Taktisches Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“

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Taktisches Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ (TaktLwG 31 „B“)
Wappen des Geschwaders
Internes Verbandsabzeichen (Wappen) seit Oktober 2013
Aufstellung 20. Juni 1958
Land DeutschlandDeutschland Deutschland
Streitkräfte Bundeswehr
Teilstreitkraft Luftwaffe Luftwaffe
Unterstellte
Truppenteile

TaktLwGrp „R“

Stärke ca. 1200 Soldaten
Unterstellung Wappen des LwFüKdo KdoEinsVbdeLw
Standorte Kaserne Haus Hardt Nörvenich
Fliegerhorst Nörvenich
Fliegerhorst Wittmundhafen
Spitzname Zirkus Boelcke
Führung
Kommodore Oberst Andreas Hoppe[1]
Oberst
Stellvertretender
Kommodore
Oberstleutnant Oliver Spoerner
Oberstleutnant
Kommandeur Oberstleutnant Timo Heimbach[2]
Oberstleutnant
Luftfahrzeuge
Kampfflugzeug/
-hubschrauber
Eurofighter Typhoon

Das Taktische Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ (TaktLwG 31 „B“), bis 30. September 2013 Jagdbombergeschwader 31 „Boelcke“, ist ein Traditionsgeschwader der Bundeswehr und gehört zu den ältesten fliegenden Einsatzverbänden der Luftwaffe. Seit dem 1. Oktober 2013 ist das Taktische Luftwaffengeschwader 31 unter Einbeziehung der Taktischen Luftwaffengruppe „Richthofen“ auf dem Fliegerhorst Wittmund zum gleichen Datum, das größte Jet-Geschwader der Luftwaffe.[3] Seit dem 1. Juli 2013 ist das Geschwader dem Kommando Einsatzverbände Luftwaffe in Köln-Wahn unterstellt.

Geschichte[Bearbeiten]

Wappen des JaBoG 31 bis Ende September 2013
Taktisches Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ (Deutschland)
Fliegerhorst Nörvenich
Fliegerhorst Nörvenich
Fliegerhorst Wittmundhafen
Fliegerhorst Wittmundhafen

Aufstellungsphase[Bearbeiten]

Das Geschwader wurde bereits 1957 auf dem Fliegerhorst Büchel aufgestellt, da in dieser Zeit der Fliegerhorst Nörvenich umgebaut wurde. Die am 1. Oktober 1957 aufgestellte 1. Staffel ist die älteste Jagdbomber- und Kampfstaffel der deutschen Luftwaffe. Im Januar 1958 begann der Umzug von Büchel nach Nörvenich und das Geschwader wurde offiziell am 20. Juni 1958 auf dem Fliegerhorst Nörvenich in Dienst gestellt. Das Jagdbombergeschwader ist seit dem 20. April 1961 nach dem Jagdflieger des Ersten Weltkriegs Oswald Boelcke (1891–1916) benannt.

Als erster Verband der Luftwaffe wurde das Jagdbombergeschwader 31 am 19. Januar 1959 von der NATO überprüft und dieser nach erfolgreicher Überprüfung unterstellt. Auch in den weiteren jährlichen Bewertungen, die durch Vertreter der NATO-Verbündeten stattfanden, schloss das Geschwader immer mit Bestnoten ab, und es wurde als eines der ersten Geschwader den Krisenreaktionskräften zugeteilt. Das Geschwader erhielt als Erstausstattung die Republik F-84F Thunderstreak, die 1961 durch den Lockheed F-104G Starfighter ersetzt wurde. Das JaboG 31 „Boelcke“ war das erste Geschwader der Luftwaffe, das am 20. Juni 1962 mit dem Starfighter einsatzbereit war. Das Geschwader war zu dieser Zeit in drei Teile aufgeteilt: Den Fliegerhorst (FlgH), die Boelcke-Kaserne und Kaserne Haus Hardt.

Ära Tornado[Bearbeiten]

Auf den Starfighter folgte der Panavia Tornado IDS. Abermals wurde das JaboG 31 als erstes Geschwader mit einem in der Luftwaffe neu eingeführten Flugzeug ausgerüstet. Danach folgte sogar die Aufrüstung zum Panavia Tornado 200 ECR. In der Tornado-Zeit waren in dem Geschwader ca. 4.500 Soldaten/Personen stationiert. Diese bestanden hauptsächlich aus deutschen Luftwaffensoldaten, aus Mitarbeitern der StOV (Standortverwaltung), amerikanischen Verbündeten, Heeressoldaten, die ein Fernmeldezentrum dort betrieben, einer Regionalfahrschule und einem SAR (Search and Rescue/Luftrettungshubschrauber) Kommando uvam.. Die amerikanischen Soldaten galten lange als sog. 3. Staffel, die sie mit dem Bodenkampfflugzeug A-10 „Thunderbolt“ (genannt: Warzenschwein) wahrnahmen.

Am 28. August 1988 führte das Nörvenicher Geschwader einen Flugtag durch, als auf einem ähnlichen Flugtag in Ramstein ein großes Unglück mit ca. 80 Toten passierte.

Das Geschwader war in der alten Form der NATO unterstellt und musste somit an jährlichen Überprüfungen teilnehmen. Eines war der „MaxEval“ (Maximum Evaluation) und der andere war der „TacEval“ (Tactical Evaluation). Hinzu kamen weitere Alarme die von der deutschen Luftwaffe selber auferlegt wurden, auf Anlehnung an den Namen „Zirkus Boelcke“ hatten diese die Bezeichnung „Runde Manege“. Da das Geschwader im Jahr mindestens sechs „Vollalarme“, die je über eine Woche andauerten, durchführte und immer bestanden hat, wurde das Jagdbombergeschwader 31 „Boelcke“ auch das erste Geschwader der Bundeswehr, das sich für den Kreis der Krisenreaktionskräfte qualifiziert hatte. Die Aufrüstung des Geschwaders mit dem Panavia Tornado PA200 erfolgte umgehend.

Im Rahmen der Wiedervereinigung und der Entspannung der Weltkrisenlage wurde der Bestand des Geschwaders immer wieder heruntergefahren. Zu der ersten Oderflut mussten sogar Reservisten eingezogen werden, um den Bedarf zu decken.

Ära Eurofighter[Bearbeiten]

Das JaboG 31 „Boelcke“ wurde als erstes Jagdbombergeschwader der Luftwaffe in Deutschland mit dem Eurofighter Typhoon ausgerüstet.[4] Die ersten vier Flugzeuge dieses Typs landeten am 16. Dezember 2009 in Nörvenich. Am 25. Juni 2010 verließ der letzte Tornado offiziell den Fliegerhorst Nörvenich.[5] Die weitere Aufrüstung mit dem Eurofighter wird länger dauern als geplant, da es Lieferengpässe beim Hersteller gibt.[6] In Nörvenich sollen insgesamt 31 Maschinen stationiert werden. 2011 waren bereits acht Eurofighter vor Ort. Im Mai 2014 hatte das Geschwader 29 Eurofighter, wovon neun in Wittmund stationiert sind.[7] Dort sollen letztendlich 20 Flugzeuge stationiert werden. Damit wäre das JaboG dann der größte Jet-Verband der Luftwaffe.[8] Im März 2012 hatte Nörvenich bereits temporär eine Alarmrotte mit dem Eurofighter gestellt.

Am 27. April 2006 wurde der Grundstein für den Neubau des 10,5 Mio. Euro teuren Simulatorgebäudes gelegt. Das Richtfest wurde schon am 25. Oktober 2006 gefeiert. Am 18. Juni 2012 zog der Stab von der Boelcke-Kaserne in Kerpen, die bis 2015 geschlossen werden soll, zum Fliegerhorst Nörvenich um.

