Lubań

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Dieser Artikel behandelt die Stadt in der Woiwodschaft Niederschlesien; zu weiteren Bedeutungen siehe Luban.
Lubań
Wappen von Lubań
Lubań (Polen)
Lubań
Lubań
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Landkreis: Lubań
Fläche: 16,12 km²
Geographische Lage: 51° 7′ N, 15° 18′ O51.11666666666715.3Koordinaten: 51° 7′ 0″ N, 15° 18′ 0″ O
Höhe: 212 m n.p.m
Einwohner: 21.921
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 59-800
Telefonvorwahl: (+48) 75
Kfz-Kennzeichen: DLB
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Droga krajowa 30: Zgorzelec–Jelenia Góra
Schienenweg: Zgorzelec–Wałbrzych
Węgliniec–Lubań
Nächster int. Flughafen: Dresden
Breslau
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Fläche: 16,12 km²
Einwohner: 21.921
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 1360 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0210011
Verwaltung (Stand: 2014)
Bürgermeister: Arkadiusz Słowiński
Adresse: ul. 7 Dywizji 14
59-800 Lubań
Webpräsenz: www.luban.pl

Lubań [ˈlubaɲ] (deutsch Lauban; schlesisch und oberlausitzisch Laubn oder auch Laubm[2]) ist eine Stadt in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Sie liegt 24 Kilometer östlich von Görlitz im seit 1945 polnischen Teil der Oberlausitz, deren sechstgrößte Stadt sie ist. Von 1815 bis 1945 gehörte Lauban zur preußischen Provinz Schlesien. Die Stadt ist Sitz des Powiats Lubański, gehört ihm jedoch als eigenständige Stadtgemeinde nicht an. Lubań ist Mitglied der Euroregion Neiße.

Geografie[Bearbeiten]

Lubań liegt an den nördlichen Ausläufern des Isergebirgsvorlandes (Pogórze Izerskie) am linken Ufer des Queis (Kwisa).

Nachbarorte sind Uniegoszcz (Alt Bertelsdorf) und Nawojów Łużycki (Sächsisch Haugsdorf) im Norden, Nawojów Śląski (Schlesisch Haugsdorf), Radostów Średni (Mittel-Thiemendorf) im Nordosten, Wolbromów (Klein-Neundorf) im Osten, Jałowiec (Wingendorf) im Süden, Zaręba Dolna (Nieder-Lichtenau) und Zaręba Górna (Ober-Lichtenau) im Südwesten, Wesołówka (Löbenslust) im Westen und Pisarzowice (Schreibersdorf) im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Aus Bürgermeister Zeidler`s "Annalibus Civitatis Laubanae" von 1628 wird ein Vers überliefert, danach Graff Gero von Altenburg in der Wildnis Luzeban ein Jägerhaus am Berge im Jahre 711 bezog und zu bauen begann.

Lauban entstand vermutlich an der Stelle einer slawischen Siedlung. Es wurde um 1220 gegründet und erstmals im Jahr 1268 urkundlich erwähnt. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erhielt es, wahrscheinlich auf Grundlage des Magdeburger Rechts, die Stadtrechte. Es gehörte zur böhmischen Oberlausitz und war ab 1253 im Besitz des askanischen Markgrafen von Brandenburg. Nach dem Aussterben der Askanier 1319 gelangte das Land Görlitz mit Lauban und dem Queiskreis an Herzog Heinrich von Jauer. Obwohl er Görlitz bereits 1329 an den böhmischen König Johann von Luxemburg wieder abgeben musste, fielen Lauban und der Queiskreis erst nach dem Tod Herzog Heinrichs 1346 als erledigtes Lehen an die Krone Böhmen heim.[3] Im selben Jahr schloss sich Lauban mit Görlitz, Löbau, Bautzen, Zittau und Kamenz dem Oberlausitzer Sechsstädtebund an, der sich zu einem wirtschaftlichen starken Gemeinwesen entwickelte.


Kleines Stadtwappen

1415 war Lauban Stadt im Bann, im Mai des Jahres 1427 wurde Lauban erstmals von einem hussitischen Heer erobert. Bei dem anschließenden Massaker an rund 1000 Katholiken, darunter vielen aus Böhmen vertriebenen Priestern und aus Prag geflüchteten Studenten, erlitt auch der Priester Johannes Rimer das Martyrium. Er wurde von der katholischen Kirche heiliggesprochen. 1431 wurde Lauban erneut von einem hussitischen Heer erobert und zerstört.

Salzhaus von 1539

Als um 1540 die Bürger der Stadt die Reformation annahmen, blieb das Magdalenerinnenkloster katholisch. Fortan teilten sich die evangelischen Bürger und die katholischen Nonnen die Kirche. Lauban war damit neben Bautzen die zweite Stadt in der Oberlausitz, in der es eine Simultankirche gab, die Protestanten und Katholiken gemeinsam nutzten.

Im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 verlor Lauban im Pönfall seine bis dahin zehn Kammerdörfer. Nach dem Prager Frieden fiel Lauban 1635 zusammen mit der Oberlausitz an das evangelische Kurfürstentum Sachsen. Im Dreißigjährigen Krieg musste Lauban Durchmärsche und Einquartierungen sächsischer, kaiserlicher und schwedischer Heere erdulden. Nach 1653 nahm es zahlreiche Glaubensflüchtlinge aus Schlesien und Böhmen auf, die in ihren Ländern im Zuge der Gegenreformation verfolgt worden waren. Während des Großen Nordischen Kriegs hielt sich vom 12. bis 14. September 1707 der schwedische König Karl XII. in Lauban auf, wo die Urkunden der Altranstädter Konvention ausgetauscht wurden.[4] Im Siebenjährigen Krieg wurde Lauban 1757 von Preußen besetzt. In den Jahren 1487, 1554, 1559, 1670, 1696 und 1760 wurde Lauban durch Stadtbrände zerstört. In den Jahren 1812 bis 1813 Durchzug bayerischer und italienischer Truppen, Brandschatzung durch fliehende französische Truppen.

Mit den Verträgen des Wiener Kongresses 1815 fiel Lauban zusammen mit der Ostoberlausitz an Preußen, von dem es an die preußische Provinz Schlesien angeschlossen wurde. 1816 wurde der Landkreis Lauban gebildet, der aus oberlausitzschen und alt-schlesischen Gebieten zusammengesetzt wurde.[5]

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Stadt zu einem Zentrum der Textilindustrie, besonders spezialisierte sie sich auf die Produktion von Taschentüchern. So wurden vor dem Zweiten Weltkrieg etwa 95 % aller deutschen Taschentücher in Lauban hergestellt. In dieser Zeit entstand der Werbeslogan Lauban putzt der Welt die Nase. Ein Ausbesserungswerk der Deutschen Reichsbahn war ein weiterer großer Arbeitgeber.

Ring/Rynek mit Rathaus

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt im Februar und März 1945 zu rund 60 Prozent zerstört. Im Februar 1945 war die Stadt bereits zum großen Teil von der Roten Armee eingenommen worden, wurde aber im März von deutschen Truppen unter Walther Nehring vollständig zurückerobert. Deshalb inszenierte Reichspropagandaminister Joseph Goebbels in Lauban seinen letzten Wochenschauauftritt mit den damals üblichen Durchhalteparolen. Nach dem Einmarsch der Roten Armee bei Kriegsende im Mai 1945 kam sie unter ihrem polnischen Namen Lubań in polnische Verwaltung. Die deutschen Einwohner wurden vertrieben.

In den 1950er Jahren wurde der im Krieg nur gering beschädigte quadratische Häuserblock in der Ringmitte bis auf den Krämerturm abgerissen. Von 1997 bis 2002 wurde die Bebauung jedoch wiederhergestellt und mit Geschäften ausgestattet. Ebenso wurde die Kursächsische Postmeilensäule auf dem Ring auf Anregung der ortsansässigen Gesellschaft der Freunde der polnischen Oberlausitz rekonstruiert. Aufsehenerregend war auch die Wiederentdeckung der Fundamente des ehemaligen Galgens vor den Toren der Stadt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Dreifaltigkeitskirche
Nachbildung der Distanzsäule vom Görlitzer Tor auf dem Ring
  • Die Pfarrkirche der Hl. Dreifaltigkeit wurde erstmals 1320 erwähnt und stand bis 1810 unter dem Patronat der Magdalerinnen. Der Vorgängerbau aus dem 15. Jahrhundert wurde nach einem Brand 1879 abgetragen. Bereits von 1857 bis 1861 entstand nordöstlich der bisherigen Kirche ein Neubau nach Entwurf des Architekten Alexis Langer im Stil der Neugotik. Die stilgleiche Innenausstattung lieferte der Münchner Architekt Johann Marggraff. Das Gemälde des Hauptaltars schuf der Prager Maler Eduard von Engerth, die Gemälde der Seitenaltäre Wilhelm Hauschild aus München.
  • Die evangelische Kirche diente ursprünglich als katholische Friedhofskirche. Sie wurde erstmals 1384 erwähnt und nach der Zerstörung durch die Hussiten 1452 neu errichtet und später mehrmals umgebaut. Die neugotische Innenausstattung ist von 1887 bis 1888. Den Hauptaltar mit der Kreuzigungsdarstellung und die Kanzel lieferte die Mayer'sche Hofkunstanstalt aus München.
  • Das Renaissance-Rathaus wurde von 1539 bis 1544 errichtet und nach einem Brand bis 1561 wieder aufgebaut. Nach mehrmaligen Umbauten und Modernisierungen wurde es 1945 teilweise zerstört und in den 1960er Jahren rekonstruiert. Gegenwärtig beherbergt es ein Regionalmuseum.
  • Eine Nachbildung der bis 1945, zuletzt am Amtsgericht, nachweisbaren Kursächsischen Postdistanzsäule vom Görlitzer Tor mit den nach 1815 in preußische Meilen geänderten Entfernungsangaben ziert heute den Marktplatz.
  • Reste der Kursächsischen Ganzmeilensäule von der Straßenschänke im Ortsteil Pisarzowice (Ober-Schreibersdorf), die zuletzt im Rittergutspark des Ortes stand und nach 1945 in einen Teich geworfen wurde, sind derzeit in Lubań eingelagert. Die Rekonstruktion und Wiederaufstellung am Originalstandort ist geplant.
  • Im Gebäude der Lateinschule von 1591 (schlichte Renaissancefassade, Gewölbe) wurde 1864 ein Lyceum eingerichtet. Heute dient es als Berufsschule.
  • Das Haus zum Schiff ist ein viergeschossiges Kaufmannshaus von 1715.
  • Der zylindrische Brüderturm, ein Wehrturm, wurde vermutlich ca. 1318 zeitgleich mit der Stadtmauer erbaut, die in Teilen erhalten ist.

Wirtschaft heute[Bearbeiten]

In Lubán werden heute Feuchttücher und trockene Zellstofftücher für den Haushalts- und medizinischen Bedarf durch das Imka-Werk, eine Tochter der Dr. Schumacher Gruppe aus Melsungen hergestellt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Gemeinde[Bearbeiten]

Schloss Holzkirch um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Die Landgemeinde Lubań umfasst ein Gebiet von 142 km² und hat 6554 Einwohner (Stand 31. Dezember 2013). Zu ihr gehören folgende 14 Orte:

  • Henryków Lubański (Katholisch Hennersdorf, 1937–39 Hennersdorf, 1939–45 Ziethen-Hennersdorf)
  • Kościelnik (Holzkirch)
  • Kościelniki Dolne (Nieder Steinkirch)
  • Mściszów (Seifersdorf)
  • Nawojów Łużycki (Sächsisch Haugsdorf)
  • Olszyny (Nieder Langenöls)
  • Pisarzowice (Schreibersdorf)
  • Radogoszcz (Wünschendorf)
  • Radostów Dolny (Nieder Thiemendorf)
  • Radostów Górny (Ober Thiemendorf)
  • Radostów Średni (Mittel Thiemendorf)
  • Uniegoszcz (Alt Bertelsdorf, 1936-45 Bertelsdorf)
  • Zaręba (Lichtenau)
  • Siekierczyn (Geibsdorf)

Die Stadt Lubań bildet eine eigenständige Stadtgemeinde und ist nicht Teil der Gmina Lubań.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten mit Bezug zur Stadt[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen: Schlesien. Deutscher Kunstverlag, München, Berlin 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 553–557.
  • Waldemar Bena: Lubań wczoraj i dziś (Lauban gestern und heute). Urząd Miasta w Lubańiu, Lubań 2005.
  • Paul Berkel: Historia miasta Lubań (Geschichte der Stadt Lauban). Typoscrift, Wrocław 1992, ISBN 83-85417-01-X. (Digitalisat)
  • Tino Fröde: Privilegien und Statuten der Oberlausitzer Sechsstädte - Ein Streifzug durch die Organisation des städtischen Lebens in Zittau, Bautzen, Görlitz, Löbau, Kamenz und Lauban in der frühen Neuzeit. Oberlausitzer Verlag, Spitzkunnersdorf 2008. ISBN 978-3-933827-88-3.
  • Klaus Christian Kasper: Lauban putzt(e) der Welt die Nase. Bonn 2000.
  • Klaus Christian Kasper: Das Reichsbahn-Ausbesserungswerk Lauban i/Schlesien. Bonn 1999.
  • Edmund Piekorz: Lauban. Heimat im Bild. Selbstverlag, Seyboldsdorf 1963.
  • Michael Platzer: Feste Feiern. Ein Bild Laubans vor den Zerstörungen von 1945. Luban o.J.
  • Paul Skobel, Edmund Piekorz: Die Magdalenerinnen zu Lauban in Schlesien. Das Jungfräuliche Klosterstift zur Heiligen Maria Magdalena von der Buße zu Lauban in Schlesien von 1320-1821. Konrad Theiss, Aalen 1969.
  • Hugo Weczerka: Handbuch der historischen Stätten. Schlesien. Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3, S. 553–557.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lubań – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 9. Juli 2014.
  2. www.oberlausitzer-woerterbuch.de
  3. Gertraut Eva Schrage: Die Oberlausitz bis zum Jahr 1346. In: Joachim Bahlcke: Geschichte der Oberlausitz. Leipziger Universitätsverlag 2001, ISBN 3-935693-46-X, S. 90f.
  4. Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Schlesien. Kröner, Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3. (Kröners Taschenausgabe 316), S. 271f.
  5. Lauban