Ich beichte

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Filmdaten
Deutscher Titel Ich beichte,
auch: Zum Schweigen verurteilt,
auch: Ich gestehe
Originaltitel I Confess
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1953
Länge 91 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Alfred Hitchcock
Drehbuch Paul Anthelme,
George Tabori,
William Archibald
Produktion Alfred Hitchcock
für Warner Bros.
Musik Dimitri Tiomkin
Kamera Robert Burks
Schnitt Rudi Fehr
Besetzung

Ich beichte (Alternativtitel: Zum Schweigen verurteilt; auch: Ich gestehe, Originaltitel: I Confess) wurde 1953 von Alfred Hitchcock nach einem Drehbuch von George Tabori gedreht.

Handlung[Bearbeiten]

Otto Keller und seine Ehefrau Alma arbeiten als Hausmeister bzw. Haushälterin an einer katholischen Kirche in Québec (Kanada). Eines Nachts bricht Otto bei dem Rechtsanwalt Villette ein, bei dem er jeden Mittwoch als Gärtner arbeitet, und ermordet ihn, als er von ihm überrascht wird. Er flieht als Priester verkleidet. Als er zur Kirche zurückkehrt, beichtet er dem jungen Pater Michael Logan seine Tat im Beichtstuhl und der Pater verlangt, dass er das gestohlene Geld wieder zurückbringt. Otto erzählt auch seiner Frau Alma von dem Mord. Am nächsten Morgen geht er, wie an jedem Mittwoch, zu Villette, „findet“ die Leiche und ruft die Polizei. Etwas später kommt Pater Logan zu Villettes Haus. Er erklärt dort Polizeiinspektor Larrue, er sei mit Villette verabredet, könne ihm aber nicht sagen, aus welchem Grund, es habe jedoch mit dem Mord nichts zu tun. Larrue wird misstrauisch. Kurz darauf sieht er, wie Logan sich vor dem Haus mit einer Frau trifft.

Unterdessen werden zwei Augenzeuginnen ermittelt, zwei junge Mädchen, die auf dem Nachhauseweg einen Priester gesehen haben, der zur Tatzeit aus Villettes Haus kam. Diese Aussage belastet Pater Logan, da alle anderen in Frage kommenden Priester in der Umgebung Alibis haben. Logan gibt an, zur Tatzeit spazieren gewesen zu sein. Weitere Angaben zu der Frau, mit der er sich traf, und zu Villette könne er nicht machen. Otto erfährt von dem Verdacht der Polizei gegen Logan und setzt diesen unter Druck, das Beichtgeheimnis zu wahren. Logan macht jedoch keine Anstalten, dies brechen zu wollen.

Die Frau, die Logan vor Villettes Haus traf, ist Ruth Grandfort, verheiratet mit einem angesehenen Politiker, und die Grandforts sind mit dem zuständigen Staatsanwalt gut befreundet. Außerdem bestand offensichtlich zwischen Logan und Ruth zu früherer Zeit ein Verhältnis. Infolge einer Beschattungsaktion bekommt Larrue die Identität der Frau heraus. Er informiert den Staatsanwalt, und gemeinsam bestellt man Logan und die Grandforts ein.

Unter dem Druck der Befragung und um Logan zu entlasten, erklärt Ruth die Zusammenhänge: Sie und Logan haben sich vor dem Zweiten Weltkrieg kennengelernt und sich geliebt. Logan zog in den Krieg und verlangte von Ruth, nicht auf ihn zu warten. Ruth heiratete einige Zeit darauf Grandfort, den sie jedoch nie liebte. Als Logan nach dem Krieg nach Hause kam, verbrachten beide einen gemeinsamen Tag. Ruth hatte Logan nichts von ihrer Hochzeit erzählt. Aufgrund eines plötzlichen Unwetters waren Logan und Ruth gezwungen, die Nacht gemeinsam im Freien zu verbringen. Dort tauchte am nächsten Morgen Villette auf und erkannte Ruth. Logan erfuhr auf diese Weise, dass sie verheiratet ist. Danach sahen sich Ruth und Logan fünf Jahre lang nicht. Logan ließ sich zum Priester weihen. Eines Tages begann Villette, Ruth zu erpressen. Als sie nicht weiter wusste, wandte sie sich an Logan. Am Abend des Mordes trafen sie sich und Logan versprach, sich um die Sache zu kümmern und Villette aufzusuchen.

