Mettlach

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum deutschen Kirchenmusiker, Organist und Chorleiter siehe Dietmar Mettlach
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Mettlach
Mettlach
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Mettlach hervorgehoben
49.4938888888896.6175Koordinaten: 49° 30′ N, 6° 36′ O
Basisdaten
Bundesland: Saarland
Landkreis: Merzig-Wadern
Höhe: 175 m ü. NHN
Fläche: 78,08 km²
Einwohner: 12.124 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 155 Einwohner je km²
Postleitzahl: 66693
Vorwahlen: 06864, 06865 (Weiten, Orscholz), 06868 (Nohn, Tünsdorf)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: MZG
Gemeindeschlüssel: 10 0 42 114
Gemeindegliederung: 10 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Freiherr-vom-Stein-Str. 64
66693 Mettlach
Webpräsenz: www.mettlach.de
Bürgermeister: Carsten Wiemann (SPD)
Lage der Gemeinde Mettlach im Landkreis Merzig-Wadern
Luxemburg Perl (Mosel) Mettlach Losheim am See Merzig Beckingen Frankreich Weiskirchen Wadern Rheinland-Pfalz Landkreis Saarlouis Regionalverband Saarbrücken Landkreis Neunkirchen Landkreis St. WendelKarte
Über dieses Bild

Mettlach (moselfränkisch Mettlich[2]) ist eine Gemeinde im Landkreis Merzig-Wadern (Saarland) mit 10 Ortsteilen. Zum Ursprung des Namens gibt es verschiedene Erklärungen. Nach vorherrschender Meinung geht er auf das romano-keltische *Metallacum zurück, das wiederum vom römischen Personennamen Metilius abgeleitet ist.[3] Teilweise wird hierin eine gelehrte Umdeutung des lateinischen Medius Lacus (wörtlich: Zwischen-See) gesehen, was früher die gängige Deutung war.[4]

Saarschleife

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Mettlach liegt an der Saarschleife und erstreckt sich nach Westen bis zum Saargau. Im Norden reicht die Gemeinde bis an die rheinland-pfälzische Grenze. Die Kreisstadt Merzig liegt nur 8 km entfernt, bis zur Landeshauptstadt Saarbrücken sind es 50 km. Die Stadt Luxemburg ist 40 km entfernt, ebenso wie Trier. Nach Metz sind es 70 km.

Fast die Hälfte der Gemeindefläche (49,8 %) ist von Wald bedeckt, 41,2 % der Fläche wird landwirtschaftlich genutzt, nur 9 % ist Siedlungsfläche. Der niedrigste Punkt liegt in Saarhölzbach bei 154 m ü. NN, der höchstgelegener Punkt ist der Judenkopf in Saarhölzbach bei rund 500 m ü. NN. Die höchste Erhebung, die ganz auf dem Gemeindegebiet liegt, ist Weiten, Langensteinchen mit 451 m ü. NN.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Lithographie aus dem Jahre 1863 mit Alter Abtei sowie Altem Turm (Quelle: Urkundliche Geschichte des Kreises Merzig von Constantin von Briesen)

Die Ortsteile und deren Einwohner (Stand 13. Dezember 2012):[5]

Ortschaft Einwohner Fläche
Bethingen 236 1,77 km²
Dreisbach 173 1,52 km²
Faha 361 8,06 km²
Mettlach 3.108 9,54 km²
Nohn 713 5,99 km²
Orscholz 3.602 10,74 km²
Saarhölzbach 1.639 13,12 km²
Tünsdorf 880 5,37 km²
Wehingen 473 5,05 km²
Weiten 1.158 16,94 km²
Insgesamt 12.343 78,08 km²

Geschichte[Bearbeiten]

Um 676 gründete der fränkische Herzog Lutwinus, der spätere Bischof von Trier, eine Abtei an der Stelle des heutigen Ortsteils Mettlach. Um 990 baute Abt Lioffin eine Marienkirche als Grabkirche des Gründers. Diese Kirche in Form eines Oktogons (nach dem Vorbild des Aachener Doms) ist heute als der Alte Turm bekannt und stellt das älteste Bauwerk des Saarlandes dar.
siehe auch Burg Saarstein

Die heutigen Abteigebäude stammen aus dem 18. Jahrhundert und wurden 1801 von Jean-François Boch im Zuge der Säkularisation übernommen. Sie beherbergen bis heute den Hauptsitz der Firma Villeroy & Boch. Am 13. August 1921 wurden die Gebäude durch einen Großbrand schwer beschädigt (siehe auch Abbildungen in der Galerie unten).[6]

Die erste Brücke, die Mettlach mit Keuchingen verband, wurde im Dezember 1886 fertiggestellt. Sie wurde von Villeroy & Boch finanziert und war zunächst mautpflichtig. Als die Brücke in den 1930er Jahren dem erhöhten Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen war, wurde sie durch einen Neubau ersetzt. Diese am 15. November 1936 eingeweihte Brücke wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Erst am 24. Dezember 1951 konnte die neue Hängebrücke durch Ministerpräsident Johannes Hoffmann dem Verkehr übergeben werden.[7]

Am 1. Oktober 1936 erfolgte die Wiedervereinigung der seit dem 1. Juli 1778 getrennten Orte Mettlach und Keuchingen.[6] Am 1. Januar 1974 wurde im Zuge der saarländischen Verwaltungs- und Gebietsreform aus den bis dahin selbständigen zehn Gemeinden Bethingen, Dreisbach, Faha, Mettlach, Nohn, Orscholz, Saarhölzbach, Tünsdorf, Wehingen und Weiten die neue Gemeinde Mettlach gebildet.[8]

Durch die Neubelebung der Lutwinuswallfahrt (alljährlich in der Woche vor Pfingsten) ist Mettlach seit 2003 wieder Wallfahrtsort.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Seit der Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 setzt sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:


Parteien 2009
Anteil Sitze
CDU 37,8 % 13
SPD 34,8 % 12
FDP 6,9 % 2
AUF 3,1 % 1
Linke 6,8 % 2
FBM 8,5 % 3

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • seit 2011: Carsten Wiemann, SPD.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 9. Februar 1976 durch das Innenministerium genehmigt.

Blasonierung: „In Blau drei (2:1) silberne Rosen mit rotem Samen und roten Kelchblättern.“

Ortsteil Mettlach[Bearbeiten]

Der Ortsteil Mettlach hat 3108 Einwohner (Stand: Dezember 2012) und eine Fläche von 9,54 km². Er liegt zwischen 159 und 388 m über NN. Mettlach liegt am Ausgang der Saarschleife auf beiden Seiten der Saar.

Verwaltung Villeroy & Boch

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Seit den 1980er Jahren gewinnt der Fremdenverkehr in Mettlach an Bedeutung; die Beherbergungskapazität der Gemeinde liegt bei 1400 Betten.

Verkehr[Bearbeiten]

Schleusung eines Frachtschiffes (Schubverband) mit Kohlenladung

Mettlach liegt an der Saarstrecke SaarbrückenTrier. An den Bahnhöfen Mettlach und Saarhölzbach hält stündlich die Regionalbahn Homburg–Saarbrücken–Trier der DB Regio AG.
Mettlach ist mit der Saar an das europäische Wasserstraßennetz angebunden. Am westlichen Stadtrand befindet sich eine moderne Großschleuse unter anderem für Frachtschiffe, die in erster Linie die saarländischen Stahlstandorte mit Kohle beliefern.

Ortsansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Mettlach ist der Hauptsitz der Keramikfirma Villeroy & Boch sowie der deutsche Sitz der Firma Lands' End, die in Mettlach ein Ladengeschäft (Outlet Store) betreibt.

Freizeit[Bearbeiten]

Mettlach liegt an den Wanderwegen Saarland-Rundwanderweg und Saar-Hunsrück-Steig. Auch eine Teilstrecke des Hunsrück-Höhensteigs (Orscholz-Mettlach-Saarhölzbach) führt durch Mettlach.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Lutwinuskirche
Bischof Liutwin

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Mettlach

Sonstiges[Bearbeiten]

Am 5. Dezember 2006 fand in Mettlach ein Treffen des Weimarer Dreiecks statt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

In Mettlach geboren[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die mit der Gemeinde verbunden sind[Bearbeiten]

  • Jean-François Boch (1782–1858), entwickelte einen völlig neuen Industriezweig mit der Herstellung der später so genannten Mettlacher Platten (Bodenfliesen).
  • Heinrich Wilhelm Breidenfeld (1794–1875), Orgelbauer, baute 1844 die Orgel in Mettlach
  • Eugen von Boch (1809–1898), Unternehmer, Bürgermeister von Mettlach
  • Karl August von Cohausen (1812–1894), Architekt, Kunsthistoriker, Altertumswissenschaftler, Archäologe; baute die Mettlacher Kirche
  • Franz Georg Himpler (1833–1916) war ein deutscher Architekt der die Mettlacher St. Joseph Kapelle erbaute
  • Anna Boch (1848–1936), Impressionistische Malerin aus Belgien, verbrachte viele Ferien in Mettlach [9]
  • Eugène Boch (1855–1941), Impressionistischer Maler, Freund von Vincent van Gogh, arbeitete in der Mettlacher Malschule
  • Wilhelm Gattinger (1861–1927), Landschaftsmaler
  • György Lehoczky (1901–1979), Architekt und Kirchenfenstermaler, arbeitete unter anderem an der Pfarrkirche St. Marien in Mettlach-Orscholz
  • Matt Lamb (1932–2012), irisch-amerikanischer Maler und Friedensaktivist; eines seiner Ateliers errichtete er 1994 im Mettlacher Ortsteil Tünsdorf
  • Therese Zenz (* 1932), Kanutin, wohnt in Mettlach
  • Benjamin Becker (* 1981), Tennisspieler

Galerien[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Constantin von Briesen: Urkundliche Geschichte des Kreises Merzig-Wadern. Franz Stein, Saarlouis 1863.
  • Gemeindeverwaltung Mettlach (Hrsg.): 1300 Jahre Mettlach. Merziger Druckerei und Verlags GmbH, Merzig 1976.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Saarland.de – Fläche und Bevölkerung – Stand: 31.12.2013 (Basis Zensus 2011) (PDF; 0,03 MB) (Hilfe dazu)
  2.  Karl Conrath: Die Volkssprache der unteren Saar und der Obermosel – ein moselfränkisches Wörterbuch. In: Beiträge zur deutschen Philologie. Bd. 41, Wilhelm Schmitz Verlag, Gießen 1977, S. 155 (Unveränderter Nachdruck M. Regler, Merzig/Saar 1996).
  3. Venema: Zum Stand der zweiten Lautverschiebung im Rheinland. 1997, S. 372, online auf books.google.de, abgerufen am 3. August 2010.
  4. von Briesen: Urkundliche Geschichte des Kreises Merzig-Wadern. 1863, S. 75.
  5. Ortsteile der Gemeinde Mettlach
  6. a b 1300 Jahre Mettlach. 1976, S. 20.
  7. 1300 Jahre Mettlach. 1976, S. 19–22.
  8.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 804.
  9. Alte Abtei gezeichnet von Anna Boch in 1866
  10. Gemeinde Mettlach: Der Erdgeist. 3. September 2008, abgerufen am 11. November 2010 (PDF; 214 kB). (PDF; 210 KB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mettlach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien