Lutherstadt Eisleben

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Dieser Artikel behandelt die Lutherstadt Eisleben, zu weiteren Bedeutungen siehe Eisleben (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Lutherstadt Eisleben
Lutherstadt Eisleben
Deutschlandkarte, Position der Stadt Lutherstadt Eisleben hervorgehoben
51.51666666666711.55114Koordinaten: 51° 31′ N, 11° 33′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Mansfeld-Südharz
Höhe: 114 m ü. NHN
Fläche: 143,81 km²
Einwohner: 24.384 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 170 Einwohner je km²
Postleitzahl: 06295
Vorwahlen: 03475, 034773, 034776
Kfz-Kennzeichen: MSH, EIL, HET, ML, SGH
Gemeindeschlüssel: 15 0 87 130
Stadtgliederung: 11 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
06295 Lutherstadt Eisleben
Webpräsenz: www.eisleben.eu
Oberbürgermeisterin: Jutta Fischer (SPD)
Lage der Stadt Lutherstadt Eisleben im Landkreis Mansfeld-Südharz
Salzlandkreis Landkreis Harz Saalekreis Thüringen Sachsen-Anhalt Gerbstedt Allstedt Seegebiet Mansfelder Land Südharz Ahlsdorf Benndorf Blankenheim Bornstedt Helbra Hergisdorf Klostermansfeld Wimmelburg Lutherstadt Eisleben Hettstedt Mansfeld Sangerhausen Sangerhausen Berga (Kyffhäuser) Brücken-Hackpfüffel Edersleben Kelbra (Kyffhäuser) Wallhausen ArnsteinKarte
Über dieses Bild
Rathaus und Andreaskirche

Die Lutherstadt Eisleben ist die zweitgrößte Stadt im Landkreis Mansfeld-Südharz im östlichen Harzvorland, Sachsen-Anhalt. Bekannt ist sie als Geburts- und Sterbeort Martin Luthers. Zu Ehren des größten Sohnes der Stadt führt Eisleben seit 1946 den Beinamen „Lutherstadt“. Die Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg zählen seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe.[2] Eisleben gehört dem Bund der Lutherstädte an. Die Lutherstätten in Eisleben und Wittenberg haben sich zusammen zur Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt vereint.

Geographie[Bearbeiten]

Die Kernstadt liegt 30 km westlich von Halle (Saale) in einer langgezogenen Tieflandzunge, der sogenannten Eislebener Niederung im südöstlichen Bereich des Landkreises. Das Stadtgebiet wird dominiert von landwirtschaftlich genutzten Flächen. Zwischen Unter- und Oberrißdorf steigt die Landschaft zur Mansfelder Platte, einem niedrigen Mittelgebirgsplateau, auf, das Stadtgebiet bedeckt den Hauptteil der Platte. Der Südliche Teil des Stadtgebietes wird vom bewaldeten Höhenzug Hornburger Sattel durchzogen, der südlichste Stadtteil Osterhausen liegt fast schon im Helmetal.

Mansfeld
10 km
Aschersleben, Hettstedt
27 km, 15 km
Gerbstedt
12 km
Sangerhausen
19 km
Nachbargemeinden Halle (Saale)
34 km
Allstedt
22 km
Querfurt
16 km
Röblingen am See
12 km

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinden sind Gerbstedt im Norden, Seegebiet Mansfelder Land im Osten, Farnstädt und Querfurt (beide Saalekreis) im Süden, und Allstedt, Bornstedt, Wimmelburg, Hergisdorf, Helbra und Klostermansfeld im Westen.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Neben der Kernstadt mit den Stadtvierteln Ernst-Thälmann-Siedlung und Wilhelm-Pieck-Siedlung, zu der auch die beiden kleineren Orte Neckendorf[3] und Oberhütte[4]gehören, gliedert sich die Stadt in folgende Ortsteile mit dem Datum der Eingemeindung[5][6][7][8][9][10]:

Ortschaft Einwohner Eingemeindung Die Ortsteile von Eisleben
Bischofrode Burgsdorf Hedersleben Helfta Oberrißdorf Osterhausen Polleben Rothenschirmbach Schmalzerode Schmalzerode Unterrißdorf Volkstedt Wolferode Eisleben Landkreis Mansfeld-SüdharzDistricts of Eisleben.svg
Über dieses Bild
Helfta etwa 6.000 1. Januar 1960
Volkstedt 1.271 1. Januar 2004
Rothenschirmbach 672 1. Januar 2005
Wolferode 1.309 1. Januar 2005
Polleben 1.079 1. Januar 2006
Unterrißdorf 461 1. Januar 2006
Bischofrode 693 1. Januar 2009
Osterhausen 1.031 1. Januar 2009
Schmalzerode 288 1. Januar 2009
Hedersleben 755 1. Januar 2010
Oberrißdorf etwa 200 1. Januar 2010
Burgsdorf 196 1. Januar 2010

Gewässer[Bearbeiten]

Im Stadtgebiet fließen mehrere Bäche, in der Kernstadt zum Beispiel die Böse Sieben. Sie entsteht als Zusammenfluss von Sieben Bächen aus dem Vorharz und wird als Böse benannt weil ihr Hochwasser früher besonders verheerend war. Die Böse Sieben fließt in Richtung Osten zum Süßen See ab. Ein weiteres Flüsschen ist die Schlenze im Norden, sie entspringt in Polleben und fließt dann in Richtung Nordosten zur Saale ab. Auch die Schlenze kann bei Hochwasser besonders stark ansteigen. Als kleinere Bäche zu nennen sind die Glume, sie entspringt südlich von Helbra und mündet östlich von Eisleben in die Böse Sieben. Ein kleinerer Bach ist die Laweke, sie entspring im Stadtteil Hedersleben und fließt dann nach Osten ab. Landschaftlich schön ist das Tal des Hegebornbaches südlich von Volkstedt, dieser Bach entspringt westlich von Volkstedt, fließt dann durch das Dorf und mündet dann östlich von Eisleben in die Glume. Wichtigstes Gewässer im Süden ist die Rohne, die bei Bornstedt beginnt und den Ortsteil Osterhausen durchfließt.

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm von Eisleben-Helfta[11]

Die durchschnittliche Lufttemperatur in Eisleben-Helfta beträgt 8,5 °C, der jährliche Niederschlag 509 Millimeter. Er liegt damit so niedrig, dass er in das untere Zwanzigstel der in Deutschland erfassten Werte fällt. An nur 2 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Im Juni fallen 1,9 mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren kaum und sind sehr gleichmäßig übers Jahr verteilt. An nur 7 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Zeit der Völkerwanderungen[Bearbeiten]

Im 3. bis 5. Jahrhundert, der Zeit der Völkerwanderungen, zogen suebische Stämme, Angeln und Warnen aus dem Raum Holstein, Schleswig und Mecklenburg nach Süden. Westlich von Elbe und Saale bis nach Thüringen hinein lässt sich dieser Weg an den Endungen der Ortsnamen „-leben“ nachvollziehen. So entstanden beispielsweise zwischen Haldensleben und Erfurt etwa 100 Städte und Dörfer mit dieser Endung im Ortsnamen. Nach Hermann Größler bedeutet das Wort „Leben“ in diesem Zusammenhang Erbe oder Erbgut. Der vordere Teil dieser Ortsnamen bezieht sich auf die Sippe der Grundherren.[12]

Im 5. Jahrhundert hatten sich die Einwanderer mit den ansässigen Hermunduren vermischt und gehörten zum Reich der Thüringer, das 531 durch die Franken beendet wurde. Nordthüringen wurde in der Folge der Niederwerfung durch Sachsen besiedelt. Im weiteren Verlauf der Geschichte siedelten fränkische Könige in einigen Regionen schwäbische, hessische und friesische Bauern an. Es entstanden Gaubezeichnungen wie Schwabengau, Hassegau und Friesenfeld.[12]

Das Mittelalter[Bearbeiten]

Die Wasserburg am Faulen See[Bearbeiten]

Im 9. und 10. Jahrhundert entstand am Westufer des so genannten „Faulen Sees“ eine Wasserburg. Am 23. November 994 wird Eisleben in einer Urkunde des späteren Kaisers Otto III. als einer von sechs Orten genannt, die bereits früher Marktprivilegien einschließlich Münz- und Zollrecht erhalten hatten. Der Marktflecken, der sich an der Kreuzung zweier Handelsstraßen und im Schutz der königlichen Wasserburg entwickelte, war königliches Tafelgut, in dem die Abgaben aus den umliegenden Dörfern entgegengenommen wurden.[13]

Der Knoblauchkönig[Bearbeiten]

Der Knoblauchkönig

1081 bestätigten die sächsischen Fürsten in Eisleben die Wahl von Hermann von Luxemburg (1053–1088), Graf von Salm, zum Gegenkönig zu Heinrich IV., während jener sich in Italien aufhielt. Hermann residierte in der Eisleber Wasserburg und wurde von Heinrichs Truppen aus Friesland belagert. Der Graf Ernst von Mansfeld kam zu Hilfe und schlug die Friesen. Das Schlachtfeld nannte man lange Zeit Friesenstraße, heute Freistraße.[14] Nachdem Hermann bis 1084 nicht ausreichend Unterstützung zur Durchsetzung seines Thronanspruchs sammeln konnte, verließ er die Stadt. Da vor den Mauern der Burg damals viel Knoblauch gewachsen sein soll, nannte man ihn den „Knoblauchkönig“.[15] An der Nordwand des Rathauses befindet sich eine Sandsteinplastik, die nach der Überlieferung[16] den König darstellt. Heute ist er eine Imagefigur der Tourismuswerbung.

Erste urkundliche Erwähnung als Stadt[Bearbeiten]

Im Jahr 1069 erhielt das Geschlecht der Mansfelder, die ihre Stammburg in Mansfeld hatten, von Kaiser Heinrich IV. das Gaugrafenamt. Eisleben entwickelte sich bald zur Hauptstadt dieser Grafschaft.[13] Ab 1121 setzten die Grafen von Mansfeld einen Stadtvogt für die Regierung der Stadt ein. Erst ab 1809 hatte Eisleben einen selbständigen Bürgermeister, der nicht von der Obrigkeit eingesetzt worden war. Um 1150 begann die Trockenlegung des „Faulen Sees“, eines Feuchtgebietes am östlichen Rand des Siedlungsgebietes. Bischof Wichmann von Magdeburg hatte Friesen und Flamen für den Bau von Entwässerungsgräben und Dämmen herbeigerufen, die im späteren Nicolaiviertel angesiedelt wurden. Die Spuren sind noch heute anhand vieler Gräben und Dämme beispielsweise an der Landwehr abzulesen.[15]

In der Mitte des 12. Jahrhunderts begann man mit dem Bau der ersten Stadtmauer, die den Markt und die umliegenden Gassen umfasste. Die Mauer wurde von den Stadtbürgern errichtet und jede Handwerkszunft war für die Erhaltung und Verteidigung eines Abschnittes verantwortlich. Die Bewachung der Tore oblag den von der Stadt besoldeten Stadtknechten.[15] Diese Mauer umgab nur den Markt und einige umliegende Gassen.[13]

Im Jahre 1180 wurde Eisleben als Stadt (Civitas) mit zwölf Ratsmännern (Consules) unter Leitung des Stadtvogts erstmals urkundlich erwähnt. Die Stadtbürger waren den Grafen von Mansfeld abgabepflichtig, der Stadt oblag die niedere Gerichtsbarkeit. Die älteste bekannte Prägung der Eisleber Münze stammt aus dem Jahre 1183. Es gab die beiden Pfarreien St. Andreas und St. Gotthard.[15]

Der Ursprung des Kupferschieferbergbaus[Bearbeiten]

Um das Jahr 1200 wurde am Kupferberg in Hettstedt erstmals ein Kupfererzvorkommen aufgeschlossen; der Sage nach von den Bergknappen Nappian und Neucke, die bis heute die Symbolfiguren des Mansfelder Bergbaus sind. Anfangs schürften die Bauern noch auf ihrem eigenen Land, doch bald entwickelte sich daraus ein Gewerbe. Das Bergrecht (Bergregal) verlieh Kaiser Friedrich II. den Mansfelder Grafen 1215; 1364 wurde es durch Karl IV. bestätigt.[15] Der Bergbau veränderte die wirtschaftliche Struktur und wurde zur Grundlage für den Reichtum sowohl der Grafen und als auch der Stadt.[15][13]

Das Kloster Helfta[Bearbeiten]

Das Zisterzienserinnen-Kloster St. Maria wurde durch den Mansfelder Grafen Burchard I. im Jahre 1229 gegründet und zunächst in der Nähe der Burg Mansfeld errichtet. Dazu gehörte auch das Katharinenhospital in Eisleben. Im Jahre 1234 wurde das Kloster von der Witwe Graf Burchards nach der jetzigen Wüstung Rossdorf (Nordwestlich Eislebens, nahe dem Katharinenhölzchen, 1229 Rodhersdorf geschrieben, letztmals 1579 als Rostdorff erwähnt) verlegt, dessen nahe Lage zur Burg Mansfeld freilich nicht klug gewählt war. Doch auch die Verlegung nach Rossdorf erwies sich aufgrund großen Wassermangels als ungünstig.

1258 verlegte man auf Betreiben der Äbtissin Gertrud von Hakeborn, die ihre Brüder Albrecht und Ludwig bat, welche Burg und Herrschaft zu Helfta innehatten, ihr ein Stück Land in Helfta käuflich zu überlassen, woraufhin das Kloster nach Kloster Helfta, einem heutigen Ortsteil von Eisleben verlegt wurde. 1284 wurde das Kloster von Gebhard von Querfurt geplündert.

Haus des Verwalters des Katharinenstiftgutes

Während der erfolglosen Belagerung der Stadt durch den Herzog von Braunschweig im Jahre 1342 wurden die umliegenden Dörfer und damit auch das Kloster zerstört. Anschließend begann man mit der fünften Erweiterung der Stadtmauer. Das Kloster wurde an den Rand der Stadtbefestigung an den heutigen Klosterplatz in Eisleben verlegt. Doch auch dies sollte nicht die letzte Wanderung des Klosterconvents sein, denn im Jahre 1525 wurde das Kloster Neuen Helfta im Bauernkrieg durch die aufrührerischen Bauern verwüstet, woraufhin die Abtissin Katharina von Watzdorf und die Nonnen zunächst nach Halle flüchteten, ehe sie auf Befehl des Kaisers Karl V. nach Mähren gesandt wurden, um dort ein verlassenes Kloster wieder einzurichten. Doch schon im selben Jahre kehrten sie auf Bestreben des Grafen Hoyer, der das Kloster wieder herrichten ließ, nach Alt-Helfta zurück. Die Nonnen hatten jedoch auch dort wiederum keine dauerhafte Bleibe.

Die Reformation erzwang 1542 die Einführung des protestantischen Gottesdienstes. Als alle Bemühungen, die getreuen Frauen unter der letzten Äbtissin Walburga Reubers zum Protestantismus zu bekehren, gescheitert waren, wurde das Kloster unter dem protestantisch gewordenen Grafen Georg von Mansfeld-Eisleben 1546 aufgelöst. Die Nonnen zogen fort. Die letzte urkundliche Erwähnung des Klosters trägt das Datum vom 19. Juni 1542. Viele Bauern aus den zerstörten Dörfern siedelten nun, mit Erlaubnis des Grafen, südlich der Stadtmauer, jenseits der Bösen Sieben (damals noch Willerbach). In der Rammtorstraße stehen heute die typischen Ackerbürgerhäuser.[13] Der Wiederaufbau des Klosters begann 1998.[15]

Aufbau und Stadtbrand von 1498[Bearbeiten]

Es folgte ein Jahrhundert des steten Aufschwunges. Während der Halberstädter Bischofsfehde bewährte sich 1362 die Stadtbefestigung gegen die Belagerer. 1371 wurde das Heilig-Geist-Stift erstmals urkundlich erwähnt und 1408 ein erstes Rathaus aus Stein. 1462 wurde der Chor der „St.-Nicolai-Kirche“ eingeweiht, die man auf den Grundmauern der Gotthardkirche errichtet hatte. 1433 wurde ein Kauf- und Gewandhaus mit Waage auf dem Marktplatz erwähnt; der Standort entspricht dem Haus Markt 22. Im Jahr 1440 zählte die Stadt 530 Hausbesitzer und an die 4.000 Einwohner. Mit dem Bau der Türme für St. Petri-Pauli begann man 1447, für die Nicolaikirche und die Andreaskirche 1462.

1454 erwarb der Rat der Stadt von den Grafen von Mansfeld die Niedergerichte innerhalb der Versteinung als Pfand für 900 Rheinische Gulden. Die Grafen konnten das Pfand nie wieder einlösen.[17]

Lutherdenkmal

Am 10. November 1483 wurde Martin Luther in der Langen Gasse (Vorstadt Siebenhitze, altslawische Sebenica), der heutigen Lutherstraße, geboren. Am folgenden Tag, dem Martinstag, taufte man ihn in der Kirche St.-Petri-Pauli. Die Familie Luther blieb nur bis zum Frühjahr 1484 in Eisleben. Durch die Taufe blieb Luther aber sein Leben lang mit der Stadt verbunden. Stadtverwaltung und Tourismus bemühen sich in den letzten Jahren, diese Verknüpfung verstärkt herauszuarbeiten; das gilt besonders für 2017, das Jubiläumsjahr der Reformation.[18]

Zwischen 1480 bis 1520 wurde eine zweite Stadtmauer gebaut. Dabei kamen die Vororte Petriviertel (Bauern), Nicolaiviertel (Friesen) und Nußbreite (Bergleute) in die Stadt. 1498 verwüstete ein verheerender Brand die Stadt innerhalb des ersten Mauerringes. Neben den vielen Wohnhäusern brannte auch das Rathaus ab, die St. Andreaskirche wurde beschädigt. Nur durch eine fünfjährige Steuerbefreiung durch die Mansfelder Grafen konnte eine einschneidende Bevölkerungsabwanderung abgewendet werden.