Ruth erklärt, am fraglichen Abend bis 23 Uhr – dem angeblichen Zeitpunkt des Mordes – mit Logan zusammen gewesen zu sein. Larrue hat jedoch inzwischen den Obduktionsbefund erhalten, der die Tatzeit auf etwa 23 Uhr 30 festlegt, so dass Logan durch Ruths Aussage nicht von dem Verdacht befreit wird, sondern im Gegenteil belastet wird, da nun ein Motiv vorliegt.

Otto Keller erkennt seine Chance und versteckt die Soutane, die er während des Mordes getragen hat, in Pater Logans Zimmer, wo sie von der Polizei gefunden wird. Man klagt Logan an und es kommt zum Prozess. Der Staatsanwalt versucht, den Eindruck zu erwecken, Ruth und Logan hätten sich häufig und sogar noch nach der Priesterweihe getroffen. Otto Keller macht eine belastende Falschaussage, indem er behauptet, dass Pater Logan erst nach Mitternacht in die Kirche gekommen sei. Der an das Beichtgeheimnis gebundene Logan widerspricht zwar der Lüge Kellers, verschweigt aber nach wie vor, dass er den Täter kennt.

Trotz der Indizien wird Logan von den Geschworenen freigesprochen. Der Richter gibt zu erkennen, dass er dies für ein Fehlurteil hält. Logans Gang aus dem Gerichtsgebäude wird zu einem Spießrutenlauf. Die Menge hat ihr Urteil längst gesprochen. Alma Keller, die von Anfang an lediglich aus Liebe oder Solidarität zu ihrem Ehemann geschwiegen hat, bricht unter dem Eindruck des lynchwütigen Mobs zusammen und entlastet Pater Logan. Bevor sie aber Otto als Mörder bezichtigen kann, wird sie von ihm erschossen. Otto flieht in das Hotel Château Frontenac. In die Enge getrieben gesteht Otto schließlich seine Tat, da er fälschlicherweise davon ausgeht, Logan habe aus Feigheit sein Schweigen gebrochen. Er wird angeschossen. Im Sterben bittet er Pater Logan um Vergebung und dieser erteilt ihm die Absolution.

Hintergründe[Bearbeiten]

I confess basiert auf dem Theaterstück Nos deux consciences von Paul Anthelmes aus dem Jahr 1902, das Hitchcock bereits Anfang der 30er Jahre gesehen hatte. Für Hitchcock, dessen katholische Erziehung in fast allen seinen Filmen ihre Spuren hinterlassen hat, war die Geschichte eines Priesters, der in den Konflikt gerät, sich nur durch das Brechen des Beichtgeheimnisses von einem Mordverdacht befreien zu können, faszinierend. Jahrzehntelang spielte er mit dem Gedanken, diesen Stoff zu verfilmen. Ende der 40er Jahre lagen die Rechte bei Warner Brothers, und es gab bereits Treatments von diversen Autoren, die Hitchcock jedoch noch nicht zusagten. Als er nach Der Fremde im Zug monatelang erfolglos auf Stoffsuche war, kramte seine Frau Alma die alten Entwürfe vor und Hitchcock sah die große Chance, das soeben in Der Fremde im Zug mit Bravour umgesetzte Motiv der Schuldübertragung weiterzuentwickeln.

Als Drehbuchautor wollte Hitchcock zuerst Samson Raphaelson gewinnen, der für ihn bereits 11 Jahre zuvor das Drehbuch zu Verdacht geschrieben hatte. Der lehnte jedoch ab. So wurde das Drehbuch dann von dem Bühnenautor William Archibald geschrieben. Für die Überarbeitung der Dialoge engagierte Hitchcock George Tabori, dessen Stück Flight to Egypt er gesehen hatte. Tabori sollte insbesondere die Persönlichkeit des deutschen Flüchtlings Otto Keller und seiner Frau glaubhaft herausarbeiten. Wie in praktisch allen seinen Filmen war der Anteil Hitchcocks am Drehbuch sehr groß. Am Ende blieb von der ursprünglichen Vorlage außer der Grundidee praktisch nichts übrig.

