Billigheim

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Dieser Artikel beschreibt die Gemeinde Billigheim im Odenwald.


Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Billigheim
Billigheim
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Billigheim hervorgehoben
49.3477777777789.2544444444444226Koordinaten: 49° 21′ N, 9° 15′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Neckar-Odenwald-Kreis
Höhe: 226 m ü. NHN
Fläche: 48,97 km²
Einwohner: 5845 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 119 Einwohner je km²
Postleitzahl: 74842
Vorwahl: 06265
Kfz-Kennzeichen: MOS, BCH
Gemeindeschlüssel: 08 2 25 009
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Sulzbacher Straße 9
74842 Billigheim
Webpräsenz: www.billigheim.de
Bürgermeister: Reinhold Berberich (Freie Wähler)
Lage der Gemeinde Billigheim im Neckar-Odenwald-Kreis
Hessen Bayern Hohenlohekreis Landkreis Heilbronn Main-Tauber-Kreis Rhein-Neckar-Kreis Rhein-Neckar-Kreis Adelsheim Aglasterhausen Billigheim Binau Buchen (Odenwald) Elztal (Odenwald) Fahrenbach Hardheim Haßmersheim Höpfingen Hüffenhardt Limbach (Baden) Mosbach Mudau Neckargerach Neckarzimmern Neunkirchen (Baden) Obrigheim (Baden) Osterburken Ravenstein Rosenberg (Baden) Schefflenz Schwarzach (Odenwald) Seckach Waldbrunn (Odenwald) Walldürn Zwingenberg (Baden)Karte
Über dieses Bild

Billigheim ist eine Gemeinde im baden-württembergischen Neckar-Odenwald-Kreis.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Billigheim liegt im Bauland am Rande des Odenwaldes ca. 12 km östlich von Mosbach. Die Muschelkalkböden werden von der Schefflenz entwässert.

Nachbargemeinden und -städte sind: Roigheim, Möckmühl, Neudenau und Gundelsheim im Landkreis Heilbronn, sowie Neckarzimmern, Mosbach, Elztal und Schefflenz im Neckar-Odenwald-Kreis.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Billigheim besteht aus fünf Ortsteilen: Allfeld, Billigheim, Katzental, Sulzbach und Waldmühlbach. Die Ortsteile sind räumlich identisch mit den früheren Gemeinden gleichen Namens, ihre offizielle Benennung erfolgt in der Form „Billigheim, Ortsteil …“. Die Ortsteile bilden zugleich Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung.[2]

Zum Ortsteil Allfeld gehören das Dorf Allfeld, die Höfe Eichhof, Gänslacherhof, Ober Bichelbacherhof (auch Beutelhof), Schopfenhof, Se(e)lbacherhof, Unter Bichelbacherhof (vgl. Ober Bichelbacherhof), das Gehöft Assulzer(Aüßer)hof und das Haus Untere Mühle (Sägmühle). Zum Ortsteil Billigheim gehören das Dorf Billigheim, der Weiler Schmelzenhof, der Ort „Stuhlseite, Mühle“ und die Häuser Ziegelhütte. Zu dem Ortsteil Sulzbach gehören die vier Talhöfe. Zu dem Ortsteil Katzental gehören die beiden Aussiedlerhöfe im Grund und der Röhrleinshof (Gätschenbergerhof). Zu dem Ortsteil Waldmühlbach gehört nur das gleichnamige Dorf.
Im Ortsteil Allfeld liegen die Wüstungen Selbach, Troppeneyhof und Marsel, dessen Lage nicht genau bekannt ist. Im Ortsteil Billigheim liegt die Wüstung Weilersberg, im Ortsteil Katzental die Wüstung Kröselingen und im Ortsteil Waldmühlbach liegen die Wüstungen Woluesloch und Inneres und mittleres Höflein.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Ungefähr im Jahre 1000 gründete Bischof Heinrich von Würzburg ein Benediktinerinnenkloster in Billigheim, wovon die erste Erwähnung des Ortes als „Closter Bullikhemb“ zeugt. Der vermutliche ältere Ort wurde wohl von einem fränkischen Regionalfürsten aus der Familie von Bulling gegründet. Im Jahr 1238 wurde das Kloster auf Wunsch der Nonnen in ein Zisterzienserinnenkloster umgewandelt und erlebte noch im 13. Jahrhundert seine Blüte, während der es bis zu seiner Auflösung auch die Ortsherrschaft innehatte.

1361 wurden Dorf und Kloster kurmainzisch und wurde von der Kellerei Allfeld verwaltet. 1462 wurde Billigheim vom Pfalzgrafen Ludwig von Zweibrücken belagert und angegriffen. Unter Kommando von Hans von Gemmingen konnte der Ort aber erfolgreich verteidigt und die Angreifer geschlagen werden. Durch Bauernkrieg und Reformation im 16. Jahrhundert wurde das Kloster geschwächt und 1584 schließlich von Erzbischof Wolfgang von Dalberg aufgehoben. Der Keller von Allfeld war zugleich Hofmeister zu Billigheim. Um 1700 wurde der Sitz der Kellerei von Allfeld nach Billigheim verlegt.

Durch den Reichsdeputationshauptschluss fiel die Kellerei Billigheim 1803 als Grafschaft Leiningen-Billigheim an die Familie Leiningen. Die Grafen errichteten 1803 im Ort ein Schloss, das im Jahre 1902 durch ein Feuer vernichtet wurde.

Seit der Gründung des Rheinbunds 1806 gehört Billigheim zum Großherzogtum Baden. Es gehörte zum Amt Mosbach und ab 1936 zum Landkreis Mosbach.

Die heutige Gemeinde Billigheim entstand am 1. Januar 1974 durch Vereinigung der Gemeinden Allfeld, Billigheim, Katzental und Waldmühlbach. Die Gemeinde Sulzbach wurde am 1. Februar 1974 eingemeindet. Da bei der Kreisreform 1973 der Landkreis Mosbach aufgelöst wurde, fiel die Gemeinde an den Neckar-Odenwald-Kreis.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Ortsteil Gemeinde
1871 3830 [4]
1880 3937 [4]
1890 3570 [4]
1894 880 [5]
1900 3606 [4]
1910 3724 [4]
1925 3622 [4]
1933 881 [6] 3620 [4]
1939 824 [7] 3380 [4]
1945 969 [7]
1950 4817 [4]
1956 4495 [4]
1961 4617 [4]
1970 5292 [4]
1987 5309 [4]
2000 5853 [4]
2007 1772 [8] 5881 [4]

Religionen[Bearbeiten]

Billigheim und seine Ortsteile sind aufgrund der historischen Zugehörigkeit zu Kurmainz und zum Deutschen Orden vorwiegend römisch-katholisch geprägt. Es gibt jedoch auch eine evangelische Gemeinde in dem Ort.

Denkmal für die ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger

Seit dem Dreißigjährigen Krieg gab es in Billigheim eine jüdische Gemeinde. 1804 wurde eine Synagoge in der Schefflenztalstraße erbaut und von 1835 bis 1876 gab es eine jüdische Elementarschule. 1842 lebten 140 Juden in Billigheim. Diese Zahl verringerte sich in der Folgezeit. 1933 lebten noch 30 jüdische Bürger im Ort. Die letzten zehn verbliebenen jüdischen Gemeindemitglieder wurden am 22. Oktober 1940 ins Internierungslager Gurs deportiert. Mindestens sieben von ihnen starben dort oder in Auschwitz. Die Synagoge wurde 1990 abgerissen. Das Türgewand der Synagoge blieb erhalten und ist heute eine Gedenkstätte.[9][10]

Politik[Bearbeiten]

Rathaus von Billigheim

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat setzt sich nach der Wahl 2014 wie folgt zusammen:

Partei Stimmen
CDU 50,8 %
FW 27,7 %
SPD 21,5 %

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Bürgermeister wird in direkter Wahl für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt.

1974–1982 Hermann Rieth
1982–2000 Ronald Schwammel
seit 2001 Reinhold Berberich

Im zweiten Wahlgang am 1. Februar 2009 wurde Reinhold Berberich mit 43,59 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen für eine zweite Amtszeit bestätigt.

Wappen[Bearbeiten]

In geteiltem Schild oben in Blau schräggekreuzt ein goldener (gelber) Krummstab und ein goldenes (gelbes) Patriarchenhochkreuz mit Kleeblattenden, beide umschlungen von einem silbernen (weißen) Tuch, unten in Silber (Weiß) ein achtspeichiges Rad. Das Wappen erinnert mit Krummstab und Kreuz an das ehemalige Frauenkloster in Billigheim und mit dem Rad an die mainzische Ortsherrschaft vor 1803 (Mainzer Rad).

Wappen der fünf Ortsteile[Bearbeiten]

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Von 1908 bis 1965 schloss die private Schefflenztalbahn Billigheim ausgehend von Oberschefflenz an das Eisenbahnnetz an.

Grund- und Hauptschule Billigheim

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

In der Gemeinde Billigheim gibt es neben einer Grund- und Hauptschule im Ortsteil Billigheim, wobei die Kinder der Klassen 1 und 2 aus Billigheim, Katzental und Waldmühlbach in der Grundschule in Waldmühlbach untergebracht sind, auch je eine Grundschule in Allfeld und in Sulzbach. Außerdem gibt es fünf Kindergärten in der Gemeinde.

Ansicht der Sonderabfalldeponie von Osten (Dez. 2011)

Sonderabfalldeponie[Bearbeiten]

1984 eröffnete das Land Baden-Württemberg in Billigheim als Ersatz für die geschlossene Deponie in Malsch die „Sonderabfalldeponie Billigheim“ für andienungspflichtige Sonderabfälle. Eigentümer der Deponie ist die landeseigene Sonderabfall-Deponiegesellschaft Baden-Württemberg mbH (SAD). 2000 wurde die HIM mit der Betriebsführung beauftragt.

Die Kapazität der Deponie beträgt insgesamt rund 930.000 m³, wovon im Dezember 2006 rund 580.000 m³ verfüllt waren. Die geschätzte Restlaufzeit beträgt noch rund 15–25 Jahre.[11]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Pfarrkirche St. Michael

In der Ortsmitte von Billigheim befindet sich die katholische Pfarrkirche St. Michael, die im 12. Jahrhundert als Klosterkirche des Klosters Billigheim erbaut wurde. Nach Aufhebung des Klosters 1584 wurden die restlichen Klostergebäude abgerissen. 1971–1975 wurde die Kirche renoviert und durch einen Erweiterungsbau und einen freistehenden Turm zu ihrer heutigen Gestalt vergrößert. Der eichenhölzerne Dachstuhl des Langhauses aus dem 12. Jahrhundert gilt als große Kostbarkeit.

Bei der Pfarrkirche St. Michael befindet sich die Remise, ein Wirtschaftsgebäude, das 1625 aus den Steinen des abgebrochenen Konventsgebäudes des Klosters errichtet wurde und seit den 1970er Jahren Kindergarten ist. Die Remise trägt das Wappen von Erzbischof Johann Schweikhard von Kronberg.

Das alte Schul- und Rathaus mit dem markanten Glockentürmchen wurde 1838 errichtet. Im Ort befinden sich zahlreiche weitere historische Anwesen und Bildstöcke. Die evangelische Kirche ist eine ehemalige, später erweiterte Notkirche von 1964.

Am Arcoplatz ist die Apsis der ehemaligen gotischen Pfarrkirche zu sehen. An dieser Stelle wurde bereits im 9. oder 10. Jahrhundert eine hölzerne Kapelle errichtet, die dem Erzengel Michael geweiht war. Hier befand sich auch der Friedhof des Ortes. Die Kapelle wurde im 11./12. Jahrhundert durch einen Brand zerstört. Im 13. Jahrhundert wurde als Nachfolgebau die gotische Pfarrkirche St. Michael gebaut. Diese diente bis zur Aufhebung des Klosters als Pfarrkirche. Seither wurde die Klosterkirche als Pfarrkirche genutzt und der alte Bau diente zunächst noch als Friedhofskapelle. Den Namen erhielt dieser Platz von den Grafen von Leiningen-Billigheim zur Erinnerung an Gräfin Gabriele von Leiningen, geb. von Arco.

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Eine Gedenktafel an der Friedhofshalle sowie das Türgewand der ehemaligen Synagoge in der Schefflenztalstraße erinnern an die Deportation der jüdischen Frauen und Männer des Ortes, von denen mindestens sieben durch den NS-Terror ums Leben kamen.[9]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hauptsatzung der Gemeinde Billigheim vom 13. Februar 2007 (PDF-Datei; 36 kB)
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 319–322
  4. a b c d e f g h i j k l m n o Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
  5. Neumanns Orts-Lexikon des Deutschen Reichs
  6. http://www.verwaltungsgeschichte.de/mosbach.html
  7. a b Mitteilungen des Württ. und Bad. Statistischen Landesamtes Nr. 2: Ergebnisse der Einwohnerzählung am 31. Dezember 1945 in Nordbaden
  8. http://www.billigheim.de
  9. a b Tafel an der Gedenkstätte
  10.  Shmuel Spector, Geoffrey Wigoder, Elie Wiesel: The Encyclopedia of Jewish Life Before and During the Holocaust. NYU Press, 2001, ISBN 0814793762.
  11. Quellen zur Sonderabfalldeponie:
    Beschreibung auf der Website der HIM
    Website der SAD Sonderabfall-Deponiegesellschaft Baden-Württemberg
     Peter Reinhardt: Die Geschichte eines Irrtums. In: Heilbronner Stimme. 18. Juli 2009 (bei stimme.de).
    (alle abgerufen am 29. Dezember 2011)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Billigheim – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien