Mohammed Omar

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Dieser Artikel behandelt den Taliban-Anführer Mohammed Omar. Zu anderen Personen siehe Mohammad Omar.

Mohammed Omar (‏ملا محمد عمر‎, bekannt als Mullah Omar; * um 1959 in Nodeh[1][2]) ist Anführer der Taliban in Afghanistan und war von 1996 bis 2001 de facto Staatschef des Islamischen Emirats Afghanistan.

Leben[Bearbeiten]

Omar wurde als Sohn armer ghilzai-paschtunischer Bauern in einem Dorf in der Umgebung von Kandahar geboren. Nach dem Tod seines Vaters ging Omar Ende 1979 in das kleine Dorf Sanghissar, um sich dort als Dorfmullah zu verdingen.[3]

Sowjetische Invasion Afghanistans[Bearbeiten]

Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan kämpfte Omar von 1989 bis 1992 in der Bewegung Hizb-i Islāmī unter Kommandant Nek Mohammed gegen die Regierung Mohammed Nadschibullāhs.[1] Er wurde viermal verwundet und verlor sein rechtes Auge durch ein Schrapnell.[4]

Aufstieg zum Führer der Taliban[Bearbeiten]

Im Sommer 1994 soll Omar mit 33 Gleichgesinnten eine Bewegung gegründet haben, die im September 1996 mit der Einnahme Kabuls die militärische Herrschaft über Afghanistan erreichte.[3] Als auslösendes Moment wird in verschiedenen Quellen die Entführung und Vergewaltigung zweier Mädchen durch einen Mujaheddin-Kommandanten genannt, zu deren Befreiung sich die Männer unter der Führung von Mullah Omar zusammenschlossen. Nach der Rettung der Mädchen wurde der Kommandant an einem Panzerrohr gehängt.[5] Mit diesen fundamentalistischen Milizen, die sich aus den Koranschulen und aus den Flüchtlingslagern entlang der pakistanischen Grenze rekrutierten und sich Taliban nannten, begann er die Regierung, die verfeindeten Mudschahidin und Kriegsherren zu bekämpfen. Obwohl die archaischen Ziele und brutalen Methoden der Taliban nicht uneingeschränkt populär waren, erhielten sie vor allem Unterstützung aus den ärmsten sozialen Schichten der paschtunischen Bevölkerung.

Eine Versammlung von 1.600 afghanischen Geistlichen verlieh ihm 1996 den Titel (‏أمير المؤمنين‎, Amir al-Mu'minin, „Führer der Gläubigen“).[3] Damit war Omar Oberhaupt des Islamischen Emirats Afghanistan. Internationale Proteste löste er mit seinem Befehl im März 2001 zur Zerstörung der Buddhastatuen von Bamiyan aus.

Im Oktober 1998 fand sein erstes Treffen mit einem Diplomaten der Vereinten Nationen, Lakhdar Brahimi, statt. Er wurde bis zum Alter von 39 Jahren nicht fotografiert.[1] Omar lebte und arbeitete zurückgezogen in seiner Regierungsvilla in Kandahar, auch nachdem die Taliban die afghanische Hauptstadt Kabul erobert hatten. Er traf sich nur selten mit Nicht-Muslimen, und es gibt nur sehr wenige Fotos von ihm.

Omar hat drei Ehefrauen. Die erste und dritte stammen aus Urozgan und seine zweite Frau Guljana aus Singesar, die er 1995 minderjährig heiratete. Er hat ferner fünf Kinder.[1]

Sturz der Taliban[Bearbeiten]

Die nach dem 11. September 2001 von den USA geforderte Auslieferung Osama bin Ladens lehnte Omar in einem Telefoninterview als „unislamisch“ ab.[6] Seit dem Sturz der Taliban ist Omar auf der Flucht. Auf seine Ergreifung setzte die US-Regierung ein Kopfgeld in Höhe von 10 Millionen Dollar aus.[7] Er soll sich zu dieser Zeit in Kandahar unter dem Schutz eines lokalen Stammesführers befunden haben.[8]

Am 25. Juli 2005 meldete sich Omar angeblich mittels einer Tonbandbotschaft und rief dazu auf, die Angriffe auf ausländische Truppen in Afghanistan zu intensivieren. Er verlangte ferner, bei den Aktionen möglichst die afghanische Zivilbevölkerung nicht in Mitleidenschaft zu ziehen. Die Echtheit des Tonbandes konnte allerdings nicht bestätigt werden.

Am 22. Oktober 2006 forderte Omar die in Afghanistan stationierten NATO-Truppen auf, das Land zu verlassen, und kündigte Anschläge gegen die Truppen an. Sein Aufenthaltsort galt zu diesem Zeitpunkt als unbekannt. Im Januar 2007 behauptete der ehemalige Pressesprecher der Taliban, Muhammad Hanif, dass Mullah Omar von Pakistan aus operiere und sich dort mit Hilfe des pakistanischen Geheimdienstes versteckt halte.[9]

Der saudische König Abdullah soll, um den afghanischen Versöhnungsprozess zu forcieren, Mullah Omar politisches Asyl angeboten haben.[10]

Für das Jahr 2009 kündigte Mullah Omar „eine Explosion der Gewalt in Afghanistan“ an. Sein Aufenthaltsort wurde damals in der pakistanischen Stadt Quetta vermutet.[11] Im Herbst 2009 soll er mit Unterstützung des pakistanischen Geheimdienstes ISI nach Karatschi geflohen sein.[12]

Mitte November 2010 wandte sich Omar in einer mehrsprachigen Botschaft an mehrere Medien. Darin forderte er Muslime weltweit zu Spenden auf. Zusätzlich lehnte er ein Angebot der afghanischen Regierung über 35.000 Stellen für seine Kämpfer bei den Gesprächen zwischen den Taliban und der Karzai-Regierung ab.[13] [14]

Omar könnte sich nach Medienberichten im Mai 2011 angeblich in Quetta, Pakistan aufhalten.[15]

Er ist der Anführer der Quetta Shura.

Belege[Bearbeiten]

  1. a b c d Ahmed Rashid, Taliban, Verlag C.H. Beck 2010, Seite 47 ff.
  2. Mohammad Omar im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  3. a b c der Freitag: Der Mann ohne Gesicht, 29. Januar 1999
  4. FAZ: Afghanistan wählt - Die wichtigsten Akteure
  5. Matinuddin, Kamal, The Taliban Phenomenon, Afghanistan 1994-1997, Oxford University Press, (1999)
  6. The Guardian: Mullah Omar - in his own words, 26. September 2001
  7. Wanted Mullah Omar Up to $10 Million Reward
  8. Spiegel Online: Mullah Omar angeblich unter dem Schutz von Stammeskriegern in Kandahar, 8. Dezember 2001
  9. BBC News: Mullah Omar 'hiding in Pakistan', 17. Januar 2007
  10. Spiegel Online:Saudi-Arabien bietet Taliban-Führer Omar Asyl an, 28. November 2008
  11. Spiegel Online: Taliban-Führer droht mit Explosion der Gewalt, 8. Dezember 2008
  12. The Times of India:ISI helped Taliban supremo Mullah Omar flee from Quetta to Karachi, 20. November 2009
  13. Telepolis:Mullah Omar setzt weiter auf Zermürbungskrieg
  14. Mulla Umar refused 35,000 govt jobs for Taliban fighters
  15. Mullah Omar nach Bin Laden das nächste Ziel? Abgerufen am 18. Mai 2011.

Weblinks[Bearbeiten]