Hitchcock hat die Rolle der Alma Keller seiner Frau Alma gewidmet, ohne dies allerdings irgendwann irgendjemandem gegenüber einzugestehen. Den Namen Alma für die Rolle der Frau, die merklich unter der schlimmen Tat ihres Mannes leidet, aus Loyalität und Liebe zu ihm jedoch (zunächst) schweigt, wählte er erst in der allerletzten Drehbuchfassung, nachdem er persönlich die Dialoge zwischen Otto und Alma überarbeitet hatte. Hitchcock drückte mit Ottos Worten an dessen Frau Alma seine eigenen Gefühle gegenüber seiner Frau Alma aus. Das Motiv des Fremden in der neuen Heimat, das Motiv des ängstlichen Mannes, der bei seiner Frau, die ihn selbstlos unterstützt, Rückhalt findet, spiegelt deutlich Hitchcocks persönliche Stimmung sieben Jahre nach dem Krieg wider.

Hitchcock war klar, dass Nicht-Katholiken den zugrundeliegenden, auf der Unverletzlichkeit des Beichtgeheimnisses basierenden Konflikt nur schwer begreifen würden. Daher wählte er eine (zumindest für US-Amerikaner) exotische Umgebung, nämlich das katholisch geprägte kanadische Quebec mit seinen engen und steilen Straßen und den vielen Kirchen. Und er besetzte die Hauptrolle des unter Mordverdacht stehenden Priesters mit dem jungen, populären Montgomery Clift, bei dem er davon ausging, dass er der Rolle menschliche Tiefe geben könnte. Clift erwies sich jedoch als ziemlich schwierig. Als Method Actor war er es gewohnt, sich Rollen von innen heraus zu nähern, was Hitchcock sehr widerstrebte, da er einzig und alleine sich als den Künstler sah und Schauspieler lediglich als Ausführende. Noch dazu war Clift neurotisch, depressiv und alkoholabhängig, und er holte vor jeder Szene die Zustimmung seiner Lehrerin Mira Rostova ein, die ihm auf Schritt und Tritt folgte und sogar noch während der Dreharbeiten Anweisungen gab. Montgomery Clifts ausdrucksloses, beinahe fatalistisches Spiel verleiht dem Film letztendlich eine beklemmende Atmosphäre.

Für die weibliche Hauptrolle wollte Hitchcock die Schwedin Anita Björk haben. Diesen Plan musste er fallen lassen, als Frau Björk mit Liebhaber und unehelichem Kind anreiste. Bei der Thematik des Films und angesichts der Anfang der 50er Jahre in den USA geltenden Moralvorstellungen legte die Produktionsfirma umgehend Veto ein und Anita Björk wurde durch Anne Baxter ersetzt.

Ich beichte wurde von Publikum und Kritik schlecht aufgenommen. Man rieb sich, wie nicht anders zu erwarten, an der Grundkonstellation, dass der Priester die Bewahrung des Beichtgeheimnisses sogar über das eigene Leben stellt. Darüber hinaus wurde bemängelt, dass dem Film jegliche Spur des typisch Hitchcockschen Humors fehlt.

Abgesehen von den voraussehbaren Defiziten aufgrund der Grundkonstellation ist Ich beichte stilistisch einer der besten Hitchcock-Thriller überhaupt. Hitchcocks Bildsprache, sein Spiel mit Licht und Schatten und mit Hell und Dunkel (in seinem vorerst letzten Schwarz-Weiß-Film), die suggestive Kameraführung (Hitchcocks zweite Zusammenarbeit mit dem Kameramann Robert Burks, der ihn die nächsten zehn Jahre begleiten sollte), die exakte Bildkomposition und die vielen visuellen Details sind famos.

Cameo[Bearbeiten]

Hitchcock ist am Anfang des Films als Fußgänger am Kopf einer großen Freitreppe zu sehen.

Deutsche Fassung[Bearbeiten]

Die deutsche Synchronbearbeitung entstand 1953 in den Ateliers der Deutschen Mondial Film GmbH in Berlin. [1]

Rolle Darsteller Synchronsprecher
Pater Michael W. Logan Montgomery Clift Paul-Edwin Roth
Ruth Grandfort Anne Baxter Tilly Lauenstein
Otto Keller O. E. Hasse O. E. Hasse
Inspector Larrue Karl Malden Heinz Engelmann
Willy Robertson Brian Aherne Siegfried Schürenberg
Pierre Grandfort Roger Dann Horst Niendorf
Pater Millars Charles Andre Alfred Balthoff
Detective Murphy Judson Pratt Hans Emons
Pater Benoit Gilles Pelletier Harry Wüstenhagen
Sergeant Farouche Henry Corden Wolf Martini

