Interstellare Raumfahrt

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Schematische Darstellung des Milchstraßensystems.
Die interstellare Nachbarschaft.

Interstellare Raumfahrt umfasst alle geplanten Raumfahrten in den interstellaren Raum, u. a. mit dem Ziel, ein anderes Sternensystem zu erreichen. Die Herausforderungen liegen dabei in der Überwindung der großen Distanzen, die in Lichtjahren angegeben werden und der daraus folgenden Reisezeit sowie der Mitführung einer eigenen Energiequelle. Bisher existieren nur theoretische Konzepte.

Hintergrund[Bearbeiten]

Missionen zum äußeren Sonnensystem: Pioneer 10, Pioneer 11, Voyager 1 und Voyager 2.
Voyager 1 und 2: das Sonnensystem, die Heliopause und der interstellare Raum.

Aktuelle Sonden[Bearbeiten]

Pioneer 10, Pioneer 11, Voyager 1, Voyager 2 und die 2006 gestartete Sonde New Horizons könnten als interstellare Raumfahrzeuge angesehen werden, da sie das Sonnensystem dauerhaft verlassen werden. Wegen ihrer sehr niedrigen Geschwindigkeit (in der Größenordnung von weniger als einem Dreißigtausendstel der Lichtgeschwindigkeit) werden mehrere hunderttausend Jahre vergehen, bis sie die Nähe eines anderen Sterns erreichen. Bei ihnen handelt es sich also nicht um interstellare Sonden im eigentlichen Sinne, da sie ursprünglich nicht für eine interstellare Reise gebaut worden sind. Ihr Hauptziel war, Teile des Sonnensystems zu untersuchen. Dementsprechend sind ihre Geräte nicht für längere Reisen ausgelegt und verfallen allmählich.

Ein Ziel der NASA in diesem Bereich war und ist, den Rand des Sonnensystems bestimmen zu können. Nach Angaben der NASA soll die Raumsonde Voyager 1 den Einflussbereich des Sonnenwinds verlassen haben und befindet sich damit im interstellaren Raum.[1]

Rahmenbedingungen[Bearbeiten]

Die Entfernung zu Alpha Centauri.

Verlässt ein Raumschiff (bemannt oder unbemannt) das innere Sonnensystem, so kann dieses die benötigte Energie nicht mehr mittels Solarpanels aus der Sonnenstrahlung generieren, es benötigt eine eigene Energiequelle. Bisherige Sonden verwendeten eine Radionuklidbatterie. Weiterhin müsste das Raumschiff mit einem nennenswerten Bruchteil der Lichtgeschwindigkeit fliegen, um innerhalb einer angemessenen Zeit (d. h. innerhalb von Jahrzehnten oder Jahrhunderten) das Ziel erreichen zu können. Daraus ergibt sich gleichfalls das Problem, die Geschwindigkeit in relativ kurzer Zeit auch wieder abbremsen zu können, um ausreichend Zeit zur Beobachtung des Zielobjektes zu erhalten oder gar den Rückflug anzutreten. Ein solches Raumschiff müsste autonom funktionieren, um den Zielort ohne Hilfe von der Erde aus ansteuern und untersuchen zu können, da Signale von der Erde zum Raumschiff mehrere Jahre benötigen würden.[2] Die Datensignale würden fortlaufend zur Erde oder zum Raumschiff gesandt werden. Ein weiteres Problem, das sich aus den Entfernungen ergibt, ist die Missionsdauer und der Bezug zur Lebensdauer der Systeme. Vor allem die Elektronik ist hiervon betroffen. Aufgrund des noch jungen Technologiezweiges (Beginn etwa in den 1960er Jahren) existieren noch zahlreiche offene Fragen zur Lebensdauer von elektronischen Komponenten/Systemen.[3][4] Die Lebensdauer von elektronischen Komponenten/Satelliten ist auf einer solchen Mission zwar ein kritischer aber kein unmöglicher Aspekt, da z. B. der ATS-3-Satellit 2008 sein 41. Jubiläum hatte und dabei immer noch aktiv war.[5]

Zusammengefasst sind folgende Parameter bedeutend:

