Cocktail für eine Leiche

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Filmdaten
Deutscher Titel Cocktail für eine Leiche
Originaltitel Rope
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1948
Länge 80 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Alfred Hitchcock
Drehbuch Arthur Laurents
Hume Cronyn
Ben Hecht
Produktion Sidney Bernstein
Alfred Hitchcock
für Transatlantic Pictures
Musik David Buttolph
Kamera William V. Skall
Joseph A. Valentine
Schnitt William H. Ziegler
Besetzung

Cocktail für eine Leiche (Originaltitel: Rope, zu deutsch „Seil“ oder „Strick“ in Anspielung auf das Mordwerkzeug zu Beginn) ist ein Spielfilm von Alfred Hitchcock aus dem Jahr 1948. Das Kriminal-Drama basiert auf dem Theaterstück Party für eine Leiche (Rope) von Patrick Hamilton.

Inhaltsverzeichnis

Handlung des Films [Bearbeiten]

Zwei Studenten, Brandon Shaw und Phillip Morgan, planen den perfekten Mord, inspiriert durch eine Betrachtung ihres Lehrers Rupert Cadell über die „Kunst des Mordes“ und die moralische Überlegenheit des Übermenschen. Sie strangulieren einen Kommilitonen, David, und verstecken die Leiche in einer Truhe in ihrem Apartment. Um ihre Tat zu feiern und das Gefühl ihrer Überlegenheit auszukosten, veranstalten sie noch am selben Abend eine Feier, zu der sie unter anderem Janet, die Freundin des Toten, deren Exfreund Kenneth (der zugleich ein guter Freund des toten David ist) sowie den Vater des Opfers einladen. Auch Cadell, humorvoll-zynischer Philosoph und geistige Inspiration der Mörder, kommt. David, der tote Kommilitone, ist offiziell ebenfalls eingeladen.

Das Buffet der morbiden Feier wird auf ebenjener Truhe serviert, in welcher der Tote liegt. Im Laufe des Abends – der sowohl aufgrund einer entgleisten Diskussion über das „Privileg“ des Mordes aus geistiger Überlegenheit als auch aufgrund des unfreiwilligen Zusammentreffens des ehemaligen Pärchens Janet und Kenneth in einer ungemütlichen Stimmung endet – hat Cadell Verdacht geschöpft. Insbesondere Philips Nervosität, aber auch Brandons gar zu vehement vorgetragene These über das moralische Privileg des Mordes lassen die Abwesenheit Davids in neuem Licht erscheinen.

Als Cadell schließlich beim Gehen den falschen Hut ergreift – und dabei die in den Hut eingestickten Initialen Davids entdeckt –, beschließt er, unter einem Vorwand erneut bei den Gastgebern zu klingeln und diese zur Rede zu stellen. Schließlich lassen diese zu, dass Cadell die Truhe öffnet und den toten David darin findet. Zutiefst beschämt über seine eigene geistige Mittäterschaft – die jedoch auf einem Missverständnis beruht, da Cadell seine philosophischen Thesen nie als Handlungsanweisung verstanden wissen wollte – sorgt er dafür, dass die Polizei kommt, indem er mit Brandons Revolver aus dem Fenster über der belebten Straße in die Luft schießt.

Kritik [Bearbeiten]

„Mit beträchtlichem formalem Geschick gestalteter Thriller, der die Einheit von Ort und Zeit wahrt und den Eindruck erweckt, er wäre in einer einzigen Einstellung gedreht. Der Film erhält durch seine intellektuell-spielerische Machart einen makabren Anstrich, lässt sich zugleich aber als Warnung vor nazistischer Herren-Ideologie verstehen.“

Lexikon des Internationalen Films[1]

Hintergründe [Bearbeiten]

  • Cocktail für eine Leiche soll vom Mord an dem 14-jährigen Bobby Franks im Jahr 1924 inspiriert gewesen sein, der von den beiden 19-jährigen Studenten Leopold und Loeb begangen wurde, die die Gewalttat als Kunst betrachteten. Die Verbindung wurde von Autor Hamilton jedoch immer bestritten. Der Fall hat auch die Filme Der Zwang zum Bösen, Swoon sowie Mord nach Plan inspiriert.[2]
  • Arthur Laurents konnte seine Drehbuchfassung Hitchcock gegenüber nicht durchsetzen. In dieser wird der Mord nicht eingangs gezeigt, sondern bleibt bis zum Showdown ein Geheimnis für den Zuschauer. Dadurch hätte sich, so Laurent, ein stärkerer Spannungsbogen aufbauen lassen.[3]
  • Cocktail für eine Leiche war Hitchcocks erster Farbfilm[2] (in Technicolor) und der erste, den er auch als unabhängiger Produzent inszenierte. Da sich der Film, ähnlich wie in Das Rettungsboot (Lifeboat, 1943) ausschließlich an einem Drehort abspielt, wollte er ihm den Anschein geben, als sei er in einer einzigen, durchgehenden Einstellung in Echtzeit gedreht. Da aber eine Filmrolle in der Kamera zu der damaligen Zeit nur zehn Minuten umfassen konnte, musste er Schnitte machen, die zwischen den Szenen nahezu unmerklich verborgen bleiben (unsichtbarer Schnitt). Dies geschieht z.B. so, dass am Ende der einen Szene die Kamera auf ein Bild zufährt (etwa auf den Anzug eines Schauspielers, der dann den ganzen Bildschirm schwarz ausfüllt) und die nächste Szene mit dem Zurückfahren von diesem Bild beginnt. Der Film enthält letztlich fünf harte Schnitte und fünf unsichtbare Schnitte, demnach nur elf Einstellungen. Folgender Rhythmus ist dabei entstanden: 1 | 2 – 3 | 4 – 5 | 6 – 7 | 8 – 9 | 10 – 11, wobei jeweils der waagrechte Strich einen unsichtbaren Schnitt und der senkrechte Strich einen harten Schnitt darstellt.
  • Die ursprüngliche Drehbuchfassung wurde leicht geändert, um latente Homosexualität zwischen den drei männlichen Hauptpersonen zu verbergen. Unter anderem wurde überall die Anrede „dear boy“ (= lieber Junge) gestrichen.
  • Cary Grant sollte ursprünglich Rupert Cadell mimen, Montgomery Clift den Brandon Shaw[2]. Grant lehnte wegen der homosexuellen Bezüge ab, Clift wurde aufgrund des offenen Geheimnisses seiner Homosexualität und der damit womöglich einhergehenden Verdeutlichung oben genannter Attitüde verworfen[3].

Cameo [Bearbeiten]

Während der Eröffnungssequenz hat Hitchcock einen Kurzauftritt: Er geht mit einer Frau die Straße hinunter. Vorher plante er jedoch den Cameo in Form einer Leuchtreklame, die in einigen Einstellungen der Skyline noch zu sehen ist. Die Reklame zeigt die bekannte und einfache Selbstskizze von Hitchcocks Konterfei.

Synchronfassung [Bearbeiten]

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Der Film Cocktail für eine Leiche wurde 1963 in Deutschland deutsch synchronisiert uraufgeführt. Wie bei Vertigo und Das Fenster zum Hof wurden jedoch um 1967 alle ausländischen Kopien des Films aus rechtlichen Gründen (oder aufgrund einer schlechten Beratung Hitchcocks) vernichtet. Somit galt diese Synchronfassung bis Ende 2010 als verschollen. Der Pay-TV-Sender TNT Film zeigte jedoch überraschend eine restaurierte Fassung des Films (inklusive Universal Studios-Vorspann) und für die deutsche Tonspur wurde erstmals seit der Kinoauswertung der 1960er Jahre diese erste Synchronfassung verwendet. Dieselbe Fassung wurde am 15. November 2012 im ZDF ausgestrahlt, wo der Film im Free-TV zum ersten Mal in nativem HD lief.

Da die erste Synchronfassung zum Zeitpunkt der ersten Wiederaufführung des Films in der Bundesrepublik 1984 nicht vorlag, wurde mit der langjährigen deutschen Standardstimme von James Stewart, Siegmar Schneider, der Film neu synchronisiert. Diese zweite Synchronfassung wurde in der Regel bei TV-Ausstrahlungen und allen bislang erschienenen VHS- und DVD-Veröffentlichungen (Stand: Juli 2012) verwendet.

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Cocktail für eine Leiche im Lexikon des Internationalen Films
  2. a b c d Cocktail für eine Leiche bei imdb
  3. a b Arthur Laurents Kommentar im „Making of“ der DVD-Ausgabe

Literatur [Bearbeiten]

  • Patrick Hamilton: Party für eine Leiche. Ein Kriminalstück (Originaltitel: Rope). Deutsch von Gottfried Greiffenhagen und Joachim Preen. [Unverkäufliches Bühnenmanuskript.] Kiepenheuer, Berlin ca. 1974, 109 S.
  • Donald Spoto: The Art of Alfred Hitchcock. Hopkinson and Blake, New York 1976. ISBN 0-911974-21-0
  • Robert A. Harris, Michael S. Lasky, Hrsg. Joe Hembus: Alfred Hitchcock und seine Filme. Citadel-Filmbuch bei Goldmann, München 1976. ISBN 3-442-10201-4
  • François Truffaut: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? (1966). Heyne, München 2003. ISBN 3-453-86141-8
  • Birgit Recki: Das Ethos der Bildsequenz in Hitchcocks Rope/Cocktail für eine Leiche: Ein performanzästhetisches Exempel, in: Bild-Performanz, hg. von Ludger Schwarte, Wilhelm Fink, München 2011, S. 211-230. ISBN 978-3-7705-5079-1

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Cocktail für eine Leiche – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien