Spangdahlem Air Base

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Spangdahlem Air Base
52d Fighter Wing.png
Kenndaten
ICAO-Code ETAD
Koordinaten
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 7 km östlich von Speicher
Basisdaten
Eröffnung 1953
Betreiber United States Air Force
Fläche 6600 ha
Start- und Landebahn
05/23 3050 m × 45 m Asphalt

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Die Air Base Spangdahlem ist eine Einrichtung der US-Luftwaffe (US-Air Force), die an den Ort Spangdahlem in Rheinland-Pfalz zwischen Bitburg, Trier und Wittlich grenzt.

Spangdahlem ist Teil der 3rd Air Force (3. Luftwaffe) mit Sitz in Ramstein Air Base unter Kommandeur Lieutenant General Philip M. Breedlove, und somit Teil der United States Air Forces in Europe (USAFE) mit dem Hauptquartier ebenfalls auf der Ramstein AB.

Kommodore der Basis und des 52nd Fighter Wing (52. Jagdgeschwader), dem Hauptnutzer, ist Colonel David J. Julazadeh. Er übernahm das Amt von Brigadier General Christopher P.Weggeman am 20. Juli 2012. Auf der Basis arbeiten ungefähr 5.000 Amerikaner sowie 800 deutsche Angestellte. Rund 7.000 Familienangehörige leben ebenfalls auf der Basis. Hinzu kommen seit 2009 vorübergehend Angehörige der kanadischen Streitkräfte.

Auftrag und Flugzeuge[Bearbeiten]

Tower der Spangdahlem Air Base und F-16 Kampfflugzeuge

Neben der Nutzung für das Jagdgeschwader ist die Basis Umschlagplatz für Transportflieger.

52nd Fighter Wing[Bearbeiten]

Das Geschwader hat die Aufgabe, in Konfliktfällen unter anderem sogenannte SEAD-Missionen - auch Wild Weasel genannt - durchzuführen, also die Unterdrückung gegnerischer Luftverteidigung sicherzustellen. Um diesem Auftrag gerecht zu werden, sind in Spangdahlem General Dynamics/Lockheed Martin F-16 Fighting Falcon neuester Generation (F-16CJ/D Block 52) stationiert. Das 52nd FW gliedert sich wie folgt:

  • 52nd Operations Group
  • 480th Fighter Squadron (480. Kampfstaffel) (29, F-16CJ/D)
  • 726th Air Mobility Squadron (keine eigenen Flugzeuge)
  • 606th Air Control Squadron (Luftüberwachungsstaffel) (u. a. 2 mobile Radaranlagen TPS-75)

Neben diesen Einheiten gehören noch folgende Unterstützungseinheiten zum 52nd FW:

  • 52nd Maintenance Group (Wartungseinheiten)
  • 52nd Medical Group (medizinische Versorgung)
  • 52nd Mission Support Group (diverse Unterstützungseinheiten für Sicherheit, Logistik usw.)

und die

  • 38th Munitions Support Group. Sie ist unter anderem für die Sicherheit amerikanischer Atomwaffen zuständig und hat vier Untereinheiten:
    • 701st Munitions Support Squadron, Kleine Brogel (Belgien), Stützpunkt des belgischen 10. Taktischen Geschwaders mit 72 F-16
    • 702nd Munitions Support Squadron, Büchel (Deutschland), Stützpunkt des deutschen Jagdbombergeschwaders 33 mit Tornados
    • 703rd Munitions Support Squadron, Volkel (Niederlande) Stützpunkt der niederländischen 306., 311., 312. und 313. Staffel mit F-16
    • 704th Munitions Support Squadron, Ghedi (Italien), Stützpunkt der italienischen 154º und 102º Gruppo/6º Stormo mit Tornados

Air Mobility Command[Bearbeiten]

Zusätzlich unterstützt das Air Mobility Command Fracht- und Truppentransporte:

