Marie-Joseph Motier, Marquis de La Fayette

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La Fayette

Marie-Joseph-Paul-Yves-Roch-Gilbert du Motier, Marquis de La Fayette oder Lafayette (* 6. September 1757 in Chavaniac, Frankreich; † 20. Mai 1834 in Paris) war ein französischer General und Politiker. Der Aufklärer nahm auf der Seite der Kolonisten am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg teil und spielte eine wichtige Rolle in der Französischen Revolution.

Leben[Bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten]

La Fayette stammte aus einer Adelsfamilie in Chavaniac (Département Haute-Loire). Sein Vater war Michel Louis Christophe Roch Gilbert Paulette du Motier, Marquis de La Fayette (1732–1759), Oberst der Grenadiers de France, seine Mutter Marie Louise Jolie de La Rivière (1737–1770). Sein Vater starb in der Schlacht bei Minden (Siebenjähriger Krieg), nach dem Tod der Mutter 1770 wurde er schon mit 13 Jahren Vollwaise, hatte aber in der Folge wegen des großen Vermögens seiner Familie keine materiellen Einschränkungen und konnte seinen Neigungen nachgehen.

Im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg[Bearbeiten]

Von 1771 bis 1776 diente er in der französischen Armee, doch bald quittierte er den Dienst wieder. Nach der Unabhängigkeitserklärung der britischen Kolonien ging La Fayette deshalb gegen den massiven Widerstand seiner Familie mit einer selbst angeworbenen Freiwilligentruppe 1777 nach Amerika, um dort für die amerikanische Unabhängigkeit und seine mit der Aufklärung verbundenen Ideale der Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit zu kämpfen. Am 13. Juni landete er mit der Fregatte Hermione nördlich von Charleston (South Carolina) und bot der Kontinentalarmee seine unbezahlten Dienste an. Durch einen Sonderbeschluss des Kongresses wurde er am 31. Juli zum Generalmajor der Kontinentalarmee ernannt. Als überzeugter Demokrat und aufgeklärter Verfechter des Freiheitsgedankens setzte sich La Fayette für die Demokratie, die Abschaffung der Sklaverei und die Menschenrechte, die Thomas Jefferson 1776 in Virginia verfasst hatte, ein. In dieser Zeit wurde er in Gegenwart von George Washington in eine militärische Freimaurerloge in Morristown aufgenommen.[1]

Das Freimaurerschwert von Marquis de La Fayette

Später wurde La Fayette in Frankreich Mitglied der Freimaurerloge „Contrat Social“. 1778 verbündeten sich Frankreich und die USA gegen Großbritannien, daraufhin erklärte Großbritannien Frankreich den Krieg. La Fayette kehrte 1779 für sechs Monate nach Frankreich zurück, um Militär- und Finanzmittel für die USA zu beschaffen. 1780 kehrte er an Bord der Hermione nach Amerika zurück und war führend am Virginia-Feldzug beteiligt. Dieser endete 1781 mit der Kapitulation der Briten bei Yorktown. Als er nach Frankreich zurückkehrte, bereitete ihm das Volk einen triumphalen Empfang und Ludwig XVI. nahm ihn in die Notabelnversammlung auf. Auch in den Vereinigten Staaten wurde La Fayette (geschrieben Lafayette) als großer Kriegsheld gefeiert. Mehrere Städte und Counties (Landkreise) sind nach ihm benannt, z.B. in Louisiana, Mississippi und Indiana.

Treffen zwischen Washington und Lafayette auf dem Landsitz Mount Vernon im Jahre 1784. (Louis Remy Mignot)

Der Katholik La Fayette hatte in den Vereinigten Staaten George Washington und andere Protestanten kennen und schätzen gelernt. Zurück in Frankreich, setzte er sich mit den reformierten Pfarrern Paul Rabaut und dessen Sohn Jean-Paul Rabaut Saint-Étienne in Verbindung. Durch La Fayettes Einfluss erließ Ludwig XVI. das Toleranzedikt von 1787,[2] das vor allem den Hugenotten zugutekam. Sie hatten 1724 und 1743 bis 1752 noch einmal furchtbare Verfolgungen erdulden müssen.[3]

Französische Revolution und die Zeit danach[Bearbeiten]

1791 Gilbert du Motier Marquis de Lafayette in der Uniform der Generalleutnant französische Schloss Versailles

La Fayette war das wichtigste Bindeglied zwischen der amerikanischen und der Französischen Revolution. Als begeisterter Anhänger der amerikanischen Verfassungsgrundsätze rief er alle Staaten auf, dem amerikanischen Beispiel zu folgen. In der Anfangsphase der Französischen Revolution war La Fayette einer der führenden Politiker. 1789 wurde er Mitglied der Generalstände und brachte nach amerikanischem Vorbild eine Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte in die neue Nationalversammlung ein. Am 11. Juli 1789 legte er den Entwurf einer Menschenrechtserklärung vor, welche er mit der Unterstützung von Thomas Jefferson, einem der Verfasser der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten und damals Botschafter in Paris, erarbeitet hatte.

Am 14. Juli 1789 wurde er Vizepräsident der Nationalversammlung. Nach dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 wurde er Kommandant der Nationalgarde und gründete den politisch gemäßigten Klub der Feuillants, die nach einer konstitutionellen Monarchie nach englischem Vorbild strebten. Während der Oktoberunruhen warf er zum Schutz der königlichen Familie die Republikaner unter Danton nieder. Am 14. Juli 1790, als das Föderationsfest auf dem Marsfeld gefeiert wurde, leistete La Fayette als erster den Bürgereid.

Denkmal zu Ehren La Fayettes vor dem Weißen Haus in Washington D.C., USA

La Fayette wurde mit dafür verantwortlich gemacht, dass der König am 20. Juni 1791 einen Fluchtversuch unternehmen konnte. Drei Tage nach dem 2. Jahrestag des Sturms auf die Bastille ließ er das Feuer auf eine aufgebrachte Menschenmenge eröffnen. Dieses Massaker auf dem Marsfeld mit dutzenden Toten kostete ihn einen großen Teil seiner Popularität. Am 1. Oktober legte er nach der Auflösung der Nationalversammlung die Führung der Nationalgarde nieder, worauf der König ihm das Kommando über eine der drei französischen Armeen gab.

1792 kommandierte La Fayette eine Armee im Krieg zwischen Frankreich und Österreich. Doch nachdem es am 10. August zum Tuileriensturm gekommen und der König in Kerkerhaft überführt worden war, protestierte La Fayette entschieden. Daraufhin wurde er von den Jakobinern öffentlich beschuldigt, er wolle sich ihren Zielen in den Weg stellen und die Truppen gegen sie wenden. Die Nationalversammlung erklärte ihn zum Verräter. La Fayette floh deshalb nach Flandern, wo er von den Österreichern gefangen genommen wurde. Von 1792 bis 1797 wurde er vorerst von den Preußen in ihrer Festung Wesel und Magdeburg und ab 1794 von Österreich in Olmütz, Mähren, interniert.

Das napoleonische Zeitalter[Bearbeiten]

Erst Napoleon Bonaparte erwirkte 1797 seine Freilassung. Als La Fayette nach Frankreich zurückkehrte, zog er sich auf sein Landgut Lagrange zurück und hielt sich vom öffentlichen Leben fern, da er die Politik Bonapartes ablehnte. Nach der Verbannung Napoleons engagierte er sich wieder in der Politik. 1815 sowie von 1818 bis 1824 und von 1825 bis zu seinem Tod war La Fayette Mitglied der Deputiertenkammer. Seit 1818 war er liberaler Abgeordneter. Während der Julirevolution von 1830 befehligte er erneut die Nationalgarde und unterstützte die Thronbesteigung des „Bürgerkönigs“ Ludwig Philipp. Sowohl in der nachnapoleonischen Restauration als auch nach der Julirevolution führte La Fayette die großbürgerliche Opposition.

La Fayette starb am 20. Mai 1834 im Alter von 76 Jahren in Paris und wurde auf dem Friedhof Cimetière de Picpus bestattet. Seine Ehefrau Adrienne de La Fayette (1759–1807), die sein wechselhaftes Leben begleitete und mitgestaltete, starb vor ihm.

Adrienne de La Fayette (1759–1807)

Ehrungen[Bearbeiten]

Sein Name ist am Triumphbogen in Paris in der 3. Spalte eingetragen.

Marquis de La Fayette in der Uniform der Continental Army

Für seine Verdienste im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg ernannte der Staat Maryland den Marquis de La Fayette (und alle seine männlichen Nachfahren für alle Zeiten) am 28. Dezember 1784 zum Staatsbürger, was ihn in der Folge nach der Verabschiedung der Verfassung der Vereinigten Staaten auch zum US-Bürger machte. Außerdem erhielt er die Ehrenbürgerschaft von Connecticut, Massachusetts und Virginia. Am 6. August 2002 ernannte ihn der Kongress überdies zum Ehrenbürger der Vereinigten Staaten von Amerika.