Renaissance[Bearbeiten]

Der Wiederaufbau der Altstadt unter Einbeziehung der Vorstädte[Bearbeiten]

Nach dem verheerenden Stadtbrand von 1498 innerhalb der ältesten Stadtmauer (Andreas-/Marktviertel) wurde auf der Grundlage des Privilegs der Mansfelder Grafen vom 17. August 1498[19] mit dem Wiederaufbau begonnen. Dieser erfolgte zunächst vergleichsweise zügig, wobei in einer ersten Phase auf spätgotische Architekturelemente zurückgegriffen wurde. Für die Einbeziehung der Vorstädte in den erweiterten Mauerring und die Wasserversorgung[20] erwies es sich als förderlich, dass 1480–1566, als die Magdeburger Erzbischöfe zugleich Administratoren von Halberstadt waren, die Mansfelder Grafen für Marktviertel (Bistum Halberstadt) und Vorstädte (Erzbistum Magdeburg) nur eine Person als Lehnsherren hatten. 1520–1540 wurde in Eisleben und der Grafschaft Mansfeld in mehreren Schritten die Reformation durchgeführt, unter anderem 1525 unter Agricola eine evangelische Knabenschule gegründet, die zum Vorläufer der gemäß dem Lutherischen Verträge von 1546 eingerichteten Lateinschule (Gymnasium) wurde.

Der Übergang von spätgotischen Bauformen zu solchen der Renaissance ist am Rathaus der Altstadt, dem Stadtsitz Hinterort (1500/1589) und der Ausstattung der St. Andreaskirche zu beobachten. Besonderen Anteil am Wiederaufbau der Stadt hatte Berndinus Blanckenberg (um 1470–1531)[21], der ab 1507 Ratmann, ab 1518 Stadtvogt war; sein 1540 von Hans Schlegel geschaffenes Renaissance-Epitaph befindet sich an der St. Andreaskirche. In der Kirche befindet sich vom gleichen Künstler die Grabtumba (1541) des Grafen Hoyer VI.

Nach 1530 wurde wegen der Krise des Mansfelder Bergbaus nicht mehr mit der Intensität weiter gebaut wie im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts, jedoch folgten 1538/1560 die Errichtung des Campo Santo, 1564 der Bau der Lateinschule, 1566 der Renaissanceturmhaube der St. Peter-Paul-Kirche, 1568 des Ökonomiegebäudes des Katharinenstiftes, 1571–1589 des Neustädter Rathauses und 1585–1608 der Vollendung der Annenkirche zu beobachten.

Nach dem Stadtbrand von 1601, der unter anderem die Renaissance-Wasserburg, den Stadtsitz Mittelort, das Gymnasium, die Waage und zahlreiche Bürgerhäuser zerstörte, konnte kein so beachtlicher Wiederaufbau erfolgen.[22] Das resultierte beispielsweise aus der Sequestration der Mansfelder Grafen 1570, den Permutationsrezessen 1573/1579[23], in denen Kursachsen von Halberstadt und Magdeburg Eisleben mit seinen Vorstädten ertauschte, den Belastungen des Dreißigjährigen Krieges und dem Niedergang des Bergbaus und des von ihm abhängigen Gewerbe bis zu seiner Freilassung des Bergbaus 1671 durch den sächsischen Kurfürsten.[24] Das alles führte neben den bestehenden aufwändigen Verwaltungsstrukturen (bis 1780 bestand noch zusätzlich eine gräfliche Verwaltung) zu einem wirtschaftlichen Niedergang der Stadt, der bis zum Ende des 18. Jahrhunderts anhielt und auch im Baugeschehen deutlich wurde.

Neustadt und Reformation[Bearbeiten]

Rathaus Neustadt

1501 spaltete sich das Haus der Grafen von Mansfeld durch Erbteilung in die Familien Mansfeld-Vorderort, Mansfeld-Mittelort und Mansfeld-Hinterort.[25] Anfang des 16. Jahrhunderts baute sich jede dieser Familien in Eisleben eine Stadtresidenz.[13] Graf Albrecht IV. (1480–1560), ein Spross des Zweiges Hinterort, siedelte zur Belebung des Bergbaus, westlich der Altstadt Berg- und Hüttenarbeiter aus anderen Gegenden Deutschlands an und verlieh dieser Siedlung ebenfalls das Stadtrecht. Man nannte sie „Neue Stadt bei Eisleben“, heute „Neustadt“ oder „Annenviertel“.

Am heutigen „Breiten Weg“ entstand 1571 bis 1589 das Neustädter Rathaus, in das 1848 das Land- und Stadtgericht einzog und dann bis 1853 das Kreisgericht. Daher wird das Haus auch als das „Alte Gericht“ bezeichnet. 1514 verlangte Kaiser Maximilian I. von Albrecht die Annullierung des Stadtrechtes. Albrecht widersetzte sich aber dieser Forderung und gründete stattdessen das Annenkloster mit Kirche, ein Augustiner-Eremitenkloster, in dem er 1518 mit Luther zusammentraf. 1520 entschied sich der Generalkonvent der Augustiner im Annenkloster für die Lehre Luthers. 1523 löste sich das Kloster auf.[15]

Während die Grafen von Mansfeld-Vorderort an ihrem katholischen Glauben festhielten, schlossen sich die Vertreter der Familie Mansfeld-Hinterort unter Gebhard VII. und vor allem Albrecht VII., der ein enger Freund Luthers war, dem Reformationsgedanken an.[26] 1525 führten sie die evangelische Lehre ein und beschlossen die Gründung einer evangelischen Schule neben der Andreaskirche.[15] Dennoch behandelten sie ihre Untertanen nicht besser oder schlechter, als dies ihre katholischen Verwandten taten. Als die Bauernkriege, an denen sich auch viele unzufriedene Bergleute aus Eisleben beteiligten, große Teile der Mansfelder Grafschaft verwüsteten, ließ Albrecht VII. die entbrannten Aufstände blutig und mitleidslos niederschlagen. Die Wirren der Reformationskriege bedingten zum Teil sogar, dass sich verwandte Mansfelder auf unterschiedlichen Seiten als Gegner gegenüberstanden.[25] Während des Bauernkrieges wurde auch das Benediktinerkloster in Holzzelle und das Kloster Helfta verwüstet, die Nonnen wurden vertrieben. 1529 starben hunderte Eisleber an der Pest. Mit dem Grafen Hoyer IV. von Mansfeld-Vorderort starb 1540 einer der einflussreichsten Gegner der Reformation im Mansfelder Land (Grabtumba in der Andreaskirche).[15] Luther persönlich versuchte mehrfach die Streitigkeiten unter den Grafen -vor allem um die Neustadt- zu schlichten. 1546 kam er zum letzten Mal in die Stadt. Am 16. Februar unterschrieb er zusammen mit Justus Jonas die Stiftungsurkunde für die erste Lateinschule, das heutige Martin-Luther-Gymnasium. Am 18. Februar 1546 starb Martin Luther in Eisleben. Dem Andenken dieses Ereignisses ist das Martin Luthers Sterbehaus gewidmet. Aufgrund seines Engagements für die Reformation verhängte Kaiser Karl V. 1547 die Reichsacht über Graf Albrecht VII. Sie wurde aber 1552 wieder aufgehoben.[25]

1550 forderte eine weitere Pestepidemie an die 1.500 Tote. Viele Bergleute verließen die Stadt, sodass 1554 ein Teil der Schächte geschlossen werden mussten. Lohnsenkungen verursachten Unruhen und Arbeitsniederlegung. 1562 brannte die Katharinenkirche ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Der sächsische Kurfürst August erwirkte 1567 die Schließung einer Eisleber Druckerei, die eine Schrift gegen seine Prediger gedruckt hatte, und die Festnahme des Druckers. Die zahlreichen Erbteilungen, maßlose Ausgaben und die schlechte wirtschaftliche Situation führten 1570 zum Bankrott der Mansfelder Grafen. Sie verloren die Hoheitsrechte an Sachsen, das einen Oberaufseher nach Eisleben entsandte. Aufgrund des Mangels an Arbeitskräften im Bergbau, wurde die Abwanderung unter Strafe gestellt.[15]

Das 17. und 18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Stadtbrände, Pest und Dreißigjähriger Krieg[Bearbeiten]

Eisleben vor dem Stadtbrand von 1689, Matthäus Merian 1647
Alte Superintendentur

Das Jahrhundert begann 1601 mit der schlimmsten Brandkatastrophe der Stadtgeschichte. In der Innenstadt konnte sich das Feuer unter den dicht aneinander gereihten Fachwerkhäusern schnell ausbreiten. So wurden 253 Wohnhäuser, die Superintendentur, die Waage sowie die Türme der Andreaskirche und die Stadtschlösser der Grafen von Mansfeld zerstört.[27] Die sozialen Missstände, unter denen die Bergleute zu leiden hatten, führten am 8. Februar 1621 zur Belagerung des Hauses des Münzmeisters Ziegenhorn am Breiten Weg. 1.000 Bergleute forderten das Ende der Falschmünzerei. 1626 kam es zu einer erneuten Pestepidemie mit hunderten von Toten. 1628 kam mit Wallenstein der Dreißigjährige Krieg nach Eisleben, und die Stadt wurde durch die Söldner der Katholischen Liga verwüstet. In der Folge kam auch der Bergbau zum Erliegen. 1631 zogen mehrfach Truppen aus beiden Kriegslagern durch die Stadt und erzwangen Quartier und Proviant. Als 1635 der sächsische Kurfürst Johann Georg I. mit Kaiser Ferdinand II. einen Sonderfrieden schloss wurde in allen Kirchen Dankgottesdienste abgehalten. Aber schon 1636 wurde die Stadt durch die Schweden gebrandschatzt. Die Überfälle dauerten bis 1644 an. 1653 zerstörte ein weiterer Stadtbrand 166 Wohnhäuser, und 1681 kamen 900 Menschen durch die Pest ums Leben. Luthers Geburtshaus brannte beim Stadtbrand von 1689 bis auf das Erdgeschoss ab.[15]

Wiederaufbau[Bearbeiten]

Im Jahre 1671 erlaubte der sächsische Kurfürst die „Freilassung“ des Bergbaus im Mansfelder Land. Dies war die Voraussetzung für die Weiterentwicklung und Industrialisierung des Bergbaus.1691 wurde das Waagehaus wieder aufgebaut. 1693 folgte Luthers Geburtshaus, das nun als Armenschule und als Museum genutzt wurde.[15]

Das Wohnhaus der Patrizierfamilie Rinck wurde nach dem Stadtbrand 1498 Anfang des 16. Jahrhunderts als Stadtsitz der Linie Vorderort wieder aufgebaut, beherbergte ab 1563 die gräfliche Kanzlei und wurde nach dem Brand von 1689 1707 völlig neu aufgebaut. Ab 1716 übte die Kanzlei auch die Aufgaben des aus der Sequestration entlassenen preußischen Teils der Grafschaft Mansfeld aus, wurde 1780 wegen des Lehnsanfalls geschlossen und war ab 1789 Sitz des kursächsischen Oberamtmannes.[28] Am 14. Juli 1798 wurde, auf die Initiative der kurfürstlich-sächsischen Regierung hin, die Bergschule zu Eisleben als Bildungseinrichtung für technische Grubenbeamte gegründet.

Das 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Napoleonische Kriege[Bearbeiten]

Synagoge zu Eisleben

Nach der Niederlage Preußens im Krieg gegen Frankreich bei Jena und Auerstedt 1806 besetzten französische Truppen die Stadt, obwohl Eisleben nicht zu Preußen sondern zum Kurfürstentum Sachsen gehört hatte. Trotz Plakaten in der Stadt, die versicherten „Das ganze kursächsische Land ist neutral“, wurden sämtliche Vorräte requiriert. Die Franzosen gliederten die Grafschaft Mansfeld in das neu gebildete Königreich Westphalen unter Napoleons Bruder Jérôme ein.

Somit wurde auch hier die Leibeigenschaft abgeschafft und die Gewerbefreiheit, die Gewaltenteilung, die Gleichberechtigung der Juden, der Code Civil und die Führung von Kirchenbuchduplikaten eingeführt. Die Neustadt wurde der Altstadt angegliedert. Die Abschaffung der alten Regularien ermöglichte jüdischen Händlern die Ansiedelung in der Stadt, die 1814 ihre erste Synagoge in der Langen Gasse der heutigen Lutherstraße einweihen konnten.

Nach der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 endete die westfälische Herrschaft im Mansfeldischen. Die westfälischen Wappen wurden durch preußische Adler ersetzt. An den Befreiungskriegen beteiligte sich Eisleben durch Gründung eines freiwilligen Pionierbatallions unter dem Kommando des Berghauptmanns von Veltheim (1785–1839). [13] [15]

Restauration[Bearbeiten]

1815 wurde die ehemalige Grafschaft Mansfeld als Resultat des Wiener Kongresses in das Königreich Preußen eingegliedert. Die Stadtgemeinde Eisleben gehörte ab 1816 zum Mansfelder Seekreis, der seinen Kreissitz in der Stadt hatte. 1817 erbaute man für die Lutherschule einen Neubau im Hof von Martin Luthers Geburtshaus. Sein erstes Postamt erhielt die Stadt 1825 als so genannte Land-Fußbothen-Post neben der Petrikirche. 1826 wurde das Eisleber Lehrerseminar auf dem Gelände hinter der Petrikirche gegründet. 1910 erhielt es am oberen Stadtpark einen Neubau, in dem heute das Martin-Luther-Gymnasium untergebracht ist. Das Seminar bestand bis 1926 und nutzte die Lutherschule als Übungsschule. 1827 begann mit dem Ausbau der Halleschen-Chaussee zwischen dem Heilig-Geist-Tor und der Landwehr die Befestigung der Eisleber Straßen. 1835 wurde das neue städtische Krankenhaus fertiggestellt. 1847 führte eine Hungersnot zu sozialen Unruhen, die von den Behörden durch Einsatz von Militär niedergeschlagen wurden. Weil der Betraum für die stetig wachsende jüdische Gemeinde zu klein geworden war, baute man um und weihte 1850 die nun erweiterte Eisleber Synagoge ein. [13] [15]

Die industrielle Revolution[Bearbeiten]

Die Krughütte bei Eisleben mit vier Öfen, Schlackeplatz, um 1895
Erdsenkungen in Eisleben: Haus im Breiten Weg, um 1895

1852 fusionierten die fünf Mansfelder Bergbaubetriebe und schlossen sich zur Mansfeldischen kupferschieferbauenden Gewerkschaft zusammen. 1858 wurden die letzten Reste der Stadtbefestigung abgebrochen. 1863 begann man mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Halle-Kassel. Die erste Teilstrecke nach Halle wurde 1865 in Betrieb genommen. Nach der Stilllegung der Ober- und der Mittelhütte, begann im Westen der Stadt 1870 die Förderung in der Krughütte und in der Kupferrohhütte. Zwischen dem Martinsschacht und der Krughütte wurde 1871 die erste Drahtseilbahn Europas gebaut. Sie diente dem Transport von Erzen und Abraum.[29] Anlässlich des 400. Geburtstages des Reformators wurde 1883 das von Rudolf Siemering geschaffene Lutherdenkmal auf dem Marktplatz aufgestellt und eingeweiht.[13][15]

1892 begann das Wasser des Salzigen Sees in die darunter liegenden Bergbauschächte einzudringen, die mittlerweile bis unter die Innenstadt reichten. Zu deren Rettung wurde der See ab 1893 abgepumpt und verschwand damit von der Landkarte. In der Folge kam es auch im Stadtbereich Eislebens zu bedrohlichen Erdsenkungen. Bis 1898 wurden hierdurch mehr als 440 Häuser beschädigt, viele mussten abgebrochen werden. An zahlreichen Häusern sind die Schäden bzw. die Sanierungsmaßnahmen noch heute ablesbar. Die Schäden an den Schächten zwangen zu Massenentlassungen. Zusammen mit dem Unmut über die schleppende und ungerechte Entschädigung für die Bergschäden kam es schließlich zu Unruhen in der Bevölkerung. 1896 stellte Mansfeldische kupferschieferbauende Gewerkschaft 500.000 Mark für die Entschädigung der Hauseigentümer zur Verfügung.[13][15]

Das 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Zwischen 1908 und der DDR-Kreisreform 1950 war Eisleben ein eigener Stadtkreis.

Aufschwung und Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Das Jahrhundert begann mit der Inbetriebnahme der ersten Teilstrecke einer elektrischen Straßenbahn in Eisleben. Am 12. Juni 1900 wurde das 700-jähriges Bergbaujubiläum mit einem großen Festumzug in Anwesenheit des Kaisers Wilhelm II. und seiner Gemahlin feierlich begangen. Bedingt durch den florierenden Bergbau stieg der allgemeine Wohlstand der Stadt in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Die Einwohnerzahl stieg auf über 25.000, und Eisleben wurde „kreisfreie“ Stadt und schied damit aus dem Mansfelder Seekreis aus. Neue öffentliche Einrichtungen waren: ein neues Gebäude für die Bergschule (1903), ein neues Krankenhaus (1904), Kanalisation und städtische Kläranlage, die neue Oberrealschule am Stadtgraben (heutige Grundschule „Geschwister Scholl“), die neue Mädchenvolksschule in der Katharinenstraße (1911), der Neubau des Lehrerseminars (1911) und das Regionalgeschichtliche Museum (1913). Die Bergleute erstreikten sich 1909 das Recht zur Bildung von Gewerkschaftsverbänden.[13][15]

Im Ersten Weltkrieg fielen nach offiziellen Angaben 575 Einwohner der Stadt.[13][15]

Weimarer Republik[Bearbeiten]

Märzkämpfe 1921: Revolutionäre Arbeiter werden in Eisleben von der Polizei abgeführt.

In den Wahlen zum Preußischen Landtag am 20. Februar 1921 erhielten die Parteien der Linken im Mitteldeutschen Industriegebiet eine Mehrheit. Aus Furcht vor einer kommunistischen Machtübernahme wurden am 19. März 1921 Polizeieinheiten der von Wilhelm Abegg neu organisierten preußischen Polizei nach Hettstedt und Eisleben entsandt, um die Kontrolle über die Betriebe zu erhalten. Im Zuge der Märzkämpfe in Mitteldeutschland kam es zu etwa 100 Gefallenen unter der Arbeiterschaft.

Seit 1931 wurde die Kupfergewinnung staatlich subventioniert, um die Stilllegung der Mansfeld Betriebe zu verhindern, von denen die Region weitgehend wirtschaftlich abhängig war.[13] [15]

Zeit des Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Eisleber Blutsonntag: Gedenktafel am Haus Breiter Weg 30 in Eisleben, in dem sich 1933 das Büro der KPD befand.

Am 12. Februar 1933 wurden beim Überfall eines SA-Trupps auf die Geschäftsstelle der KPD-Unterbezirksleitung am Breiten Weg 30 (zur DDR-Zeit „Straße der Opfer des Faschismus“) zahlreiche Personen schwer verletzt und drei ermordet. Seitdem spricht man vom Eisleber Blutsonntag.

Am 9. November 1938, der Pogromnacht, drangen Angehörige von SA und SS in Zivil in die Synagoge ein und zerstörten den Betraum. Juden wurden misshandelt, jüdisches Eigentum wurde zerstört.[30]

Wie überall in Deutschland wurden die Juden diskriminiert, sodass viele die Stadt oder gar das Land verließen. 1938 wurden in der Stadt noch 42 Juden genannt, von denen mindestens 21 in der Shoah ermordet wurden.[31][32]

Die bekanntesten Nationalsozialisten waren der spätere Generalleutnant der Waffen-SS Ludolf von Alvensleben und der spätere SS-Standartenführer und Lagerkommandant des KZ Majdanek Hermann Florstedt.[33]

Neben den politischen Gegnern leisteten auch Geistliche Widerstand gegen das Naziregime, so Pfarrer Johannes Noack von der Bekennenden Kirche, der wegen „Staatshetze“ zu Zuchthaushaft verurteilt wurde, an deren Folgen er 1942 verstarb.[34] Im Zweiten Weltkrieg fielen 913 Einwohner der Stadt.[13]

Bis zum Ende des Krieges blieb die Stadt durch den Krieg beinahe unberührt, obwohl sie sich inmitten von nicht unbedeutenden Bergbau- und Industriebetrieben befand. Alle Schulen und Krankenhäuser dienten als Lazarett für tausende verwundete Soldaten. Die amerikanischen Streitkräfte erreichten bei der südlichen Umgehung der Festung Harz am 13. April 1945 die Stadt Eisleben, die kampflos übergeben wurde.[35] Sogleich errichteten Einheiten der 1. US-Armee ein Kriegsgefangenenlager an der Nord- und Ostseite der Halde des Hermannschachtes bei Helfta. Auf einer Fläche von etwa 80.000 m² wurden deutsche Soldaten und Zivilisten unter freiem Himmel interniert. Zeitweise befanden sich hier 90.000 Gefangene, von denen 2.000 bis 3.000, vorwiegend an den unmenschlichen Verhältnissen, starben. Das Lager wurde am 23. Mai 1945 aufgelöst, die Gefangenen wurden in andere Städte gebracht. Die sterblichen Überreste der Verstorbenen konnten bis heute nicht gefunden werden. Am 20. Mai 1995 wurde im Gedenken an diese Menschen ein Kriegsgefangenen-Denkmal in Helfta aufgestellt und eingeweiht.[36]

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Am 2. Juli 1945 marschierte die sowjetische Armee in Eisleben ein. Aufgrund des 1. Londoner Zonenprotokolls von 1944 und der Beschlüsse der Konferenz von Jalta wurde es Bestandteil der sowjetischen Besatzungszone. Zur Begrüßung stellten Eisleber Kommunisten ein Lenindenkmal auf dem Plan auf.[13] [15] Am 1. August 1945 hoben sich - vor ausverkauftem Haus mit 714 Plätzen - die Vorhänge des Bürgertheaters Eisleben; es war damit das erste deutsche Nachkriegstheater. Gegründet und geleitet wurde von Ralph Wiener, dem Pseudonym für Felix Ecke[37]

Eislebener Stadtsiegel (um 1500)
Briefmarke der DDR 1970

1946 wurde der Stadt zum 400. Todestag Martin Luthers der Name „Lutherstadt“ verliehen. Am 22. März 1949 demonstrierten mehr als 2.000 Einwohner für die Einheit Deutschlands. 1950 feierte Eisleben das 750-jährige Bestehen des Mansfelder Bergbaus in Anwesenheit des Präsidenten der DDR Wilhelm Pieck. Der 1950 entstandene Großkreis wurde aufgelöst und die Kreise Eisleben und Hettstedt wurden gebildet. Ab 1951 wurde das Stadtgebiet um die Ernst-Thälmann-Siedlung und die Wilhelm-Pieck-Siedlung erweitert. 1963 wurde mit dem Fortschrittsschacht der letzte Kupferschieferschacht in Eisleben geschlossen. Bis 1969 ging die Zeit des Bergbaus in der Mansfelder Mulde endgültig zu Ende. Das Mansfeld-Kombinat wurde zu einem Produktionsbetrieb für Werkzeuge und Konsumgüter umgestaltet. Parallel dazu wurde die Berg- und Hütteningenieurschule in eine Ingenieurschule für Elektrotechnik und Maschinenbau entwickelt.[13][15]

Um Platz für eine Kaufhalle zu schaffen, wurde an der Ecke zwischen Freistraße und Schlossplatz der noch verbliebene Bergfried der alten Wasserburg gesprengt. Zwischen 1973 und 1975 traten erneut Erdsenkungen im Stadtgebiet auf, insbesondere im Bereich der Siebenhitze. Am Sonnenweg und am Alten Friedhof wurden Plattenbauten mit 640 Wohnungen errichtet.[13][15]

Die Feier zum 500. Geburtstag Luthers im Jahre 1983 wurde lange und aufwändig vorbereitet und mit Gästen aus 36 Ländern begangen. Die Post der DDR (9. November 1982 und 18. Oktober 1983) und die Bundespost (13. Oktober 1983) gaben aus diesem Anlass Sonderbriefmarken heraus. Die Lutherstätten waren restauriert und die Fassaden der Häuser am Markt erneuert worden.[13][15]

Auch in Eisleben fanden im Herbst 1989 Demonstrationen für Demokratie und gesellschaftliche Wende statt. Seit dem Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 gehört Eisleben zum Bundesland Sachsen-Anhalt. 1994 wurden der Kreis Hettstedt und der Kreis Eisleben zum Landkreis Mansfelder Land mit dem Verwaltungssitz Eisleben zusammengefasst. Seit 1997 gehören die Lutherhäuser zum UNESCO-Weltkulturerbe. Im Zuge der Kreisgebietsreform 2007 verlor Eisleben den Status als Kreisstadt an Sangerhausen.[13][15]

Am 25. Mai 2009 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.

Denkmal für Martin Luther auf dem Marktplatz

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Die Bevölkerung nimmt seit Mitte der 1960er Jahre durch Abwanderung und Geburtenrückgang kontinuierlich ab, obwohl das Stadtgebiet durch Eingemeindungen stetig vergrößert wurde.[38]

Jahr 1964 1971 1981 1989 1995 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2011
Einwohner 44.773 41.682 37.330 35.374 31.882 29.526 28.848 28.040 27.037 26.190 25.489 25.380

jeweils zum 31. Dezember, außer 1964–1981: Volkszählung

Religionen[Bearbeiten]

Katholische Kirche Eisleben
  • Evangelisch (St. Andreas – Nikolai – Petri-Pauli, St. Annen)

Eisleben ist seit 2010 Sitz der Superintendentur des Evangelischen Kirchenkreises Eisleben-Sömmerda, der alle evangelischen Kirchengemeinden des Landkreises Mansfeld-Südharz und große Teile des Kyffhäuserkreises und des Landkreises Sömmerda in Thüringen umfasst.

