Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft

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Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft
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Rechtsform GmbH
Gründung 1994
Sitz Senftenberg DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Klaus Zschiedrich,
Hans-Dieter Meyer
Mitarbeiter 570(1. Januar 2014)
Bilanzsumme 279,2 Mio. EURVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Bilanzsumme
Branche Braunkohlensanierung
Website www.lmbv.de
Blick auf das Lausitzer Seenland - ein Sanierungsbereich der LMBV

Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) mit Hauptsitz in Senftenberg verwaltet, saniert und gestaltet die Nachfolgelandschaften der ehemaligen Braunkohle-Tagebaue in der Lausitz (Lausitzer Braunkohlerevier) und in Mitteldeutschland um Leipzig (Mitteldeutsches Braunkohlerevier). Das Unternehmen gehört vollständig der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesfinanzministerium.[1]

Die LMBV verbessert die Wasserqualität der Tagebaurestseen (Tagebaurestlöcher), stabilisiert die Tagebau-Böschungen, verkauft die Grundstücke und Immobilien, saniert Bergbau-Altlasten usw. Sie fördert die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe sowie die touristische Nutzung der ehemaligen Bergbauflächen (Flächenrecycling). Zu den Immobilien der LMBV gehören unter anderem auch aufgegebene Kraftwerke, Brikettfabriken und Kohle-Umschlagplätze. Rund 100.000 Hektar hatte das Unternehmen anfänglich im Besitz; zwei Drittel davon wurden bereits an Nachnutzer veräußert.

Geschichte[Bearbeiten]

Die LMBV wurde am 9. August 1994 auf Initiative der Bundesregierung und der Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg gegründet. Sie ging aus den Sanierungsgesellschaften Lausitzer Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LBV) und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (MBV) durch Zusammenlegung hervor.

Die LMBV hatte anfänglich bis zu 20.000 Mitarbeiter. Die LMBV wird im Wesentlichen von der Bundesregierung (Bundesfinanzministerium) und damit vom Steuerzahler finanziert. Die Bundesländer beteiligen sich an der Grundsanierung mit 25 Prozent. Die Investitionssumme betrug bisher etwa 8,5 Milliarden Euro.

Im Jahr 2008 wurden insgesamt 227 Millionen Euro investiert, wobei 108 Millionen Euro auf Brandenburg, 83 Millionen Euro auf Sachsen, 34 Millionen Euro auf Sachsen-Anhalt sowie 1,6 Millionen Euro auf Thüringen entfielen.

Bis 2012 galt als Finanzierungsgrundlage das sogenannte VA IV (Verwaltungsabkommen Braunkohlesanierung 2008–2012).

Projekte[Bearbeiten]

Elsterstausee, Cospudener See, Markkleeberger See
Scheibe See bei Hoyerswerda in Flutung im August 2005
Der entstehende Großräschener See in Brandenburg

In Revieren der Lausitz und in Mitteldeutschland ist eine Vielzahl von neuen künstlichen Seen entstanden. Noch nicht alle Seen sind vollständig geflutet; bei einigen wird es noch Jahrzehnte dauern.

Das größte Projekt in der Lausitz ist das Lausitzer Seenland. Im Südraum von Leipzig entstehen sieben größere Bergbaufolgeseen (Leipziger Neuseenland).

Von 39 großen Braunkohle-Tagebauen, die Anfang der 1990er Jahre im Osten Deutschlands noch in Betrieb waren, sind sieben privatisiert und 32 stillgelegt und an die LMBV überführt worden. Unter anderem wurden folgende Tagebaue aufgegeben:

Kampf gegen Verockerung und braune Spree[Bearbeiten]

Die Spree und weitere Gewässer in der Lausitz sind unterschiedlich stark von Verockerung betroffen. Das Problem der braunen Spree hat vermutlich zwei Ursachen:

Zum einen enthalten offenbar Schichten des Braunkohle-Tagebaus Welzow Süd I Eisenverbindungen, die im Zuge des Kohlenabbaus ins Grundwasser geschwemmt werden. Das Institut 'Eurofins Umwelt Ost'[2], Greenpeace und der BUND Brandenburg nahmen Wasserproben an den Stellen, wo Sümpfungswasser von 'Welzow Süd' in umliegende Gewässer eingeleitet wird ("Einleitstellen") und fanden an elf von 15 Messpunkten Eisenwerte teils weit über den geltenden Grenzwerten. In umliegenden Bachbetten fanden sie eine bis zu 30 Zentimeter dicke Schlammschicht aus Eisenocker.

Zum anderen gab es in der Lausitz früher große Eisenerzvorkommen, die als oberflächennah ("Raseneisenerz") abgebaut wurden (Näheres hier). Die im Boden der Lausitz natürlich vorhandenen Minerale Pyrit (auch Katzengold genannt) und Markasit sind chemische Verbindungen von Eisen und Schwefel, Eisensulfid. Durch den Kontakt mit Luftsauerstoff in Folge der Grundwasserabsenkung verwittern die Eisensulfide und es entstehen Eisenhydroxid und Sulfat. Wenn das Grundwasser wieder steigt - z.B. in niederschlagreichen Jahren - werden vermutlich Eisen und Sulfat großräumig in Flüsse und Seen der Lausitz eingetragen.[3]

Die LMBV beobachtet Lage und Entwicklung mittels Messstellen („Montanhydrologisches Monitoring“) in Brandenburg und Sachsen. Die LMBV bzw. ihre Partner bei Behörden und Kommunen beauftragten Untersuchungen, um Belastungsschwerpunkte im Zuge des Grundwasserwiederanstiegs zu ermitteln. Sie entwickelte verschiedene Modelle und möchte herausfinden, was erfolgversprechende Maßnahmen sein könnten und was sie (wenn es welche gibt) voraussichtlich kosten.

Im Frühjahr 2013 haben die LMBV, zuständige Behörden, Boden- und Wasserverbände sowie Kommunen begonnen, einen Maßnahmenkatalog[4] umzusetzen. Dies soll die Verockerung von Flüssen und Seen in der Lausitz reduzieren.

Am 5. September 2014 haben Greenpeace und der BUND Brandenburg wegen der überschrittenen Messwerte bei der Staatsanwaltschaft Cottbus Strafanzeige gegen die Vattenfall Europe Mining AG eingereicht.[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Quelle: Anhang zum Jahresabschluss 2012, veröffentlicht im Elektronischen Bundesanzeiger.
  2. eurofins.de
  3. LMBV: Verockerung und braune Spree: Historische Hintergründe
  4. Konkrete Maßnahmen der LMBV
  5. greenpeace-magazin.de (Meldung vom 9. September 2014)