Nehren (Württemberg)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Nehren
Nehren (Württemberg)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Nehren hervorgehoben
48.43129.069516427Koordinaten: 48° 26′ N, 9° 4′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Tübingen
Gemeindeverwal-
tungsverband:
Steinlach-Wiesaz
Höhe: 427 m ü. NHN
Fläche: 8,58 km²
Einwohner: 4159 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 485 Einwohner je km²
Postleitzahl: 72147
Vorwahl: 07473
Kfz-Kennzeichen:
Gemeindeschlüssel: 08 4 16 026
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 32
72147 Nehren
Webpräsenz: www.nehren.de
Bürgermeister: Egon Betz (parteilos)
Lage der Gemeinde Nehren im Landkreis Tübingen
Landkreis Böblingen Landkreis Calw Landkreis Esslingen Landkreis Freudenstadt Landkreis Reutlingen Landkreis Rottweil Zollernalbkreis Ammerbuch Bodelshausen Dettenhausen Dußlingen Gomaringen Hirrlingen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Mössingen Nehren (Württemberg) Neustetten Ofterdingen Rottenburg am Neckar Rottenburg am Neckar Rottenburg am Neckar Starzach TübingenKarte
Über dieses Bild

Nehren ist eine Gemeinde im Landkreis Tübingen, etwa zehn Kilometer südlich von Tübingen.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Nehren liegt am Südrand des Landkreises Tübingen, in dem als Steinlachtal bezeichneten Teil des Mittleren Albvorlandes, am Fuß des Firstberges. Nehren wird vom kleinen Flüsschen (Ob-)Wiesbach umrundet, das im Kirschenfeld entspringt und in die Steinlach mündet.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Gemeinde Nehren, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören zum Landkreis Tübingen:

Gomaringen, Mössingen, Ofterdingen und Dußlingen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Nehren gehören das Dorf Nehren und das Gehöft Nehrener Mühle.

In Nehren aufgegangen ist die 1092 als Huchelingen erwähnte Ortschaft Hauchlingen.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Nehren 1683

Die erste urkundliche Erwähnung Nehrens schwankt zwischen Angaben des Jahres 1086, 1092 (sowohl als Nehren wie auch als Hauchlingen)[3] und 1150[4] urkundlich erwähnt. Siedlung und Gemarkung entstanden in der heutigen Form im 15./16. Jahrhundert, als die aneinander grenzenden Orte Nehren und Hauchlingen zusammengelegt wurden; beide waren schon einige Jahre zuvor „kirchlich vereinigt“ worden.

„Bei der Kappel“ wurden im 18. Jahrhundert Reihengräber aufgedeckt. Nordöstlich über der Eisenbahnlinie Tübingen–Hechingen bildet ein Gelände aus der Hallstattzeit (etwa 8. bis 5. Jahrhundert v. Chr.) mit etwa 30 Grabhügeln eines der größten Gräberfelder im Landkreis Tübingen.

Nehren besaß früher auch eine mittelalterliche Burg, die Burg Nehren.

Nehren litt wegen seiner Lage in der Nähe der durch das Steinlachtal führenden Schweizer Straße (heute Bundesstraße 27) in Kriegszeiten ganz erheblich unter dem Durchzug von Truppen wechselnder Herren. Während des Dreißigjährigen Krieges plünderten die Soldaten des Grafen von Fürstenberg im gesamten Steinlachtal, 1634 nach der Schlacht bei Nördlingen waren es die „Kaiserlichen“. Nach dem Krieg wurden in Nehren 72 zerstörte Häuser und Scheunen gezählt.

Anschauliche Einblicke in die Geschichte des Ortes und seiner Familien gibt eine Dorfchronik, die als bedeutendes Dokument der Spätaufklärung gilt. Verfasst hat sie 1838 der Pfarrer Friedrich August Köhler (1768–1844), der fast zehn Jahre als Vikar seines Vaters hier tätig war.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 18211 18341 18431 18491 18551 18611 18711 19001 19501 19701 1980 1990 20002 20072 20082 20092
Einwohner 1218 1213 1395 1267 1146 1180 1183 1169 1615 2523 2718 3371 3627 4200 4234 4271
1 nach Der Landkreis Tübingen. Amtliche Kreisbeschreibung, 1972[5]
2 Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Politik[Bearbeiten]

Nehren ist, zusammen mit Dußlingen und Gomaringen, Mitglied im Gemeindeverwaltungsverband "Steinlach-Wiesaz" mit Sitz in Gomaringen. In der Umgebung ist Nehren wegen der hohen Anzahl von SPD-Wählern auch als „rote Hochburg“ bekannt. Doch bei der Landtagswahl 2006 waren erstmals seit langer Zeit die Christdemokraten stärker als die Sozialdemokraten.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Bei der Gemeinderatswahl am 7. Juni 2009 ergab sich folgende Sitzverteilung:

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Bürgermeister wird für eine Amtszeit von 8 Jahren gewählt. Seit dem 11. April 2011 ist Egon Betz der Nachfolger von Werner Landenberger. Betz wurde am 30. Januar 2011 bei einer Wahlbeteiligung von 45 % mit 98,2 % der Stimmen gewählt.[6] Dieser arbeitete zuvor schon als Pressesprecher des Landratsamtes Tübingen.[7][8]

  • Franz Fecht (1949 bis 1979)
  • Wolfgang Ettwein (1979 bis 1995)
  • Werner Landenberger (1995 bis 2011)
  • Egon Betz (parteilos, seit 2011)
  • Vizebürgermeister: Hans Rebmann (SPD)[6]

Wappen[Bearbeiten]

Das 1909 von der Gemeinde Nehren angenommene Wappen zeigt in Rot einen silbernen Sparren und gilt als Wappen der Herren von First.[5]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Der SV Nehren besitzt eine Fußballabteilung und hat noch weitere Abteilungen wie Volleyball, Badminton, Turnen und Walking. Der TC Nehren ist ein Tennisverein.[9][10]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die L 394 (Nordring) verbindet Nehren mit der Bundesstraße 27. Diese führt nach Stuttgart im Norden und Rottweil im Süden.

Der Öffentliche Nahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (naldo) gewährleistet. Die Gemeinde befindet sich in der Wabe 113. Nehren ist gegenwärtiger Regionalbahn-Haltepunkt auf der Zollernalbbahn (Tübingen–Hechingen–Balingen–Sigmaringen).

Ver- und Entsorgung[Bearbeiten]

Stromversorgung[Bearbeiten]

Das Stromnetz in der Gemeinde wird von der EnBW Regional AG betrieben.[11]

Gasversorgung[Bearbeiten]

Das Erdgasnetz wird von der FairEnergie GmbH betrieben, einem Tochterunternehmen der Stadtwerke Reutlingen GmbH und der EnBW Kommunale Beteiligungen GmbH.[12]

Wasserversorgung[Bearbeiten]

Die Trinkwasserversorgung für die Gemeinde wird vom Zweckverband Steinlach-Wasserversorgung wahrgenommen. Das Trinkwasser stammt zu 60 Prozent aus Eigenwasser vom Wasserwerk Tübingen-Kilchberg und zu 40 Prozent aus Bezug von der Bodensee-Wasserversorgung. Der Zweckverband Steinlach-Wasserversorgung wurde 1919 durch die Gemeinden Dußlingen, Mössingen, Nehren und Ofterdingen, die auch heute noch Verbandsmitglieder sind, gegründet. Die erste Wasserfassung entstand als Galeriebrunnen auf Mössinger Gemarkung und versorgte bis 1947 alle Gemeinden.

Abwasserentsorgung[Bearbeiten]

Die Entsorgung des Abwassers erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Abwasserverband Steinlach-Wiesaz. Dem Verband gehören neben Nehren die Gemeinden Dußlingen, Gomaringen, Sonnenbühl, Ofterdingen sowie die Städte Mössingen und Reutlingen an. Die gemeinsame Kläranlage steht auf Gemarkung Dußlingen.

Nach starken Regenfällen kam es in den vergangenen Jahren in der Wertstraße wiederholt zum Wassereintritt in die Keller der Anwohner. Die Ursache, die Kapazitätsüberschreitung des dortigen Abwasserkanals, soll durch dessen Sanierung behoben werden.[13]

Abfallentsorgung[Bearbeiten]

Die Abfallentsorgung erfolgt durch den Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Tübingen.

Bildung[Bearbeiten]

  • Kirschenfeldschule (Grund- und Hauptschule)
  • Maria-Sibylla-Merian-Realschule (Dußlingen)
  • Karl-von-Frisch Gymnasium (Dußlingen)

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Hans Vaihinger (* 1852 in Nehren, † 1933), Philosophieprofessor
  • Ernst Wulle (* 1832 in Nehren, † 1902), Stuttgarter Brauerei-Besitzer
  • Karl Hötzer (* 1892 in Balingen; † 1969[14]), Lehrer in Nehren von 1919 bis 1928, Autor des Nehrener Heimatliedes und anderer schwäbischer Mundart, Gründungsmitglied des Nehrener Musikvereins[15]
  • Hans von Mangoldt (* 1940), Völkerrechtler.

Literatur[Bearbeiten]

  • H. Berner: Beschreibung des Dorfes und der Markung Nehren nach dem Stand vom 31. Dezember 1954, um 1955 (im Besitz der Gemeinde)
  • W. Böhringer: Das Schultheißen- und Lehrergeschlecht Dürr in Nehren. In: Heimatkundliche Blätter für den Kreis Tübingen (Beilagen zum Schwäbischen Tagblatt) vom 23. Oktober 1965
  • W. Böhringer: Findbuch im Gemeindearchiv Nehren
  • Holger Friesch: Kann man da drin wohnen? Kleinbäuerliches Anwesen Hauptstraße 15 in Nehren mit überraschender Baugeschichte. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 37. Jg. 2008, Heft 2, S. 108–110 (PDF)
  • Jürgen Jonas, Gemeinde Nehren (Hrsg.): Nehren und Hauchlingen beinander, Dorfchronik zum 500-jährigen Jubiläum der kirchlichen Vereinigung
  • Gemeindeverwaltung Nehren (Hrsg.): Nehren 1086–1986, Dorfchronik zum 900-jährigen Jubiläum
  • Staatliche Archivverwaltung Baden-Württemberg, Landkreis Tübingen (Hrsg.): Der Landkreis Tübingen. Amtliche Kreisbeschreibung. Band II. Kohlhammer, Stuttgart 1972, ISBN 3-17-258321-X, S. 431–448
  • Wolfgang Thiem: Gesamtanlage „Ortskern Nehren“. Ein Kleinod im Landkreis Tübingen. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 33. Jg. 2004, Heft 3, S. 163–168 (PDF)
  • K. Wüst: Die frühere dicke Eiche in Nehren. In: Blätter des Schwäbischen Albvereins 11, 1899, S. 485 f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nehren (Württemberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 126–127
  3. Monumenta Germaniae Scriptores 15², S. 1016, In: Staatliche Archivverwaltung Baden-Württemberg & Landkreis Tübingen 1972: 448
  4. Königliches Staatsarchiv in Stuttgart (1849-1913): Wirtembergisches Urkundenbuch, Stg. 2, S. 411 (Kl. Reichenbach), In: Staatliche Archivverwaltung Baden-Württemberg & Landkreis Tübingen 1972: 448
  5. a b Staatliche Archivverwaltung Baden-Württemberg & Landkreis Tübingen (Hrsg.) (1972): Der Landkreis Tübingen. Amtliche Kreisbeschreibung. Band II. Stuttgart: Kohlhammer. ISBN 3-17-258321-x. (Ortsbeschreibung von Nehren S. 431-448)
  6. a b Gabi Schweizer (2011): Zum Nehrener Amtsantritt eine Nadel. Egon Betz wurde als neuer Bürgermeister vereidigt. In: Schwäbisches Tagblatt, 12. April 2011. Online verfügbar
  7. Steffan Heritsch (2011): Verursachern droht hohes Bußgeld. Säckeweise Müll am Kiebinger Baggersee. In: Schwäbisches Tagblatt, 1. April 2011. Online verfügbar
  8. Kreistagsgeschäftsstelle in der Internetpräsenz des Landratsamts Tübingen (abgerufen am 18. Mai 2011)
  9. Website des TC Nehren
  10. Württembergischer Tennisbund e. V.Eintrag des TC Nehren
  11. BDEW (Hrsg.): Karte der Stromnetzbetreiber 2012. Frankfurt 2012.
  12. BDEW (Hrsg.): Karte der Gasnetzbetreiber 2012. Frankfurt 2012.
  13. SWR Ferhnsehen, Sendung "Zur Sache" (28. Februar 2013, 20:15 Uhr): Streit um Feuerwehrkosten Müssen Anwohner für Einsätze nach Hochwasser zahlen?. (abgerufen am 1. März 2013)
  14. Heimatkundliche Vereinigung Zollernalb e. V. (2005): Heimatkundliche Blätter Zollernalb, Jahrgang 52, Nr. 1 (pdf, 6MB)
  15. Musikverein Nehren e. V.: Vereinsgeschichte (abgerufen am 26. Oktober 2011)