Bedingt durch die Außerdienststellung des Kampfflugzeugs Phantom II beim Jagdgeschwader 71 „Richthofen“ übernahm das JaboG 31 zum 1. Juli 2013 die Verantwortung für die Bereitstellung der Alarmrotte (QRA) auf dem Fliegerhorst Wittmund des JG 71.[9] Seit 1. Oktober 2013 ist dieser Verband als Taktische Luftwaffengruppe „Richthofen“ dem Taktischen Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ unterstellt.

Geschwader[Bearbeiten]

Gliederung[Bearbeiten]

Das TaktLwG 31 ist dem Kommando Einsatzverbände Luftwaffe unterstellt. Geführt wird der Verband durch einen Kommodore im Dienstgrad eines Oberst.

Gegliedert ist das Geschwader in die Fliegende und die Technische Gruppe. Die Fliegende Gruppe (FlgGrp) umfasst die 1. und 2. fliegende Staffel und die Flugbetriebsstaffel. Diese Gruppe ist für den Einsatz und den Flugbetrieb zuständig. Hier werden z.B. Flugdaten wie Kurse, Betankung, Waffenlast usw. festgelegt.

Die Technische Gruppe (TGrp) setzt sich aus der Instandsetzungs/Elektronikstaffel, der Wartungs/Waffenstaffel und der Nachschub/Transportstaffel zusammen. Diese Gruppe kümmert sich um alle technischen Belange der Luftfahrzeuge (Lfz). Diese beinhalten nicht nur Wartung und Instandsetzung, sondern auch Bewaffnung und Munition, Fallschirmtechnik, Betankung uvm.

Seit Oktober 2013 führt das Geschwader zusätzlich die Taktische Luftwaffengruppe „Richthofen“ in Wittmund. Diese Gruppe besteht aus vier Staffeln: der fliegenden Einsatzstaffel, der Technischen Staffel, der Flugplatzstaffel und der Versorgungsstaffel.

Auftrag[Bearbeiten]

Der Auftrag des TaktLwG 31 „B“ umfasst unter anderem Abriegelung aus der Luft (Air Interdiction), Bekämpfung von feindlichen Luftstreitkräften am Boden (Offensive Counter Air) und Luftnahunterstützung (Close Air Support).

Kommodore[Bearbeiten]

Eurofighter des JaboG 31 2011 auf der Spangdahlem Air Base
Tornado des JaboG 31 auf der Eielson Air Force Base
F-104 Starfighter (JG 74, baugleich beim JaboG 31 eingesetzt)
Nr. Name Beginn der Berufung Ende der Berufung
20 Oberst Andreas Hoppe 8. Juli 2010
19 Oberst Ingo Gerhartz 20. Dezember 2007 8. Juli 2010
18 Oberst Michael Kuhn 30. September 2005 20. Dezember 2007
17 Oberst Peter Stammnitz 31. März 2003 30. September 2005
16 Oberst Heinz-Josef Ferkinghoff 25. Juli 2001 31. März 2003
15 Oberst Werner Nemetschek 3. Mai 1999 25. Juli 2001
14 Oberst Gerd Ruge 29. März 1996 3. Mai 1999
13 Oberst Ulrich Schröder 30. August 1994 29. März 1996
12 Oberst Horst Martin 2. Oktober 1992 30. August 1994
11 Oberst Dieter Reiners 29. September 1988 2. Oktober 1992
10 Oberst Joachim Hoppe 15. Juli 1988 12. September 1988
9 Oberst Jörg Böttcher 17. September 1984 14. Juli 1988
8 Oberst Gert Overhoff 25. März 1980 17. September 1984
7 Oberst Theodor Herbert 24. September 1976 25. März 1980
6 Oberst Albert Weber 19. September 1972 24. September 1976
5 Oberst Hans-Joachim Steindorf 11. September 1968 19. September 1972
4 Oberst Paul Monreal 28. November 1966 1. September 1968
3 Oberst Friedrich Obleser 17. Dezember 1963 28. November 1966
2 Oberst Wilhelm Meyn 17. Dezember 1962 17. Dezember 1963
1 Oberstleutnant Gerhard Barkhorn 1. September 1957 16. Dezember 1962

Genutzte Flugzeugmuster[Bearbeiten]

Zudem ist Nörvenich Forward Operating Base einer amerikanischen Thunderbolt A-10-Staffel.