Kritiken[Bearbeiten]

Nach der Uraufführung 1953 schrieb die New York Times: "Es dauert lange, bis Hitchcock hier die Spannung in Gang bringt. Erst ganz am Schluss in einem Kulminationspunkt für das Melodram, beginnt dieser Film zu vibrieren. Es gibt immer mal wieder die überraschenden Hitchcock-Zutaten, aber das Drehbuch schreibt eine schwerfällige Entwicklung vor, die sich schleppend der erwarteten Lösung nähert."

Ulrich Behrens schreibt in seiner Rezension, Ich beichte sei „ein an Dramatik kaum zu überbietender Film, in dem Hitchcock nicht nur das Dilemma eines Priesters schildert – beeindruckend dargestellt von Montgomery Clift – zwischen seinem Gelübde als Priester (hier: Beichtgeheimnis) und seinen menschlichen Gefühlen für irdische Gerechtigkeit.“ ([1])

Das „Lexikon des internationalen Films“ (CD-ROM-Ausgabe, Systhema, München 1997) hebt die Bedeutung des Films für das Gesamtwerk Hitchcocks hervor: "Spannung entwickelt sich hier aus psychologischen und theologischen Konflikten. Die kriminalistischen Vorgänge bilden den Hintergrund. Hitchcock filmte in Quebec, um die typisch katholische Atmosphäre glaubhaft zu machen, und bezog persönliche Ehe- und Glaubensprobleme in die Handlung ein. Obgleich etwas schwerfällig und konstruiert wirkend, ist der Film packend und spielt innerhalb von Hitchcocks Gesamtwerk eine aufschlußreiche Rolle."

Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz bewerten den Film in ihrem Lexikon „Filme im Fernsehen“ (Erweiterte Neuausgabe, Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-392-3, S. 381) mit 2½ Sternen (= überdurchschnittlich) und meinen: "(...); einer der weniger straff inszenierten Hitchcocks, ziemlich typisierend, aber dennoch fesselnd bis zum nicht sehr überzeugenden Finale."

Eine ähnliche Beurteilung findet sich im Filmlexikon 6000 Filme. Kritische Notizen aus den Kinojahren 1945 bis 1958 (Handbuch V der katholischen Filmkritik, 3. Auflage, Verlag Haus Altenberg, Düsseldorf 1963, S. 201): "Fesselndes psychologisches Drama (...). Sein Konflikt ist stark konstruiert, doch mit angemessenem Takt und Geschmack durchgeführt. Für Jugendliche kaum verständlich und darum ungeeignet."

Der Filmhistoriker David Shipman schreibt in The Story of Cinema (1986) über I Confess: „Technically one of Hitchcock's most brilliant films.“

Literatur[Bearbeiten]

  • François Truffaut: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?. Heyne, 2003, ISBN 3-453-86141-8 (Abfolge von Interviews(circa 50 Stunden) des frz. Regisseurs aus dem Jahr 1962). Originalausgabe: François Truffaut: Le cinéma selon Hitchcock (dt. „Der Film gemäß Hitchcock“) Simon und Schuster, 1984, ISBN 0-671-52601-4
  • Robert A. Harris, Michael S. Lasky, Hrsg. Joe Hembus: Alfred Hitchcock und seine Filme (OT: The Films of Alfred Hitchcock). Citadel-Filmbuch bei Goldmann, München 1976, ISBN 3-442-10201-4
  • John Russel Taylor: Die Hitchcock-Biographie, Fischer Cinema 1982, ISBN 3-596-23680-0
  • Donald Spoto: Alfred Hitchcock – Die dunkle Seite des Genies. Heyne, München 1984, ISBN 3-453-55146-X (dt. Übersetzung von Bodo Fründt)
  • Bodo Fründt: Alfred Hitchcock und seine Filme. Heyne Filmbibliothek Band Nr. 91, 1986, ISBN 3-453-86091-8

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thomas Bräutigam: Lexikon der Film- und Fernsehsynchronisation. Mehr als 2000 Filme und Serien mit ihren deutschen Synchronsprechern etc.. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-289-X, S. 408 / Ich beichte in der Deutschen Synchronkartei; abgerufen am 2. Dezember 2007