Montanuniversität Leoben

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Montanuniversität Leoben
Logo
Gründung 4. November 1840
Trägerschaft staatlich
Ort Leoben, Österreich
Rektor Wilfried Eichlseder
Studenten 3049 (SS 2012)[1]
Website www.unileoben.ac.at
Staatsprüfungs-Zeugnis für das Bergwesen nach dem k. und k. Bergakademie zu Leoben
Disciplinarordnung für die Hörer, 1895

Die Montanuniversität Leoben (MU Leoben, Montanuni, MUL) ist Österreichs einzige Hochschule für Berg- und Hüttenwesen.

Zu ihren Besonderheiten zählen die interdisziplinär verwobenen Studienrichtungen und der starke innere Zusammenhalt, was auch eine Folge ihrer überschaubaren Größe und der alten Knappen-Traditionen ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Montanuniversität wurde am 4. November 1840 von Erzherzog Johann in Vordernberg als „Steiermärkisch-Ständische Montanlehranstalt“ gegründet. Einer der ersten Lehrenden und erster Direktor war der Bergbaufachmann Peter Tunner. Diesem gelang es, die staatliche Übernahme der Schule und die Verlegung in die nahe Bezirksstadt Leoben durchzusetzen, wo der Betrieb am 1. November 1849 aufgenommen wurde.

1904 erfolgte mit kaiserlicher Entschließung die Umbenennung in „Montanistische Hochschule“ und die Verleihung des Promotionsrechts - womit sie den technischen Hochschulen gleichgestellt war. 1934 erfolgte ein organisatorischer Zusammenschluss mit der Technischen Hochschule in Graz, welcher jedoch einen Einbruch bei den Studienzahlen zur Folge hatte. Er wurde daher 1937 wieder aufgehoben.[2] Ab 1955 wurden die traditionellen Studienrichtungen Bergwesen und Hüttenwesen durch weitere Fachgebiete ergänzt. 1975 erfolgte auf Basis des Universitätsorganisationsgesetzes die Umbenennung in „Montanuniversität Leoben(MUL)“.

Das heute noch in Verwendung stehende neobarocke „alte Gebäude“ der MUL wurde am 22. Oktober 1910, unter anderem im Beisein des k.k. Ministers für öffentliche Arbeiten, August Ritt (1852–1934), in Betrieb genommen.[3] Die Zubauten aus der jüngeren Zeit stammen aus dem Jahr 1970 und wurden am 4. November 2009 nach 15 Monaten der Umbau- und Renovierungsarbeiten feierlich eröffnet.[4] Besonders durch die in den letzten Jahren stark gestiegene Anzahl an Erstsemestrigen, bestand der dringende Bedarf nach vergrößerten Hörsälen. Dabei bekam auch das Universitätssportzentrum eigene Räumlichkeiten.

Mit 3015 ordentlichen Hörern verzeichnet die MUL mit Ende der Inskriptionsfrist für das Studienjahr 2010/2011 einen historischen Höchststand an Studierenden.

Die Forschung in Leoben orientiert sich an der Wertschöpfungskette von den Rohstoffen über Grund- und Werkstoffe bis zum fertigen Bauteil bzw. System. Die Kernbereiche Mining, Metallurgy und Materials werden ergänzt durch Querschnittsbereiche wie die naturwissenschaftlichen Grundlagenfächer, die Umwelttechnik sowie die Betriebs- und Wirtschaftswissenschaften. Dabei werden enge Kooperationen mit Industriepartnern gepflegt.

Einige Beispiele:[5]

  • Im Kernbereich Mining (Rohstoffgewinnung und –aufbereitung) arbeiten Leobener Bergbau-Ingenieure im großen EU-Projekt TUNCONSTRUCT (41 Partner aus elf Ländern) mit, um den europäischen Tunnelbau und die Instandhaltung effizienter und sparsamer zu gestalten. Schwerpunkt der Leobener Wissenschafter ist die Untersuchung unterschiedlicher Vortriebsmethoden auf die Stabilität des Hohlraumes.
  • Wissenschaftler aus dem Kernbereich Metallurgie entwickelten eine neue Apparatur zur Temperaturmessung von Schlacken, mit der der Reinheitsgrad von hochwertigem Stahl, der in der Luftfahrtindustrie zur Anwendung kommt, verbessert werden konnte. Dies ermöglicht im Elektroschlacke-Umschmelzprozess eine Verringerung des Energieverbrauchs bei gleichzeitiger Steigerung der Produktivität.
  • Leobener Werkstoffwissenschafter erforschen die Grundlagen für neuartige dünne Hartstoffschichten für Werkzeuge, die selbstständig härter werden, schmierend wirken und selbst ausheilen können. Auf diese Weise sollen Schichten entwickelt werden, die Werkzeuge beinahe so hart werden lassen wie Diamanten.
  • Umwelttechniker entwickelten ein Verfahren, um schwermetallhaltigen Rückstand aus der Rauchgasentschwefelung von Raffineriebetrieben als Stickstoffreduktionsmittel bei der Zementherstellung verwenden zu können. Damit ergab sich eine Kooperation zwischen zwei Industriezweigen, die beiden ökologischen und ökonomischen Nutzen bringt.

