Arcandor

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Arcandor AG
Arcandor-Logo
Unternehmensform Aktiengesellschaft
ISIN DE0006275001
Gründung 1999 (1881)
Unternehmenssitz Essen, Deutschland
Unternehmensleitung
Mitarbeiter

86.273 (30. September 2008)

Umsatz

19,9 Mrd. € (Geschäftsjahr 1. Oktober 2007 bis 30. September 2008)

Branche Warenhaus- und Versandhandel, Touristik
Website

www.arcandor.com

Die Arcandor AG (früher KarstadtQuelle AG) ist ein Handels- und Touristikkonzern mit Unternehmenssitz in Essen und den drei Kerngeschäftsfeldern Einzelhandel, Versandhandel und Tourismus. Hauptaktionäre sind die Privatbank Sal. Oppenheim und Madeleine Schickedanz. Am 9. Juni 2009 beantragte die Arcandor AG beim Amtsgericht Essen die Eröffnung des Insolvenzverfahrens über ihr Vermögen.[3]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Kennzahlen

Vor der Restrukturierung des Konzerns wurde im Jahr 2004 mit über 100.000 Mitarbeitern ein Umsatz von 15,3 Milliarden Euro erwirtschaftet. Die Arcandor AG erreichte im zweiten Quartal 2007 eine Umsatz- und Ergebnissteigerung um 73 Prozent. Die Geschäftsbereiche Warenhaus Karstadt und die Versandhandelssparte Primondo tragen jeweils rund 20 Prozent zum Konzernumsatz bei. Der Touristik-Bereich Thomas Cook erzielt zirka 60 Prozent des Konzernumsatzes. Das Unternehmen Arcandor AG ist im Aktienindex MDAX notiert.

2008 2007
Bereiche Mitarbeiter Mitarbeiter als
Vollzeitäquivalent
Umsatz
in Mio.
Mitarbeiter Mitarbeiter als
Vollzeitäquivalent
Umsatz
in Mio. €
Thomas Cook 34.290 31.264 11.378,5 32.286 29.070 11.758,5
Primondo 19.209 15.606 4.309,8 21.332 16.837 4.037,5
Karstadt 32.352 23.195 4.095,1 33.682 24.304 4.238,2
sonstige Bereiche
(Dienstleistungen und Immobilien)
422 378 205,6 472 426 262,3
Summenlauf 86.273 70.443 19.989 87.772 70.637 20.296,5
Geschäftsjahr 2008: 1. Oktober 2007 bis 30. September 2008
Geschäftsjahr 2007: 1. Oktober 2006 bis 30. September 2007
  • = Mitarbeiter inklusive Auszubildende zu den Stichtagen 30. September 2008 und 31. Oktober 2007

[Bearbeiten] Geschäftsfelder

Die Geschäftsfelder des Arcandor-Konzerns sind stationärer Einzelhandel in Deutschland, Versandhandel und Touristik:

Stationärer Einzelhandel in Deutschland
Versandhandel
Touristik
(seit dem 22. Dezember 2006 50-Prozent-Beteiligung: „Der Handelskonzern KarstadtQuelle kauft die 50-Prozent-Beteiligung der Lufthansa an Thomas Cook für 800 Mio. Euro.“ Quelle: n-tv.de) (Nach der Fusion mit der My Travel Group 2007 hält KarstadtQuelle noch 52 Prozent am mittlerweile an der London Stock Exchange gelisteten Unternehmen.)

[Bearbeiten] Geschichte

Zeitleiste der wichtigsten Zusammenschlüsse und Abspaltungen von KarstadtQuelle bzw. Arcandor
Firma/Marke schon vor 1950 50er 60er 70er 80er 90er 2000
9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9
Karstadt … „Karstadt“ zu KarstadtQuelle zu Arcandor
HERTIE … „HERTIE“ „Karstadt“
„Karstadt kompakt“ zu KarstadtQuelle verkauft Hertie insolvent
Neckermann „Neckermann Textil-Versand KG“ zu Karstadt zu KarstadtQuelle zu Arcandor (Primondo) 51 % verkauft
KarstadtQuelle Bank „Karstadt Bank“ „KarstadtQuelle Bank“,
zu KarstadtQuelle
zu Arcandor zu Valovis
Valovis Bank „Karstadt Hypothekenbank“ „Valovis Bank“
Quelle … „Quelle“ zu KarstadtQuelle zu Arcandor (Primondo)
KarstadtQuelle Versicherungen „Quelle + Partner Versicherungen“ „KarstadtQuelle Versicherungen“,
zu KarstadtQuelle
an ERGO
Condor „Condor Flugdienst GmbH“ zu C&N Touristic AG zu Thomas Cook zu Thomas Cook plc.
Neckermann Reisen „Neckermann und Reisen GmbH“ (NUR) „NUR Touristic GmbH“,
zu Karstadt
Thomas Cook … „Thomas Cook“
MyTravel „Airtours“ „MyTravel Group plc“

[Bearbeiten] Gründung der KarstadtQuelle AG (Januar 1999–September 1999)

Logo der ehemaligen KarstadtQuelle AG

Die KarstadtQuelle AG entstand 1999 durch die Fusion des Warenhauskonzerns Karstadt AG mit dem Versandhaus Quelle Schickedanz AG & Co.. Die Fusion wurde im September 1999 rückwirkend zum 1. Januar 1999 nach einem Vergleich mit einigen Aktionären der Karstadt AG wirksam. Es entstand ein neuer Konzern mit 116000 Mitarbeitern und 32 Milliarden DM Jahresumsatz.[4]

Der erste Vorstandschef des vereinigten Konzerns war damals Walter Deuss.

[Bearbeiten] Krise und Konsolidierung (Juli 2000–März 2007)

Im Juli 2000 legte Vorstandschef Walter Deuss nach Kritik an seiner Arbeit sein Amt nieder. Nachfolger wurde Wolfgang Urban. Neckermann feierte im Jahr 2000 sein 50-jähriges Jubiläum.

Im Januar 2001 kündigte Karstadt an, bis zu 7000 Stellen zu streichen. Der Konzern kaufte die Textilkette SinnLeffers. Im November 2001 wurde Christoph Achenbach Chef der Konzerntöchter Quelle und Neckermann. Aus der C & N Touristik AG wird die Thomas Cook AG, an der KarstadtQuelle gemeinsam mit der Lufthansa zu je 50 Prozent beteiligt ist. Die Touristik ist damit ein wichtiger Bestandteil des Konzerns geworden. Im Oktober erfolgte die Gründung der KarstadtCoffee GmbH, ein Joint-Venture mit Starbucks.

Zwischen 2002 und 2004 kam es zu Umsatzrückgängen und einem Einbruch beim Jahresüberschuss. Im Jahr 2002 feierte Quelle sein 75-jähriges Jubiläum und aus den Quelle Versicherungen werden die KarstadtQuelle Versicherungen. Im Jahr 2004 startete Quelle den landesweiten Versand in Russland.

Im Mai 2004 musste Vorstandschef Wolfgang Urban – dem wie seinem Vorgänger eine verfehlte Unternehmenspolitik vorgeworfen wurde – das Unternehmen verlassen (offiziell aus gesundheitlichen Gründen). Im Juni 2004 wurde Christoph Achenbach Konzernchef, Thomas Middelhoff wurde Aufsichtsratsvorsitzender.

KarstadtQuelle kämpfte mit den Problemen des gesamten Einzelhandels, aber auch hausgemachten Problemen. So hielt man entgegen dem Markttrend an dem umfangreichen Sortiment fest. Kritiker bemängeln, die Einrichtung sei nicht mehr zeitgerecht, das Programm nicht kundengerecht. Auch bei Quelle sei das Katalogkonzept überholt, die Marke müsse neu positioniert werden.

Im Oktober 2004 wurde bekannt, dass sich der KarstadtQuelle-Konzern in dramatischen finanziellen Schwierigkeiten befand. Nach mehreren verpassten Chancen zur Sanierung und Restrukturierung des Konzerns und auf Grund der anhaltenden Einzelhandelsflaute wurde angekündigt, 8500 Stellen abzubauen sowie 77 der 189 Warenhäuser (alle, die weniger als 8000 Quadratmeter Verkaufsfläche aufweisen) in Deutschland, einen Großteil der Beteiligungen des Konzerns (Facheinzelhandel, Anteile an der Thomas Cook AG und dem DSF) zu verkaufen, um das Unternehmen zu retten.

Im November 2004 wurde veröffentlicht, dass im dritten Quartal 2004 ein Verlust von 1,1 Milliarden Euro entstanden sei. Der Konzern vollzog daraufhin die Trennung von Starbucks. Der Gesamtverlust 2004 betrug 1,625 Milliarden Euro.

Nach Abschluss eines Solidarpaktes zwischen Arbeitnehmern, Management, Anteilseignern und Banken erfolgt die Umsetzung des Konzeptes zur Restrukturierung und Neuausrichtung des KarstadtQuelle-Konzerns. Diese Neuausrichtung sah die Konzentration auf das Kerngeschäft und die Trennung von Randaktivitäten vor. Die Trennung von Starbucks war eine der ersten großen Veräußerungen des Konzernportfolios. Die Anteile am DSF wurden im Januar 2005 an EM.TV abgegeben. Im August 2005 wurden 75 Karstadt-Filialen (Karstadt Kompakt GmbH & Co. KG), 51 SinnLeffers-Modehäuser sowie die Fachhandelskette Runners Point verkauft. Für Quelle und Neckermann wurde die Neupositionierung auf neue Zielgruppen angestoßen. Die Anzahl der Kataloge pro Jahr wurde für beide Marken erhöht.

Seit März 2005 hält ein Aktionärspool um Madeleine Schickedanz über 50 Prozent der Aktien. Im Mai 2005 wurde Dr. Thomas Middelhoff nach Bitten von Quelle-Erbin und Großaktionärin Madeleine Schickedanz Vorstandschef. Zugleich verlor die AG in einem Musterprozess einen Vermögensstreit mit den Erben des Wertheim-Konzerns, die durch die Jewish Claims Conference vertreten waren. Die Aktie fiel um acht Prozent, da weitere Verluste in Höhe von 150 Millionen Euro im Rechtsstreit um das Grundstück Lenné-Dreieck am Potsdamer Platz möglich waren. Für 4,5 Milliarden Euro verkaufte KarstadtQuelle inzwischen 51 Prozent seines Immobilienbestandes an Goldman Sachs, mit dem die AG nun zusammen den Immobilienfonds Withehall hält.

2006 wurden im Zuge der Konsolidierung des Konzerns wichtige Importdienstleistungen der zum Konzern gehörenden Marken Karstadt, Quelle, neckermann.de und weiterer Spezialversender an das Handelshaus Li & Fung aus Hongkong übertragen, anstatt der bisherigen in Deutschland ansässigen Importhäuser. Eine Einkaufspreisreduktion um zehn Prozent und ein Importvolumen von über zwei Milliarden Euro pro Jahr wird angestrebt. Künftig sollen durch Li & Fung bei Arcandor bis zu zwölf Kollektionen im Jahr möglich werden. Zudem werde sich nach Angaben von Arcandor das benötigte Betriebskapital für Arcandor um eine halbe Milliarde Euro verringern, da Li & Fung gegenüber den Lieferanten ein längeres Zahlungsziel besäße, als es Arcandor oder die frühere KarstadtQuelle AG bisher hatte. Die bisherige Einkaufstochterfirma KarstadtQuelle International Services AG (KQIS, St. Gallen) wurde mitsamt 1100 Mitarbeitern für 60 Millionen Euro an die Li & Fung Ltd. verkauft. Li & Fung übernimmt insbesondere die Musterung und Qualitätssicherung der lohngefertigten Ware vor Ort und wickelt künftig den Zahlungsverkehr des weltweiten Importgeschäftes von Arcandor ab. Die Entwürfe für die Eigenmarkenkollektionen sollen jedoch durch den Aufbau eigener Designcenter in London und Asien in der Hand von Arcandor bleiben, ebenso die Konditionenverhandlungen mit den einzelnen Lieferanten.

Im Mai 2006 kündigte das Unternehmen an, für die Konzern-Holding einen neuen Namen zu suchen, da die große Bedeutung der Touristiksparte nicht im alten Namen berücksichtigt ist und der internationaler klingen soll. Nach den Schwierigkeiten der vergangenen Jahre und einer Umbruchphase befand sich der Konzern zur Jahresmitte 2006 erstmals wieder in der Gewinnzone. Im Herbst 2006 feierte das Unternehmen sein 125-jähriges Jubiläum. Ende November 2006 wurde bekannt, dass sich KarstadtQuelle von seinem Versandhaus neckermann.de trennen will.

2007 schuf das Unternehmen das weltweit drittgrößte Touristikunternehmen, indem es seine Tochterfirma Thomas Cook mit der britischen MyTravel plc fusionierte.

Ende März 2007 gab KarstadtQuelle in einer Pressemitteilung bekannt, dass nach einem Verlust von 316 Millionen Euro im Jahr 2005 im Jahr 2006 ein Gewinn von 346 Millionen Euro erwirtschaftet wurde und somit erstmals seit der Krise wieder schwarze Zahlen geschrieben wurden.

[Bearbeiten] Die Ära Arcandor (ab März 2007)

Am 29. März 2007 kündigte das Unternehmen an, dass die Holding des KarstadtQuelle-Konzerns künftig unter dem Namen Arcandor firmieren werde. Die Umbenennung kündigte der Vorstandsvorsitzende Middelhoff auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens in Düsseldorf an.[5]

Die endgültige Bestätigung des neuen Namens der Holding fiel auf der Hauptversammlung des Unternehmens am 10. Mai 2007. Zudem kündigte Konzernchef Middelhoff an, dass er KarstadtQuelle Ende 2008 nach erfolgreicher Sanierung des Unternehmens verlassen werde. Am 23. April 2008 verlängerte er jedoch seinen Vertrag bis mindestens Jahresende 2009. Der neue Name Arcandor gilt seitdem jedoch nur für die Konzern-Holding. Die Traditionsnamen Karstadt für die Warenhäuser, Quelle für den Versandhandel und Thomas Cook für das Reisegeschäft sollten erhalten bleiben.

Die Bedeutung des Kunstwortes Arcandor leitet sich ab aus Arc, was in verschiedenen Sprachen Bogen bedeutet (die Arcandor AG spannt als Dachgesellschaft einen Bogen über die operativen Gesellschaften). Das aus dem Lateinischen abgeleitete candor bedeutet unter anderem glänzend, und in der Silbe dor ist das französische Gold enthalten – beides Sinnbilder für Wertsteigerung.

Im Mai 2007 wurde der Fernsehsender HSE24 gekauft. Der Handels- und Touristikkonzern zahlt dafür rund 200 Millionen Euro. Die Vereinbarung wurde mit dem Eigentümer des Senders, InteractiveCorp abgeschlossen.

[Bearbeiten] Krise ab 2008

Erneut in negative Schlagzeilen geriet der Arcandor-Konzern im September 2008, als der Kreditversicherer Euler Hermes, aufgrund gestiegener Risiken durch die mittlerweile auf 1,5 Milliarden Euro angewachsene Verschuldung des Konzerns, die Ausfallgarantien für Warensendungen beschränkte.[6] In der Zwischenzeit konnte sich Arcandor mit den Banken über eine Refinanzierung seiner Kredite einigen. Die vorübergehende Deckelung der Ausfallgarantien wurde daraufhin aufgehoben.[7]

Ende September 2008 führte Arcandor eine Kapitalerhöhung von zehn Prozent des Grundkapitals durch, die vollständig von der Privatbank Sal. Oppenheim gezeichnet wurde. Zusätzlich übernimmt Sal. Oppenheim von der bisherigen Großaktionärin von Arcandor, Madeleine Schickedanz, einen Anteil in Höhe von 19,5 Prozent. In Folge beider Maßnahmen hält die Privatbank künftig eine Beteiligung in Höhe von rund 29,5 Prozent an dem Handelskonzern. Schickedanz hielt bisher 53,3 Prozent an Arcandor. Medienberichten zufolge hatte sie sich in der Vergangenheit für die Aufstockung ihrer Arcandor-Beteiligung bei Sal. Oppenheim verschuldet.[8]

Am 3. November 2008 hat die Privatbank Sal. Oppenheim der Arcandor AG bis zum 3. April 2009 einen Kredit über 20 Millionen Euro gegeben.[9]

Am 2. Dezember 2008 wurde bekannt, dass Middelhoff im Frühjahr 2009 den Vorstandsvorsitz an Karl-Gerhard Eick abgeben wird, bisher Finanzvorstand der Deutschen Telekom.[10] Middelhoff erhielt, so Recherchen der Redaktion der Sendung Hart aber fair (Das Erste, 25. März 2009), eine Abfindung in Höhe von 2.300.000 Euro zu einem Zeitpunkt, an dem der Aktienkurs auf einem historischen Tiefpunkt angekommen war.

Nach Übernahme des Vorstandsvorsitzes durch Karl-Gerhard Eick Mitte Februar 2009 sprach dieser von einer Krise bei Arcandor und schlug einen Sanierungsplan vor. Arcandor habe Schulden von über 2,6 Milliarden Euro, von denen im Juni 2009 alleine 650 Millionen Euro fällig werden.[11] Arcandor müsse Mietzahlungen von zirka 350 Millionen Euro jährlich zahlen.[12] Die monatlichen Mietzahlungen betragen zirka 23 Millionen Euro,[13] die an ein Konsortium aus der Investmentbank Goldman Sachs, der Deutschen Bank, der Immobiliensparte des italienischen Reifenherstellers Pirelli und der Generali-Versicherung sowie an den Oppenheim-Esch-Fonds des Sal.-Oppenheim-Fondsmanagers Josef Esch und deren Fondsteilhaber Thomas Middelhoff und Madeleine Schickedanz gehen.[14][13] Eigentümer nahezu sämtlicher Häuser ist seit 2007 die Immobiliengesellschaft Highstreet, deren 51 Prozent Miteigentümerin der Whitehall-Fonds der Investmentbank Goldman Sachs unter Alexander Dibelius ist[15] und an der zu 49 Prozent Arcandor im Geschäftsjahr 2007/08 selbst beteiligt war, bevor dieser Anteil an den Fonds Rreef Alternative Investments übertragen wurde, hinter dem heute die Deutsche Bank, Pirelli Real Estate und die Borletti-Gruppe stehen.[15] Die Laufzeit der Mietverträge beläuft sich auf 15 Jahre.[16] Nach Planungen von Eick sollen die Luxus-Kaufhäuser KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München verkauft werden.[17] Dabei werden auch staatliche Bürgschaften des Bundes (über die KfW Bankengruppe) und des Landes Nordrhein-Westfalen nicht mehr ausgeschlossen.[18][19]

Arcandor hat seinen Großaktionär, die Privatbank Sal. Oppenheim, die 28,6 Prozent an Arcandor hält, offenbar überzeugt, kurzfristig eine Kapitalerhöhung um mindestens 100 Millionen Euro durchzuführen.[20][21][22]

Am 24. Mai 2009 wandte sich Stefan Herzberg, Vorsitzender der Karstadt-Geschäftsführung, in der Bild-Zeitung öffentlich an die Politik. Er machte deutlich, dass auch eine Fusion mit Kaufhof eine drohende Insolvenz nicht abwenden könnte, sofern der Mutterkonzern Arcandor nicht in den nächsten Wochen die beantragten Bürgschaften und Kredite in Höhe von 850 Millionen Euro erhielte. Sollte die Bürgschaft dem Konzern vorenthalten bleiben, gehe der Arcandor-Konzern in die Insolvenz.[23] Etwa 6000 Beschäftigte von Karstadt protestierten am 27. Mai 2009 in Berlin für eine 650 Millionen Euro Bürgschaft und 200 Millionen Euro staatliche Kredite der KfW-Bank.[24] Wenige Tage später sprach sich auch der SPD-Parteivorsitzende Franz Müntefering für eine Bürgschaft aus.[25] Am 4. Juni 2007 beantragte Arcandor eine Rettungsbeihilfe bei der Europäischen Union,[26] einen Tag später einen Antrag auf Staatshilfen in Höhe von 437 Millionen Euro bei der deutschen Bundesregierung, um die voraussichtliche Insolvenz am 12. Juni abzuwenden.[27] Zuvor hatte die EU-Kommissarin für Wettbewerb, Neelie Kroes, Bedenken bezüglich der beantragten Staatsbürgschaften in Höhe von 650 Millionen Euro geäußert,[28] da der Konzern bereits vor der Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten war. Der SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hatte daraufhin eine Millionenbürgschaft in Aussicht gestellt, unter der Bedingung, dass der Karstadt-Mutterkonzern eine Fusion mit dem Konkurrenten Metro eingehe.[27]

[Bearbeiten] Insolvenz Juni 2009

Am 9. Juni 2009 beantragte die Arcandor AG beim Amtsgericht Essen die Eröffnung des Insolvenzverfahrens sowohl für die Muttergesellschaft als auch für die Tochtergesellschaften Karstadt, Primondo und Quelle. Nicht betroffen von der Insolvenz sind der Reiseanbieter Thomas Cook, die KarstadtQuelle Bank sowie die Spezialversender von Primondo und HSE24.[3] Konkurrent Metro zeigt weiterhin Interesse am Arcandor-Konzern (u.a. an der Übernahme von 60 der 90 Karstadt-Standorten) und hat bekannt gegeben, Gespräche mit „allen Beteiligten an dem Insolvenzverfahren führen“ zu wollen, darunter auch die Eigentümer der Karstadt-Filialen.[29]

Am 12. Juni 2009 eröffnete die Staatsanwaltschaft Essen Ermittlungen wegen Untreue gegen Thomas Middelhoff, den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Arcandor AG, im Zusammenhang mit den Immobiliengeschäften des Konzerns.[30]

Die Betriebsrenten von über hunderttausend Beschäftigten und Rentnern sind über den Pensionsfonds Karstadt Quelle Mitarbeitertrust e.V. (KQMT) gesichert. Die Rentenansprüche von über 2 Mrd. Euro seien vor der Insolvenz gesichert. [31] Der Karstadt Quelle Mitarbeitertrust ist auch Eigentümer der Valovis Bank AG, der ehemaligen Karstadt Hypothekenbank AG.

Arcandor tritt nach wie vor als Sponsor des Unternehmensgründungswettbewerbes enable2start auf.[32]

[Bearbeiten] Kritik

Am 23. März 2009 veröffentlichte die Zeitschrift Manager Magazin eine Studie, die der Deutsche Führungskräfteverband durchgeführt hat. 1000 Fach- und Führungskräfte waren aufgefordert, die bekanntesten Arbeitgeber Deutschlands zu bewerten. Arcandor ist dieser Studie zufolge der unfairste Arbeitgeber in Deutschland.[33]

[Bearbeiten] Vorstandsvorsitzende der KarstadtQuelle bzw. Arcandor AG

[Bearbeiten] Anteilseigner

[Bearbeiten] Literatur

  • Joachim Zentes: Faszination Handel. 50 Jahre Saarbrücker Handelsforschung. Deutscher Fachverlag, Frankfurt 2007, ISBN 978-3-86641-088-6, S. 57–74

[Bearbeiten] Quellen und Einzelnachweise

  1. Aufsichtsratsvorsitzender von Arcandor
  2. Arcandor AG: Friedrich Carl Janssen neuer Vorsitzender des Aufsichtsrates
  3. a b Arcandor beantragt Insolvenz bei Spiegel Online, 9. Juni 2009
  4. Spiegel Online: „Grünes Licht für die Fusion“, 30. September 1999
  5. 29. März 2007 Aus KarstadtQuelle wird Arcandor
  6. Handelsblatt vom 15. September 2008 (S. 11)
  7. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,580092,00.html
  8. http://de.reuters.com/article/companiesNews/idDEBEE48S0QK20080929
  9. http://www.arcandor.de/de/downloads/arcandor_ag_geschaeftsbericht_2007_2008_d.pdf
  10. http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~EB5ABC07FF1504FD0B685644F9F2E4C45~ATpl~Ecommon~Scontent.html|faz.net vom 2. Dez. 2008.
  11. Bild.de - „Wir sind in einer schweren Lage“ vom 19. April 2009
  12. faz.net - Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick - „Mein Adrenalinspiegel ist wie nach drei gehaltenen Elfmetern“ vom 27. April 2009
  13. a b manager-magazin, 6. Juni 2009: Karstadt-Filialen. Arcandor stellt Mietzahlungen ein
  14. Manager-Magazin, Sören Jensen,: Sal. Oppenheim. Der Maurer und die Bank, manager magazin, September 2005, vom 26. August 2005, S. 32
  15. a b FAZ.net, Carsten Knop, 8. Juni 2009: Thomas Middelhoff Die Karstadt-Mieten werden zum Politikum.
  16. Zeit-online, 6. Juni 2009: Warenhaus-Krise. Arcandor zahlt keine Miete mehr
  17. Netzeitung - Die drei Warentempel aus dem Hause Arcandor vom 20. April 2009
  18. aktiencheck.de - Presse: Arcandor soll Staatshilfen von NRW erhalten vom 24. April 2009
  19. Handelsblatt - Arcandor - Sanierung ohne Ende bei Arcandor vom 21. April 2009
  20. ftd.de - Arcandor überzeugt Großaktionär vom 29. April 2009
  21. ftd.de - Alles oder nichts für Arcandor vom 30. April 2009
  22. Wirtschaftswoche - Die Todsünden von Arcandor vom 12. Mai 2009
  23. vgl. dpa: Karstadt-Chef fordert rasche Staatsbürgschaft bei welt.de, 24. Mai 2009 (aufgerufen am 25. Mai 2009)
  24. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,627215,00.html
  25. vgl. Müntefering fordert Staatshilfe für Arcandor bei focus.de, 30. Mai 2009
  26. vgl. Bienk, Kirsten: UPDATE: Arcandor beantragt Rettungshilfe bei EU bei focus.de, 5. Juni 2009
  27. a b vgl. Steinmeier: Metro soll Karstadt retten bei rp-online.de, 5. Juni 2009
  28. vgl. Staatsbürgschaft für Arcandor in Sicht bei faz.net, 4. Juni 2009
  29. AFP: Metro spricht mit Arcandor-Gläubigern und Vermietern bei google.com, 13. Juni 2009
  30. http://www.abendblatt.de/wirtschaft/article1051160/Thomas-Middelhoff-im-Visier-der-Staatsanwaltschaft.html
  31. http://www.dowjones.de/site/2009/06/karstadtquelle-mitarbeitertrust-renten-der-arcandormitarbeiter-gesichert.html
  32. http://www.enable2start.de/sponsoren/sponsor-2/
  33. manager-magazin.de: So fair sind Deutschlands Arbeitgeber Abgerufen: 1. April 2009
  34. ftd.de - FTD Illustration - Aktionärsstruktur der Arcandor AG vom 30. April 2009

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Arcandor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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