  • 726th Air Mobility Squadron, stellt Führungs-, Wartungs- und Umschlagskapazität für alle Transportflugzeugtypen des AMC zur Verfügung.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Zu der vorhandenen Infrastruktur zählen unter anderem über 500 Gebäude, eine Start- und Landebahn (23/05) mit den Maßen 61m x 3050m, eine 2461m lange, parallel verlaufende Taxiway (die im Notfall auch als Start- und Landebahn dienen könnte), sowie etwa 90 Flugzeug-Bunker. Ein Überbleibsel aus der Zeit der am 30. September 1994 geschlossenen Bitburg Air Base ist die Bitburger Housing (Bitburg Annex) mit ca. 1200 Wohnungen, welche wahrscheinlich im Rahmen von „Eifel Evolution 2010“ in Spangdahlem ersetzt wird.

Geschichte[Bearbeiten]

1951 begannen französische Besatzungstruppen mit dem Bau eines Flugplatzes. Erste Landungen fanden schon 1952 statt; der Platz wurde jedoch erst 1953 fertiggestellt. Im gleichen Jahr wurde das US-amerikanische 10. Taktische Aufklärergeschwader (10th Tactical Reconnaissance Wing, Abkürzung: 10th TRW) aus Toul kommend stationiert, es wurde schon 1959 wieder abgezogen. Ab Ende 1954 kam für knapp ein Jahr eine F-86F-Staffel des 388th Fighter-Bomber Wing hinzu, dessen vorgesehene Einsatzbasis Etain noch nicht fertiggestellt war. Gleichzeitig wurde das 49. Taktische Jagdgeschwader (49th Tactical Fighter Wing, Abkürzung: 49th TFW) nach Spangdahlem beordert. 1968 wurde dieses auf die Holloman Air Force Base in New Mexico umstationiert. Es folgte eine dreijährige Übergangszeit, die vom 49th TFW geprägt war, bevor 1971 der 52nd Tactical Fighter Wing aktiviert wurde. Nach der Schließung der Bitburg Air Base 1994 wurde Spangdahlem bis 1999 die 53rd Fighter Squadron zugeteilt. Auch die 606. Radarüberwachungseinheit (606th Air Control Squadron) wurde von dort nach Spangdahlem verlegt, und besteht dort bis heute. Die heutige Bezeichnung „52nd Fighter Wing“ geht auf eine Umbenennung im Jahre 1991 zurück.

In Niederstedem wurde 1954 ein Tanklager für die Air Base errichtet, in dem es im selben Jahr zu einer schweren Explosion kam.

Mit der Schließung der Rhein-Main Air Base im Jahr 2005 wurde im Rahmen des "Rhein-Main Transition Program" die Frankfurter Drehscheibenfunktion für Fracht- und Truppentransporte des Air Mobility Command auf die Ramstein Air Base (70 %) und nach Spangdahlem (30 %) verlegt. Im November 2005 landete die erste C-17 Globemaster III in Spangdahlem.

Am 14. September 2006 stürzte bei Oberkail eine in Spangdahlem stationierte F-16 nach einem „kontrollierten Ausstieg“ (controlled bailout) des Piloten per Schleudersitz ab.[1] Laut Angaben der Airforce hatte diese beim Start einen Mast gestreift und dadurch das Fahrwerk beschädigt. Infolge dieses Ereignisses wurde bekannt, dass ein Airforce Operation Handbuch detailliert die Absturzzonen in der Nähe der Airbase definiert hat, um im Notfall ein Flugzeug möglichst in einem Gebiet mit verringerter Gefährdungswahrscheinlichkeit abstürzen zu lassen. Die F-16 schlug indes nur wenige hundert Meter entfernt vom Ort Oberkail auf, da das Flugzeug sich nicht geradlinig weiterbewegt hatte. Daraufhin einigte man sich mit den deutschen Behörden, in künftigen Notfällen den Truppenübungsplatz Baumholder als Absturzzone zu nutzen. Ferner wurde die Zusammenarbeit mit der deutschen Feuerwehr und dem THW durch gemeinsame Übungen mit der Flugplatzfeuerwehr verbessert.

