Neckargerach

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Neckargerach
Neckargerach
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Neckargerach hervorgehoben
49.3994444444449.0719444444444137Koordinaten: 49° 24′ N, 9° 4′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Neckar-Odenwald-Kreis
Gemeindeverwal-
tungsverband:
Neckargerach-Waldbrunn
Höhe: 137 m ü. NHN
Fläche: 15,32 km²
Einwohner: 2280 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 149 Einwohner je km²
Postleitzahl: 69437
Vorwahl: 06263
Kfz-Kennzeichen: MOS, BCH
Gemeindeschlüssel: 08 2 25 064
Gemeindegliederung: 2 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 25
69437 Neckargerach
Webpräsenz: www.neckargerach.de
Bürgermeister: Norman Link (CDU)
Lage der Gemeinde Neckargerach im Neckar-Odenwald-Kreis
Hessen Bayern Hohenlohekreis Landkreis Heilbronn Main-Tauber-Kreis Rhein-Neckar-Kreis Rhein-Neckar-Kreis Adelsheim Aglasterhausen Billigheim Binau Buchen (Odenwald) Elztal (Odenwald) Fahrenbach Hardheim Haßmersheim Höpfingen Hüffenhardt Limbach (Baden) Mosbach Mudau Neckargerach Neckarzimmern Neunkirchen (Baden) Obrigheim (Baden) Osterburken Ravenstein Rosenberg (Baden) Schefflenz Schwarzach (Odenwald) Seckach Waldbrunn (Odenwald) Walldürn Zwingenberg (Baden)Karte
Über dieses Bild
Blick von der Minneburg über Neckargerach

Neckargerach ist eine Gemeinde im Neckar-Odenwald-Kreis in Baden-Württemberg.

Geografie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde ist ein staatlich anerkannter Erholungsort und liegt direkt am Neckar und an der Burgenstraße zwischen Heidelberg und Heilbronn. Das Gemeindegebiet liegt im Naturpark Neckartal-Odenwald zwischen 129 und 380 Meter Höhe.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Neckargerach gehört die ehemalige Gemeinde Guttenbach. Zur ehemaligen Gemeinde Guttenbach gehört das auf der linken Neckarseite liegende Dorf Guttenbach. Zur Gemeinde Neckargerach in den Grenzen vom 30. Dezember 1972 gehören das Dorf Neckargerach, der rund zwei Kilometer nördlich davon liegende Weiler Lauerskreuz und die Häuser Läufertsmühle und Staustufe.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Neckargerach wurde im Jahr 976 erstmals als Geraha erwähnt, was eine gebräuchliche Bezeichnung für ein sprudelndes Gewässer war, und gleichermaßen den Ort als auch das ihn durchfließende Gewässer bezeichnete. Der Ort hieß über die Jahrhunderte Gerach, bis um 1700 zur Abgrenzung von Orten selben Namens die Bezeichnung Neckargerach üblich wurde. Der Bach Gerach wurde 1676 in Seebach umbenannt. Der Ort war eine Siedlung von Fischern und Schiffern.

1939 wurden 1499 Einwohner gezählt.[3]
Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof: Im Zweiten Weltkrieg gab es in Neckargerach ein Außenkommando des KZ Neckarelz, in dem 900 KZ-Häftlinge Zwangsarbeit beim Stollenbau in Obrigheim und bei der Herstellung von Flugzeugmotoren bei den Daimler-Benz-Werken verrichten mussten. Ab 1944 war Neckargerach Standort für ein von der SS so genanntes "Krankenlager", aus dem im November 120 Kranke nach Vaihingen an der Enz verlegt wurden. Das Lager selbst wurde im März 1945 "evakuiert". Der „Todesmarsch“ bis Waldenburg und von dort aus mit Güterwaggons ins KZ Dachau kostete circa 600 Häftlinge das Leben. Die Nichtgehfähigen kamen mit einem Güterzugtransport im April 1945 bis nach Osterburken, wo sie größtenteils lebend befreit wurden.[4] Bei einem alliierten Luftangriff am 22. März 1945 auf den Bahndamm der Neckartalstrecke fielen hunderte von Bomben auf den kleinen Ort.[5] Über 200 Einwohner starben, auch einige wenige Soldaten (Wachen) und KZ-Häftlinge. Ende 1945 wurden 1305 Einwohner gezählt.[6]

Am 31. Dezember 1972 wurde Guttenbach eingemeindet.

Politik[Bearbeiten]

Der Gemeindeverwaltungsverband Neckargerach-Waldbrunn hat seinen Sitz in Neckargerach; zum Verband zählen außer Neckargerach die Gemeinden Binau, Waldbrunn und Zwingenberg.

Rathaus von Neckargerach

Gemeinderat[Bearbeiten]

Gemeinderat 2004
Partei Stimmen Sitze
CDU 49,6 % (-2,3) 7 (-1)
SPD 26,8 % (-1,8) 3 (-1)
FUB 23,6 % (+4,1) 3 (=)
Wahlbeteiligung: 65,5 %

Die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 brachte folgendes Ergebnis:[7]

Partei Stimmen +/- Sitze +/-
CDU/BL 44,2 % (-5,4) 5 (-2)
SPD 29,5 % (+2,7) 4 (+1)
FUB 26,3 % (+2,7) 3 (±0)

Die Wahlbeteiligung lag bei 64,0 % und war damit um 1,5 Prozentpunkte geringer als bei der Kommunalwahl 2004. Dem Gemeinderat gehören elf Männer und eine Frau an.

Oberhäupter der Gemeinde[Bearbeiten]

Schultheiße Neckargerach[Bearbeiten]

  • 1432  : Hensel Spieß
  • 1541  : Peter Schifferdecker
  • 1563  : Henrich Luzig
  • Vor 1606 : Peter Heckherich
  • 1628  : Melchior Seybolt
  • 1707  : Johann Barthel Marsch
  • 1716  : Primus Felzian Veith
  • 1721–1774: Johannes Bodenburg
  • 1782  : Andreas Rieb
  • 1803  : Georg Carl Herrmann

Ortsvögte Neckargerach[Bearbeiten]

  • 1814  : Jakob Müller
  • 1815  : Wendel Fath
  • 1816  : Jakob Müller
  • 1829  : Schifferdecker
  • 1830  : Gröhl

Bürgermeister Neckargerach[Bearbeiten]

  • 1832–1839: David Plitt
  • 1839–1844: Jakob Müller
  • 1844–1848: Kieser
  • 1848–1850: Anton Ulses
  • 1850–1852: Kieser
  • 1852–1864: Jakob Löffler, Schmiedemeister
  • 1864–1882: Peter Ulses
  • 1882–1888: Johannes Link
  • 1888–1915: Ludwig Hornung
  • 1915–1919: Johann Georg Steck, Metzger
  • 1919–1924: Heinrich Gramlich
  • 1924–1933: Carl Bödigheimer I
  • 1933–1935: Rudolf Bödigheimer
  • 1935–1937: Ludwig Menges
  • 1937–1945: Christian Seemann, Elektromeister
  • 1945–1965: Karl Wettmann, Landwirt
  • 1965–1974: Peter Kirchesch sen.
  • 1974–2006: Peter Kirchesch jun.
  • 2006-2010: Ralf Schnörr
  • ab 1. März 2010: Norman Link

Bürgermeister[Bearbeiten]

Seit März 2010 ist Norman Link Bürgermeister von Neckargerach. Er wurde am 21. Februar 2010 im zweiten Wahlgang bei einer Wahlbeteiligung von 73,8 Prozent mit 54,14 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen gewählt. [8]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen zeigt eine springende, mit roten Punkten besetzte silberne Bachforelle auf blauem Grund. - Der Fisch weist auf die geografische Lage Neckargerachs an Seebach und Neckar sowie auf die Bedeutung der Fischerei hin.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Blick über Neckargerach zur Minneburg
Pfarrhaus und kath. Kirche St. Afra
Der Waldsee bei Neckargerach
Der in Neckargerach fließende Seebach hieß früher wie der Ort nur „Gerach“
  • Die Ruine der im 16. Jahrhundert zu ihrem heutigen Umfang erweiterten und seit dem 17. Jahrhundert zerfallenen Minneburg steht hoch über Neckargerach auf der anderen Neckarseite auf der Gemarkung Neckarkatzenbach und ist durch die Rechte ihrer Besitzer eng mit der Geschichte des Ortsteils Guttenbach verbunden. Durch die dominierende Lage ist die Minneburg ein Wahrzeichen von Neckargerach.
  • Die katholische Kirche St. Afra befindet sich gemeinsam mit dem 1828 erneuerten Pfarrhaus auf einer Anhöhe im Ort. Die älteren Teile des Kirchengebäudes wurden 1848 anstelle einer älteren Kirche errichtet. 1970 wurde die Kirche um einen Erweiterungsbau und einen zweiten Turm erweitert.
  • Die Evangelische Kirche wurde von 1729 bis 1734 errichtet. Nach schweren Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude wiederhergestellt.
  • Das Rathaus wurde 1925 an der Stelle eines Vorgängerbauwerks von 1513 errichtet, 1965 und 1980 ausgebaut und 2003/04 umfassend saniert. Beim Rathaus ist ein Kriegerdenkmal aufgestellt. Unweit des Rathauses befindet sich in der Hauptstraße außerdem das durch eine Tafel am Gebäude ausgewiesene Geburtshaus der Mutter von Friedrich Ebert.
  • An der Stelle des ehemaligen Lagereingangs an der Straße Richtung Waldbrunn erinnert ein Gedenkstein an die KZ-Häftlinge des Außenlagers, die Opfer von Zwangsarbeit wurden.

Freizeit und Kultur[Bearbeiten]

  • Wanderwege führen u.a. durch die steile Margarethenschlucht, in der der Flursbach den Gickelberg durchschneidet und die bereits seit 1940 unter Naturschutz steht, sowie zum Waldsee außerhalb des Ortes und weiter zur Läufertsmühle.
  • Das Neckarufer bietet die Möglichkeiten für Angelsport, Wassersport und Campingaufenthalt und ist durch die Uferpromenade und den Neckartalradweg erschlossen. Am Ortsausgang in Richtung Zwingenberg wurde ein "Boulodrome" eingerichtet.
  • Das Heimatmuseum informiert über Handwerk, Landwirtschaft, Haushalt und Schiffstechnik

Radwanderwege[Bearbeiten]

Entlang des Neckars und durch das Stadtgebiet führen folgende Radwanderwege:

Verkehr[Bearbeiten]

Netzplan der S-Bahn RheinNeckar

Die Gemeinde liegt direkt an der Bundesstraße 37, eine Neckarbrücke führt in den Ortsteil Guttenbach. Neckargerach liegt an der Neckartalbahn HeidelbergBad Friedrichshall-Jagstfeld, die seit 2003 von der S-Bahn RheinNeckar halbstündlich bedient wird. Daneben gibt es Busverbindungen nach Mosbach/Eberbach.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Eugen Leibfried (* 16. April 1897 im Ortsteil Guttenbach, † 12. Oktober 1978 in Eberbach (Baden)), deutscher Politiker der CDU und ehemaliger Landwirtschaftsminister Baden-Württembergs.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 304–306
  3. Mitteilungen des Württ. und Bad. Statistischen Landesamtes Nr. 2: Ergebnisse der Einwohnerzählung am 31. Dezember 1945 in Nordbaden
  4. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd.I, Bonn 1995, S. 64, ISBN 3-89331-208-0
  5. Luftangriff am 22. März 1945, Zeitungsartikel von 2005
  6. Mitteilungen des Württ. und Bad. Statistischen Landesamtes Nr. 2: Ergebnisse der Einwohnerzählung am 31. Dezember 1945 in Nordbaden
  7. Wahlergebnis beim Statistischen Landesamt
  8. Rhein-Neckar-Zeitung, Mosbacher Nachrichten, vom 22. Februar 2010, Seite 3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neckargerach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien