Jonathan Demme

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Jonathan Demme, 2010

Robert Jonathan Demme (* 22. Februar 1944 in Baldwin, New York) ist ein US-amerikanischer Filmregisseur und Oscar-Preisträger. Als sein wohl bekanntestes Werk gilt der Thriller Das Schweigen der Lämmer.

Leben[Bearbeiten]

Johnathan Demme wuchs in Long Island auf. Im Alter von 15 Jahren zog er mit seiner Familie nach Miami, wo er die High School und das College besuchte. Nach eigenen Aussagen war Demme zum damaligen Zeitpunkt bereits ein „Movie Junkie“, beschränkte sich aber noch auf den US-amerikanischen Film. Der erste Nouvelle-Vague-Film, den er dann sah, Truffauts Schießen Sie auf den Pianisten (1960), beeindruckte ihn sehr, und Demme konnte die Redaktion der Collegezeitung überzeugen, ihn als Filmkritiker aufzunehmen.

Nach dem Collegeabschluss studierte Demme zunächst Veterinärmedizin, scheiterte aber schon nach kurzer Zeit wegen mangelnder Chemiekenntnisse. Zusätzlich schrieb er für kleinere Zeitungen als Kritiker, bis sein Vater den Produzenten Joseph E. Levine kennenlernte, durch den Demme einen Job als Presseagent bekam. In den nächsten Jahren arbeitete er bei verschiedenen Produktionsfirmen, unter anderem United Artists und Avco Embassy, schrieb aber auch weiterhin Kritiken. Anfang der 70er Jahre drehte er Werbespots in London. Dort traf er dann den B-Movie-Regisseur Roger Corman und arbeitete mit ihm zwischen 1971 und 1976 zusammen. Von Corman stammte auch die Idee zum Bikerfilm Angels Hard as They Come (1971), für den Demme zusammen mit dem Regisseur Joe Viola das Drehbuch verfasste. Als Vorlage diente ihnen Akira Kurosawas Rashomon. Demme produzierte den Film auch, Viola selbst führte Regie.

Als Regisseur trat Demme dann zum ersten Mal bei Das Zuchthaus der verlorenen Mädchen (1974) in Erscheinung. 1977 drehte er Handle with Care, der ihm positive Kritiken einbrachte. Internationale Anerkennung erlangte Demme jedoch erst 1980 durch Melvin und Howard. Dass er auch für ein größeres Publikum drehen konnte, bewies er 1984 mit Swing Shift, bei dem er erstmals mit Stars wie Goldie Hawn und Kurt Russell zusammenarbeitete.

Ebenfalls im Jahr 1984 entstand Stop Making Sense, die Dokumentation eines Konzertes der New-Wave-Band Talking Heads, die ein Meilenstein der Konzert- und Musikfilme wurde. Demme arbeitete noch weitere Male für die Musikbranche, so drehte er zum Beispiel Videoclips für New Order, Suzanne Vega, Bruce Springsteen, The Neville Brothers, Artists United Against Apartheid und andere. Im Jahr 1988 entstand Die Mafiosi-Braut mit Michelle Pfeiffer und Matthew Modine in den Hauptrollen, eine Komödie, die einige Auszeichnungen für die Leistungen ihrer Darsteller erhielt, und bei der David Byrne von den Talking Heads für die Filmmusik verantwortlich zeichnete.

1989 erhielt Demme dann von Orion Films das Angebot, Thomas Harris Erfolgsroman Das Schweigen der Lämmer zu verfilmen. Im Vorfeld der Dreharbeiten lehnten zahlreiche Weltstars wie Gene Hackman und Michelle Pfeiffer die ihnen angebotenen Rollen ab,[1] Das Schweigen der Lämmer wurde dennoch sowohl in kommerzieller als auch in künstlerischer Hinsicht ein Welterfolg. Er gehört zu den wenigen Filmen, die einen Oscar in den fünf wichtigsten Kategorien erhielten. Der Film wurde 2011 in die National Film Registry for preservation aufgenommen.[2]

Demme drehte 1993 Philadelphia, der ebenfalls ein kommerzieller Erfolg wurde. Danach jedoch verließ ihn das Glück und er konnte mit dem Spielfilm Menschenkind von 1998, der Verfilmung eines Romanes der Nobelpreisträgerin Toni Morrison, und den Remakes Die Wahrheit über Charlie und The Manchurian Candidate nicht mehr an seine Erfolge anknüpfen. Im Jahr 2008 wurde sein Drama Rachels Hochzeit bei den 65. Filmfestspielen von Venedig als Wettbewerbsbeitrag uraufgeführt.[3]

Weitere biografische Einzelheiten[Bearbeiten]

Politisch engagierte sich Demme mit Filmen für die Demokratie in Haiti. Er war Gründungsmitglied der Organisation Artists United for Democracy in Haiti und arbeitete an weiteren Haiti-Projekten. Anfang der 80er Jahre gründete er mit Garry Goetzman die Produktionsfirma Clinica Estetico. Demme arbeitet gerne mit einem eingespielten Team von langjährigen Mitarbeitern.

Da das Thema der weiblichen Selbstbestimmung und -findung in patriarchalen Gesellschaftsstrukturen in mehreren seiner Filme vorkommt (z. B. Swing Shift, Das Schweigen der Lämmer), galt er vielen als „feministischer“ Regisseur.

Jonathan Demmes im Jahr 2002 verstorbener Neffe Ted Demme war ebenfalls Regisseur.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

als Regisseur
als Produzent
als Schauspieler

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. siehe Abschnitt „Trivia“ im Wikipedia-Artikel zum Film Das Schweigen der Lämmer
  2. Two More Horror Classics Added to The National Film Registry: War of the Worlds and The Silence of the Lambs, 28. Dezember 2011 (abgerufen am 19. Januar 2014)
  3. vgl. Nick Vivarelli: Venice Film Festival announces Slate, 29. Juli 2008 (abgerufen am 30. Juli 2008)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jonathan Demme – Sammlung von Bildern