Thomas Middelhoff

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Thomas Middelhoff (2007)

Thomas Middelhoff (* 11. Mai 1953 in Düsseldorf) ist ein deutscher Manager und bis November 2014 Managing Partner der in New York ansässigen Hedge-Fonds-Beratung und -Vermittlung Pulse Capital Partners LLC. Er war von November 1998 bis Juli 2002 Vorstandsvorsitzender des Medienkonzerns Bertelsmann AG und von Juni 2004 bis Februar 2009 der Arcandor AG[1] (bis 2007 KarstadtQuelle AG). Arcandor meldete am 1. September 2009 Insolvenz an; auch Arcandor-Tochterfirmen wie Karstadt und das Versandhaus Quelle gingen Pleite; Middelhoff hatte seinen Posten einige Monate zuvor aufgegeben. Seitdem war bzw. ist er in mehrere juristische Auseinandersetzungen verstrickt.

Das Landgericht Essen hat Middelhoff am 14. November 2014 wegen Untreue in 27 Fällen und Steuerhinterziehung in drei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Er wurde noch im Gerichtssaal verhaftet, da nach Ansicht der Richter aus mehreren Gründen Fluchtgefahr bestand.

Studium[Bearbeiten]

Thomas Middelhoff studierte Betriebswirtschaftslehre an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und arbeitete danach drei Jahre am Institut für Marketing bei Heribert Meffert. Er wurde 1987 mit einer Arbeit über die Integrierte Planung von Kommunikationssystemen: dargestellt an der Einführung von Btx in einzelhandelsorientierten Filialsystemen und Verbundgruppen promoviert und wurde Mitglied des Marketing Alumni Münster e. V., eines Ehemaligenvereins von Marketingstudenten in Münster. In dieser Zeit sammelte er erste unternehmerische Erfahrungen durch die Mitarbeit im väterlichen Textilunternehmen.

Middelhoff GmbH[Bearbeiten]

Nach seinem Diplom bekam er eine leitende Position in der väterlichen Middelhoff GmbH und arbeitete dort an Auslandsprojekten. So war er beim Aufbau eines Produktionsbetriebs in Griechenland beteiligt. 1984 übernahm er die Leitung von Marketing und Vertrieb sowie Aufbau und Leitung der ausländischen Produktionsstätten der Middelhoff GmbH in Fernost und Griechenland.

Bertelsmann[Bearbeiten]

Mohndruck[Bearbeiten]

1986 wechselte Middelhoff als Assistent der Geschäftsleitung der Graphischen Betriebe Mohndruck in Gütersloh zur Bertelsmann AG. Ein Jahr später wurde er Geschäftsführer der Konzerntochter Elsnerdruck GmbH in Berlin, 1989 Geschäftsführer von Mohndruck. 1990 wurde Middelhoff Vorstandsmitglied der Bertelsmann Druck- und Industriebetriebe. 1994 wurde er in den Vorstand der Bertelsmann AG berufen und übernahm die Leitung der Zentralen Unternehmensentwicklung sowie die Koordination der Multimedia-Geschäfte, wo er sich um die strategische Neuausrichtung des Konzerns im Bereich der elektronischen Unterhaltung kümmerte.

Digitale Medien[Bearbeiten]

Middelhoff versuchte mehrfach, Bertelsmann in den digitalen Medien zu etablieren. So tätigte er für Bertelsmann zunächst kleinere Investments u. a. in die Berliner Firma Pixelpark. Später investierte er für Bertelsmann in den Online-Dienst America Online (AOL). Dieses Investment hatte auf Middelhoffs späteren Aufstieg zum Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann AG einen entscheidenden Einfluss. Middelhoff, ab Mai 1995 Aufsichtsratsmitglied von AOL, wurde in dieser Zeit ein enger Freund von Steve Case, dem Gründer von AOL.[2] 1995 ging AOL Europe mit der Bertelsmann AG das Joint Venture AOL Deutschland ein, das 1998 beendet wurde. 2000 stieg Bertelsmann unter der Leitung von Middelhoff bei der ehemaligen Tauschbörse Napster ein, die 2002 schließlich Insolvenz anmeldete.

Vorstandsvorsitzender[Bearbeiten]

Von November 1998 bis Juli 2002 war Middelhoff Vorsitzender des Vorstandes der Bertelsmann AG. In dieser Zeit baute er die RTL Group auf, heute der größte Betreiber von werbefinanziertem Privatfernsehen und Privatradio in Europa. Er baute die Buchsparte durch den Kauf von Random House zum Weltmarktführer aus, intensivierte die Internetaktivitäten des Unternehmens, u. a. 1999 durch den Start des internationalen Medienportals BOL (Bertelsmann Online). 2000 beteiligte sich Bertelsmann unter Middelhoffs Führung auf dem Höhepunkt der New-Economy-Euphorie an der Musiktauschbörse Napster, ein Deal, der ihm schon damals viel Kritik einbrachte. Bertelsmann verließ das Gemeinschaftsunternehmen AOL-Europe im Sommer 2000 nach der Fusion von AOL mit dem direkten Bertelsmann-Konkurrenten Time Warner und verkaufte den 50-Prozent-Anteil für 7,5 Milliarden Euro – den höchsten Gewinn, der bis dahin in der Geschichte des Internets erzielt worden war. Middelhoff verließ im Rahmen der Trennung auch den Aufsichtsrat von AOL. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase kam es zu ersten Turbulenzen. Das nur mäßig erfolgreiche deutsche Portal von Bertelsmann Online wurde 2002 an buch.de verkauft. In seiner knapp vierjährigen Amtszeit verzeichnete Middelhoff einige Misserfolge; der Umsatz der Bertelsmann AG verdoppelte sich.

Trennung[Bearbeiten]

Die Trennung zwischen Middelhoff und Bertelsmann im Juli 2002 ging auf Differenzen über die zukünftige Strategie des Unternehmens mit Reinhard Mohn, dem „Firmenpatriarchen“ der Bertelsmann AG, zurück. Insbesondere strittig war die Frage, ob das Unternehmen an die Börse gebracht und damit neue Mittel zur weiteren Expansion beschafft werden oder ob die weitere Entwicklung aus dem Cashflow finanziert werden soll. Weitere Streitpunkte waren auch Fragen der Unternehmenskultur. Reinhard Mohn äußerte später enttäuscht in einem Buch: „Eitle Manager sind egoistisch und schwer zu beeinflussen“.[3] In Middelhoffs Ehrenstreit um die Darstellung seiner Rolle als Bertelsmann-Vorstandschef in der Firmenchronik des Konzerns wird Thomas Middelhoff von dem Berliner Prominentenanwalt Alexander Graf von Kalckreuth vertreten.[4]

Middelhoff erhielt eine Abfindung in zweistelliger Millionenhöhe. Nach seinem Weggang bei Bertelsmann leitete sein Nachfolger Gunter Thielen mehrere Strategiewechsel ein. Unter anderem wurde auch die Einigung mit mehreren Musikkonzernen, die gegen eine Gewinnbeteiligung auf Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen der Musiktauschbörse Napster verzichteten, aufgegeben. Middelhoff hatte Napster mit Krediten unterstützt. Nach seinem Abgang wurde das Unternehmen bewusst in die Insolvenz geschickt, die Klagen gegen Bertelsmann lebten wieder auf und wurden erst 2007 durch Zahlung von dreistelligen Millionensummen endgültig beigelegt.

Investcorp[Bearbeiten]

Im Sommer 2003 wechselte Middelhoff zum Finanzinvestor Investcorp, einer in London ansässigen Private-Equity Beteiligungsgesellschaft. Er war dort verantwortlich für europäische Unternehmensbeteiligungen.

Arcandor[Bearbeiten]

Als Vertrauter von Madeleine Schickedanz wurde Thomas Middelhoff im Juni 2004 als Vorsitzender des Aufsichtsrates der KarstadtQuelle AG bestellt und übernahm im Mai 2005 den Posten des Vorstandsvorsitzenden, als sich KarstadtQuelle in einer existenziellen Schieflage befand.

Middelhoff setzte die Umbenennung in Arcandor AG durch und teilte das operative Geschäft in die drei Kernbereiche Warenhaus (Karstadt), Versandhandel (Primondo) und Touristik (Thomas Cook). Er konnte den Umsatz um ein Drittel auf 21 Milliarden Euro (durch den Ausbau des Touristikgeschäfts 2007) steigern und das Eigenkapital ohne Nettofinanzschulden erhöhen. Bis Ende 2008 sollte der Sanierungsprozess des Unternehmens abgeschlossen sein. Von Kritikern wurde aber bemängelt, dass dies nur durch einen milliardenschweren Verkauf der Warenhausimmobilien an das Goldman-Sachs-Immobilienunternehmen Whitehall und ein von der Deutsche-Bank-Immobilientochter RREEF geführtes Konsortium erreicht worden sei. Karstadt war nach dem Verkauf nur noch Mieter der Warenhäuser und musste seitdem deutlich mehr für die Nutzung der Immobilien zahlen.[5] Die monatlichen Mietzahlungen betrugen ca. 23 Millionen Euro,[6] die an ein Konsortium aus der Investmentbank Goldman Sachs, der Deutschen Bank, der Immobiliensparte des italienischen Reifenherstellers Pirelli und der Generali-Versicherung sowie an den Oppenheim-Esch-Fonds gingen.[6] Eigentümer nahezu sämtlicher Häuser war seit 2006 die Immobiliengesellschaft Highstreet. Die Laufzeiten der Mietverträge beliefen sich auf 15 Jahre, die gesamten, jährlichen Mietzahlungen summierten sich auf 280 Millionen Euro.[7]

Der Aktienwert der Arcandor AG verringerte sich unter Middelhoffs Ägide rapide, von ca. 10 Euro pro Aktie (Mai 2005) auf 1,30 Euro (Februar 2009). Der Kurs der Aktie lag am 14. November 2014 bei 5 Cent.[8]

Im November 2007 verschenkte Arcandor ohne Gegenleistung 51 % des unprofitablen Online-Versandhauses Neckermann an den US-amerikanischen Finanzinvestor Sun Capital Partners.[9] Neckermann sollte später an die Börse gebracht werden, was allerdings nie geschah. Die übrigen 49 Prozent der Anteile an Neckermann, die Arcandor noch hielt, wurden im Oktober 2010 ebenfalls von Sun Capital Partners übernommen, das damit 100 Prozent an Neckermann hielt.

Seit 2007 war Middelhoff auch Chairman of the Board (Aufsichtsratsvorsitzender) der Thomas Cook Group, des weltweit zweitgrößten Touristikunternehmens, an dem die Arcandor AG 52 % der Anteile hält. Am 1. März 2009 wurde er in seiner Position als Vorstandsvorsitzender der Arcandor AG und der Thomas Cook Group von Karl-Gerhard Eick, dem ehemaligen stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom AG, abgelöst. Schon beim Amtsantritt sprach der neue Konzernchef Eick von einer Krise des Konzerns; im Mai 2009 musste Arcandor AG um staatliche Bürgschaften und Kredite bitten.[10]

Am 9. Juni 2009 beantragte Arcandor in Essen die Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Am selben Tag wurde bekannt, dass die zuständige Staatsanwaltschaft ein vorläufiges Ermittlungsverfahren wegen Middelhoffs persönlicher Beteiligung am Oppenheim-Esch-Fonds eingeleitet hat. Die Staatsanwaltschaft Essen leitete nach einer Prüfung von Unterlagen am 12. Juni das Ermittlungsverfahren wegen des Vorwurfs der Untreue gegen Middelhoff ein,[11][12] nachdem am Vorabend das ARD-Magazin Monitor über die Immobiliengeschäfte berichtet hatte.[13] Zum Abschied wollte Middelhoff neben seinem Grundgehalt von 1,2 Millionen Euro noch 2,2 Millionen Euro, als „Bonus, Tantieme und Sondervergütung“ deklariert, mitnehmen – und das, obwohl der Konzern 2008 einen Verlust von 746 Millionen Euro verzeichnete.[14]

Im Juli 2010 verklagte der Insolvenzverwalter der Arcandor AG Middelhoff und andere ehemalige Führungskräfte auf Zahlung von 175 Millionen Euro. Die Klage geht auf Immobilienverkäufe im Jahre 2002 durch Middelhoffs Vorgänger Wolfgang Urban zurück. Middelhoff wird vorgeworfen, Urban nach seinem Amtsantritt nicht auf Schadensersatz verklagt zu haben. Durch dieses pflichtwidrige Unterlassen sei die Arcandor AG geschädigt worden.[15]

Die Manager hätten es unterlassen, die Überschreibung des Warenhauses an einen Immobilienfonds zu verhindern. Dieser wiederum hatte für das Kaufhaus dann nach Ansicht des Arcandor-Insolvenzverwalters Hans-Gerd Jauch eine überhöhte Miete verlangt. Darum ist Jauch vor Gericht gezogen. Am 25. April 2012 entschied das Landgericht Essen in einem Grundurteil, dass Middelhoff und drei weitere ehemalige Vorstände ihre Pflichten verletzt hätten, da sie die Überschreibung eines Warenhauses in Wiesbaden an einen Immobilienfonds nicht verhinderten. Die Höhe des entstandenen Schadens sei jedoch fraglich. Das Grundurteil muss erst vom Oberlandesgericht Hamm überprüft werden und gegebenenfalls dann in einem zweiten Schritt über die konkrete Schadenshöhe entscheiden. Middelhoffs Anwalt kündigte umgehend Berufung an.[16]

In einem weiteren Rechtsstreit mit dem Arcandor-Insolvenzverwalter wurde Middelhoff am 9. September 2013 vom Landgericht Essen unter anderem wegen ungerechtfertigter Boni zur Rückzahlung von rund 3,4 Millionen Euro verurteilt. Middelhoffs Anwalt kündigte auch hier umgehend Berufung an.[17]

Am 29. November 2013 berichtete Spiegel Online, dass Middelhoff einen Mahnbescheid über 120 Mio. Euro gegen die Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und Hans-Gerd Jauch beantragt habe. Middelhoffs Anwalt begründete die Forderung mit „Imageschäden“ und „enormen geschäftlichen Schäden“. Die Insolvenzverwalter widersprachen der Forderung.[18]

Da Middelhoff wegen einer Baustelle am Kamener Kreuz nicht lange im Stau stehen wollte, ließ er sich mindestens 28-mal für insgesamt 80.000 € per Hubschrauber von seinem Wohnsitz in die Firma fliegen. Dieser Vorgang ist Teil des Untreueprozesses gegen ihn.[19]

Am 14. November 2014 verurteilte ihn das Landgericht Essen wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft. Noch im Gerichtssaal wurde wegen Fluchtgefahr ein Haftbefehl erlassen, aufgrund dessen Middelhoff sofort in Untersuchungshaft genommen wurde. Das Urteil ist derzeit nicht rechtskräftig. Am 20.11.2014 entschied das Gericht, dass der Haftbefehl aufrecht erhalten wird und Middelhoff vorerst in Untersuchungshaft bleiben muss.[20]

Tätigkeiten nach Arcandor[Bearbeiten]

Berger Lahnstein Middelhoff & Partners LLP[Bearbeiten]

Im Februar 2009 gründete Thomas Middelhoff mit Roland Berger und Florian Lahnstein (dem Sohn des ehemaligen Bundesfinanz- und Bundeswirtschaftministers Manfred Lahnstein) in London die Investmentgesellschaft BLM (Berger Lahnstein Middelhoff & Partners LLP), deren Chairman Middelhoff seitdem ist. Für den Aufsichtsrat konnten prominente Mitglieder wie Wolfgang Clement, Manfred Lahnstein und Mark Wössner gewonnen werden. BLM ist aus der Special-purpose acquisition company Germany1 hervorgegangen,[21][22][23] welche bereits im Juli 2008 gegründet wurde mit dem „Ziel der Übernahme von einem oder mehreren operativen Unternehmen mit einem Wert von bis zu 3,0 Mrd. in Deutschland, Österreich oder der Schweiz“.[24] Im September 2009 übernahm die Germany1 die Mehrheit an dem Hersteller von Stromversorgungsgeräten AEG Power Solutions. Zum Sommer 2010 wurde Germany1 in 3W Power Holdings umbenannt, der Firmensitz von der britischen Steueroase Guernsey nach Luxemburg verlagert und Middelhoff in den Verwaltungsrat gewählt.[25][26] 2010 wurde dieses Unternehmen in zwei rechtlich und wirtschaftlich selbständige Unternehmen aufgespalten: Pulse Capital Partners LLC in New York mit Thomas Middelhoff als heutiger Managing Partner sowie RiverRock European Capital Partners LLP in London.

Berger fordert mittlerweile 6,79 Millionen Euro von Middelhoff zurück, die dieser sich von ihm geliehen habe. Die Forderung ließ er ihm per Gerichtsvollzieher in das Landgericht Essen zustellen, wo sein Verfahren wegen Untreue verhandelt wurde.[27]

Pulse Capital Partners LLC[Bearbeiten]

Pulse Capital Partners LLC übernahm die Hedge-Fonds-Aktivitäten der Berger Lahnstein Middelhoff & Partners LLP. Die offizielle Geschäftsaufnahme war am 16. März 2011. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Beratung von Investoren bei der Hedge-Fonds-Auswahl und Portfolio-Strukturierung.[28][29] Middelhoff ist einer von drei Managing Partnern.

BT Capital[Bearbeiten]

Im Juli 2013 gab Middelhoff bekannt, er habe eine neue Funktion als Vorstand und Teilhaber des Medienunternehmens BT Capital in Hongkong übernommen.[30] Nach Recherchen des Magazins Der Spiegel existiert ein solches Unternehmen im Handelsregister Hongkongs jedoch nicht. Vielmehr wurde das Unternehmen aufgrund von Steuervorteilen auf den Virgin Islands registriert.

Familie[Bearbeiten]

Middelhoff ist mit der Architektin Cornelie Middelhoff verheiratet und hat drei Söhne und zwei Töchter.[31]

Wohnsitz und offene Geldforderungen[Bearbeiten]

Im April 2013 verlegte er seinen Wohnsitz von Bielefeld nach Saint-Tropez.[32] Im Dezember 2013 berichtete der Spiegel, dass die Verlegung des Wohnsitzes nach französischem Recht „angeblich“ nicht möglich sei, wenn man einen Zweitwohnsitz im Ausland habe, dass der Wohnsitzwechsel gleichwohl „Gläubiger des Paares“ nervös mache, sodass einige der Gläubiger den Gerichtsvollzieher eingeschaltet hätten.[33] Im Juni 2014 berichteten Medien, dass eine Gerichtsvollzieherin des Amtsgerichts Essen einen Haftbefehl gegen Middelhoff beantragt hat, um damit im Zusammenhang mit unbeglichenen Forderungen des Insolvenzverwalters der Arcandor AG in Höhe von 3,4 Millionen Euro eine Vermögensauskunft zu erzwingen. Am 11. Juni 2014 hatte sie im Zusammenhang mit den Forderungen von Roland Berger in Höhe von 6,79 Millionen Euro bei einem Gerichtstermin Middelhoffs versucht, durch eine Taschenpfändung an Barvermögen zu gelangen, was aber scheiterte, weil Middelhoff nur 56 Euro, einen Geldbetrag unterhalb der Pfändungsgrenze, bei sich führte.[34] Laut Pressemeldungen im Juli 2014 bedienen Middelhoff und seine Ehefrau seit geraumer Zeit Kredite bei der Sparkasse Köln-Bonn nicht mehr; sie schulden ihr gut drei Millionen Euro.[35][36] Auch Middelhoffs ehemaliger Vermögensberater Josef Esch soll einen Vollstreckungstitel gegen Middelhoff in der Hand haben, über eine Summe von 2,5 Millionen Euro, die Middelhoff ihm vor allem für die Nutzung einer Yacht im Mittelmeer schuldet. Am 25. Juli 2014 gab Middelhoff in Essen eine Vermögensauskunft ab.[37] Presseberichten, er sei pleite, widersprach Middelhoff durch Verweis auf Liquidität bei der Bank Sal. Oppenheim, die diese allerdings in einer gerichtlichen Auseinandersetzung blockiere. Außerdem habe er weitere Vermögenswerte.[38][39]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Von September 2003 bis Februar 2014 war Middelhoff Mitglied im Board of Directors der New York Times Company, welche neben der New York Times die International Herald Tribune, den Boston Globe und zahlreiche weitere Zeitungen herausgibt und Inhaber von Fernseh- und Radiostationen ist.[42]

Er engagierte sich für die Weiterentwicklung der Corporate Governance in Deutschland und forderte eine deutliche Professionalisierung in diesem Bereich. Middelhoff war Unterstützer und seit 2008 Vorstand des Instituts für Corporate Governance (ICG) an der Universität Witten/Herdecke.

Im Juli 2006 übernahm er den Vorsitz im Aufsichtsrat der Senator Entertainment AG. 2011 gab er den Vorsitz auf eigenen Wunsch wieder ab. Er blieb aber weiterhin im Aufsichtsrat.[43][44]

Außerdem war er seit Mai 2007 Aufsichtsratsvorsitzender der Moneybookers Ltd, einem Online-Payment-Anbieter Europas mit Sitz in London. Stand 18. November 2014 verzeichnet Skrill, das Nachfolgeunternehmen, Herrn Middelhoff nicht mehr in der Unternehmensführung[45].

Seit 2007 ist er Mitglied der von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel anlässlich der neunten UN-Naturschutzkonferenz „Biodiversitätskonvention CBD-COP9“ ins Leben gerufenen „Naturallianz“, eine Initiative der Bundesregierung, in der sich Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Medien, Wissenschaft und Kultur zusammenschlossen um sich für den Erhalt der Biodiversität einzusetzen.

Im Oktober 2007 wurde Middelhoff von der Universität Bayreuth mit dem Vorbildpreis ausgezeichnet. Außerdem wurde er im Januar 2008 zusammen mit Michael E. Porter mit dem Ehrendoktortitel der Handelshochschule Leipzig geehrt. Von März 2008 an saß Middelhoff für fünf Jahre im Hochschulrat der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster[46][47].

Middelhoff wurde für seine Förderung von Universitäten (u. a. der Saïd Business School an der Universität Oxford sowie der Universität Witten/Herdecke) kritisiert, da er dafür Firmengelder zur Verfügung stellte, während bereits Urlaubs- und Weihnachtsgelder für die Belegschaft bei Arcandor bzw. Karstadt gekürzt wurden.[48]

Im Dezember 2009 wurde Middelhoff in den Aufsichtsrat der Marseille-Kliniken AG gewählt, dessen Vorsitz er ab 2011 übernahm.[49][50][51] Am 21. August 2014 trat er vom Vorsitz mit sofortiger Wirkung zurück und verließ im Zuge dessen das Unternehmen. Als Begründung gab er seine persönliche „Eingebundenheit in die Regelung seiner prozessualen Angelegenheiten“ an, die „derzeit seine volle Kraft und Konzentration“ erforderten.[52]

Seit Mai 2010 saß Middelhoff als Mitglied des Hochschulrates im Finanzausschuss der Universität Münster.[53] Mit Stand vom 18. November 2014 war er nicht mehr in diesem Ausschuss vertreten.[54]

Thomas Middelhoff war die Vorlage für die Gestalt Johann Holtrop in dem gleichnamigen Roman von Rainald Goetz.[55]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Arcandor AG startet mit neuem Vorstandsvorsitzenden in die nächste Phase der Unternehmensentwicklung. Pressemitteilung Arcandor, 4. Dezember 2009
  2. Middelhoff verlässt Verwaltungsrat. In: Spiegel Online, 26. Januar 2000
  3. Reinhard Mohn: Die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmers. C. Bertelsmann Verlag, 2003
  4. Hans-Peter Siebenhaar: Thomas Middelhoff kämpft um seine Ehre. In: Handelsblatt, 14. Oktober 2010.
  5. Verkauf der Karstadt-Immobilien steht. handelsblatt.com
  6. a b Karstadt-Filialen. Arcandor stellt Mietzahlungen ein. In: Manager Magazin, 6. Juni 2009
  7. Warenhaus-Krise. Arcandor zahlt keine Miete mehr. Zeit online, 6. Juni 2009
  8. arcandor aktie - Google-Suche
  9. Arcandor verschenkt Neckermann-Anteile. In: Süddeutsche Zeitung, 12. Dezember 2007
  10. Ohne Staatshilfe steht Arcandor vor dem Aus. In: Die Zeit, 24. Mai 2009.
  11.  Ein grandioses Geschäft. In: Der Spiegel. Nr. 9, 2009, S. 74 (online).
  12. „Retter“ Middelhoff hat Ärger mit der Justiz. In: Handelsblatt, 12. Juni 2009
  13. Karstadt vor dem Aus. Wie Manager an hohen Mieten mitverdienen, Fernsehmagazin Monitor Nr. 594, 11. Juni 2009
  14. Narzisst in der Kommandozentrale. In: Spiegel Online, 22. Juli 2007
  15. Insolvenzverwalter klagt gegen Middelhoff. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Juli 2010.
  16. Urteil zu Warenhaus-Verkauf: Gericht attestiert Middelhoff Pflichtverletzung bei Spiegel Online, 25. April 2012 (abgerufen am 25. April 2012).
  17. Ex-Arcandor-Chef Middelhoff muss Millionen zurückzahlen . In: Süddeutsche Zeitung, 10. September 2013
  18. Ex-Arcandor-Chef: Middelhoff will 120 Millionen Euro von Insolvenzverwaltern In: Spiegel Online, abgerufen am 3. Dezember 2013
  19. Ehemaliger Arcandor-Chef Middelhoff verteidigt Pendeln per Hubschrauber, Beitrag vom 2. Juni 2014 18:02 auf sueddeutsche.de
  20. Thomas Middelhoff zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. In: Spiegel Online, 14. November 2014.
  21. Germany1. Für Middelhoff wird es ernst. In: Manager Magazin 21. Juli 2008
  22. Private Equity. Börsenhülle mit Berger und Middelhoff, Manager Magazin, 30. Juni 2008
  23. Marktplatz. Middelhoff sucht noch Schnäppchen. In: FocusMoneyOnline, 12. Januar 2009
  24. LifeID 52241. LifePR, 30. Juni 2008; abgerufen 4. März 2010
  25. Aus Germany1 wird 3W Power. In: Börsen-Zeitung, 17. Februar 2010, S. 10; abgerufen 4. März 2010
  26. press release. (PDF) AEG Power Solution, 16. Oktober 2010; abgerufen 4. März 2010
  27. in Handelsblatt vom 22. Mai 2014: Roland Berger verlangt Millionen von Middelhoff.
  28. Hedge Fund Industry Veterans Form Pulse Capital to Deliver Creative Alpha-Focused Solutions to Investors. (PDF; 151 kB) Pressemitteilung
  29. Middelhoff-Hedgefonds. In: Die Zeit, Nr. 17/2011
  30. Middelhoff feiert Comeback als Medienboss in China. welt.de, 22. Juli 2013; abgerufen am 23. Juli 2013
  31. Thomas Middelhoff wiwo.de
  32. Ex-Arcandor-Chef: Middelhoff verlegt Wohnsitz von Bielefeld nach Saint-Tropez In: Spiegel Online, abgerufen am 30. November 2013
  33. Bielefeld, adieu. In: Der Spiegel Nr. 49 vom 2. Dezember 2013, S. 72–73.
  34. Früherer Starmanager: Haftbefehl gegen Middelhoff beantragt. Artikel vom 13. Juni 2014 im Portal spiegel.de, abgerufen am 13. Juni 2014
  35. spiegel.de 20. Juli 2014: 40 Millionäre sollen Middelhoffs Schulden zahlen
  36. Millionäre sollen für Middelhoff zahlen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. Juli 2014.
  37. Fast 7 Millionen Euro Schulden: Middelhoff flüchtet über Fenster und Regenrohr. In: Focus, 26. Juli 2014.
  38. Middelhoff: Ich bin nicht pleite. In' Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Juli 2014.
  39. Ex-Arcandor-Chef Middelhoff: Big T. und seine Verfolger. In: Süddeutsche Zeitung, 28. Juli 2014.
  40. Thomas Middelhoff erhält Vernon A. Walters-Preis. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Juni 1998, S. 21.
  41. Verleihung der Ehrendoktorwürde an Prof. Michael Porter und Dr. Thomas Middelhoff
  42. Middelhoff verlässt Verwaltungsrat der „New York Times“, Handelsblatt vom 24. Februar 2014
  43. Aufsichtsrat der Senator Entertainment AG
  44. Geschäftsbericht der Senator Entertainment AG für das Jahr 2011. (PDF; 5,7 MB) S. 94; abgerufen 27. Februar 2013
  45. [1]
  46. Pressemitteilung der Universität Münster vom 7. März 2008
  47. Pressemitteilung der Universität Münster vom 13. Februar 2013
  48. Pleite-Konzern Arcandor sponserte Elite-Unis. In: Spiegel Online, 18. Dezember 2009.
  49. Gremien Marseille-Kliniken AG abgerufen 6. März 2010
  50. Middelhoff & Marseille – Das Dreamteam. In: managermagazin, 1/2010; abgerufen 6. März 2010
  51. Pressemitteilung der Marseille-Kliniken vom 28. September 2011
  52. Dr. Thomas Middelhoff tritt als Aufsichtsrat zurück und verlässt das Unternehmen
  53. Nach Arcandor-Pleite: Middelhoff für Uni-Finanzen zuständig. In: Westfälische Nachrichten, 20. Mai 2010.
  54. [2]
  55. Volker Weidermann: Die böse Botschaft der Literatur. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. September 2012.