Marianne von Oranien-Nassau

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Prinzessin Marianne
von Oranien-Nassau
Marianne von Oranien-Nassau
Johann Wilhelm von Reinhartshausen (1849–1861)

Wilhelmina Frederika Louise Charlotte Marianne von Oranien-Nassau (* 9. Mai 1810 in Berlin; † 29. Mai 1883 in Schloss Reinhartshausen bei Erbach) war Prinzessin der Niederlande und von Preußen. Sie war eine für ihre Zeit ungewöhnliche und in verschiedener Hinsicht höchst unkonventionell und fortschrittlich denkende Frau.

Leben[Bearbeiten]

Sie war die Tochter von König Wilhelm I. der Niederlande und dessen Gattin Wilhelmine von Preußen, Tochter Friedrich Wilhelm II. von Preußen. Seit 14. September 1830 war sie mit Prinz Albrecht von Preußen, dem jüngsten Sohn der Königin Luise verheiratet, wurde jedoch am 28. März 1849 wieder geschieden.

Aus dieser ersten Ehe hatte sie vier Kinder:

1845 verließ sie ihre Familie, nachdem ihr Ehemann ein außereheliches Verhältnis eingegangen war. Später ging sie mit ihrem ehemaligen Leibkutscher, Reisebegleiter und Vertrauten Johannes van Rossum (1809–1873) eine nicht standesgemäße Liebesliaison ein. Nur wenige Monate nach der Scheidung mit Albrecht gebar sie auf einer Reise nach Sizilien einen Sohn von Johannes von Rossum, Johann Wilhelm von Reinhartshausen (1849–1861).[1] Daraufhin brachen die Höfe von Haag und Berlin alle Kontakte mit ihr ab. Das Königreich Preußen durfte sie jeweils nur für 24 Stunden betreten.

Von ihrer Mutter erbte sie die Stiftsherrschaft Kamenz in Schlesien, die sie 1873 ihrem Sohn Albrecht anlässlich dessen Hochzeit schenkte.

Stammbaum[Bearbeiten]

 
 
 
 
 
 
Friedrich Wilhelm II. (1744–1797)
 
 
 
Friederike von Hessen (1751–1805
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Luise von Mecklenburg-Strelitz (1776–1810)
 
 
 
Friedrich Wilhelm III. (1770–1840)
 
 
Wilhelmine von Preußen (1774–1837)
 
 
 
Wilhelm von den Niederlanden (1772–1843)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Albrecht von Preußen (1809–1872)
 
 
 
 
 
 
 
 
Marianne von Oranien-Nassau (1810–1883)
 
 
 
Johannes van Rossum (1809–1873)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Friederike Luise Wilhelmine Marianne Charlotte (1831–1855)
 
 
Friedrich Wilhelm Nikolaus Albrecht (1837–1906)
 
 
Friederike Luise Wilhelmine Elisabeth (27.08.– 9.10.1840)
 
 
Friederike Wilhelmine Luise Elisabeth Alexandrine (1842–1906)
 
 
Johann Wilhelm von Reinhartshausen (1849–1861)
 
 
 
 


Mäzenatentum[Bearbeiten]

1855 erwarb sie das Schloss Reinhartshausen bei Erbach im Rheingau und machte es zu einem kulturellen Anziehungspunkt. Prinzessin Marianne besaß eine Sammlung von über 600 Gemälden, die in einem eigens dafür eingerichteten Museum, den heutigen Festsälen, untergebracht waren. Ein Teil der Sammlung Prinzessin Mariannes befindet sich noch heute im Schloss. Sie nahm junge Künstler bei sich auf und unterstützte sie. 1861 schenkte sie der Gemeinde Erbach zum Gedenken an ihren verstorbenen Sohn Johannes 60.000 Gulden und ein Grundstück zum Bau der Evangelischen Johanneskirche. In den 1870er Jahren spendete sie den überwiegenden Teil der Baukosten für den Wilhelmsturm in Dillenburg, ein Monument zum Andenken an Wilhelm I. von Oranien.

Tod[Bearbeiten]

Grabstätte auf dem Friedhof von Erbach

Marianne von Oranien-Nassau verstarb 1883 auf ihrem Wohnsitz, dem Schloss Reinhartshausen in Erbach und wurde ihrer Verfügung entsprechend nicht neben ihrem Sohn in der Erbacher Johanneskirche bestattet, sondern neben ihrem Lebensgefährten Johannes van Rossum. Für sein Grab hatte sie im Jahre seines Todes 1873 auf dem Erbacher Friedhof vom niederländischen Bildhauer Johann Heinrich Stöver, der auch schon das Grabmonument für ihren Sohn in der Johanneskirche schuf, eine segnende Christusfigur beauftragt. Auf der dortigen Grabplatte findet Johannes van Rossum keine Erwähnung, ebenso wenig dass ihr geschiedener Gemahl seit 1853 wieder verheiratet war. [2] Die Inschrift lautet:

Hier ruht in Gott
in der Erwartung einer fröhlichen Auferstehung
Wilhelmine Friederike
Luise Charlotte
Marianne
von Nassau Oranien, Prinzessin der Niederlande
geb. zu Berlin am 9. Mai 1810
vermählt im Haag am 14. Septbr. 1830 mit
Friedrich Heinrich
Albrecht
Prinz von Preußen
gest. zu Reinhartshausen bei Erbach

1902 wurde die Rheinaue vor dem Schloss Reinhartshausen zu ihren Ehren in „Mariannenaue“ umbenannt. Ihr 200. Geburtstag wurde in Schloss Reinhartshausen und von der evangelischen Kirchengemeinde zum Anlass für Festveranstaltungen genommen, in denen ihr Leben und Wirken gewürdigt wurde.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Volker Feuerstein: Das Schloss der verbannten Prinzessin. In: Fuldaer Zeitung. 13. September 2008, S. 26.
  • Gerhard Schiller: Marianne von Preußen, Prinzessin der Niederlande. Erinnerungen an das Leben der selbstbewussten Prinzessin in Berlin, Kamenz, Weißwasser und dem Rheingau.1. Teil. In: "Schlesien heute", Nr. 5. (2010).
  • Gerhard Schiller: Marianne von Preußen, Prinzessin der Niederlande.Erinnerungen an das Leben der selbstbewussten Prinzessin in Berlin, Kamenz, Weißwasser und dem Rheingau. 2. Teil. In: "Schlesien heute", Nr. 9. (2010).
  • Renkhoff, Nassauische Biographie 2. Aufl., 1992, Nr. 3404.
  • Hartmut Heinemann: Prinzessin Marianne der Niederlande (1810-1883) und der Rheingau. Eine Frau zwischen Tradition und Emanzipation. In: Rheingau-Forum Bd. 11, 2002, Heft 2, S. 1-11.
  • Annette Dopatka, Marianne von Preußen. Prinzessin der Niederlande. Leben und Wirken einer selbstbewußten Frau, für die Schloss Rheinhartshausen im Rheingau zum Lebensmittelpunkt wurde. Oberursel 2003.
  • Hartmut Heinemann: Nassau-Oranien, Prinzessin der Niederlande, Marianne Prinzessin von, in: Hessische Biografie <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bio/id/2956> (Stand: 25. März 2010)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hartmut Heinemann: Nassau-Oranien, Prinzessin der Niederlande, Marianne Prinzessin von, in: Hessische Biografie. (Stand: 25. März 2010)
  2. Annette Dopatka: Marianne von Preußen, Prinzessin der Niederlande. Verlag Waldemar Kramer, 2003, ISBN 3-7829-0538-5.
  3. Schloss Reinhartshausen und evangelische Kirchengemeinde erinnern an Marianne von Preußen. In: Wiesbadener Kurier. 11. Mai 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marianne of the Netherlands – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien