Klosters-Serneus

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Klosters-Serneus
Wappen von Klosters-Serneus
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden (GR)
Bezirk: Prättigau-Davos
Kreis: Klosters
BFS-Nr.: 3871i1f3f4
Postleitzahl: 7250 Klosters Platz
7252 Klosters Dorf
7249 Serneus
UN/LOCODE: CH KLS
Koordinaten: 786310 / 19537146.8833349.8833391179Koordinaten: 46° 53′ 0″ N, 9° 53′ 0″ O; CH1903: 786310 / 195371
Höhe: 1'179 m ü. M.
Fläche: 193.10 km²
Einwohner: 3863 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 20 Einw. pro km²
Website: www.klosters-serneus.ch
Klosters Dorf

Klosters Dorf

Karte
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Klosters-Serneus (bis 1973 offizieller Gemeindename Klosters; im Ortsdialekt bim Chlooschter, rätoromanisch  Claustra?/i geheissen) ist eine politische Gemeinde im Kreis Klosters, Bezirk Prättigau-Davos des schweizerischen Kantons Graubünden.

Im Jahre 2012 liefen vertiefte Abklärungen zu einem Fusionsprojekt zwischen Klosters-Serneus, Küblis, Saas, St. Antönien und Luzein.[2] Die Abklärungen wurden mittlerweile jedoch abgebrochen.[3]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: In Gold stehender Wilder Mann, in der Rechten blaue Fahne mit silbernem Kreuz.

Seit dem 16. Jahrhundert verwendetes Siegelbild des Gerichts Klosters.

Geographie[Bearbeiten]

Klosters Serneus

Klosters-Serneus, die oberste Prättigauer Gemeinde, besteht aus den sieben Fraktionen Platz, Dorf, Selfranga, Aeuja, Monbiel, Serneus und Mezzaselva.

Das ausgedehnte Territorium deckt sich grösstenteils mit dem Einzugsgebiet der oberen Landquart, so dass die Gemeindegrenze über weite Strecken auf der Wasserscheide gegen die Nachbartäler Montafon, Unterengadin, Landwassertal (Davos) und Schanfigg verläuft. Lediglich am Wolfgangpass endet der Klosterser Bann bereits 2 km vor der Passhöhe. Ein prägendes Element der Landschaft bildet der breite Talkessel, wo sich die Landquart, der von links einmündende Stützbach und der von rechts zufliessende Schlappinbach vereinigen. Das rund 10 km lange Schlappintal verläuft zunächst in westlicher Richtung und biegt auf halber Länge nach Südsüdwest um. Im Norden wird es durch den westlichen Ausläufer der Silvretta begrenzt, der im Rotbüelspitz (2'852 m) kulminiert, mit Schlappiner Joch und Rätikon, und gleichzeitig die Landesgrenze zu Österreich bildet. Weiter nach Südosten verläuft die Grenze über die Gipfel von Chessispitz (2833 m) und die Östliche sowie Westliche Plattenspitze (2883 m) zum Grossen Seehorn (3121 m) und anschliessend über den Grossen Litzner (3109 m) zum Silvrettahorn (3244 m), dem nordöstlichsten Punkt des Klosterser Gebiets.

Die östliche Grenze gegen das Engadin steigt nach Queren des Silvrettapasses zum Verstanclahorn (3298 m, höchster Punkt der Gemeinde), berührt Schwarzkopf (Chapütschin, 3232 m), Piz Zadrell (3104 m), Plattenhörner (3220 m), um den Flesspass zu erreichen, der als Saumpfad nach Susch bzw. Lavin führt. Innerhalb dieser Umgrenzung fächert sich das Tal der Landquart in die Quelltäler Seetal, Verstancla, Vernela und Vereina auf. Vom Flesspass aus führt die Gemeindegrenze über Rosställispitz (2929 m), Flüela Wisshorn (3085 m) und Isentällispitz (2986 m), wobei sie das Jörital, den weit nach Süden reichenden Arm des Vereinatals, halbkreisförmig umfasst, und anschliessend über das Pischahorn (2979 m) Richtung Wolfgangpass. Westlich des Stützbachtals dominiert die Casanna (2557 m) mit dem vorgeschobenen Gotschnagrat. Südwestlich davon reicht der schmale Gebietsstreifen des Obersäsställis hinauf zum Weissfluhjoch und fast bis zum Weissfluhgipfel (2843 m). Die westliche Begrenzung gegen das Mittelprättigau folgt streckenweise Bachtobeln und fällt ansonsten im Gelände nicht auf.

Stützbach zwischen Klosters und Davos-Laret

Das Zentrum des Kurortes und Wintersportplatzes bilden die durch die Bautätigkeit des 20. Jahrhunderts zusammengewachsenen Ortsteile Platz (1206 m ü. M.) und Dorf (1124 m) im Bereich der Talkonvergenz. Südlich schliesst sich Selfranga unmittelbar an, während die Weiler Äuja (1207 m) und Monbiel (1291 m) zwei bzw. drei Kilometer östlich von Klosters Platz liegen. Unterhalb Klosters Dorf verengt sich das Tal. Wo es sich wieder weitet, befinden sich links der Landquart das Dorf Serneus (990 m) und jenseits des Flusses die langgezogene Streusiedlung Mezzaselva, die zusammen die bis 1872 eigenständige Gemeinde Serneus bildeten. Neben den grösseren Siedlungen gehören zur Gemeinde eine Reihe von Einzelgehöften und Maiensässen. Der Ort Schlappin (1658 m) an der Biegung des gleichnamigen Tales war bis ins 17. Jahrhundert ganzjährig bewohnt.

Nachbargemeinden sind Arosa, Conters im Prättigau, Davos, Lavin, Saas im Prättigau, Susch sowie Gaschurn und St. Gallenkirch (beide im österreichischen Bundesland Vorarlberg).

Geschichte und Ortsbild[Bearbeiten]

Landquart zwischen Klosters und Monbiel

Klosters hat seinen Namen von dem 1222 erstmals urkundlich erwähnten, dem Heiligen Jakob geweihten Prämonstratenserkloster Klösterli im Walt, einer Tochtergründung von Churwalden. Nachdem das Kloster 1528 aufgehoben und Teile der Gebäude im Prättigauerkrieg 1621 durch Brand zerstört wurden, ist davon allerdings nur noch der romanische Turm der 1921 erneuerten reformierten Pfarrkirche geblieben, die den Mittelpunkt der Fraktion Klosters Platz bildet. Schräg gegenüber von dieser Kirche befindet sich das Alte Rathaus (Jeuchenhaus) von 1680, ein schönes Holzhaus im Prättigauer Stil mit gemauertem Sockel und wappengeschmückten Portal. In einem wiedereingerichteten Bauernhaus aus dem 16. Jahrhundert ist das kleine, Lokalgeschichte vermittelnde Heimatmuseum Nutli Hüschi untergebracht

Wirtschaft[Bearbeiten]

Tourismus, Bergbahnen und Skigebiete[Bearbeiten]

Rund um Klosters finden sich zahlreiche Abfahrtspisten und über 40 km gespurte Loipen.

Der Gotschnagrat (2285 m), auf dem sich ein Restaurant befindet und von dem man einen weiten Blick ins Prättigau und zur Silvrettagruppe hat, ist von Klosters Platz per Seilbahn zu erreichen. Der Gotschna ist überdies der Hausberg von Klosters. Von der Mittelstation Gotschnaboden (1780 m) führt eine 3.2 km lange Schlittelbahn nach Klosters hinunter. Ein weiteres, vor allem bei Familien beliebtes Ausflugsziel ist das Gebiet Madrisa, welches durch eine im Herbst 2005 erneuerte Umlaufbahn mit Viererkabinen ab Klosters Dorf erschlossen wird. Die Bergstation Saaseralp liegt auf dem Boden der Nachbargemeinde Saas.

Klosters bietet im Sommer Wanderungen, Kletter-, Gletscher- und Bergtouren. Dabei können folgende SAC-Hütten als Stützpunkte gewählt werden: Fergenhütte, Seetalhütte, Silvrettahütte.

Strassenverkehr[Bearbeiten]

Die Sunnibergbrücke entlastet Klosters vom Durchgangsverkehr

Die Verkehrslage für Klosters war während vieler Jahre dramatisch, da der gesamte Strassenverkehr von Landquart nach Davos oder ins Unterengadin auf der Hauptstrasse mitten durch den Ort rollen musste. Um dem Abhilfe zu schaffen, wurde bereits im Zuge des Baus des Vereinatunnels mit dem Bau der Umfahrung Klosters begonnen: Die Sunnibergbrücke, eine Strassenbrücke über das Tal der Landquart unterhalb von Klosters Dorf sowie der direkt anschliessende Gotschnatunnel, der in einem Bogen den Gotschna unterquert und bei der Autoverladestation Selfranga wieder zu Tage kommt. Die Bauten wurden am 9. Dezember 2005 durch Moritz Leuenberger und den britischen Thronfolger Prinz Charles eröffnet und entlasteten Klosters weitgehend vom Durchgangsverkehr.

Bahnverkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof Klosters ist Haltepunkt an der Bahnstrecke Landquart–Davos und gleichzeitig zentrale Endhaltestelle für den Ortsbus.

Seit 1889 ist Klosters an die Bahnstrecke Landquart–Davos Platz der Rhätischen Bahn angeschlossen. Die Bahnhöfe Klosters Dorf, Klosters (Platz) und Cavadürli (1352 m) sind seitdem Endpunkt für unzählige Touristen, seit 1904 auch für Wintersportler. In den Anfangsjahren war der Bahnhof Klosters noch Kopfbahnhof. So erlebte ihn auch Hans Castorp in Thomas Manns Roman Der Zauberberg:

Es gab Aufenthalte an armseligen Bahnhofshäuschen, Kopfstationen, die der Zug in entgegengesetzter Richtung verliess, was verwirrend wirkte, da man nicht mehr wusste, wie man fuhr, und sich der Himmelsgegenden nicht länger entsann.

Seit 1930 ist Klosters Durchgangsbahnhof; die Strecke nach Davos führt seitdem durch den 400 m langen Klosters-Kehrtunnel. Die Landquartbrücke (Maillart-Brücke) von 1930 musste 1993 allerdings einem Neubau weichen, denn die Vorbereitungen für die neue Vereina-Linie liefen damals an. Seit der Eröffnung der modernen Schienenverbindung ins Engadin besitzt Klosters einen perfekten Bahnanschluss in fast alle Himmelsrichtungen. In Selfranga entstand ein Autoverladebahnhof.

Ortsbus[Bearbeiten]

Seit dem 1. Dezember 1985 besitzt die Gemeinde ein Ortsbusnetz mit 5 Ortsbuslinien und dem Bahnersatz Klosters–Saas–Küblis als Linie 6. Der Ortsbus Klosters-Serneus wird von Postautohalter Markus Vogt aus Serneus betrieben. Der zentrale Umsteigeplatz ist die Haltestelle am Bahnhof Platz.

Kultur[Bearbeiten]

Die Kirche Serneus als kulturelles Dorfzentrum

Für kulturell Interessierte hat Klosters ein breites Angebot. Dazu gehören unter anderem der Kulturschuppen, die Wärchstuba und die Gemeindebibliothek in den über 300 jährigen Räumen des alten Rathauses. Der Kulturschuppen besteht seit 2002 im alten Güterschuppen der RhB und ist ein Treffpunkt für Freunde von Kino, Jazz, Kleintheater, Lesungen und Vorträgen. Diese werden von der Kulturgesellschaft Klosters (kgk) organisiert, welche auch für zahlreiche weitere Anlässe verantwortlich ist, so zum Beispiel die beliebten Klosterser Sommerkonzerte in der Kirche zu St. Jakob. Die Wärchstuba Klosters wurde 1971 von kreativen Bergbäuerinnen als Winterkursangebot gegründet und bietet heute jährlich über 100 Kurse aller Art an von Kochen, Kunsthandwerk, Persönlichkeitsbildung, Sport, bis zu Wochenend- und Ferienkursen.

Über heimatkundliche Themen informiert das in einem alten Walserhaus untergebrachte Ortsmuseum Nutli Hüschi.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Johannes Hitz (1772–1838), Klosterser Landammann, Verwalter und Pächter des Bergwerks Silberberg in Davos. Hat die Zinkgewinnung in den USA eingeführt.
  • Hans (John) Hitz (1797–1864), (Sohn von Johannes) Bergbauingenieur und Generalkonsul der Schweiz in den USA von 1853-1864
  • Johann Rudolf Brosi (1801–1877), Ständerat und Bundesrichter
  • Liliana Brosi (* 28. November 1934 in Cantù), Malerin, Grafikerin, Zeichnerin und Galeristin[4]
  • Anton Allemann (1936–2008), Fussballspieler
  • Beat Bolliger (1941–2008), Spitzenkoch
  • Josef Minsch (1941–2008), Skirennfahrer
  • Heinz Brand (*1955), Nationalrat ab 2011
  • Coni Allemann (*1963), Musiker, Schriftsteller, Kabarettist

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Blick vom Gotschnagrat auf Klosters Dorf (rechts), Serneus (Mitte) und Madrisahorn

Literatur[Bearbeiten]

  • Florian Hew: Klosterser Heimatbuch, Schiers 1965 (2. Auflage).
  • Florian Hitz: Klosters-Serneus im Historischen Lexikon der Schweiz.
  • Florian Hitz, Maria Kasper-Kuoni: Die Kirche St. Jakob in Klosters, 1493-1993. 500 Jahre nach dem Chorbau, Davos 1993.
  • Ursula Lehmann-Gugolz: Vorfahren Nachkommen, Auswanderer aus Klosters und Davos nach Amerika im 19. Jahrhundert, Chur 1998.
  • Jürg L. Muraro: St. Jakob im Prättigau (Klosters GR), in: Helvetia sacra Band IV/ 3: Die Prämonstratenser und Prämonstratenserinnen in der Schweiz, bearbeitet von mehreren Autoren, redigiert von Bernard Andenmatten und Brigitte Degler-Spengler, Basel 2002, S. 335–344. http://www.helvetiasacra.ch/
  • Nicolin Sererhard: Einfalte Delineation, Seewis i. Pr. 1742.
  • Jürg Stahel: Das Schwefelbad Serneus, Klosters 1978.
  • Jürg Stahel: Zum Naturpfad Klosters-Serneus, Klosters 1981.
  • Jakob Vetsch: Ds Goldbrünneli. Eine Sagensammlung aus Klosters und Umgebung, Klosters 1982, 1998.
  • Jakob Vetsch: Das Gotteshaus zu Serneus. Eine Festschrift, Klosters 1979, Schiers 2004.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Klosters-Serneus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Südostschweiz
  3. http://www.srf.ch/news/regional/graubuenden/fusionsprojekt-im-praettigau-abgebrochen
  4. Liliana Brosi auf www.sikart.ch
  5. Pfarrhaus und Kirchgemeindesaal auf www.graubuendenkultur.ch.
  6. Hotel Chesa Grischuna auf www.graubuendenkultur.ch.