Im Jahr 2009 haben die Kanadier ein Angebot der US-Streitkräfte angenommen, die Air Base ebenfalls als eine Drehscheibe für den Transit und die Bereitstellung von Transportflugzeugen in Europa mitzubenutzen. Dies soll auch den kanadischen Streitkräften helfen, ihre weltweit im Einsatz befindlichen Truppen zu versorgen. Nach einer Vereinbarung mit Deutschland und den USA begann Kanada mit der Umsetzung dieses Vorhabens. 2009 waren die Kanadier mit 2500 Soldaten in Afghanistan stationiert. Die Nutzung der Eifelbasis wurde umso wichtiger, als die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate den Kanadiern ab November 2010 (aufgrund von Streitigkeiten bzgl. der Landerechte ihrer Fluglinien Emirates und Etihad) die weitere Nutzung des "Camp Mirage" untersagte.

Im Rahmen der Reduktion der aktiven Kampfflugzeugflotte der USAF begann im Frühjahr 2010 der Abzug einer F-16-Staffel mit der Verlegung von 18 Maschinen nach Duluth, Minnesota. 575 Planstellen waren betroffen; das Programm, das den Neubau von 271 Häusern vorsah, wurde gestoppt.[2] Die 22nd und 23rd Fighter Squadron wurden schließlich im August 2010 zur 480th verschmolzen.[3]

Am 18. Juni 2013 wurde die auf dem US-Luftwaffenstützpunkt stationierte 81st Fighter Squadron „Panthers“ nach insgesamt 71 Stationierungsjahren in Europa aufgelöst, die letzten der ehemals 18 A-10 Thunderbolt II Kampfflugzeuge waren allerdings bereits am 17. Mai 2013 zurück in die USA überführt worden. Das Personal wird bis zum 31. Dezember 2013 abgezogen. 500 Menschen sind von der Auflösung, der seit 1973 in der Eifel stationierten Staffel betroffen.[4]

Flugzeugtypen in Spangdahlem 1953 bis heute[Bearbeiten]

Landung einer F-117 in Spangdahlem
Nach dem Umbau in Spangdahlem können nun auch die großen Transportmaschinen (C-17 (im Bild) oder C-5) problemlos auf der AirBase landen
Spangdahlem Air Base A-10 Thunderbolt (Open Day 1. Juli 2007)
Spangdahlem Air Base F-16 Fighting Falcon (Open Day 1. Juli 2007)

Einsätze[Bearbeiten]

Eine Besonderheit stellte dabei die Stationierung von 12 Tarnkappenbombern F-117 Nighthawk von der Holloman Air Force Base im Rahmen der Operation Allied Force für einen relativ kurzen Zeitraum dar.

Zukunft[Bearbeiten]

Aufgrund struktureller Änderungen innerhalb der US-Air Force in Europa (USAFE) verändert sich auch Spangdahlem. Herausragende Bedeutung besitzen hierbei vor allem die Projekte „Eifel Evolution 2010“, bzw. das Verlegungsprogramm (Rhein-Main Transition Program). Nach dem derzeitigen Stationierungskonzept handelt es sich bei der Spangdahlem Air Base um eine Main Operating Base.

Trivia[Bearbeiten]

Ehemals/aktuell auf der Spangdahlem Air Base stationierte USAF-Angehörige bezeichn(et)en diesen Standort ironisch bis geringschätzig als "the lovely Spangladesh", weil die Infrastruktur rund um die Air Base ihnen ihrer Meinung nach nicht alle Annehmlichkeiten des American way of life bieten konnte/kann.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Spangdahlem Air Base – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manfred Reutter, Rolf Seydewitz: Hinter der Autobahn mit dem Schleudersitz raus. Trierischer Volksfreund, 20. September 2006. S. 3.
  2. Katharina Hammermann: Spangdahlem: Abzug der F-16-Staffel beginnt. Trierischer Volksfreund, 7. April 2010.
  3. Kali L. Gradishar: F-16 drawdown to begin. Website der Spangdahlem Air Base, 26. April
  4. 81st FS inactivation announced - Spangdahlem Air Base. Website der Spangdahlem Air Base, 26. April 2010.
  5. US-Kampfjets aus Spangdahlem starten zu Libyen-Einsatz