  • Als Geschwindigkeit sollte ungefähr ein Zehntel der Lichtgeschwindigkeit erreicht werden, um das Ziel innerhalb eines angemessenen Zeitraums erreichen zu können.
  • Die hohe Geschwindigkeit erfordert Schutzsysteme aufgrund der Bremsstrahlung und vor Objekten entlang des Flugweges.
  • Eine eigene Energiequelle wird benötigt.
  • Die Funkübertragungsdauer zur Erde erfordert autonome/künstlich intelligente Systeme.
  • Die Missionsdauer ist eine Herausforderung für die Betriebsdauer der Systeme.[6]

Zielorte[Bearbeiten]

Die stellare Nachbarschaft weist einige interessante Zielorte auf. In der folgenden Tabelle sind die Sternsysteme aus der Liste der nächsten Sterne aufgelistet, die uns am nächsten sind. Daraus ist erkennbar, dass in einer Entfernung von wenigen Lichtjahren zwar einige Systeme vorhanden sind, sich die Zielorte aber drastisch reduzieren, wenn man Parameter wie vor allem einem unserer Sonne ähnlichen Stern (u. a. auch zur Energiegewinnung), der dann auch noch einen erdähnlichen Planeten beherbergt berücksichtigt.

Sternensysteme Entfernung (ly) Anmerkung
Proxima Centauri 4,2 Sonnennächster Stern und roter Zwerg, bei dem die Zugehörigkeit zum Sternensystem Alpha Centauri noch nicht eindeutig geklärt ist.
Alpha Centauri 4,3 Sonnenähnliches Doppelsternsystem, bei denen Modelle das Vorhandensein von terrestrischen Planeten erlauben. Im Oktober 2012 wurde bekannt, dass um Alpha Centauri B tatsächlich ein Planet kreist, der in seiner Größe vergleichbar mit der Erde ist.[7]
Barnards Pfeilstern 6,0 Roter Zwerg und Zielort des Projektes Daedalus. Das Vorhandensein eines Exoplaneten wurde lange Zeit diskutiert, ein Nachweis wurde bisher noch nicht geliefert.
Wolf 359 7,8 Roter Zwerg
Lalande 21185 8,3 Roter Zwerg
Sirius 8,6 Relativ junges Doppelsternsystem, bei dem die Masse von Sirius A doppelt so groß ist wie die der Sonne und bei dem der Begleiter Sirius B ein weißer Zwerg ist.
Epsilon Eridani 10,5 Junges Sternsystem, bei dem eine Staubscheibe nachgewiesen wurde, mit einem Abstand analog dem Kuipergürtel. Gemäß der Theorie zur Planetenentstehung könnte das Sternsystem terrestrische Planeten entwickelt haben. Jedoch konnte dies noch nicht nachgewiesen werden.

Raumfahrtantriebe[Bearbeiten]

Hauptartikel: Raumfahrtantriebe

Die Probleme der interstellaren Raumfahrt[6] können vor allem in der benötigten Energiekonvertierung, d. h. der Verwendung eines passenden Raumschiffantriebs, gesehen werden. Soll das Objekt den nächstgelegenen Stern innerhalb eines überschaubaren Zeitraums (~ ein halbes Jahrhundert) erreichen, muss das Objekt innerhalb eines kurzen Zeitraums auf eine annähernd relativistische Geschwindigkeit (z. B. ~ 0,1c) beschleunigen und davon sinnvollerweise auch wieder abbremsen. Die Herausforderung hierbei kann mit der Ziolkowski-Gleichung verdeutlicht werden:

\Delta v\ = v_\text{e} \ln \frac {m_0} {m_1}

mit

v_\text{e} = I_\text{sp} \cdot g_0

Um eine hohe Geschwindigkeitsänderung (\Delta v) zu erhalten, wird eine hohe effektive Ausströmgeschwindigkeit (v_\text{e}) des Reaktionsgases bzw. ein hoher spezifischer Impuls (I_{sp}) (Triebwerkskennzahl) benötigt. Weiterhin muss viel Treibstoff umgewandelt werden (m_0/m_1), um die benötigte Energie zu erzeugen. Deshalb ist eine hohe Schubkraft notwendig, die die notwendige Beschleunigungsenergie innerhalb eines „kurzen“ Zeitraums erzeugt.

Aus dieser Überlegung heraus können deshalb zwei Triebwerkskategorien ausgeschlossen werden:

  1. Chemische Triebwerke (siehe auch[8]):
    • Diese Triebwerke besitzen zwar eine hohe Schubkraft, aber aufgrund der Verwendung von chemischer Energie ist die Effizienz (I_{sp}) dieser Triebwerke sehr gering.
  2. Elektrische Antriebe:
    • Die Effizienz dieser Triebwerke ist hoch, jedoch ist der Treibstoffausstoß, aufgrund der Verwendung von elektrischen Ladungen und deren Abstoßung untereinander, eher gering.

In einigen Konzepten wird deshalb hauptsächlich der nukleare Pulsantrieb favorisiert, der aus heutiger Sicht realisierbar wäre. Auch der Antimaterie-Antrieb könnte in ferner Zukunft vielversprechend sein.[9] Wegen des Energieaufwands zur Beschleunigung der Treibstoffmassen bevorzugen einige Wissenschaftler den treibstofflosen Antrieb, der mittels Krafteinwirkung durch äußere Felder das Objekt beschleunigt[6] (siehe u. a. Breakthrough Propulsion Physics Project). Eine mögliche Fragestellung hierbei ist auch, ob die Gravitationsfelder der benachbarten Sternensysteme einen Einfluss auf den Flugweg eines Objektes haben könnten. In einer ESA-Studie[10] konnte gezeigt werden, dass ein Mehrkörperproblem im interstellaren Raum vernachlässigbar ist, was bedeutet, dass nur die Einfluss-Sphäre eines Sternensystems von Bedeutung ist. D. h. ein Objekt kann im interstellaren Raum, außerhalb der Einfluss-Sphären, eine Position einnehmen, ohne durch die Gravitationskräfte der Sternensysteme wesentlich von der Position abgebracht zu werden.

Konzepte für eine unbemannte interstellare Raumfahrt[Bearbeiten]

Das Wissen bezüglich des interstellaren Raums und der Heliosphäre ist derzeitig noch gering, so dass erste interstellare Missionen zuerst der Erforschung dieser Bereiche dienen. Einige Missionen, wie die der IBEX-Sonde, können von der Erde erste Erkenntnisse liefern, jedoch kann nur eine Sonde vor Ort die Beschaffenheit des Raumes (Materieverteilung, magnetische Felder etc.) analysieren und die derzeitigen Modelle bestätigen oder widerlegen. Ist der interstellare Raum erst einmal grundlegend bekannt, so könnte das nächste Ziel, in einigen Jahrzehnten bis Jahrhunderten, ein anderes Sternensystem sein.

Stufe I: Erforschung des interstellaren Raumes[Bearbeiten]

Eine der ersten Entwürfe, neben dem einer Interstellaren Precursor Mission (1977)[11][12], die nur das Vordringen in den interstellaren Raum vorsah, um Experimente durchführen zu können, war die TAU Mission. Dieser Entwurf der NASA/JPL (1980er Jahre) sollte mit bereits getesteter Technologie bis zu 1000 AU (Thousand Astronomical Units) zurücklegen. Als Antriebssystem wurde ein Ionenantrieb vorgesehen mit Xenon als Treibstoff und einer Radionuklidbatterie als Energiequelle. Die Missionsdauer sollte 50 Jahre betragen.[13][14] Ein ähnliches Konzept, jedoch für interplanetare Forschungsmissionen, führte die NASA 2003 mit dem Projekt Prometheus und dem mittlerweile gestrichenen JIMO weiter. Die Energiequelle RTG in Kombination mit einem Ionenantrieb ist ein gängiges Konzept (siehe u. a.[15][16]), jedoch existieren auch andere Vorschläge.

Diese beruhen auf der fortschreitenden Entwicklung im Bereich des Satelliten-Leichtbaus und der Sonnensegel-Technologie. Eines dieser Vorschläge beinhaltet eine 250 kg leichte Sonde, die mittels eines Sonnensegels mit einem Radius von ungefähr 200 m und einigen Gravity-Assist-Manövern eine Entfernung von 200 AU innerhalb von 15 Jahren erreichen soll. Das Sonnensegel soll nach der Beschleunigungsphase von ca. 5 AU abgestoßen werden[17] (weiteres Konzept siehe auch[18]).

Häufig vorgeschlagene Antriebssysteme[Bearbeiten]

  • Sonnensegel
  • Ionenantrieb - Solar Electric Propulsion (SEP) / Nuclear Electric Propulsion (NEP)
  • zusätzlich Gravity-Assist-Manöver bei der Sonne und beim Jupiter

Nutzen einer Interstellaren Precursor-Mission[Bearbeiten]

Die Ziele einer solchen Mission liegen in der (Kap. 1.0.2[19]):

  1. Erforschung des interstellaren Mediums, dessen Ursprung und die Materieentstehung in der Galaxie.
  2. Erforschung der Heliosphäre und deren Interaktion mit dem interstellaren Medium.
  3. Erforschung fundamentaler astronomischer Prozesse in der Heliosphäre und dem interstellaren Medium.
  4. Bestimmung fundamentaler Eigenschaften des Universums.

Ein weiterer Nutzen in der Beantwortung dieser Fragestellungen kann dem Auffinden einer Lösung zur Nutzung des interstellaren Mediums für das Antriebssystem oder der Energieversorgung dienen. Sollte solch eine Möglichkeit existieren, könnten die Kosten eines interstellaren Raumschiffs zum nächsten Sternensystem erheblich reduziert werden.

Stufe II: Erforschung anderer Sternensysteme[Bearbeiten]

Künstlerische Darstellung eines Orion-Raumschiffs aus der NASA-Entwurfsphase

Während für eine Reise in den interstellaren Raum nur einige 100 AU zurückgelegt werden müssen, beinhaltet eine Reise zu anderen Sternensystemen das Zurücklegen einer Entfernung von einigen 100.000 AU (1 ly ~ 63 kAU). Diese Änderung der Größenordnung wird vor allem an der Auswahl des Antriebssystems erkenntlich.[20] Hauptantriebssystem in den Projekten Orion, Daedalus, Longshot und Icarus ist der nukleare Pulsantrieb. Dieser gilt, von all den vorgeschlagenen Systemen, als am ehesten technisch realisierbar. Weitere Thematiken, die in den Projekten behandelt wurden und werden, sind Schutzmechanismen vor Strahlung und Mikropartikeln, künstlich intelligente Systeme und Missionsabläufe. Neben diesen Studien existieren noch weitere Vorschläge bzgl. Missionen zu anderen Sternensystemen.

Eine weitere Idee ist der Versand von kleinen Sonden (~ 50 kg) zu benachbarten Sternensystemen, die sich am Zielort selbst reproduzieren, Kommunikationsempfänger und Transmitter aufbauen und eine eventuelle Kolonisation durch Menschen vorbereiten sollen. Die Rohstoffe erhalten die Nanoroboter mittels In-situ-Technologie vor Ort. Der Vorteil dieser Mission ist der geringere Energieaufwand, um solch eine Probe, im Gegensatz zu einer voll funktionsfähigen Sonde (z. B. Cassini-Huygens mit 5.364 kg), zu einem anderen Sternensystem zu schießen. Eine weitere Möglichkeit ist der Aufbau eines Kommunikationsnetzwerkes, um mit einer anderen eventuell existierenden Zivilisation in Kontakt treten oder ein außerirdisches Kommunikationsnetzwerk auffinden zu können (Theorie/Spekulation). Elektromagnetische Wellen eignen sich aufgrund ihrer Geschwindigkeit gut zur Kommunikation und können auch zu einer einseitigen Informationsübertragung verwendet werden.[21][22]

Häufig vorgeschlagenes Antriebssystem[Bearbeiten]

Konzepte für eine bemannte interstellare Raumfahrt[Bearbeiten]

NASA-Illustration zweier O’Neill-Zylinder.

