Medizinische Universität Wien

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Medizinische Universität Wien
Logo
Gründung 2004
Trägerschaft staatlich
Ort Wien, Österreich
Rektor Wolfgang Schütz
Studenten 7500 (2011)
Mitarbeiter 5000, davon 1800 wissenschaftliche Mitarbeiter
Website www.meduniwien.ac.at

Die Medizinische Universität Wien (kurz MedUni Wien) ist eine der größten medizinischen Lehranstalten und Forschungseinrichtungen im deutschen Sprachraum.

Geschichte[Bearbeiten]

Fakultät der Universität Wien[Bearbeiten]

Medizinische Universität in der Währinger Straße
Medizinische Universität Wien – Bauteil 87

Als Bestandteil der 1365 gegründeten Alma Mater Rudolphina war die medizinische Fakultät bereits im Mittelalter eine weithin anerkannte Instanz in Fragen des Gesundheitswesens. Ab dem Jahre 1399 sind Fakultätsakten erhalten, die belegen, dass sie bei Streitigkeiten zwischen Badern, Hebammen und Grundherren als Schlichtungsstelle angerufen wurde.

Zu Zeiten der Regierung Maria Theresias erlangte die Wiener Medizin erstmals internationale Bedeutung. Die Habsburgerin berief den Holländer Gerard van Swieten nach Wien. Er legte den Grundstein zur „ersten Wiener Medizinischen Schule“. Kapazitäten wie Anton de Haen, Maximilian Stoll, Johann Lorenz Gasser, Anton von Störck oder der Entdecker der Perkussion, Leopold Auenbrugger, lehrten und forschten nun in Wien. Auf der Grundlage von bereits weit zurückreichenden Traditionen wurde das heute so bezeichnete Bedside-Teaching in dieser Zeit zur paradigmatischen Methode in der Ausbildung.

Das 1784 eröffnete Allgemeine Krankenhaus der Stadt Wien wurde für die Mediziner zu einer neuen Wirkungsstätte, die sich mehr und mehr zum wichtigsten Forschungszentrum entwickelte. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstand durch Ärzte wie Carl von Rokitansky, Josef Skoda, Ferdinand von Hebra oder auch Ignaz Philipp Semmelweis die zweite Wiener Medizinische Schule. Die Grundlagenwissenschaft in der Medizin wurde ausgebaut und die Spezialisierung vorangetrieben: Die ersten Haut-, Augen- und Hals-Nasen-Ohren-Kliniken der Welt wurden in Wien gegründet.

Anfang des 20. Jahrhunderts zählte die Medizin in Wien zur internationalen Spitzenklasse. Clemens von Pirquet definierte die Begriffe der Allergie und der Serumkrankheit, Ernst Peter Pick führte bedeutende Versuche zur chemischen Spezifität der immunologischen Reaktionen durch. Alle vier Nobelpreise, die in den nächsten Jahrzehnten an (ehemalige) Wiener Mediziner vergeben wurden – Robert Bárány (1914), Julius Wagner-Jauregg (1927), Karl Landsteiner (1930), Otto Loewi (1936) – fußten auf grundlegenden Arbeiten aus dieser Zeit. Als letztes erreichte noch die Wiener Schule der Zahnmedizin (gegründet von Bernhard Gottlieb) in den 1920er Jahren ihren Höhepunkt.

Diese Tradition strahlte noch in die Erste Republik aus. Die American Medical Association of Vienna wurde gegründet, und gut besuchte postpromotionelle Kurse für Ärzte aus aller Welt wurden noch bis in die 1930er Jahre organisiert.

Erste bekannte Mediziner wie Landsteiner verließen Wien bereits nach dem Ersten Weltkrieg, der größte personelle Aderlass erfolgte jedoch rund um den Zweiten Weltkrieg. Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland 1938 wurden politische Gegner und jüdische Lehrende, Ärzte und Studierende entlassen, vertrieben oder deportiert. Nach dem Krieg wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. 1949 wurden rund 75 Prozent der medizinischen Hochschullehrer an der Universität Wien wegen nationalsozialistischer Belastung entlassen.

Von der Fakultät zur Universität[Bearbeiten]

Das Universitätsgesetz 2002, das mit 1. Jänner 2004 voll wirksam wurde, schuf die Medizinische Universität Wien als eigenständige Universität und Rechtsnachfolgerin der bis dahin bestehenden Medizinischen Fakultät der Universität Wien.

Schwerpunkte[Bearbeiten]

Die Universität setzt mit Forschung, Lehre und Patientenbetreuung auf drei Standbeine.

Forschung[Bearbeiten]

Die Forschung konzentriert sich hauptsächlich auf folgende Bereiche:

  • Allergologie/Immunologie/Infektiologie
  • Krebsforschung/ Onkologie
  • Neurowissenschaften
  • Vaskuläre Medizin
  • Imaging

Dazu kommen fünf klinische Forschungsprogramme:

  • Grundlagenforschung/Diagnose/Bildunterstützung
  • Organversagen/Organersatz/Transplantationen
  • Intensivmedizin (neudeutsch auch Critical Care genannt)
  • Stoffwechsel- und Ernährungsmedizin
  • Muskuloskeletale Erkrankungen

Die molekularbiologische Forschung wird schwerpunktmäßig an den Max F. Perutz Laboratories, einer gemeinsamen Gesellschaft mit der Universität Wien, gebündelt.

Fachübergreifend wird die Beschäftigung mit geschlechtsspezifischen Aspekten der Medizin in allen Forschungsbereichen wie auch im Lehrangebot intensiviert.

Lehre[Bearbeiten]

Studiengänge[Bearbeiten]

Folgende Studien werden angeboten:

(N090) Doktoratsstudium der Medizinischen Wissenschaft (Doctor scientiae medicae)[Bearbeiten]

Das Doktoratsstudium der Medizinischen Wissenschaft dauert vier Semester und strebt eine Weiterentwicklung der Fähigkeiten zum selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten an. Bedingung zur Zulassung ist der Abschluss eines medizinischen Studiums (Humanmedizin, Zahnmedizin, Medizin) oder eines facheinschlägigen Studiums (Biologie, Chemie, Ernährungswissenschaften, Molekularbiologie, Pharmazie, Physik, Psychologie, Sportwissenschaften) auf Magisterstufe (Diplom- oder Magistertitel), in dem Fall in Verbindung mit dem Ablegen eines medizinischen Propädeutikums. Das Studium ist abgeschlossen, sobald die Dissertation approbiert und das Rigorosum erfolgreich absolviert wurden. Das Doktoratsstudium der medizinischen Wissenschaft N090 ist ein Auslaufmodell. Ab dem Zulassungs-/Inskriptionszeitraum für das Wintersemester 2007/08 erlischt die Möglichkeit der Zulassung bzw. des Umstiegs von anderen Doktoratsstudien in das N090-Studium.[1]

(N094) Ph.D-Studium (Doctor philosophiae)[Bearbeiten]

Als Alternative zum Doktoratsstudium der Medizinischen Wissenschaft und für Interessierte aus verwandten wissenschaftlichen/akademischen Ausbildungsgruppen wird das sechs Semester dauernde Ph.D.-Studium angeboten, welches auf höherem Niveau ähnliche Kenntnisse mit internationalen Aspekten und ausschließlich in englischer Sprache abgehaltenen Kursen vermittelt. Ph.D.-Programme an der Medizinischen Universität Wien (Stand Sommersemester 2011)[2]:

  • Offene Programme
    • Molecular Signal Transduction
    • Molecular Mechanisms of Cell Biology
    • Medical Physics
    • Neuroscience
    • Malignant Diseases
    • Endocrinology and Metabolism
    • Vascular Biology
    • Immunology
    • Medical Informatics, Biostatistics & Complex Systems
  • „Self Contained“ Programme (mit persönlichem Anmeldungsprozess)
    • Inflammation and Immunity (IAI)
    • Cell Communication in Health and Disease (CCHD)
    • Molecular Mechanisms of Cell Signaling
    • Structure and Interaction of Biological Macromolecules
    • RNA-Biology

(N201) Doktoratsstudium Medizin[Bearbeiten]

Das Doktoratsstudium der Medizin ist der Studiengang zur Ausbildung zum Doktor bzw. zur Doktorin der gesamten Heilkunde nach altem Studienplan und kann nur noch beendet, jedoch nicht mehr neu angefangen werden. Es dauert 12 Semester, davon umfassen das I. Rigorosum vier, das II. Rigorosum drei und das III. Rigorosum fünf Semester. Ziemlich einzigartig ist, dass für die Erlangung des Doktortitels eine Dissertation nicht notwendig ist. Sie kann wahlweise durch Wahlfächer im Ausmaß von wenigen Stunden ersetzt werden.[3]

(N202) Diplomstudium Humanmedizin[Bearbeiten]

Das Diplomstudium Humanmedizin an der MedUni Wien dauert 12 Semester und hat ein Gesamtstundenausmaß von 277,6 akademischen Semesterwochenstunden (aSWS) – 262,6 aSWS Pflichtfächer, davon 42,7 aSWS für die klinisch-praktische Ausbildung und 17,1 aSWS für Wahlpflichtfächer, sowie 15 aSWS freie Wahlfächer. Das Studium ist in drei Abschnitte aufgeteilt:

  • Der erste Abschnitt ist gleichzeitig auch die Studieneingangsphase und dauert 2 Semester. Inhalt sind allgemeine Anatomie, Sozialmedizin, Biochemie, Molekulare Zellbiologie, Genetik und Physiologie. Der Jahresstoff wird im Rahmen der SIP (Summative integrierte Prüfung) 1 abgeprüft. Das Bestehen der SIP 1 ermöglicht den Wechsel in den 2. Studienabschnitt. Aufgrund des Überschusses an Studierenden aus Zeiten vor Einführung des Eignungstests für das Medizinstudium (EMS) kam es relativ bald nach Einführung des neuen Curriculums zu einer Warteliste zwischen 1. und 2. Abschnitt. Dem wurde durch mehrmalige Platzerhöhungen, zuletzt plus 180 Plätze für das Wintersemester 08/09, versucht entgegenzusteuern. Mit Beginn des Wintersemesters 09/10 konnte die Warteliste wieder abgebaut werden.
  • Im zweiten Abschnitt, der 6 Semester dauert, werden sämtliche Organfachrichtungen in einzelnen Blöcken abgehandelt. Nach jedem 2. Semester findet erneut eine SIP statt. Die Diplomarbeit wird in diesem Abschnitt begonnen. Um in den 3. Studienabschnitt zu wechseln sind alle 3 SIPs (SIP 2, 3, 4) positiv zu absolvieren.
  • Der dritte Studienabschnitt umfasst Praxis in den wichtigsten klinischen Fächern. Auch hier ist wieder jährlich eine SIP abzulegen.
  • Neben der Diplomarbeit gibt es noch 3 Diplomprüfungen, die jeweils mit den Abschlussprüfungen des 1., 2. und 3. Abschnittes, also SIP 1, 4 und 6, gleichzusetzen sind.[4]

(N203) Diplomstudium Zahnmedizin[Bearbeiten]

Das Diplomstudium Zahnmedizin an der MedUni Wien dauert 12 Semester, die in drei Studienabschnitte zu zwei, vier bzw. sechs Semestern unterteilt sind, und hat ein Gesamtstundenausmaß von 218,1 aSWS. Die ersten vier Semester entsprechen, bis auf ein zahnmedizinisches Propädeutikum, dem Studium der Humanmedizin (N202) – der Unterricht wird daher auch für Angehörige beider Studienrichtungen gemeinsam abgehalten. Im dritten Abschnitt ist ein Praktikum im Umfang von 72 Wochen zu absolvieren und eine Diplomarbeit zu verfassen.[5]

(N300) Master of Public Health[Bearbeiten]

Mit dem Wintersemester 2005 wird zum ersten Mal von der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien gemeinsam der Universitätslehrgang Master of Public Health angeboten. Der Lehrgang ist ein berufsbegleitendes, postgraduales Studium, das vier Semester dauert und die Studenten im Bereich der integrativen Prävention und Lebensstilmedizin ausbildet, sodass sie Führungspositionen im öffentlichen Gesundheitswesen einnehmen können.

(N790) Doktoratsstudium der angewandten medizinischen Wissenschaft[Bearbeiten]

Das Doktoratsstudium der angewandten medizinischen Wissenschaft (N790) wurde als Ersatz von N090 eingeführt und dauert ebenso wie das PhD-Studium (N094) sechs Semester. Strukturell ist es an dieses angelehnt, hat jedoch einige wesentliche Unterschiede. Es schließt nicht mit dem PhD ab, sondern mit einem Dr.scient.med., wobei für Absolventen des Diplomstudiums Humanmedizin (N202) der vorhandene Titel „Dr.med.univ.“ nur durch den Zusatz „et scient.med.“ ergänzt wird. Außerdem muss die wissenschaftliche Arbeit unter N790 nicht in einem peer-reviewed journal veröffentlicht werden, ebenso ist es nicht verpflichtend vom eingereichten Projekt bezahlt zu werden. Dies ermöglicht es, im Gegensatz zu N094, N790 neben einer Facharztausbildung zu absolvieren.[6]

(N936) Masterstudium Medizinische Informatik[Bearbeiten]

Nach dem Abschluss eines Bachelorsstudiums in (medizinischer) Informatik an einer beliebigen Universität besteht die Möglichkeit, an der MedUni Wien einen Master in Medizinischer Informatik zu erwerben. Gegliedert ist diese Studienrichtung in 4 Semester, am Ende ist eine Masterarbeit anzufertigen. Nach positiver Absolvierung aller Lehrveranstaltungen und der positiven Beurteilung der Masterarbeit wird der akademische Titel „Diplom-Ingenieur“ (Dipl-Ing) verliehen.

