Niagara (Film)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Niagara
Originaltitel Niagara
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1953
Länge 92 Minuten
Altersfreigabe FSK 16[1]
Stab
Regie Henry Hathaway
Drehbuch Charles Brackett
Walter Reisch
Richard L. Breen
Produktion Charles Brackett/Twentieth Century Fox
Musik Sol Kaplan
Kamera Joseph MacDonald
Schnitt Barbara McLean
Besetzung

Niagara ist ein US-amerikanischer melodramatischer Thriller im Stil des Film noir aus dem Jahre 1953. Regie führte Henry Hathaway, in den Hauptrollen sind Marilyn Monroe, Joseph Cotten und Jean Peters zu sehen. Die Filmpremiere fand in den Vereinigten Staaten am 22. Januar 1953 statt.

Auf ihrer verspäteten Hochzeitsreise an die Niagarafälle freunden sich die Cutlers mit dem Ehepaar Loomis an. Rose gibt vor, sich große Sorgen um ihren Mann zu machen, der noch immer unter den Erlebnissen im Koreakrieg leidet. Doch in Wahrheit schmiedet sie mit ihrem Geliebten einen perfiden Mordplan.

Der Film zeigt Monroe in der Rolle einer ruchlosen Ehefrau als Femme fatale. Vor der grandiosen Kulisse der Niagarafälle wird ihre erotische Ausstrahlung eindrucksvoll in Szene gesetzt. Die Charakterrolle war Monroes Durchbruch zum Filmstar.

Handlung[Bearbeiten]

Polly und Ray Cutler holen ihre Flitterwochen auf der kanadischen Seite der Niagarafälle nach. Hier lernen sie die attraktive Rose Loomis und ihren Mann George kennen. George war nach dem Koreakrieg in einer Nervenheilanstalt des Militärs und leidet noch immer unter den Kriegserlebnissen. Rose gibt vor, sich große Sorgen um ihren Mann zu machen. Bei einer Besichtigung der Niagarafälle sieht Polly sie jedoch in inniger Umarmung mit einem Mann namens Ted Patrick.

Rose und Ted haben einen perfiden Plan geschmiedet. Um ihren Ehemann loszuwerden, soll Ted ihm auf einem seiner einsamen Spaziergänge zu den Niagarafällen auflauern und ihn in einem unbeobachteten Moment erschlagen. Dann soll er ihn in die Fälle stürzen, sodass es wie ein Unfall aussieht. Tatsächlich wird George kurz darauf vermisst. Wenig später wird eine männliche Leiche aus dem Wasser gefischt. Als Rose zur Identifizierung ihres Ehemannes ins Leichenschauhaus gerufen wird, bricht sie zusammen. Nicht ihr Gatte liegt tot vor ihr, sondern ihr Geliebter Ted.

Polly entdeckt George kurze Zeit später an den Niagarafällen. Sie will weglaufen, doch George hält sie fest und gesteht ihr, Ted in Notwehr getötet zu haben. Er bittet Polly, niemandem von seinem Überleben zu erzählen, und dass er woanders ein neues Leben ohne Rose beginnen will. Als die Polizei bei den Cutlers erscheint und Fragen stellt, gesteht Polly jedoch, George Loomis lebend gesehen zu haben. Doch weder Ray noch die Polizei glauben ihr.

George hat von Polly erfahren, dass Rose nach einem Nervenzusammenbruch im Krankenhaus liegt. Von dort flieht Rose aus Angst vor der Rache ihres Mannes. Doch George entdeckt sie, als sie mit dem Bus von Kanada nach Chicago fahren will. Rose flüchtet in den Rainbow Tower, den Glockenturm in der Nähe der Fälle. George folgt ihr bis in die oberste Etage und erwürgt sie. Seiner toten Frau gesteht er, dass er sie über alles geliebt hat.

George stiehlt eines der Ausflugsboote, um in die Vereinigten Staaten zu flüchten. Mit ebendiesem Boot wollten die Cutlers mit Mr und Mrs Kettering zum Angeln fahren. Als er versucht, das Boot zu starten, kommt Polly an Bord. Sie will ihn von seinem Vorhaben abbringen und fordert ihn auf, sich der Polizei zu stellen. Doch George stößt sie weg. Sie stürzt und wird bewusstlos. Als sich die Polizei nähert, legt er ab. Nach kurzer Zeit geht das Benzin aus, das Boot wird von den Stromschnellen des Niagara erfasst und nähert sich den Wasserfällen. Die verzweifelten Versuche, das Boot auf Grund zu setzen, scheitern. In letzter Sekunde kann George Polly dabei helfen, sich auf einen Felsen zu retten. Das Boot stürzt mit George in die Tiefe. Polly wird von einem Hubschrauber gerettet.