Bemerkenswertes[Bearbeiten]

In den USA tragen Städte (Lafayette, Fayette oder Fayetteville), Counties (Fayette County, Lafayette County), Townships (Fayette Township, Lafayette Township), Bistümer (Bistum Lafayette, Bistum Lafayette in Indiana), die Lafayette-U-Boot-Klasse, der Fayette Historic State Park, der Mount Lafayette und der Lake Lafayette u.v.m. ihm zu Ehren seinen Namen.

Im Plenarsaal des Repräsentantenhauses in Washington, D.C. ist La Fayette auf einem der zwei dort ausgehängten Porträts dargestellt (das andere zeigt George Washington). Er soll zudem den Brauch, Freiheitsbäume aufzustellen, aus Amerika nach Frankreich mitgebracht haben.

Die United States Navy hat das U-Boot USS Lafayette (SSBN-616) nach dem Marquis benannt, das das Typschiff der Lafayette-Klasse ist. Die französische Marine hat die Fregatte F-710, das Typschiff der La-Fayette-Klasse, nach ihm benannt.

Er war Mitglied der Pariser Freimaurerloge Les Neuf Sœurs [4].

Zitate[Bearbeiten]

  • „Der Ursprung jeder Souveränität liegt bei der Nation. Keine Körperschaft, kein einzelner kann eine Autorität ausüben, welche nicht ausdrücklich von ihr übertragen worden ist.“
  • „Auflehnung ist das heiligste aller Rechte und die notwendigste aller Pflichten.“

Literatur[Bearbeiten]

  • La Fayette: The letters of Lafayette to Washington. 1777–1799 (= Memoirs of the American Philosophical Society. Vol. 115, ISSN 0065-9738). 2nd printing. Edited and revised by Louis Gottschalk and Shirley A. Bill. American Philosophical Society, Philadelphia PA 1976.
  • Peter Buckman: Lafayette. A biography. Paddington Press, New York NY u. a. 1977, ISBN 0-448-22060-1.
  • René de La Croix de Castries: LaFayette. Tallandier, Paris 1981, ISBN 2-235-01081-4.
  • Jacques Debû-Bridel: La Fayette. Une vie au service de la liberté. del Duca, Paris 1957.
  • Alfons Galette: General Lafayette in Wittmoldt. Ein Leben für die Freiheit. Sönksen, Plön 1989, ISBN 3-927875-21-X.
  • Edmond Charles Clinton Genet: An American for Lafayette. The diaries of E. C. C. Genet. Lafayette Escadrille. Edited by Walt Brown with an introduction by Dale L. Walker. University Press of Virginia, Charlottesville VA 1981.
  • Louis Gottschalk (Hrsg.): Lafayette. A guide to the letters, documents, and manuscripts in the United States. Cornell University Press, Ithaca NY 1975, ISBN 0-8014-0953-5.
  • Louis Gottschalk: Lafayette comes to America. Chicago University Press, Chicago IL 1935 (2nd impression, with corrections. ebenda 1965).
  • Stuart W. Jackson (Hrsg.): LaFayette. A bibliography (= Burt Franklin bibliography and reference Series. Vol. 196). Franklin, New York NY 1968.
  • Marian Klamkin: The return of Lafayette, 1824–1825. Scribner, New York NY 1975.
  • Andreas Latzko: Lafayette. Rascher, Zürich u. a. 1935.
  • Sylvia Neely: Lafayette and the Liberal ideal 1814–1824. Politics and conspiracy in an age of reaction. Southern Illinois University Press, Carbondale IL u. a. 1991, ISBN 0-8093-1733-8.
  • Paul S. Spalding: Lafayette. Prisoner of State.' Columbia, University of South Carolina Press 2010.
  • Étienne Taillemite: LaFayette. Fayard, Paris 1989, ISBN 2-213-02340-9.
  • Harlow Giles Unger: Lafayette. Wiley, Hoboken NJ 2002, ISBN 0-471-39432-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marie-Joseph Paul Yves Roch Gilbert du Motier – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurerlexikon, Überarbeitete und erweiterte Neuauflage der Ausgabe von 1932, München 2003, 951 S., ISBN 3-7766-2161-3
  2. R. Voeltzel: Frankreich. Kirchengeschichte. Die Religion in Geschichte und Gegenwart, 3. Aufl., Band II, Spalte 1039
  3. Karl Heussi: Kompendium der Kirchengeschichte, 11. Aufl., Tübingen (1957), S. 428
  4. Alexander Giese: Die Freimaurer. Eine Einführung. 2., unveränderte Auflage. Böhlau, Wien u. a. 1997, ISBN 3-205-98598-2.