Politik[Bearbeiten]

Stadtratswahl 2009
Wahlbeteiligung: 34,3 %
 %
40
30
20
10
0
32,6 %
26,9 %
19,2 %
8,0 %
7,1 %
3,4 %
2,9 %
Ergebnis der Stadtratswahl 2009

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat Eislebens setzt sich aus 38 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen; zusätzlich gehört die hauptamtliche Oberbürgermeisterin dem Stadtrat an.

Partei / Liste SPD CDU Linke FFG1 EM2 Gesamt
Sitze 7 14 10 5 2 38 Sitze

1 Freie Fraktionsgemeinschaft     2 Einzelmandatsträger

Stand: Kommunalwahl am 7. Juni 2009; inzwischen (Stand 18. Juni 2012) hat die CDU 15 Mandate.

Oberbürgermeisterin[Bearbeiten]

Jutta Fischer wurde am 26. März 2006 als parteilose Kandidatin der SPD mit 51 % der Stimmen zur Bürgermeisterin gewählt. Seit dem 1. Januar 2009 ist Frau Fischer Oberbürgermeisterin der Lutherstadt Eisleben. Am 2. Dezember 2012 wurde sie im zweiten Wahlgang mit 64,0 % der Stimmen wiedergewählt[39] und bat unmittelbar anschließend um Aufnahme in die SPD.[40]

Wappen[Bearbeiten]

Wappen von Lutherstadt Eisleben
Blasonierung:

„In Blau ein offener silberner Flug.“

Beschreibung:

Das Wappen erinnert an die Zugehörigkeit der Stadt Eisleben zur Grafschaft Mansfeld. Die beiden Flügel waren die Helmzier im Wappen der Altmansfelder Grafen, die zusammen mit dem Helm seit Beginn des 16. Jahrhunderts im Schild als Stadtwappen erscheinen. Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde der Helm mit den Flügeln über den Schild gesetzt. Im Schild selbst verblieben dann nur noch die bis heute bekannten zwei Flügel.

Flagge[Bearbeiten]

Die Genehmigung der Flagge der Lutherstadt Eisleben wurde am 27. Februar 2009 vom Landkreis erteilt.

Die Flagge ist Blau – Weiß (1:1) gestreift (Querform: Streifen waagerecht verlaufend, Längsform: Streifen senkrecht verlaufend).[41]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

  • Raismes, Département Nord, Frankreich, seit 1962
  • Herne, Nordrhein-Westfalen, Deutschland seit 1990
  • Memmingen, Bayern, Deutschland seit 1990
  • Weinheim, Baden-Württemberg, Deutschland seit 1990

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Weltkulturerbe der UNESCO – Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg
Büste von Martin Luther vor seinem Geburtshaus
Taufstein aus Luthers Taufkirche
Luthers Sterbehaus

Theater[Bearbeiten]

In Eisleben befindet sich die Landesbühne Sachsen-Anhalt. Sie geht auf das Bürgertheater zurück, das am 13. Juli 1945 in Eisleben als erstes deutsches Nachkriegstheater gegründet wurde. Durch Sparpläne der Landesregierung Sachsen-Anhalts, die die komplette Streichung des Landeszuschusses vorsehen, sieht sich das Theater seit 2013 in seiner Existenz stark bedroht.[42][43]

Museen[Bearbeiten]

Das Geburtshaus von Martin Luther ist das erste und älteste Museum auf deutschsprachigen Boden und eines der ältesten der Welt. Weitere Museen sind das Sterbehaus von Luther mit dem Museum Sterbehaus, das Regionalgeschichtliche Museum sowie das Liboriushaus, das zum Kloster Helfta gehört.

  • Martin Luthers Geburtshaus ist ein Stadtwohnhaus aus der Mitte des 15. Jahrhunderts in dem Martin Luther am 10. November 1483 geboren wurde. Die Stadt richtete dort 1693 eine Erinnerungsstätte für Martin Luther und die Reformation ein. Damit ist Luthers Geburtshaus eines der ältesten Museen im deutschsprachigen Raum. Auf dem angrenzenden Gelände baute man 1817 anlässlich des 300. Jahrestages der Reformation ein eigenes Gebäude für die Unterbringung der Lutherschule. Seit 1997 gehören beide Gebäude zur Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt. 2007 wurden sie durch ein Verbindungsgebäude und ein Eingangsgebäude auf der gegenüber liegenden Straßenseite ergänzt.
  • Die Lutherarmenschule, eine Stiftung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III, gehört zum Gebäudekomplex des Geburtshauses.
  • Martin Luthers Sterbehaus ist ein spätgotisches Patrizierhaus und wurde etwa 1500 erbaut.

Kirchen[Bearbeiten]

  • St. Petri-Pauli ist eine dreischiffige Hallenkirche und wurde 1333 erstmals urkundlich erwähnt. Der westlich vorgebaute Turm wurde 1447–1513 errichtet. Die Turmhaube in ihrer heutigen Form stammt aus dem Jahre 1562.[44] Dort wurde Luther einen Tag nach seiner Geburt, am 11. November 1483 getauft.
  • Die St.-Andreas-Kirche ist eine spätgotische Hallenkirche mit dreischiffigem Chor auf romanischem Vorgängerbau. Dort hielt Martin Luther 1546 seine vier letzten Predigten.
  • St.-Annen-Kirche, 1514 Grundsteinlegung, mit Augustiner-Eremiten-Kloster und Pfarrhaus von 1670.
  • St.-Nicolai-Kirche, erste Hälfte des 15. Jahrhunderts
  • Die Alte Gertrudiskirche wurde 1865 als erste katholische Kirche in Eisleben erbaut. Nachdem die Kirche zu klein geworden war, ersetzte man sie durch einen Neubau am Klosterplatz. Die alte Kirche wurde verkauft und als Turnhalle genutzt.
  • Die katholische St.-Gertrud-Kirche, 1916 eingeweiht, ist der Ersatzbau für die Alte Gertrudiskirche.
  • Kloster Helfta
  • Die ehemalige Synagoge zu Eisleben wurde 1814 eingeweiht, 1850 umgebaut und 1938 geschändet. Seit 2001 wird sie restauriert.

Friedhöfe[Bearbeiten]

  • Der Kronenfriedhof, im Stil eines Camposanto, wurde 1533 als Erbbegräbnisstätte für reiche Eisleber Familien eingeweiht.
  • Die Sowjetischen Friedhöfe sind Ruhestätte für 124 Kriegsgefangene und verschleppte Zivilpersonen.

Denkmäler[Bearbeiten]

  • Das Lutherdenkmal wurde 1883 von Rudolf Siemering geschaffen und steht auf dem Marktplatz.
  • Das Lenindenkmal wurde 1926 durch den russischen Bildhauer Matwei Maniser erschaffen und stand bis 1942 in Puschkin. Es wurde von der Wehrmacht zur Metallgewinnung nach Eisleben gebracht, jedoch nicht eingeschmolzen. So konnte es nach dem Krieg an prominentem Platz in Eisleben aufgestellt werden. Nach der Friedlichen Revolution hat man es 1991 entfernt, es befindet sich heute nach Restaurierung als Leihgabe im Deutschen Historischen Museum Berlin.
  • Der Kamerad Martin, auch „Bergmannsroland“ genannt, ist die Symbolfigur der rechtlichen Unabhängigkeit der Neu- von der Altstadt Eisleben. Sie ist den Rolandsstatuen in Sachsen-Anhalt zuzurechnen.
  • Der Carl-Eitz-Stein wurde zu Ehren des Pädagogen und Akustikers aufgestellt.
  • Die Gedenkbäume sind zwei Reihen Linden, die am 17. März 1864 zum 50. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig gepflanzt wurden.
  • Der Marathonläufer (1911) des Bildhauers Max Kruse erinnert an das Lehrerseminar, das sich von 1826 bis 1926 in Eisleben befand.
  • Das Tor der Mahnung wurde 1932 durch den Bildhauer Richard Horn zur Erinnerung an die Opfer des Ersten Weltkrieges geschaffen.
  • Das Friedrich-Koenig-Denkmal erinnert an den Eisleber Erfinder der Schnellpresse Friedrich Koenig und wurde 1891 durch den Bildhauer Fritz Schaper geschaffen.
  • Das Ernst-Leuschner-Denkmal wurde 1903 zum Andenken an den Oberberg- und Hüttendirektor Ernst Leuschner (1828–1896) durch den Bildhauer Carl Seffner erstellt.

Profanbauten[Bearbeiten]

  • Das Rathaus der Altstadt wurde 1508–1532 erbaut.
  • Stadtschloss der Mansfelder Grafen
  • Gräfliche Münze, Renaissancebau
  • Das Alte Gymnasium wurde 1563 bis 1564 als „Fürnehme Lateinschule“ erbaut. Nach dem Stadtbrand 1601 wurde es 1604 neu errichtet. Dort wirkte der geistliche Liederdichter Martin Rinckart von 1610 bis 1611. 1883 zog das nunmehr Königliche-Preußische Gymnasium in das neue Schulgebäude am Schlossplatz um.[45]
  • Die Alte Superintendentur wurde Anfang des 16. Jahrhunderts dreigeschossig erbaut. Unter Johannes Agricola, Magister Islebeius, war sie 1525 Knabenschule. 1546 wurde sie nach dem Luthervertrag auch „Fürnehme Lateinschule“ genannt. 1601 entstanden durch einen Brand starke Schäden, das bemerkenswerte spätgotische Portal blieb jedoch erhalten.[45]
  • Alte Waage
Marktplatz von Westen mit der Alten Waage
  • Altes Vikariat
  • Die Alte Bergschule ist ein Barockbau, in dem ursprünglich das Hospital des Katharinenstifts untergebracht war. Von 1817 bis 1844 befand sich in dem Haus die 1798 gegründete Eisleber Bergschule.[15]
  • Das Rathaus der Neustadt (Eisleben) (Altes Gericht) wurde 1571–1589 erbaut.
  • Die Mohrenapotheke wurde 1817 erbaut.
  • Millionenbrücke
  • Das Haus des Verwalters vom Katharinenstiftgut wurde 1723 im Barockstil mit prächtigem Giebel, Mansarddach und stuckgeschmücktem Hauseingang erbaut.[45]
  • Das Amtsgericht Eisleben wurde 1913 für das Königliche Amtsgericht erbaut.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Der Eisleber Wiesenmarkt, das größte Volksfest Mitteldeutschlands, findet an jedem 3. Wochenende im September statt und geht auf die Genehmigung durch Kaiser Karl V. für das Abhalten eines Vieh- und Ochsenmarktes aus dem Jahr 1521 zurück. Des Weiteren findet jedes Jahr die Frühlingswiese statt.
  • Kulturnacht im Kloster Helfta

Sport[Bearbeiten]

  • Der Mansfelder SV Eisleben ist ein Sportverein aus der Lutherstadt Eisleben. Die Sportstätte ist der 5.000 Zuschauer fassende Städtische Sportplatz mit zwei Rasen- und einem Kunstrasenplatz und einer überdachten Tribüne.
  • Mit dem KAV Mansfelder Land tritt seit 2013 ein Verein aus der Stadt in der 1. Ringer-Bundesliga an.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Busbahnhof am Klosterplatz

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Eisleben wird von der Bundesstraße 80 passiert und von der Bundesstraße 180 tangiert. Südlich der Stadt befindet sich die Anschlussstelle „Eisleben“ der Bundesautobahn 38.

Eisenbahnverkehr[Bearbeiten]

Am Bahnhof der Stadt nahe der Rathenaustraße halten stündlich die Linien RE9 (Halle-Nordhausen-Kassel) und die RB75 (Lutherstadt Eisleben-Halle) auf der Bahnstrecke Halle–Hann Münden.

Busverkehr[Bearbeiten]

Der städtische und regionale Busverkehr wird von der Verkehrsgesellschaft Südharz mbH durchgeführt. Durch die Landesbusse 410, 420 und 700 sind unter anderem Hettstedt, Mansfeld, Aschersleben und Querfurt sowie Nebra direkt erreichbar.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

  • Martin-Luther-Gymnasium Eisleben
  • Katharinenschule (1960–1994 POS John Schehr)
  • Thomas-Müntzer-Schule (Grundschule)
  • Grundschule am Schlossplatz
  • Grundschule Torgartenstraße
  • Grundschule Geschwister-Scholl
  • Berufsschule Mansfeld-Südharz

Ehemalige Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

  • Bergschule Eisleben später Ingenieurschule Eisleben
  • Gymnasium an der Bergmannsallee (jetzt zum Martin-Luther-Gymnasium gehörend)
  • Grabenschule (jetzt zur Katharinenschule gehörend)
  • Sekundarschule am Rühlemannplatz

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Martin Luther
Johannes Agricola
Friedrich Koenig

