auch in Form eines Samples zur Grundlage eines Liedes von DJ Koze.

Gunter Gabriel, 2013

Im August und September 2010 spielte Gabriel seine erste große Theaterrolle als Titelfigur im Bühnenstück Hello, I'm Johnny Cash (Regie und Buch: Volker Kühn), an der Seite der Sängerin Helen Schneider, die die Rolle von Cashs Ehefrau June Carter Cash übernahm.[4] Anfang 2012 spielte er in einer Folge des Großstadtreviers mit (Folge: Wann hast du Zeit für die Liebe?).

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zog Gabriel zum 70. Geburtstag Bilanz. Auf die Frage, ob er Angst vor dem Tod habe, antwortete der Sänger: „Keinesfalls. Ich sag’ dir auch warum: weil ich einen Haufen Zeugs gut gemacht habe in meinem Leben. Nicht Kinder zeugen. Das kann jeder. Und als Vater war ich schließlich ein Totalversager. Viermal verheiratet, da hab’ ich mich auch nicht mit Ruhm bekleckert. Aber ich hab’ ein paar geile Songs geschrieben. Und ich habe ein superinteressantes Leben gelebt mit allen Amplituden.“ Er selbst, so Gabriel weiter im FAS-Interview vom 2. September 2012, definiere sich als Außenseiter. „Aber natürlich möchte ich auch Teil der Gesellschaft sein.“ Er selbst allerdings sei gar nicht so wichtig. Was zähle, das sei die Philosophie seiner Lieder. Gabriel war viermal verheiratet. Er hat vier Kinder und 3 Enkelkinder.

Diskografie[Bearbeiten]

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Singles
Er ist ein Kerl "Der 30-Tonner Diesel"
  DE 16 18.02.1974 (18 Wo.)
Hey Boss - Ich brauch mehr Geld
  DE 6 27.05.1974 (29 Wo.)
  AT 1 15.08.1974 (20 Wo.)
Hey Yvonne (Warum weint die Mammi)
  DE 5 21.10.1974 (19 Wo.)
  AT 5 15.11.1974 (20 Wo.)
Mit dem Hammer in der Hand
  DE 41 21.04.1975 (4 Wo.)
Komm' unter meine Decke
  DE 7 15.12.1975 (23 Wo.)
Intercity Linie Nr.4
  DE 45 12.07.1976 (1 Wo.)
Willy Klein, der Fernsehmann
  DE 17 27.12.1976 (15 Wo.)
Papa trinkt Bier
  DE 19 06.06.1977 (15 Wo.)
Ich bin CB-Funker
  DE 33 17.07.1978 (12 Wo.)
[5]

Alben[Bearbeiten]

  • 1973: Gesucht
  • 1974: Das ist meine Art
  • 1975: Gunter Gabriel
  • 1977: Meine Helden und andere Pechvögel
  • 1978: Neue Songs und Country-Hits
  • 1979: Rastlose Cowboys und ehrbare Mädchen
  • 1982: Waschecht
  • 1989: Dieselknechte
  • 1995: Straßenhund
  • 2002: Gunterwegs
  • 2003: Gabriel singt Cash – Das Tennessee-Projekt
  • 2009: Sohn aus dem Volk
  • 2011: Mein anderes Ich
  • 2011: Gabriel singt Cash (Neu produziertes Album mit weiteren Tracks)

Literatur[Bearbeiten]

  • 2009: Gunter Gabriel, Oliver Flesch: Wer einmal tief im Keller saß. Erinnerungen eines Rebellen. Edel, Hamburg 2009, ISBN 978-3-941378-17-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gunter Gabriel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. laut.de Biografie Gunter Gabriel, abgerufen 22. Oktober 2009
  2. http://www.tagesspiegel.de/kultur/mein-groesster-feind-bin-ich/409698.html
  3. Torsten Hampel: Der Straßenkreuzer In: Der Tagesspiegel vom 2. Januar 2011
  4. CMN: Gunter Gabriel und Helen Schneider brillieren in Hello I’m Johnny Cash (html) Abgerufen am 27. August 2010.
  5. Chartquellen: Deutschland