Für die bemannte interstellare Raumfahrt gelten die gleichen Rahmenbedingungen wie für die unbemannte interstellare Raumfahrt. Zusätzlich kommen weitere Herausforderungen hinzu, aufgrund der Nutzlast „Mensch“. Das Ziel einer bemannten interstellaren Raumfahrt wird die Erforschung und Kolonisierung fremder Sonnensysteme sein. Während es zu unbemannten Missionen schon einige Veröffentlichungen gibt, existieren für bemannte Missionen nur wenige. Eine dieser Veröffentlichungen ist der Wayland Report[23], welcher in Anlehnung an die Icarus-Studie (unbemannt) verfasst wurde. Der Wayland-Report befasst sich mit einem Generationenschiff.

Bemannte Raumschiffkonzepte[Bearbeiten]

Die bisher existierenden Ideen stammen zum Teil aus der Science-Fiction-Literatur, was jedoch nicht bedeutet, dass sie nicht eines Tages möglich sein werden. Ein Beispiel hierfür war das Experiment Biosphäre 2, bei dem versucht wurde, ein abgeschlossenes System im ökologischen Gleichgewicht zu halten. Das Projekt gilt als gescheitert, da nicht alle Bedingungen berücksichtigt wurden bzw. vorher bekannt waren. Solch eine Biosphäre könnte jedoch für den Transport von Menschen notwendig sein, wenn diese über mehrere Jahrzehnte im Wachzustand am Leben gehalten werden sollen. Nicht alle Konzepte setzen solch ein Habitat voraus.

Generationenschiffe[Bearbeiten]

Hauptartikel: Generationenraumschiff

Der Name dieses Raumschiffkonzepts entstammt dem Sachverhalt, dass während der Reise zu einem anderen Sternensystem neue Generationen auf dem Raumschiff geboren werden und heranwachsen. Die Generationenschiffe sind dabei autarke Habitate, d. h. an Bord des Schiffes müssten beispielsweise Nahrungsanbau, Trinkwasser- und Sauerstoff-Recycling ermöglicht werden. Denkmodelle zu solchen Habitaten im erdnahen Raum bzw. in unserem Sonnensystem sind die O’Neill-Kolonien oder die Bernal-Sphäre. Eine wesentliche Fragestellung bei diesem Konzept, die bisher kaum beantwortet ist, ist die zur Crewgröße und -zusammensetzung. Die Crewgröße ist dabei ausschlaggebend für die Gesamtmasse des Raumschiffes, da einer Person ein bestimmter Ressourcenbedarf zugeschrieben werden muss (Raum, Nahrung etc.). Am 23. Mai 2007 wurde eine wissenschaftliche Arbeit[24] unter der Leitung von Arturo Casadevall veröffentlicht, die von Pilzen handelt, die (wahrscheinlich mittels Melanin) radioaktive Strahlung in für ihren Organismus nutzbare Energie umwandeln. Es ist denkbar, dass mit Hilfe von solchen Pilzen während Raumflügen Nahrung für Astronauten produziert werden kann. Im Weltall ist überall mehr Hintergrundstrahlung als von Pflanzen nutzbares Licht vorhanden.

Schläferschiffe[Bearbeiten]

Die Besatzung dieses Raumschiffkonzeptes wird nach Abflug von der Erde in einen so genannten Kryoschlaf, eine Art „künstlichen Winterschlaf“ versetzt und bei der Ankunft am Ziel wieder aufgeweckt. Der Vorteil dieses Konzeptes ist, dass auf groß angelegte Nahrungsproduktion und Unterhaltungseinrichtungen verzichtet werden kann. Allerdings sind die Auswirkungen eines solchen Kryoschlafs, so er technisch möglich wäre, beim Menschen noch unbekannt. In der Science Fiction ist dieses Konzept recht häufig anzutreffen, u. a. in den Filmen/Serien Alien, Avatar, Demolition Man, Pandorum, Prometheus – Dunkle Zeichen und Star Trek.

Embryonentransport[Bearbeiten]

Bei dieser Art von Raumschiff würden tiefgefrorene menschliche Embryos auf die Reise geschickt. Ein paar Jahre vor, zur oder nach Ankunft am Ziel würden diese aufgetaut, gezüchtet und von Robotern großgezogen werden. Diese Form des Transportes wäre, wenn möglich, die effektivste Form, da keine aufwendigen Habitatstrukturen für eine Reise von mehreren Jahrzehnten mitgeführt werden müssten. Vor Ort könnten dann die lokalen Ressourcen genutzt werden, so dass Roboter die benötigten Habitate errichten könnten. Abgesehen von technischen Herausforderungen ist diese Methode unter ethischen Gesichtspunkten umstritten. Zum heutigen Zeitpunkt ist unklar, ob und wenn ja wie ein Aufwachsen ohne erwachsene menschliche Vorbilder die Psyche von Kindern verändert. Es müssten Roboter konstruiert werden, die eine menschliche Erziehung nachbilden können. Nicht zuletzt müsste ein künstlicher Uterus entwickelt werden, in dem der Embryo heranwachsen könnte.

Planeten- und Asteroidenschiffe[Bearbeiten]

Ein bewohnter Planet wird aus seiner Umlaufbahn gebracht (z.B. durch den Zusammenstoß mit einem anderen Himmelskörper), und möglichst auf eine Geschwindigkeit beschleunigt, mit der er das Sonnensystem verlassen kann. Der Vorteil wäre die große Masse an verfügbarer Energie für die weitere Reise. Allerdings kann der Zusammenstoß mit einem anderen Himmelskörper auch einen großen Teil des Lebens auf dem Planeten auslöschen. Sinnvoller wäre daher die Fortbewegung auf einem kleineren Himmelskörper (etwa einem Asteroiden) mit dem man zumindest an den Rand des Sonnensystems käme. Die Idee, die Erde aus ihrer Bahn zu lenken, findet sich u.a. in der Science-Fiction-Serie Perry Rhodan.

Sonstiges[Bearbeiten]

Seti-Forscher schlugen vor, nach Antriebs- und Energiesignaturen von Raumschiffen extraterrestrischer, technischer Zivilisationen zu suchen.[25][26]

NASA-Marshall, JPL und AIAA führten 1999 theoretische Untersuchungen durch, Annihilation von Antimaterie und Kernfusion für Antriebe zukünftiger Raumfahrzeuge zu nutzen.[27][28] Anfang 2011 starteten DARPA und NASA-Ames das 100-Year Starship Projekt. In diesem Forschungs- und Evaluierungsprogramm werden die Möglichkeiten und Herausforderung von bemannten, interstellaren Langzeitflügen erforscht und Strategien entworfen.[29] Im September 2011 fand in Orlando (Florida) das 100-Year Starship Symposium statt, bei dem detaillierter über erforderliche Technologien, Realisierung, Organisation und Finanzierung eines solchen Projektes referiert und diskutiert wurde.[30][31][32] 2012 übernahm die ehemalige Astronautin Mae Carol Jemison die Leitung des Projekts.[33] Die Finanzierung erfolgt durch die Defense Advanced Research Projects Agency und die NASA. Seit 2011 wird jedes Jahr ein öffentliches Symposium in Houston abgehalten.[34]

Einige private, nicht gewinnorientierte Forschungsinitiativen, wie z. B. die Tau Zero Foundation,[35] Icarus Interstellar[36] oder das Institute for Interstellar Studies[37], befassen sich ebenfalls mit der Erforschung neuer Technologien und Möglichkeiten für zukünftige interstellare Raumflüge. Im Mai 2013 fand in San Diego ein Symposium mit Freeman Dyson, Paul Davies, Gregory und James Benford, Jill Tarter, Robert Zubrin, Neal Stephenson, Geoffrey A. Landis, im August in Dallas ein Kongress, u.a. mit Friedwardt Winterberg, David Messerschmitt und Marc Millis, statt.[38][39]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten]

  • Paul Gilster: Centauri dreams - imagining and planning interstellar exploration. Springer, New York 2004, ISBN 0-387-00436-X
  • Gregory L. Matloff: Deep-space probes - to the outer solar system and beyond. Springer, Berlin 2005, ISBN 3-540-24772-6
  • Grigor A. Gurzadyan: Space dynamics. Taylor & Francis, London 2002, ISBN 0-415-28202-0
  • Eugene F.Mallove, Gregory L. Matloff: The starflight handbook - a pioneer's guide to interstellar travel. Wiley, New York 1989, ISBN 0-471-61912-4
  • Kelvin F. Long: Deep space propulsion - a roadmap to interstellar flight. Springer, New York, NY 2012, ISBN 978-1-4614-0606-8.

Artikel[Bearbeiten]

  • Claudio Maccone: SETI, extrasolar planets search and interstellar flight - When are they going to merge? Acta Astronautica 64, S. 724–734, 2009, doi:10.1016/j.actaastro.2008.11.006
  • Robert H. Frisbee: Limits of Interstellar Fligh Technology. in Marc G. Millis (et al.): Frontiers of Propulsion Science. American Inst. of Aeronautics & Astronautics, Reston 2009, ISBN 1-56347-956-7, S. 31–126
  • Pharis E. Williams: Superluminal Space Craft. American Institute of Physics, Volume 1103, Melville 2009, S. 352–358, Abstract@nasa ads
  • William B. Scott: To the Stars. Aviation Week & Space Technology, 1. März 2004, S. 50–52, pdf zpower.com, abgerufen am 22. August 2012
  • I. A. Crawford: Interstellar Travel: A Review for Astronomers. Quarterly Journal of the Royal Astronomical Society, Vol. 31, S. 377–400, 1990, online@ nasa ads, abgerufen am 21. Februar 2013

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. NASA Spacecraft Embarks on Historic Journey Into Interstellar Space
  2. Claudio Maccone: Deep space flight and communications. Springer, Berlin 2009, ISBN 978-3-540-72942-6
  3. Andreas Middendorf: Lebensdauerprognostik unter Berücksichtigung realer Belastungen am Beispiel von Bondverbindungen bei thermomechanischen Wechselbeanspruchungen. TU Berlin, 13. November 2009, abgerufen am 22. Mai 2011 (PDF; 7,2 MB, deutsch).
  4. Burkhard Stahlmecke: Elektromigration in Gold und Silber Nanostrukturen. Universität Duisburg-Essen, 15. Januar 2008, abgerufen am 22. Mai 2011 (PDF; 5,8 MB, deutsch).
  5. Peter Pae: Satellites' longevity limits sales. Los Angeles Times, 1. Dezember 2008, abgerufen am 22. Mai 2011 (PDF, englisch).
  6. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatEdward J. Zampino: Critical Problems for Interstellar Propulsion Systems. NASA Lewis Research Center, Juni 1998, abgerufen am 4. Juni 2011 (PDF; 70 kB, englisch).
  7. Xavier Dumusque et. al.: Planet Found in Nearest Star System to Earth. 16. Oktober 2012, abgerufen am 17. Oktober 2012.
  8. Ronald Koster: Rocket Dynamics - Space Travel with Rockets. 30. Mai 2002, abgerufen am 4. Juni 2011 (PDF; 95 kB, englisch).
  9. Antimaterie 1000 Sekunden lang gespeichert. focus.de, 3. Mai 2011, abgerufen am 4. Juni 2011 (HTML, deutsch).
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatElena Fantino, Stefano Casotto: Study on Libration Points of the Sun and the Interstellar Medium for Interstellar Travel. ESA, Juni 2004, abgerufen am 4. Juni 2011 (PDF; 6,9 MB, englisch).
  11. daviddarling.info: Interstellar Precursor Mission. Abgerufen am 5. Juni 2011 (HTML, englisch).
  12. Jaffe, L. D., et al., "An Interstellar Precursor Mission," JPL Publication 77-70, 1977
  13. TAU (Thousand Astronomical Unit) mission. daviddarling.info, abgerufen am 5. Juni 2011 (HTML, englisch).
  14. Nock, K. T., “TAU – A mission to a thousand astronomical units,” 19th AIAA/DGLR/JSASS International Electric Propulsion Conference, Colorado Springs, CO, AIAA-87-1049, May 11-13, 1987
  15. Gruntman, Mike et al.: Innovative Explorer Mission to Interstellar Space. 2006, abgerufen am 5. Juni 2011 (PDF; 217 kB, englisch).
  16. D. I. Fiehler, R. L. McNutt: Mission Design for the Innovative Interstellar Explorer Vision Mission. 2005, abgerufen am 5. Juni 2011 (PDF; 1,8 MB, englisch).