In all ihren Forschungsaktivitäten bemüht sich die Montanuniversität Leoben, den weltweiten Kontakt zur Scientific Community zu pflegen und auszubauen. Dies wird auch durch die beiden an der MUL angesiedelten Kompetenzzentren Materials Center Leoben und Polymer Competence Center Leoben, an denen sie beteiligt ist, verstärkt.[6]

Im Juni 2007 hat die MUL ihre Corporate Identity gewechselt. Das oben eingeblendete Logo ist nun nur mehr das Siegel und das TripleM Logo wurde gegen das neue MU Logo ersetzt.

Studien[Bearbeiten]

Campusleben in Leoben

Viele der angebotenen Studienrichtungen, seit dem Wintersemester 2003/04 großteils auf das Bachelor- und Master-System umgestellt, können in Österreich nur in Leoben belegt werden. Nur die Studienrichtung „Angewandte Geowissenschaften“ gibt es unter unterschiedlichen Bezeichnungen auch in Graz (NAWI Graz), Wien, Innsbruck und Salzburg. Eine weitere Ausnahme bildet die Studienrichtung „Kunststofftechnik“, die seit dem Wintersemester 2009/10 auch an der Johannes Kepler Universität Linz angeboten wird. Die Studien sind generell in drei Abschnitte geteilt (4 + 3 + 3 Semester). Das erste Studienjahr ist – als Eingangsphase zur Orientierung – für alle gleich, sodass man mit Ende des ersten Jahres problemlos und ohne „Zeitverlust“ die Studienrichtung wechseln kann. Dieses erste Jahr, in dem naturwissenschaftliche und technische Grundlagen vermittelt werden, unterscheidet das Studium in Leoben von dem an anderen österreichischen Universitäten. Im ersten Studienabschnitt (4 Semester) werden die Grundlagenfächer vertieft. Der zweite Abschnitt (3 Semester) gilt der Grundlagenausbildung in der jeweiligen Studienrichtung. Seit dem Wintersemester 2011/12 sind alle Studienrichtungen auf das Bachelor-System umgestellt, sie bieten nach dem 7. Semester den „Bachelor (ehemals Bakkalaureat)“-Abschluss an. Dies entspricht nicht § 54 Absatz 3 des UG 2002, dem zufolge der Bachelor 6 Semester (bzw. 180 CP) dauert, und stellt eine Ausnahme in Österreich dar. Im dritten Abschnitt (3 Semester), dem Masterstudium, erfolgt die wissenschaftliche Vertiefung mit der abschließenden Durchführung der Diplomarbeit (Abschluss „Diplomingenieur“). Im Anschluss daran kann ein Doktoratsstudium (6 Semester) begonnen werden, das unabhängig von der Studienrichtung mit dem akademischen Grad Doctor rerum montanarum, abgekürzt Dr. mont., abschließt [1].

Derzeit werden folgende Bachelor-Studienrichtungen mit verschiedenen Wahlfachmöglichkeiten angeboten:


Bis auf Rohstoffingenieurwesen können all diese Studien in einem Masterstudium weitergeführt werden. Zusätzlich sind noch folgende Masterstudiengänge möglich:

  • Industrial Management and Business Administration
  • Rohstoffgewinnung und Tunnelbau
  • Rohstoffverarbeitung

Gliederung[Bearbeiten]

Logo der Montanuniversität Leoben
  • Department Allgemeine, Analytische und Physikalische Chemie
    • Lehrstuhl für Allgemeine und Analytische Chemie
    • Lehrstuhl für Physikalische Chemie
  • Institut für Elektrotechnik
  • Department Angewandte Geowissenschaften und Geophysik
    • Lehrstuhl für Geophysik
    • Lehrstuhl für Erdölgeologie
    • Lehrstuhl für Geologie und Lagerstättenlehre
    • Lehrstuhl für Prospektion und Angewandte Sedimentologie
    • Lehrstuhl für Rohstoffmineralogie
  • Department Kunststofftechnik
    • Lehrstuhl für Chemie der Kunststoffe
    • Lehrstuhl für Konstruieren in Kunst- und Verbundstoffen
    • Lehrstuhl für Kunststoffverarbeitung
    • Lehrstuhl für Spritzgießen von Kunststoffen
    • Lehrstuhl für Verarbeitung von Verbundwerkstoffen
    • Lehrstuhl für Werkstoffkunde und Prüfung der Kunststoffe
  • Department Materialphysik
    • Lehrstuhl für Atomistic Modelling and Design of Materials
    • Lehrstuhl für Funktionale Werkstoffe und Werkstoffsysteme
    • Lehrstuhl für Materialphysik
  • Department Mathematik und Informationstechnologie
    • Lehrstuhl für Angewandte Mathematik
    • Lehrstuhl für Computational Geometry
    • Lehrstuhl für Informationstechnologie
    • Lehrstuhl für Mathematik und Statistik
  • Institut für Mechanik
  • Department Metallkunde und Werkstoffprüfung
    • Lehrstuhl für Metallkunde und metallische Werkstoffe
    • Lehrstuhl für Metallographie
  • Department Metallurgie
    • Lehrstuhl für Gießereikunde
    • Lehrstuhl für Metallurgie
    • Lehrstuhl für Modellierung und Simulation metallurgischer Prozesse
    • Lehrstuhl für Nichteisenmetallurgie
    • Lehrstuhl für Thermoprozesstechnik
  • Department Mineral Resources and Petroleum Engineering
    • Lehrstuhl für Aufbereitung und Veredlung
    • Lehrstuhl für Bergbaukunde, Bergtechnik und Bergwirtschaft
    • Lehrstuhl für Subsurface Engineering
    • Lehrstuhl für Gesteinshüttenkunde
    • Lehrstuhl für Petroleum Production and Processing
    • Lehrstuhl für Reservoir Engineering
    • Lehrstuhl für Tiefbohrtechnik
  • Department für Umwelt- und Energieverfahrenstechnik
    • Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft
    • Lehrstuhl für Thermoprozesstechnik
    • Lehrstuhl für Verfahrenstechnik des industriellen Umweltschutzes
  • Institut für Physik
  • Department Product Engineering
    • Lehrstuhl für Allgemeinen Maschinenbau
    • Lehrstuhl für Automation
    • Lehrstuhl für Fördertechnik und Konstruktionslehre
    • Lehrstuhl für Umformtechnik
  • Institut für Struktur- und Funktionskeramik
  • Department Wirtschafts- und Betriebswissenschaften
    • Lehrstuhl für Industrielogistik
    • Lehrstuhl für Wirtschafts- und Betriebswissenschaften

Leitung[Bearbeiten]

Montanuniversität Leoben bei Nacht
  • Rektor der Montanuniversität: Wilfried Eichlseder
  • Vizerektorin für Finanzen und Controlling: Martha Mühlburger
  • Vizerektor für Infrastruktur und Internationale Beziehungen: Peter Moser
  • Vorsitzender der Universitätsrats: Waltraud Klasnic
  • Vorsitzender des Senats: Peter Kirschenhofer
  • Vorsitzender der Hochschülerschaft: Maximilian Wunderl (AktionsGemeinschaft)

Im März 2007 kam der Vizerektor Hubert Biedermann stark unter Beschuss, da nun auch der Öffentlichkeit bekannt wurde, dass er in seiner Habilitation einige Teile komplett aus dem Lehrbuch eines anderen Universitätsprofessors übernommen hatte. Er hat sich zwar in der Vergangenheit bei dem betroffenen Autor entschuldigt, jedoch wurde nun der gesamte Vorgang durch den Plagiatsjäger Stefan Weber erneut aufgedeckt und auch öffentlich gemacht.[9]

Die Universität weist die Vorwürfe zurück, Biedermann soll auch weiterhin als Vizerektor für die Universität tätig sein.[10][11]

Aktuelle Daten[Bearbeiten]

Im Wintersemester 2004 fanden 356 Erstzulassungen an der Montanuniversität statt.

  • Anfängerstatistik WS 05/06 (Quelle)
  • Anfängerstatistik WS 06/07 (Quelle)
  • Anfängerstatistik WS 07/08 (Quelle)
  • Anfängerstatistik WS 08/09 (Quelle)
  • Anfängerstatistik WS 09/10 (Quelle)
  • Anfängerstatistik WS 10/11 (Quelle)
  • Anfängerstatistik WS 11/12 (Quelle)

Siehe auch[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Tunner (Red.): Die steiermärkisch-ständische montanistische Lehranstalt zu Vordernberg, ihr inneres Streben und Wirken und die derselben zugewandten Unterstützungen von außen. Ein Jahrbuch für den innerösterreichischen Berg- und Hüttenmann. I. Jahrgang 1841. Andreas Leykam’sche Erben, Grätz (Graz) 1842, ZDB-ID 512263-6. – Volltext online.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Montanuniversität Leoben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatZulassungsstatistik. Abgerufen am 13. Oktober 2012.
  2. Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark, Band 134, Seite 13, Graz 2005 (PDF; 367 kB)
  3. Die Eröffnung der montanistischen Hochschule in Leoben. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, Nr. 16583/1910, 22. Oktober 1910, S. 4 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  4. http://www.unileoben.ac.at/content/view/2193/897/lang,de/
  5. Jahresberichte als pdf-Download
  6. Montanuniversität Leoben, Jahresbericht 2009, S. 16f
  7. a b Universitäten Hochschulen - Studium & Beruf. 2008, S. 558.
  8. http://www.unileoben.ac.at/content/view/1909/1980/lang,de/
  9. ORF Steiermark:Plagiatsvorwurf gegen Leobener Vizerektor Onlinequelle, abgerufen am 11. April 2007
  10. Der Standard Der Standard:Plagiate: Montan-Uni will an Vizerektor festhalten Onlinequelle, abgerufen am 29. Mai 2007
  11. Montanuniversität Leoben: Stellungnahme zu den Plagiatsvorwürfen von Stefan Weber

47.38555555555615.093055555556Koordinaten: 47° 23′ 8″ N, 15° 5′ 35″ O