Lindau Hauptbahnhof

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lindau Hbf
Hbf Lindau Bodensee.JPG
Daten
Kategorie 3
Betriebsart Kopfbahnhof
Bahnsteiggleise 8
Abkürzung MLI (DB), L (ÖBB)
IBNR 8000230 (DB)
Eröffnung 1853
Architektonische Daten
Baustil Jugendstil
Lage
Stadt Lindau (Bodensee)
Land Bayern
Staat Deutschland
Koordinaten 47° 32′ 45″ N, 9° 41′ 2″ O47.5458333333339.6838888888889Koordinaten: 47° 32′ 45″ N, 9° 41′ 2″ O
Höhe (SO) 398 m ü. NHN
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Bayern
i7i12i13i15i15i16i17i20

Lindau Hauptbahnhof, bis 15. Mai 1936 Lindau Stadt, ist der größte Bahnhof der Stadt Lindau (Bodensee) und gleichzeitig ihr einziger Fernverkehrshalt. Weitere Stationen im Stadtgebiet sind der Haltepunkt Lindau-Aeschach und der Güterbahnhof Lindau-Reutin. Früher existierten außerdem noch Lindau-Siebertsdorf (bis 15. Mai 1936 Lindau-Zech)[1], Lindau Langenweg, Lindau Strandbad, Schönau, Oberreitnau und Rehlings.

Lage[Bearbeiten]

Bahnhof von der Hafenseite
Blick über die Gleisanlagen
alex mit einer Baureihe 223 im Hauptbahnhof Lindau

Der Lindauer Hauptbahnhof ist ein Kopfbahnhof und liegt auf der Insel Lindau in unmittelbarer Nachbarschaft des Lindauer Hafens. Das heutige Empfangsgebäude wurde zwischen 1913 und 1921 im barockisierenden Heimatstil errichtet und steht unter Denkmalschutz.[2]

Der Hauptbahnhof ist über einen circa 500 Meter langen und viergleisig ausgeführten Damm mit dem Festland verbunden. Der Damm und die etwa 500 Meter östlich parallel verlaufende Straßenbrücke Seebrücke grenzen den Bodensee vom sogenannten Kleinen See ab, der zwischen dem Stadtteil Aeschach und der Insel liegt. Westlich neben dem Bahnhof liegt ein kleiner Rangierbahnhof sowie das ehemalige Bahnbetriebswerk. Dessen zurückgebaute Anlagen werden heute noch zur Fahrzeugunterhaltung genutzt.

Die Bahnanlagen trennen die Hauptinsel von der Hinteren Insel. Jedoch führen eine Fußgängerbrücke und die Thierschbrücke für den Straßenverkehr über die Gleise. Im Zuge des Projekts Lindau 21 soll der Kopfbahnhof zwecks Flächengewinnung und Betriebsvereinfachung zurückgebaut und durch den umzubauenden Durchgangsbahnhof Lindau Reutin auf dem Festland ergänzt werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Lindau ist der Endpunkt der von München über Kempten kommenden Allgäubahn. Ihr südöstlicher Abschnitt von Kempten nach Lindau wurde 1853 fertiggestellt. Von 1869 bis 1939 bestand ein Trajekt-Anschluss für Güterwagen nach Romanshorn und von 1873 bis 1899 nach Konstanz. Hier kam es am 21. Juli 1905 zu einem schweren Unfall: Durch einen Rangierfehler im (damaligen) Bahnhof Oberreitnau an der Allgäubahn geriet eine Reihe von Güterwagen abwärts, Richtung Bodensee, ins Rollen, durchfuhr den Hauptbahnhof Lindau und stürzte an dessen seeseitigem Ende in den Hafen, wobei auch Schalden des Trajekts beschädigt wurden.[3]

1899 wurde die Bodenseegürtelbahn über Friedrichshafen nach Radolfzell in Betrieb genommen, sie beginnt allerdings erst auf dem Festland im Stadtteil Aeschach. Die Vorarlbergbahn führt von Lindau über Bregenz, Dornbirn und Feldkirch nach Bludenz und wird von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) betrieben. Damit handelt es sich auch um einen Grenzbahnhof. Früher unterhielten die ÖBB im Lindauer Hauptbahnhof einen eigenen Fahrkartenschalter, dieser wurde durch den bis heute vorhandenen Fahrkartenautomaten ersetzt.

Die Strecke nach Bludenz wurde zum 14. Dezember 1954 elektrifiziert und ist bis heute die einzige elektrisch betriebene Bahnstrecke im Bahnknoten Lindau geblieben. Im Lindauer Hauptbahnhof sind hierfür die Gleise 1 bis 3 mit einer Oberleitung versehen. Auch Elektrolokomotiven der Schweizerischen Bundesbahnen erreichen planmäßig Lindau.

Bedienung[Bearbeiten]

Die Abfahrtstafel im Jahr 2005

Fernverkehr[Bearbeiten]

Im Schienenpersonenfernverkehr bietet die Eurocity-Linie 88 der DB regelmäßige Verbindungen von München über Lindau nach Zürich. Ergänzend verkehrt ein einzelnes Intercity-Zugpaar der deutschen Linie 32 von Münster (Westfalen) über Lindau nach Innsbruck. Bei den Eurocity- und Intercity-Zügen erfolgt dabei in Lindau der Traktionswechsel von einer Diesellokomotive auf eine Elektrolokomotive beziehungsweise umgekehrt.

In früheren Jahren verkehrten auch Expresszüge (Ex) der ÖBB bis Lindau, unter anderem gab es Direktverbindungen in die österreichische Hauptstadt Wien. Heute enden beziehungsweise beginnen die österreichischen Fernzüge meist im benachbarten Bregenz. Seit Dezember 2010 wird jedoch täglich ein Railjet nach Lindau durchgebunden, der Gegenzug verkehrt zunächst bis Bregenz als Regionalexpress mit Halt in Lochau-Hörbranz, ehe er ab Bregenz als Railjet nach Wien verkehrt.

Linie Verlauf Taktfrequenz
EC 88 München Hbf - Buchloe - Memmingen (/- Kempten (Allgäu) Hbf) - Lindau Hbf - Bregenz - St. Gallen - Winterthur - Zürich HB 4 Zugpaare am Tag
IC 32 Münster (Westf) – Gelsenkirchen – Duisburg – Köln – Koblenz – Mannheim – Stuttgart – Ulm – Lindau Hbf Innsbruck einzelne Züge

Regionalverkehr[Bearbeiten]

Im Schienenpersonennahverkehr wird der Lindauer Hauptbahnhof aus drei verschiedenen Richtungen bedient, als Besonderheit ist Lindau für alle Regionalzüge Endbahnhof. Ursächlich hierfür sind vor allem die verschiedenen Eisenbahnverkehrsunternehmen in der Region, nämlich DB Regio Allgäu-Schwaben in Richtung Bayern, DB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee in Richtung Baden-Württemberg und die ÖBB in Richtung Österreich.

In und aus Richtung Friedrichshafen verkehren stündlich Interregio-Express-Züge (IRE) die abwechselnd bis nach Ulm oder Stuttgart durchgebunden werden. Ergänzt werden sie durch stündlich angebotene Regionalbahnen (RB) die von und nach Friedrichshafen verkehren.

Jeden Morgen fährt ein Interregio-Express nach Singen (Hohentwiel) und eine Regionalbahn kommt aus Singen an.

Nach und aus Richtung Hergatz verkehren unter anderem der alex (bis 2010: Arriva-Länderbahn-Express) von und nach München sowie der Allgäu-Franken-Express als Regionalexpress (RE) von und nach Nürnberg. Ergänzend verkehrt eine Regionalbahn-Linie von und nach Augsburg sowie einzelne Regionalexpress-Züge von und nach Ulm über Kempten.

Die ÖBB bieten Regional- (R) und Regionalexpress-Züge (REX) nach Bludenz beziehungsweise St. Margrethen in der Schweiz. Außerdem ist der Lindauer Hauptbahnhof Endhaltestelle der Linie 1 der S-Bahn Vorarlberg.

Linie Verlauf Taktfrequenz
IRE Südbahn:
Lindau Hbf – Friedrichshafen Stadt Ravensburg – Aulendorf – Biberach – Ulm – Plochingen – Stuttgart
2-Stunden-Takt
IRE Südbahn:
Lindau Hbf – Friedrichshafen Stadt – Ravensburg – Aulendorf – Biberach – Ulm
2-Stunden-Takt
IRE Lindau Hbf – Friedrichshafen Stadt – Radolfzell – Singen – Schaffhausen – Waldshut – Basel Bad einzelne Züge
ALX Lindau Hbf – Hergatz – Oberstaufen – Immenstadt – Kempten – Kaufbeuren – Buchloe – München 2-Stunden-Takt
RE Allgäu-Franken-Express:
Lindau Hbf – Hergatz – Oberstaufen – Immenstadt – Kempten – Kaufbeuren – Buchloe – Augsburg – Nürnberg
2-Stunden-Takt
RE Lindau Hbf – Hergatz – Oberstaufen – Immenstadt – Kempten – Kaufbeuren – Buchloe – Augsburg 2-Stunden-Takt
RE Lindau Hbf – Hergatz – Oberstaufen – Immenstadt – Kempten – Bad Grönenbach – Memmingen – Ulm einzelne Züge
RE Lindau Hbf – Hergatz – Wangen – Kißlegg – Leutkirch – Memmingen einzelne Züge
REX Lindau Hbf – Bregenz – Dornbirn – Feldkirch – Bludenz (– Schruns) 2-Stunden-Takt
REX Lindau Hbf – Bregenz einzelne Züge
RB Lindau Hbf – Wasserburg – Friedrichshafen Stadt (– Friedrichshafen Hafen) Stunden-Takt
RB Lindau Hbf – Hergatz – Wangen – Kißlegg – Bad Waldsee – Aulendorf 2-Stunden-Takt
RB Lindau Hbf – Hergatz – Wangen – Kißlegg – Leutkirch – Memmingen einzelne Züge
 S1  Lindau Hbf – Bregenz – Dornbirn – Feldkirch – Bludenz (– Schruns) Stunden-Takt
 S3  Lindau Hbf – Bregenz – St. Margrethen einzelne Züge

Stadtverkehr[Bearbeiten]

Auf dem Bahnhofsvorplatz verkehren die Linien 1 und 2 des Stadtbus Lindau, durch diesen ist der Hauptbahnhof mit allen Lindauer Stadtteilen verbunden.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Harald Schönfeld: Insel-Idyll mit Verfallsdatum. Lindau Hbf – Erhalt oder Ende? In: eisenbahn magazin. Nr. 9/2012, Alba Publikation, Düsseldorf September 2012, ISSN 0342-1902, S. 30–34 (Artikel über Historie und Zukunftspläne des Inselbahnhofs).
  •  Christian Wüst: Lummerland im Bodensee. In: Der Spiegel. Nr. 43/2014, SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG, Hamburg Oktober 2014, ISSN 0038-7452, S. 133 (online, abgerufen am 23. Oktober 2014).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bahnhof Lindau (Bodensee) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Daten BD Augsburg
  2. Eintrag beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege
  3. Hans Joachim Ritzau: Eisenbahn-Katastrophen in Deutschland. Splitter deutscher Geschichte. Bd.1: Landsberg-Pürgen 1979.