Patientenversorgung / Prävention[Bearbeiten]

Gemeinsam mit dem Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien (AKH Wien) bildet die Medizinische Universität Wien das größte medizinische Versorgungszentrum Österreichs. 31 Universitätskliniken und die angeschlossenen Ambulanzen stehen der Bevölkerung 24 Stunden am Tag zur Verfügung:

  • 31 Universitätskliniken und Klinische Institute
  • 12 medizinisch-theoretische Bereiche
  • 48.000 Operationen p.a.
  • 100.000 stationäre Behandlungen p.a.
  • 605.000 ambulante Behandlungen p.a

Gremien[Bearbeiten]

Universitätsleitung[Bearbeiten]

Die Universitätsleitung besteht seit dem 1. Oktober 2011 aus folgenden Personen:

Universitätsrat[Bearbeiten]

Der Universitätsrat der MedUni Wien besteht in seiner 3. Periode aus folgenden 5 Personen:

  • Erhard Busek (ehemaliger Vizekanzler und Wissenschaftsminister Österreichs)
  • Elisabeth Hagen (Direktorin des Wiener Instituts für internationale Wirtschaftsvergleiche)
  • Veronika Sexl (Professorin der Pharmakologie an der Medizinischen Universität Wien)
  • Robert Schwarcz (Neurowissenschaftler an der University of Maryland, Baltimore, USA)
  • Walter Dorner (Ehemaliger Präsident der Österreichischen und Wiener Ärztekammer )

Senat[Bearbeiten]

Der Senat der Medizinischen Universität Wien besteht aus 24 Personen. 13 Vertreter gehören zur Kurie der Universitätsprofessoren, 4 Vertreter zur Kurie der Universitätsdozenten und der wissenschaftlichen Mitarbeiter im Forschungs- und Lehrbetrieb, eine Mandatarin vertritt die allgemeinen Universitätsbediensteten und sechs Studierende vertreten die Studentenschaft. Vorsitzender des Senats ist der Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Prof. Arnold Pollak.

Universitätsvertretung[Bearbeiten]

Die Österreichische Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft (ÖH) Medizin Wien ist seit dem 1. Jänner 2004 durch die Autonomie der MedUni Wien von einer Fakultätsvertretung zur Universitätsvertretung aufgestiegen und vertritt sämtliche Studierendenangelegenheiten gegenüber der Universität und dem Wissenschaftministerium. Vorsitzender der Universitätsvertretung ist Christian Orasche.

Die Funktionäre der Universitätsvertretung werden alle 2 Jahre bei den ÖH-Wahlen neu gewählt. Bei den letzten Wahlen im Jahr 2011 konnte die Österreichische Medizinerunion (ÖMU), bundesweit Teil der AktionsGemeinschaft, ihre absolute Mehrheit halten und hält 7 der 9 UV-Mandate. Zwei Mandate hält der Verband Sozialistischer Studentinnen und Studenten Österreichs. Somit werden das Vorsitzteam und alle Referate der Universitätsvertretung von Mitgliedern der ÖMU besetzt. Die Wahlbeteiligung bei den ÖH-Wahlen 2011 an der MedUni Wien lag bei 48,5 %, was österreichweit die höchste Wahlbeteiligung an Universitäten darstellte.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Doktoratsstudium der Medizinischen Wissenschaft N090, aufgerufen am 2. November 2011
  2. Thematic Programs – N090, aufgerufen am 2. November 2011
  3. Doktoratsstudium Medizin N201, aufgerufen am 2. November 2011
  4. Diplomstudium Humanmedizin – Human Medicine (N202), aufgerufen am 2. November 2011
  5. Diplomstudium Zahnmedizin (N203) – Dentistry, aufgerufen am 2. November 2011
  6. Doctoral Program of Applied Medical Science N790, aufgerufen am 2. November 2011

48.2216.351388888889Koordinaten: 48° 13′ 12″ N, 16° 21′ 5″ O