Liebes- und Familienroman

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Der Liebes- und Familienroman bezeichnet ein umfangreiches Genre der Trivialliteratur, das sich vorwiegend an das weibliche Lesepublikum wendet und in seinem Aufbau meist einfachen Grundmustern folgt. Häufig liegt es in Form von Heftromanen vor.

Geschichte[Bearbeiten]

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Die Entstehung des Liebes- und Familienroman hängt unmittelbar mit der gesellschaftlichen Situation des Bürgertums unter der spätfeudalen Herrschaft zusammen. Dieser Bürger war immer mehr darauf angewiesen, wirtschaftlich und politisch an Einfluss zu gewinnen, um neben dem herrschenden Adel bestehen zu können. Vor allem in Bezug auf die Herausbildung und Durchführung neuer bürgerlicher Moral- und Wertvorstellungen und Lebensführung, hat die Frage nach der korrekten Verhaltensweise in Haus und Familie große Bedeutung gehabt. Wurde diese Problematik bereits in den „Moralischen Wochenschriften“ thematisiert, nutzen ab dem 18.Jahrhundert die Aufklärer das neue Medium „Roman“, um der Frage nach den Möglichkeiten häuslichen Glückes nachzugehen und Geschichten mit der Beschreibung von Privatschicksalen zu nähren. Daraus entstand der so genannte moraldidaktische, anrührende Familienroman.

Drama[Bearbeiten]

Als frühe dramatische Werke trivialer Familien- und Liebesliteratur sind die Rührstücke August Wilhelm Ifflands („Verbrechen aus Ehrsucht“, „Die Mündel“) oder August von Kotzebues (Menschenhass und Reue, „Die edle Lüge“) zu nennen. Diese Werke spiegelten bereits die bis heute kennzeichnenden Merkmale der Familien- und Liebesliteratur wider: Beschränkung auf das private Einzelschicksal und Vermittlung von Emotionalität.

Dabei ist als wichtige Vertreterin neben Iffland und Kotzebue Charlotte Birch-Pfeiffer zu erwähnen, die zwischen 1830 und 1860 den Ruf der „Beherrscherin der deutschen Bühne“ genießen konnte. Sie verfasste allein mehr als 20 Familiendramen, wie z.B. „Trudchen“, „Eine Familie“, „Das Forsthaus“ oder „Rose und Röschen“.

Prosa[Bearbeiten]

Im Prosabereich spielten besonders vier Autoren eine entscheidende Rolle: August Lafontaine („Die Gewalt der Liebe“, „Familiengeschichten“, „Die Stiefgeschwister“), Friedrich August Schulze, der unter dem Pseudonym Friedrich Laun bekannt wurde („Heiratshistorien“, „Drei Küsse und eine lange Nacht“, „Familienglück“), Gustav Schilling („Die Brautschau“, „Häusliche Bilder“) sowie H. Clauren („Leidenschaft und Liebe“, „Das Dijon-Röschen“, „Vielliebchen“).

Nach der Produktion dieser Werke zwischen 1780 und 1830 setzte eine neue Welle trivialer Familien- und Liebesliteratur erst wieder in den 1860er Jahren ein. In dieser Zeit begann eine Vielzahl Frauen das Schreiben. Viele von ihnen prägten das Bild des Familienblatts „Die Gartenlaube“, wie beispielsweise auch E. Marlitt, deren Werke „Die zwölf Apostel“, „Das Geheimnis der alten Mamsell“ oder „Die Frau mit den Karfunkelsteinen“ zwanzig Jahre lang in der „Gartenlaube“ veröffentlicht wurden. Ferner sind Wilhelmine Heimburg, Elisabeth Bürstenbinder oder Anny Wothe zu erwähnen.

Familien- und Liebesliteratur des 20.Jahrhunderts[Bearbeiten]

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts setzt auch der unübertreffliche Erfolg Hedwig Courths-Mahlers ein, deren Romane innerhalb eines halben Jahrhunderts in einer Gesamtauflage von rund 30 Millionen Exemplaren gedruckt wurden. Zu ihren erfolgreichsten Werken zählen unter anderem „Des anderen Ehre“, „Meine Käthe“, „Eine ungeliebte Frau“, „Die schöne Unbekannte“ oder auch „Verschmäht“. Neben Courths-Maler waren nur zwei weitere Schriftstellerinnen auf diesem literarischen Gebiet von Bedeutung: Helene Butenschön, die unter dem Pseudonym „Fr. Lehne“ auftrat und Anny von Panhuys.

Nach und nach tauchten Familien- und Liebesromane auch in den seit Beginn des 20. Jahrhunderts populär gewordenen Romanheftserien auf. Zwar waren sie bis zum Ende des Ersten Weltkriegs nur schwach – zum Beispiel durch die Reihen „Intime Geschichten“ oder „Was man nicht laut erzählt“ – vertreten, jedoch konnten sie sich auch im Laufe der Zeit mit den „Kleinen Meister-Romanen“ oder der Serie „Frauen von heute“ weiter etablieren.

Die Blütezeit der Familien- und Liebesliteratur in West-Deutschland beginnt allerdings erst nach 1949. In der DDR hingegen wurde diese Literatur nicht produziert, sondern sogar alle bereits existierenden Werke im Zuge der Kulturpolitik entsorgt. In der Bundesrepublik hingegen machten Familien- und Liebesromane bald mehr als die Hälfte aller Romanheftserien aus, wobei ab 1958 ein Rückgang auf ca. 35 Prozent zu beobachten war. Zu diesen Serien zählen unter anderem: „Mein Roman“, „Romane des Herzens“, „Linden-Roman“, „Roman am Sonnabend“ oder „Bastei-Familien-Roman“.

Aktuelle Beispiele moderner Liebes- und Familienliteratur sind der literarisch wertvolle Roman Die Liebesblödigkeit von Wilhelm Genazino, die Erzählungen Reiche Mädchen von Silke Scheuermann, P.S. Ich liebe Dich von Cecelia Ahern oder der Roman Letzte Tage, jetzt von Jan Drees.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dorothee Bayer: Der triviale Familien- und Liebesroman im 20.Jahrhundert. Tübingen 1963
  • Dorothee Bayer: Falsche Innerlichkeit. Zum Familien- und Liebesroman. In: Gerhard Schmidt-Henkel u.a. (Hrsg.): Trivialliteratur. Aufsätze. Berlin 1964
  • Hainer Plaul: Illustrierte Geschichte der Trivialliteratur. Hildesheim, Zürich, New York 1983

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]