Unfälle[Bearbeiten]

Seit der Indienststellung des Geschwaders sind 33 Piloten des Geschwaders tödlich verunglückt. Allein bei Abstürzen mit dem Starfighter verloren 18 Soldaten ihr Leben. Tragisch endete die Vorübung für die feierliche Indienststellung des JaboG 31 mit der F-104 G. Bedingt durch räumliche Desorientierung des Leaders stürzte am 19. Juni 1962 eine Vierer-Formation F-104 F bei Frechen ab. Die Piloten waren nicht Angehörige des JaboG 31, sondern gehörten zur 4. Staffel der Waffenschule der Luftwaffe 10, die damals in Nörvenich stationiert war. Alle vier Piloten kamen ums Leben.[10]


Am 23. Juni 2014 kollidierte bei der Übung einer Alarmrotte ein Eurofighter[11] in 2500 Metern Höhe mit einem Learjet der GFD, dem Learjet wurde dabei eines der beiden Triebwerke abgerissen. In der Folge stürzte dieser bei Olsberg-Elpe ab. Dabei verunglückte mindestens einer der beiden Insassen tödlich.[12] Dem beteiligten Eurofighter gelang trotz des Verlustes eines gefüllten Zusatztanks die sichere Heimkehr zu seiner Basis.

Trivia[Bearbeiten]

Das Geschwader ist auch bekannt unter seinem Beinamen „Zirkus Boelcke“. Oswald Boelcke (1891–1916) nutzte zirkusähnliche Zelte für die Unterbringung an der Front. Heute ist es eher die liebevolle Beschreibung für den rheinischen Frohsinn und die damit verbundene Lockerheit innerhalb des Geschwaders. Aufgrund dessen haben die heutigen Soldaten der TaktLwG 31 „Boelcke“ den Spitznamen weiter ausgeschmückt: "Zirkus Boelcke – Jeder Soldat eine Attraktion!!!"

Nach einer Kollision erreichte Hauptmann Heltzel 1965 mit dem Starfighter die höchste Landegeschwindigkeit, die je gemessen wurde. Mit 435 km/h gelang ihm der Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.[13]

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Verbände der Bundesluftwaffe, Bernd u. Frank Vetter, Motorbuch Verlag, ISBN 3-613-01727-X

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jagdbombergeschwader 31 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. luftwaffe.de: Kommodore - Oberst Andreas Hoppe
  2. bild.de: Zum Welt-Männertag Männer fordern Respekt
  3. Realisierungsplanung Luftwaffe (PDF; 686 kB)
  4. Artikel zur Einführung des Eurofighter beim JaboG 31 auf Luftwaffe.de
  5. http://www.az-web.de/lokales/dueren-detail-az/1329930?_wo=Lokales:Dueren&_link=&skip=&_g=Bombergeschwader-Boelcke-Wehmuetiges-Ende-einer-27-jaehrigen-Aera.html
  6. Zeitungsartikel zur Ankunft der ersten Eurofighter
  7. http://www.aachener-zeitung.de/lokales/dueren/boelcke-hoppe-blickt-auf-arbeitsreiche-monate-zurueck-1.828653
  8. Aachener Zeitung vom 25. Mai 2013
  9. http://www.aachener-zeitung.de/artikel/2422462
  10. Chronik des Jagdbombergeschwaders 31 „Boelcke“
  11. Militärischer Flugbetrieb, vom 26. Mai 2014
  12. zeit.de: Kleinflugzeug stürzt nach Zusammenprall mit Kampfjet ab, vom 23. Juni 2014
  13. Chronik des Jagdbombergeschwaders 31 „Boelcke“