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Personen, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Carl Eitz
  • Hermann von Salm (1053–1088), auch Graf Hermann von Salm-Luxemburg, war Gegenkönig Heinrich IV. und residierte 1181 bis 1184 im Eisleber Wasserschloss.
  • Caspar Güttel (1471–1542), lutherischer Theologe und Reformator, starb in Eisleben.
  • Johann Spangenberg (1484–1550), evangelischer Theologe und Reformator, starb in Eisleben.
  • Michael Caelius (1492–1559), lutherischer Theologe und Reformator.
  • Georg Major (1502–1574), lutherischer Theologe, war von 1550 bis 1551 hier Superintendent.
  • Thomas Hartmann (1548–1609), evangelischer Theologe und Kirchenlieddichter.
  • Johannes Förster (1576–1613), lutherischer Theologe und Generalsuperintendent der Grafschaft Mansfeld in Eisleben. Hier starb er auch.
  • Nicolaus Voigtel (1658–1713), Geometer, Bergbeamter und Autor, starb in Eisleben.
  • Johann Anton Trinius (1722–1784), Pfarrer, Theologe und Schriftsteller, lebte und starb in Eisleben.
  • Novalis, eigentlich Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg (1772–1801), Jurist, Bergwissenschaftler, führender Dichter der deutschen Frühromantik, besuchte 1790 die Prima des Gymnasiums.
  • Johann Carl Freiesleben (1774–1846) war sächsischer Oberberghauptmann und wurde 1800 als Bergkommissionsrat und Direktor der mansfeldischen Bergwerke nach Eisleben berufen. Hier legte er mehrere Publikationen zur Verbesserung des Kupferschieferbergbaus vor. 1818 schenkte er der preußischen Bergschule Eisleben 212 Stücke seiner geognostischen Mineraliensammlung aus der Freiberger Gegend.
  • Eduard Fein (1813–1858), Rechtswissenschaftler, starb in Helfta bei Eisleben.
  • Ernst Leuschner (1826–1898), Oberberg- und Hüttendirektor, für den 1903 ein Denkmal errichtet wurde.
  • Hermann Größler (1840–1910) Lehrer, Heimatforscher und Autor von über 250 Veröffentlichungen.[47]
  • Carl Eitz (1848–1924), Akustiker und Musikpädagoge
  • Carl Rühlemann (1864–1947), Lehrer, Archäologe, Archivar, Museumsleiter, Regionalhistoriker, Autor von 130, teilweise mehrteiligen Veröffentlichungen, 1927 bis 1934 Mitglied der Hist. Kommission der Provinz Sachsen u. für Anhalt, 1944 Ehrenbürger von Eisleben
  • Otto Richter (1865–1936), Kantor und Organist 1890 bis 1906 in Eisleben, gründete 1900 den Bachverein Eisleben, ab 1906 Kreuzkantor in Dresden
  • Max Lademann (1896–1941) war ein deutscher Politiker (KPD). 1933 wurde er Stadtrat in Eisleben. Er wurde 1941 im KZ Sachsenhausen ermordet.[48] Nach dem Krieg war die Sekundarschule am Rühlemannplatz in Eisleben nach ihm benannt an der es eine Gedenktafel gibt.[34] Daneben gibt es in Eisleben die Max-Lademann-Straße.
  • Werner Eggerath (1900–1977), Politiker, war 1945 Landrat (KPD) und maßgeblich an der Durchführung der Bodenreform beteiligt
  • Paul Berck (1912–1933), so genannter Blutzeuge der NS-Bewegung, wurde in Eisleben erschossen.
  • Ralph Wiener (* 1924) (bürgerlich Felix Ecke) gründete am 13. Juli 1945 in Eisleben mit dem „Bürgertheater“ das erste deutsche Nachkriegstheater.[49]
  • Fritz Wenck, war ein Theologe und Widerstandskämpfer gegen das Naziregime. 1934 und 1935 brachte er zusammen mit seiner Frau regimekritische Flugblätter nach Eisleben. Beide wurden 1937 verhaftet. Fritz Wenck kam nach seiner Zuchthaushaft in das KZ Sachsenhausen.[50] Er wurde 1945 beim Todesmarsch vom KZ Sachsenhausen nach dem KZ Bergen-Belsen ermordet.[34] Heute (2010) ist eine Straße in Eisleben nach ihm benannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Treu: "Von daher bin ich" - Martin Luther und Eisleben. Ein Rundgang durch die Ausstellung im Geburtshaus. Elbe-Druckerei, Wittenberg 2007, ISBN 3-9806328-8-1.
  • Rosemarie Knape (Hrsg.): Martin Luther und Eisleben. (Schriften der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Band 8.) Leipzig 2007, ISBN 978-3-374-02484-1.
  • Ursel Lauenroth: Lutherstadt Eisleben. Als die Schornsteine noch rauchten. Fotodokumente zwischen 1945 und 1989. Leipziger Verlagsgesellschaft, Leipzig 2005.
  • Marion Ebruy und Klaus Foth: Stadtführer Eisleben. Zu Fuß durch eine tausendjährige Stadt. Mansfelder Heimatverein, Eisleben 2002, ISBN 3-00-010617-0.
  • Sabine Bree: Lutherstadt Eisleben. Stadtführer. Verlag Communication und Techniques, Thedinghausen 1996, ISBN 3-9804949-0-X.
  • Burkhard Zemlin: Stadtführer Lutherstadt Eisleben. Verlag Gondrom, Bindlach 1996, ISBN 3-8112-0833-0.
  • Gerlinde Schlenker (Hrsg.): Protokollband zum Kolloquium anlässlich der ersten urkundlichen Erwähnung Eislebens am 23. November 994. Verlag Janos Stekovics, Halle 1995, ISBN 3-929330-52-0.
  • 1000 Jahre Markt-, Münz- und Zollrecht. Lutherstadt Eisleben 1994.
  • Burkhard Zemlin, Reinhard Feldrapp: Lutherstadt Eisleben. Verlag Gondrom, Bindlach 1993, ISBN 3-8112-0804-7.
  • Hermann Größler: Urkundliche Geschichte Eislebens bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts. Dingsda-Verlag, Querfurt 1992, ISBN 3-928498-17-7.
  • Hermann Größler: Vom Einzelhof zum Stadtkreis. Ein Blick auf die Entwicklung der Stadt Eisleben. Dingsda-Verlag, Querfurt 1992, ISBN 3-928498-18-5.
  • Hermann Größler: Das Werden der Stadt Eisleben. Ein Beitrag zur Heimatkunde. Erster bis Fünfter Teil (in einem Band). Eisleben, Selbstverlag (Einzelabdruck in den Mansfelder Blättern)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31.12.2012 (PDF) (Fortschreibung auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Deutsche UNESCO-Kommission e. V.: „Welterbeliste“
  3. Neckendorf auf der Homepage der Lutherstadt Eisleben
  4. Oberhütte auf der Homepage der Lutherstadt Eisleben
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
  6. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004
  7. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2005
  8. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2006
  9. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2009, 1. Teil
  10. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010
  11. Deutscher Wetterdienst, Normalperiode 1961–1990
  12. a b Kurt Lindner: Lutherstadt Eisleben, Centrum des Mansfelder Kupferschieferbaus. Eisleben 1982.
  13. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s Marion Ebruy, Klaus Foth: Stadtführer Eisleben, Eisleben 2002.
  14. Cyriacus Spangenberg: „Mansfeldische Chronik“/
  15. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z Burkhard Zemlin: „Stadtführer Lutherstadt Eisleben“
  16. Hermann Größler (nach Brüder Grimm): Sagen der Grafschaft Mansfeld und ihrer näheren Umgebung, Eisleben 1880, S. 2
  17. B. Feicke: Die Grafen von Mansfeld als Stadtherren von Eisleben. Die Verpfändung der Niedergerichte 1454 an den Rat der Stadt. In: Harz-Zs. 61 (2009), S. 141-154.
  18. Eckart Klaus Roloff: Luther, der Retter. (Kulturreportage über Eisleben). In: Rheinischer Merkur, Nr. 44/2007, S. 19.
  19. Hermann Größler: Das Werden der Stadt Eisleben, T. 5, in: Mansfelder Blätter (23) 1909, S. 67-124, hier: Anh. 1, S. 119-122
  20. Thomas Wäsche: Die Wasserversorgung der Stadt Eisleben, Eisleben ²2006; Dgl.: Die Befestigungsanlagen der Stadt Eisleben, Eisleben 2005.
  21. Art. Blanckenberg, Berndinus in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (Hg. T. Bautz), Bd. XXX, Nordhausen 2009, Sp. 124-130 (B. Feicke)
  22. Thomas Wäsche: Die Gestalt der Stadt Eisleben, Eisleben 2007
  23. B. Feicke: Die Permutationsrezesse Ende des 16. Jahrhunderts in der Grafschaft Mansfeld, in: Zs. f. Heimatforschung, H. 17, Halle 2008, S. 19-24
  24. Walter Mück: Der Mansfelder Kupferschieferbergbau und seine rechtsgeschichtliche Entwicklung, Eisleben 1910, Bd. 2, Urk. 153
  25. a b c Die Grafen von Mansfeld
  26. „Die Grafen von Mansfeld und ihre Herrschaft“
  27. „Stadtgeschichte der Lutherstadt Eisleben“
  28. DEHIO, Sachsen-Anhalt II (1999), S. 467; Bernd Feicke: Zur politischen Vorgeschichte des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 und seine Ergebnisse für Kursachsen und Preußen im Ostharz unter besonderer Berücksichtigung der 1780 einverleibten Grafschaft Mansfeld ..., in: Beiträge zur Regional- uns Landeskultur Sachsen-Anhalts, H. 29/2004, S. 4-29, hier: 6-14
  29. Stefan König: Die Kalidrahtseilbahn zwischen Eisleben und Unterrißdorf, abgerufen 15. Mai 2011
  30. [1] Förderverein Eisleber Synagoge e. V.
  31. „Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945“ Bundesarchiv 2007
  32. Yad Vashem The Holocaust Martyrs' and Heroes' Remembrance Authority
  33. Peter Lindner: Hermann Florstedt, SS-Führer und KZ-Lagerkommandant. Ein Lebensbild im Horizont der Familie. Gursky, Halle (Saale) 1997 ISBN 3-929389-19-3
  34. a b c „Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation von Stefanie Endlich / Nora Goldenbogen / Beatrix Herlemann / Monika Kahl / Regina Scheer. Band II: Bundesländer Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen. Hg. von der Bundeszentrale für politische Bildung Bonn 1999, S. 528f., ISBN 3-89331-391-5
  35. Birk Karsten Ecke: www.harz-saale.de
  36. Robby Zeitfuchs und Volker Schirmer: „Zeitzeugen. Der Harz im April 1945.“ Herausgeber: Volker Schirmer, Verlag: BoD – Books on Demand, 2000 ISBN 3-89811-654-9, 9783898116541
  37. Eckart Klaus Roloff: Luther, der Retter. (Kulturreportage über Eisleben). In: Rheinischer Merkur, Nr. 44/2007, S. 19. Ralph Wiener: Kleine Stadt ganz groß. Zur Geschichte des ersten deutschen Nachkriegstheaters. Schäfer Druck & Verlag, Langenbogen 2007.
  38. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt: Eisleben
  39. http://www.statistik.sachsen-anhalt.de/wahlen/bmbm/erg/gem/bm.15087130.ergtab.frametab.html
  40. Wolfram Bahn, Ronald Dähnert: Jutta Fischer bleibt Bürgermeistern. In: Mitteldeutsche Zeitung vom 2. Dezember 2012.
  41. Amtsblatt des Landkreis Nr. 3/2009 Seite 16 (PDF; 2,5 MB)
  42. http://www.theater-eisleben.de/de/Protest
  43. Burga Kalinowski: Stirb langsam. Mittelkürzungen bei Theatern und Orchestern bedrohen Ensembles, kulturelle Traditionen und soziale Strukturen der Bühnen in Halle, Dresden und Eisleben. In: neues deutschland vom 29./30. März 2014, S. 17-19.
  44. Unser Mansfelder Land. Heimatblatt für Eisleben und Hettstedt. Januar 1957. S.3ff
  45. a b c Haustafel am Gebäude
  46. ADB Bd. 38
  47. Dingsda-Verlag
  48. Klaus Mlynek/ Waldemar R. Röhrbein/ Dieter Brosius: Geschichte Der Stadt Hannover, 1992, S. 541.
  49. Burga Kalinowski: Stirb langsam. Mittelkürzungen bei Theatern und Orchestern bedrohen Ensembles, kulturelle Traditionen und soziale Strukturen der Bühnen in Halle, Dresden und Eisleben. In: neues deutschland vom 29./30. März 2014, S. 17-19 (mit Darstellungen zu Felix Ecke = Ralph Wiener und dem Theater in Eisleben).
  50. Hans Coppi: Ansprache zum Jahrestag des Eisleber Blutsonntag, am 10. Februar 2002 in Eisleben

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eisleben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Eisleben – Reiseführer