  17. R. A. Mewaldt, P. C. Liewer: An Interstellar Probe Mission to the Boundaries of the Heliosphere and Nearby Interstellar Space. 1999, abgerufen am 5. Juni 2011 (PDF; 2,2 MB, englisch).
  18. Robert F. Wimmer-Schweingruber et al.: Interstellar heliospheric probe/heliospheric boundary explorer mission—a mission to the outermost boundaries of the solar system. 2009, abgerufen am 5. Juni 2011 (PDF; 1,2 MB, englisch).
  19. NASA Institute for Advanced Concepts: A Realistic Interstellar Explorer - Phase I Final Report. NASA, 31. Mai 1999, abgerufen am 30. Juni 2011 (PDF; 452 kB, englisch).
  20. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatG. Genta: Propulsion for Interstellar Space Exploration. September 2000, abgerufen am 6. Juni 2011 (PDF, englisch).
  21. Jones, Antonia J.: Self-replicating probes for galactic exploration. 1991, abgerufen am 7. August 2011 (PDF; 4,1 MB, englisch).
  22. Timothy Ferris: Interstellar Spaceflight. Can We Travel to Other Stars? Scientific American, 1999, abgerufen am 22. Mai 2011 (PDF; 76 kB, englisch).
  23. Ashworth, Stephen: The Wayland Report: Sketches of a Manned Starship. 21. Mai 2010, abgerufen am 7. August 2011 (PDF; 1,2 MB, englisch).
  24. Dadachova, Ekaterina; et al.: Ionizing Radiation Changes the Electronic Properties of Melanin and Enhances the Growth of Melanized Fungi. Abgerufen am 7. August 2011 (HTML, englisch).
  25. Michael D. Papagiannis: The Search for Extraterrestrial Technologies in our Solar System.
  26. R. Zubrin: Detection of Extraterrestrial Civilizations via the Spectral Signature of Advanced Interstellar Spacecraft adsabs.harvard.edu, abgerufen am 21. August 2012
  27. Reaching for the Stars science.nasa.gov
  28. Far Out Space Propulsion Conference Blasts Off science.nasa.gov, abgerufen am 7. November 2011
  29. 100-Year Starship Study Strategic Planning Workshop Held darpa.mil; DARPA, NASA team on '100-Year Starship' project theregister.co.uk; NASA's 100-Year Starship Project Sets Sights on Interstellar Travel space.com; abgerufen am 27. März 2011
  30. Not Such a Stretch to Reach for the Stars The New York Times, 17. Oktober 2011
  31. 100-Year Starship Symposium 100yss.org, abgerufen am 5. November 2011
  32. To Infinity and Beyond at DARPA’s 100-Year Starship Symposium popularmechanics.com, 30. September 2011; Radiosendung The Space Show, 15. November 2011 Marc Millis, Paul Gilster über das DARPA-Projekt, abgerufen am 22. November 2011
  33. Neues Projekt legt Basis für Interstellar-Reisen derstandard.at; Starship dreamers launch 100-year mission with DARPA grant washingtonpost.com, abgerufen am 19. Juni 2012
  34. 100YSS 2012 Public Symposium; 2013 Public Symbosium 100yss.org, abgerufen am 8. Juni 2013
  35. Tau Zero: The Steps Ahead, centauri-dreams.org
  36. Icarus Interstellar icarusinterstellar.org; Icarus Interstellar en.wp
  37. Institute for Interstellar Studies, i4is.org; The Institute for Interstellar Studies, centauri-dreams.org, abgerufen am 13. Oktober 2012
  38. Videos of Starship Century Symposium Part 1 starshipcentury.com, abgerufen am 18. Juni 2013
  39. Icarus Interstellar Congress Schedule icarusinterstellar.org; Starship Congress - Day 1 @youtube.com, abgerufen am 20. August 2013