Kampen (Niederlande)

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Gemeinde Kampen
Flagge der Gemeinde Kampen
Flagge
Wappen der Gemeinde Kampen
Wappen
Provinz Overijssel Overijssel
Bürgermeister Bort Koelewijn
Sitz der Gemeinde Kampen
Fläche
 – Land
 – Wasser
161,84 km²
141,45 km²
20,39 km²
CBS-Code 0166
Einwohner 51.099 (1. Jan. 2014[1])
Bevölkerungsdichte 316 Einwohner/km²
Koordinaten 52° 33′ N, 5° 54′ O52.555.9Koordinaten: 52° 33′ N, 5° 54′ O
Vorwahl 038, 0525
Postleitzahlen 8260–8279
Website kampen.nl
Lage von Kampen in den Niederlanden

Kampen anhören?/i ist eine Gemeinde und ehemalige Hansestadt in der niederländischen Provinz Overijssel mit einer Fläche von 161,84 km² und 51.099 Einwohnern.

Orte[Bearbeiten]

In Klammern die Einwohnerzahl (Januar 2007):

Lage und Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Lage von Kampen

Die Stadt liegt an der Mündung der IJssel in das Ketelmeer. Dieser 35 km² große See ist mit dem 30mal größeren IJsselmeer verbunden. Kampen hat drei Verkehrsbrücken über die IJssel. Die Stadt ist der Endpunkt einer Kleinbahn nach Zwolle; der Bahnhof liegt am anderen Ufer des Flusses, gegenüber der Stadt.

Kampen hat zwei theologische Fakultäten verschiedener protestantischer Kirchen und eine Kunstakademie. Die Landwirtschaft, vor allem Molkereien (in der Umgebung Polder mit nährstoffreichen Wiesen), und verschiedene kleinere Industriebetriebe und Werften, sowie der Tourismus (Wassersport; historische Altstadt) sind die Haupterwerbsquellen. Ende 2007 wurde eine erhebliche Vergrößerung des Flusshafens und der dortigen Schiffswerften untersucht, um zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen.

Verkehr[Bearbeiten]

Brücke in Kampen

Kampen liegt an der N50. Die N50 wird in der Zukunft umgebaut zu einer A50. Kampen ist auch mit der Bahn von Zwolle aus zu erreichen. Die Linie war früher Teil der Strecke Utrecht-Kampen. Bahnhof Kampen (Nord) ist der Bahnhof an der Kamperlijntje. Die Bahnlinie wird ab 2012 umgebaut für Straßenbahnen und dabei bekommt Kampen ein extra Bahnhof Kampen Oost. Ende 2012 wird auch die Hanzelijn, eine Bahnlinie zwischen Lelystad und Zwolle eröffnet, an der der Bahnhof Bahnhof Kampen Zuid liegen wird. In Kampen halten auch einige Buslinien: die Linie 74 (Kampen - Genemuiden -Hasselt - Zwolle), die Linie 140 (Zwolle Campus - Dronten - Melisse), Linie 141 (Zwolle - Emmeloord - Urk), Linie 143 (Kampen - Dronten - Lelystad), und die Hanzelijner. Weiter gibt es die städtischen Linien 11 und 12. Kampen hat seit einigen Jahren auch den sogenannten Zuiderzeehaven, ein neuer, 50 Hektar großer Hafen.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter

Kampen, auch Campen geschrieben, entstand um das Jahr 1000 aus einem Dorf entlang einem Deich. 1236 erhielt Kampen Stadtrecht, welches es wahrscheinlich gewohnheitsrechtlich schon vorher wahrnahm.

Schon früh war Kampen eine wichtige Hafen- und Handelsstadt wegen seiner Lage an der Flussmündung. Heringe wurde von Kampen aus in die Rheingegenden, nach Westfalen, Flandern, Frankreich, England, Dänemark Norwegen und zu den Ostseestaaten verschifft. So wurde unter anderem Kampen 1289 von Norwegen, 1294 von England, 1295 von Flandern und 1313 von Schweden die Handelsfreiheit verbrieft. 1323 schloss die Stadt mit der Gemeinde Terschelling einen Vertrag zum Schutz der Einfahrt und sie erhielt die Erlaubnis dafür ein Seezeichen zu errichten. Im wirtschaftlichen Kampf zwischen der Hanse und Flandern von 1358 bis 1360 ergriff Kampen für Flandern Partei und erhielt 1361 das Groot-Privilege van Vlaanderen. Die Stadt trat 1441 dann doch der Hanse bei (der Hansebrief dazu ging beim Rathausbrand 1543 verloren). Kampen war einige Zeit die wichtigste niederländische Stadt in diesem Städteverbund und wirkte eng mit den Partnerstädte Deventer und Zwolle zusammen. Im 15. Jahrhundert hatten die Drei Städte eine gemeinschaftliche Münze.

Karten Kampen vom Blaeu's Toonneel der Steden

1416 wurde vermeldet, dass Kampen 120 schepen bi der See hatte und bei 9000 Kommunikanten, somit wahrscheinlich um die 12 bis 14.000 Einwohner, aufwies, also so groß war wie Amsterdam.

Im 14. Jahrhundert gab es am Ort eine Tuchindustrie und dazu 1335 ein wanthues der Tuchhändler und der waardijns (Warenschaumeister). Auch die Glockengießerkunst von Kampen war gegen Ende des 15. Jahrhunderts bekannt. Der berühmte holländische Glockengießer Geert van Wou (1440–1527) wirkte hier. Gegossen wurden aber auch Kanonen.

1448 wurde die erste Brücke über die Ijssel gebaut. Eine neue Stadtgracht war wegen der zunehmenden Bevölkerung notwendig. Die Fahrrinne zum Meer musste ausgebaut werden. Die mittelalterliche Sankt-Nikolaus-Kirche und die Kirche Unsere Liebfrauen wurden erweitert und das alte Rathaus entstand, sowie Klöster, Bruderschaftshäuser, Pesthäuser und Spitäler. Die Gilden waren wichtige Institutionen in der Stadt.[2]

Neuere Zeit

Seit dem 15. Jahrhundert verlor Kampen an Bedeutung, da sich Probleme mit dem Wasserstand ergeben hatten. Aber auch die Folgen von Kriegen, der Niedergang der Hanse und die Handelskonkurrenz zu Holland trugen dazu bei, dass sich die Stadt nur in geringerem Maße weiter entwickeln konnte. Noch im 16. Jahrhundert wurden Frachtschiffe aus Kampen in den Ostseestädten sowie in Bremen und Hamburg wie auch in England vermeldet. Im 17. Jahrhundert wurde der Nieuwe Toren (Neuer Turm) erbaut.

Vom 19. Jahrhundert bis etwa 1970 war Kampen ein Zentrum der Zigarrenherstellung.

Grafhorst und Wilsum

Die Orte Grafhorst und Wilsum erhielten ebenfalls im Mittelalter Stadtrechte, wuchsen aber nie zu richtigen Städten aus. Grafhorst wurde 1849 durch eine Brandkatastrophe nahezu völlig zerstört.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Gebäude[Bearbeiten]

Koornmarktspoort in der Nacht
Die Bovenkerk

Aus der Blütezeit der Stadt sind mehrere historische Gebäude erhalten geblieben:

  • das Rathaus, mit einer schönen Innenausstattung, zum Teil aus dem 16. Jahrhundert
  • drei Stadttore, u. a. die Cellebroederspoort und die weiße Koornmarktspoort, die von der IJssel sichtbar ist
  • der Neue Turm (Nieuwe Toren), erbaut im 17. Jahrhundert, mit vier Glocken aus den 1480er Jahren, die aus einem anderen Gebäude kamen, und einem Glockenspiel vom berühmten Glockengießer Hemony.
  • drei alte Kirchen, von denen vor allem die Nikolaus- oder Obere Kirche (Bovenkerk) sehenswert ist. Internationale Bekanntheit hat die Hinsz-Orgel erlangt.

Von den alten Häusern sind nur wenige erhalten:

  • Das bekannteste ist das „Gotische Haus“, das bis 2006 das Stadtmuseum beherbergte. Es wurde im 19. Jahrhundert durch Pierre Cuypers stark restauriert.
  • Die „IJsselfront“, die Häuserzeile entlang des Flusses, datiert, wie jene in Zutphen, aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Museen[Bearbeiten]

  • Das Tabakmuseum mit einer 2,5 Meter langen Zigarre behandelt die Geschichte der Tabakherstellung der Stadt.
  • Das Städtische Museum hat den Charakter eines größeren Heimatmuseums. Es wird im Dezember 2008 im alten Rathaus eine neue Unterkunft haben.
  • Im Koornmarktspoort werden Wechselausstellungen gegeben.
  • Im Nieuwe Toren werden wechselnde Ausstellungen gezeigt.

Sehenswürdigkeiten außerhalb der Stadt[Bearbeiten]

  • Die Dorfkirche von Wilsum aus dem 11. Jahrhundert
  • Die Windmühle von Zalk (1860)
  • Die Dorfkirche von IJsselmuiden (Anfang des 13. Jahrhunderts)
  • Die Fluss- und Wiesenlandschaft ist reich an Vögeln.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Die Stadt Kampen pflegt Städtepartnerschaften mit folgenden Städten:

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Hendrick Avercamp (1585–1634), Maler, der Stumme von Kampen (de Stomme van Kampen); nach ihm sind die Avercampstraat und ein Café benannt.
  • Gerhard van Wou (1440–1527), Glockengießer. Er schuf die Gloriosa für den Erfurter Dom, die im Allgemeinen als sein Meisterwerk betrachtet wird.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kampen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 12.04.2014Centraal Bureau voor de Statistiek, Niederlande
  2. Johann Don: Das niederländische Kampen als althansische Schiffahrts- und Reederstadt – ein Parallelfall zu Bremen. In: Bremisches Jahrbuch Band 51. von 1969, S.67 ff, Schünemann, Bremen 1969.