Hintergrund[Bearbeiten]

  • Niagara wurde in Technicolor gedreht.
  • Monroe spielt nicht wie in ihren meisten Rollen eine naive Blondine, sondern eine Femme fatale.
  • Eine Szene, in der Monroe eine Straße entlanggeht, wurde extra in Überlänge gedreht, um ihren berühmten Gang zu zeigen. Daraufhin wurde spekuliert, dass absichtlich ein Schuhabsatz gekürzt war, damit dieser Gang entsteht.
  • Das Lied Kiss wurde komponiert von Lionel Newman und Haven Gillespie.
  • Ein Pressefoto von Marilyn Monroe, das für Niagara angefertigt wurde, war das Ausgangsbild für Andy Warhols Marilyn Diptych.

Deutsche Fassung[Bearbeiten]

Die deutsche Synchronbearbeitung entstand 1953 in den Ateliers der Ultra Film Synchron GmbH in Berlin.[2]

Rolle Darsteller Synchronsprecher
Rose Loomis Marilyn Monroe Margot Leonard
George Loomis Joseph Cotten Wolfgang Lukschy
Polly Cutler Jean Peters Edith Schneider
Ray Cutler Max Showalter Harald Juhnke
Mr. Kettering Don Wilson Erich Fiedler
Mrs. Kettering Lurene Tuttle Alice Treff

Kritiken[Bearbeiten]

  • Lexikon des internationalen Films: "Ehedrama mit Thrillerelementen und einer geschickten Einbeziehung der spektakulären Schauplätze. Streckenweise spannend, aber psychologisch völlig unglaubwürdig und dank der dick aufgetragenen Klischees manchmal hart an der Grenze zur unfreiwilligen Komik."[3]
  • Prisma Online: "Henry Hathaway inszenierte seinen berühmten film noir vor der beeindruckenden Kulisse der tosenden Niagarafälle. Ganz im Stil von Hitchcock steigert Hathaway immer weiter die Spannung, man denke nur an die atemberaubende Szene im Glockenturm. Teuflisch gut: die Monroe in der Rolle des männermordenden Vamps, die im Jahr zuvor bereits in dem Episodenfilm "Fünf Perlen" mit Hathaway zusammengearbeitet hatte."
  • A. H. Weiler – New York Times: "20th Century Fox schert sich offenbar nicht darum, daß es nur sieben Weltwunder gibt, denn sie hat zwei weitere entdeckt und stellt diese in Technicolor in dem Film Niagara vor. Die Produzenten machen nämlich von der Pracht der Wasserfälle und der umliegenden Landschaft als auch von der Pracht des Namens Marilyn Monroe optimalen Gebrauch. Die Aussicht ist in beiden Fällen atemberaubend. Und wenn einer bemängeln wollte, daß das Melodram, in das die Wasserfälle und Miss Monroe verstrickt werden, doch wohl nicht gerade von der spektakulärsten Sorte ist, so hätte er da völlig recht. Aus welchem Blickwinkel man sie auch betrachtet – die Wasserfälle und Miss Monroe lassen einem einigermaßen aufmerksamen Zuschauer sicher nichts zu wünschen übrig... Vielleicht ist Miss Monroe für diesen Punkt als Schauspielerin nicht perfekt genug. Doch weder den Regisseur noch die Kameramänner scheint das gestört zu haben. Ob Nachthemd oder nicht minder gewagtes enges Kleid – ihnen ist keine Kurve entgangen. Und sie haben recht anschaulich verdeutlicht, wie verführerisch sie sein kann – selbst beim Gehen."
  • Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz in Lexikon „Filme im Fernsehen“: "(...) böser Film um Abgründiges mit einer nervtötend präsenten Marilyn Monroe; ein überragender Kameramann (Joe MacDonald) setzt die erotische Ausstrahlung des Stars ebenso eindrucksvoll ins Bild wie die Szenerie des US-Flitterwochenziels Niagara Falls." (Wertung: 3 Sterne = sehr gut)"[4]
  • Katholische Filmkritik (6000 Filme): "„Amerikanisches Ehedrama mit geschickter Verwendung von Naturschönheiten.“ Einstufung: Für Erwachsene, mit Vorbehalten."[5]

DVD-Veröffentlichung[Bearbeiten]

  • Niagara. Reihe „Große Film-Klassiker“. Twentieth Century Fox Home Entertainment 2003

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Niagara (film) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Niagara (Film) im Lexikon des Internationalen Films
  2. Thomas Bräutigam: Lexikon der Film- und Fernsehsynchronisation. Mehr als 2000 Filme und Serien mit ihren deutschen Synchronsprechern etc.. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-289-X, S. 275
  3. Niagara (Film) im Lexikon des Internationalen Films
  4. Adolf Heinzlmeier, Berndt Schulz in Lexikon „Filme im Fernsehen“ (Erweiterte Neuausgabe). Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-392-3, S. 607–608
  5. 6000 Filme. Kritische Notizen aus den Kinojahren 1945 bis 1958. Handbuch V der katholischen Filmkritik, 3. Auflage, Verlag Haus Altenberg, Düsseldorf 1963, S. 322