Oberdollendorf

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50.7022222222227.181944444444463Koordinaten: 50° 42′ 8″ N, 7° 10′ 55″ O

Oberdollendorf
Höhe: 60–150 m
Einwohner: 5597 (31. Dez. 2013)[1]
Eingemeindung: 1. August 1969
Postleitzahl: 53639
Vorwahl: 02223
Oberdollendorf (Nordrhein-Westfalen)
Oberdollendorf

Lage von Oberdollendorf in Nordrhein-Westfalen

Postkarte um 1900
St. Laurentius (2013)
Der Brückenhof
Gut Sülz
Caesarius-Bronzestatue (1991) von Ernemann Sander
Weinanbau bei Oberdollendorf (Hintergrund)
Tunnel der B 42 in Oberdollendorf mit Rampe der Siebengebirgsbahn

Oberdollendorf ist ein Stadtteil der Stadt Königswinter im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis. Er geht fließend in den Stadtteil Niederdollendorf über. Der Stadtteil Oberdollendorf hat mit seinem Ortsteil Römlinghoven 5597 Einwohner, der Ortsteil selbst 5092 (Stand: 31. Dezember 2013).[1]

Geographie[Bearbeiten]

Oberdollendorf erstreckt sich als mehrzeiliges Straßendorf auf einer Länge von etwa zwei Kilometern oberhalb des Rheins auf einem von Westen (Bundesstraße) nach Osten zum Siebengebirge hin ansteigenden Gelände. Das Ortszentrum liegt auf etwa 75 m ü. NN unterhalb der Weinbauflächen am Westhang der Dollendorfer Hardt (246 m ü. NN). Die Ortschaft zieht sich bis ins Tal des Heisterbachs, der im Ort kanalisiert verläuft, und geht nahtlos nach Westen in Niederdollendorf und nach Norden in Römlinghoven über. Nach Südosten hin wird die Wohnbebauung vom Falkenberg auf der der Dollendorfer Hardt gegenüberliegenden Seite des Heisterbachtals begrenzt. Siedlungsgeographisch lässt sich Oberdollendorf dem Verdichtungsraum Bonn zuordnen.

Der Stadtteil Oberdollendorf liegt im Norden des Stadtgebietes von Königswinter, die Gemarkung reicht im äußeren Nordwesten bis an den Rhein heran und umfasst neben Römlinghoven auch das Kloster Heisterbach. Er grenzt unmittelbar an die zu Bonn gehörenden Stadtbezirke Beuel (Ortsteil Oberkassel) und (über den Rhein) Bad Godesberg.

Geschichte[Bearbeiten]

Urkundlich erwähnt wurde Dollendorf erstmals 966 von Kaiser Otto I. als „Dullendorf“. In einer Urkunde aus dem Jahre 1144 wurde zum ersten Mal zwischen Oberdollendorf und Niederdollendorf (Dollendorp, item Dollendorp) unterschieden. Oberdollendorf gehörte landesherrlich als Teil des Amtes Löwenburg seit dem 15. Jahrhundert zum Herzogtum Berg. Im Weistum von 1540 werden erstmals Schützen erwähnt, die wahrscheinlich zu den „Kogelschützen“ der Herrschaft Löwenburg, zu der Oberdollendorf damals gehörte, zählen. Über eine St. Sebastianus-Bruderschaft wird 1550 erstmals berichtet. 1597 beteiligte sich Oberdollendorf an der Erneuerung der „Linzer Eintracht“, eines Bündnisses zur gegenseitigen Hilfeleistung bei kriegerischen Überfällen, an dem zahlreiche Orte von Oberkassel bis Hönningen teilnahmen.

Die Kirchspiele Niederdollendorf (Honschaften Niederdollendorf und Heisterbacherrott), Oberdollendorf (die Honschaften Oberdollendorf, Kl. Heisterbach, Römlinghoven) und Oberkassel (Honschaften Oberkassel und Berghoven (Sieg)) bildeten das Gericht und Botamt Dollendorf.[2] Das Kirchspiel Oberdollendorf wurde bis zur Auflösung des Herzogtums Berg im Jahre 1806 von einem sog. Markgedinge verwaltet, in das die sieben Freihöfe der Ortschaft Geschworene entsendeten: der Grevenhof der Abtei Heisterbach, der Mertenhof des Klosters Merten, die Güter der Burgherren von Drachenfels, der Rennenbergerhof der Herren von Rennenberg (heutiger Brückenhof), der Edelkirchenerhof des Herrs von Edelkirchen in Römlinghoven sowie der „Klamerspol“ des Junkers zu Kalmit. Das Kirchspiel hatte folgende Beamte: einen Bürgermeister, einen Kirchmeister, einen Offermann (zugleich Schulmeister) sowie den Schützen. Sie wurden vom Markgedinge ernannt und bis auf den Offermann regelmäßig (zum Teil jährlich) ausgetauscht.[3]

Von 1816 bis 1969 war die Gemeinde Oberdollendorf Teil der Bürgermeisterei Oberkassel (1927 umbenannt in „Amt Oberkassel“). Von 1949 bis 1955 gehörte sie der Enklave Bonn an, ein der Alliierten Hohen Kommission unterstehendes Sondergebiet um den vorläufigen Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland. Mit dem Inkrafttreten der kommunalen Neuordnung des Raums Bonn ging sie am 1. August 1969 in der neuen Stadt Königswinter auf.[4] Die 1872 eingeweihte Synagoge wurde in der Nacht vom 10. auf den 11. November 1938 beschädigt und im März 1939 abgerissen. Zu der Synagogengemeinde Oberdollendorf zählten sich die jüdischen Mitbewohner von Oberdollendorf, Niederdollendorf, Königswinter (heute: Königswinter-Altstadt) und Oberkassel (heute: Bonn-Oberkassel).

1967 hatte Oberdollendorf 4.790 Einwohner, von denen 51 in der Land- und Forstwirtschaft, 1.049 im verarbeitenden Gewerbe und 814 im Dienstleistungsbereich tätig waren. 1.140 Auspendlern standen 336 Einpendler gegenüber. In 12 Industriebetrieben waren 880 Personen beschäftigt. An öffentlichen Einrichtungen waren 1967 vorhanden: 2 Volksschulen, ein Sportplatz, eine Turnhalle, ein Kindergarten, eine Bücherei und ein Krankenhaus.[5] In den 1970er-Jahren wurde in Oberdollendorf (Marienstraße 19) eine Villa errichtet, die später als Residenz des Botschafters der Togolesischen Republik in der Bundesrepublik Deutschland diente. Zu Beginn der 1990er-Jahre gab Togo den Botschaftsstandort aufgrund innenpolitischer Probleme auf, nach 2003 wurde die Villa abgerissen (→ Liste der diplomatischen Vertretungen).

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Zahlen jeweils mit Römlinghoven:

  • 1815: 0966
  • 1816: 0991
  • 1825: 1214
  • 1871: 1386
  • 1885: 1395
  • 1905: 2067
  • 1925: 2504
  • 1933: 2571
  • 1939: 2471
  • 1946: 3199
  • 1961: 4152

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Im Zentrum des Weinortes befindet sich in einem alten Fachwerkhaus auf dem Zuweg zum Rheinsteig das Brückenhofmuseum; es zeigt in seinen Dauerausstellungbereichen eine Präsentation zur Heisterbacher Talbahn mit der „Modellanlage Weilberg“, Sammlungen zu den Themen Steinmetz, Steinbruch, Schreiner, Zimmermann und Küfer, eine komplett eingerichtete Schuhmacherwerkstatt, eine alte Küche und ein Demonstrationsfachwerk. Den Schwerpunkt der Museumsarbeit bilden wechselnde Sonderausstellungen zu lokalen und regionalen Themen und zur Kunst.

Der 2,2 Kilometer lange Weinwanderweg führt durch die etwa acht Hektar große Rebenfläche mit den Lagen Laurentiusberg, Rosenhügel und Sülzenberg. Die Anbauflächen wurden durch ein Flurbereinigungsverfahren von 1973 bis 1979 neu geordnet. Der Sülzenberg gehört zu dem auf das 10. Jahrhundert zurückgehenden früheren Freihofs Gut Sülz. Das Gut war seit dem 14. Jahrhundert Eigentum der Abtei Heisterbach und bis 1803 Mittelpunkt der Heisterbacher Weinwirtschaft. Seit 1823 ist es in wechselndem Privatbesitz.

Weitere Sehenswürdigkeiten:

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein war Oberdollendorf vom Weinbau geprägt. 1878 gab es 51,06 ha Rebfläche. Bereits 1906 war sie auf 23 ha gesunken, 1924 waren es nur noch 7,5 ha. Infolge der Weltwirtschaftskrise konnten durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen neue Wege geschaffen und Rekultivierungen stattfinden. Die Fläche stieg wieder auf 23 ha im Jahr 1934 an. 1939 gab es in Oberdollendorf 89 Weinbaubetriebe, die meisten waren jedoch für die Winzer nur Nebenerwerb. Heute gibt es noch einen Winzerbetrieb. Ein Weinwanderweg in den Weinbergen gibt auf 15 Tafeln Informationen zum Wein und Weinbau. Die Rebflächen am Westhang der Dollendorfer Hardt zählen im Bestimmten Anbaugebiet Mittelrhein zum Bereich Siebengebirge und zur Großlage Petersberg und umfassen von Nord nach Süd die Einzellagen Rosenhügel, Laurentiusberg und Sülzenberg.

An dem Bach, der von Heisterbach kommend durch Oberdollendorf in Richtung Rhein verläuft, standen um 1800 mehrere Mühlen. Ihre Zahl ging im Laufe des 19. Jahrhunderts zurück. Einige wie die so genannte Schleifmühle verfielen, andere wurden für Wohnzwecke weiterhin genutzt. Heute erinnert nur noch der Straßenname Mühlental daran.

Seit 1871 existierte im heutigen Weinhaus Lichtenberg eine Postanstalt: die zunächst eingerichtete Postexpedition wurde 1876 zum Postamt III. Klasse.

Verkehr[Bearbeiten]

Oberdollendorf ist an die Bundesstraße 42 angebunden, die im Bonner Ortsteil Ramersdorf in die Flughafenautobahn A 59 übergeht. Die B 42 trennt zum Teil die Stadtteile Oberdollendorf und Niederdollendorf ab, allerdings muss man nicht überall über eine Brücke gehen, da ein 610 Meter langer Tunnel (Tunnel Oberdollendorf) als Teil eines Trogbauwerks das Stadtgebiet unterquert. Ebenfalls durch diesen Tunnel verläuft die Stadtbahntrasse der Siebengebirgsbahn (Linie 66), die weiter über Bonn nach Siegburg und in Richtung Bad Honnef führt. Nördlich des Tunnels verläuft die Anfang bis Mitte der 1980er-Jahre neugebaute Bundesstraße im Trog und geht danach in den Tunnel Oberkassel über.

Der Bau der autobahnähnlich ausgebauten Bundesstraße hatte für Oberdollendorf eine große städtebauliche Bedeutung: Straßen wurden verlegt, abgerissen und voneinander getrennt sowie Tunnel und Brücken gebaut. Das Bauwerk wurde wegen der starken und steigenden Verkehrsströme in Richtung Bonn vierspurig gebaut.

Lange Zeit verfolgt wurde der Bau eines Ennertaufstiegs als Verbindung zur Bundesautobahn 3.

Über den nur ca. 100 Meter entfernten Bahnhof Niederdollendorf hat Oberdollendorf auch einen direkten Anschluss an die Rechte Rheinstrecke der Bahn.

Personen[Bearbeiten]

Bekannte und berühmte Personen aus Oberdollendorf oder die in Oberdollendorf lebten oder leben:

Gemeindevorsteher[Bearbeiten]

Die Gemeindevorsteher des Ortes von 1914 bis zur Eingemeindung nach Königswinter 1969:

  • 1914–1919: Franz Frembgen
  • 1919–1924: Georg Hubert Laufenberg
  • 1924–1925: Franz Thiebes
  • 1925–1929: Josef Sand
  • 1929–1935: Pantaleon „Leo“ Tendler
  • 1935–1941: Josef Sand
  • 1945–1961: Pantaleon „Leo“ Tendler
  • 1961–1964: Wilhelm Schmitz
  • 1964–1969: Fritz Nenzel

Quellen[Bearbeiten]

  • Die Aktenüberlieferung der Gemeinde Oberdollendorf von 1815 bis 1969 befindet sich im Bestand Oberkassel im Stadtarchiv Königswinter, zum Teil auch im Bestand Oberkassel im Stadtarchiv Bonn
  • Ergänzende Akten finden sich im Bestand Landratsamt Siegkreis im Kreisarchiv in Siegburg
  • Das Archiv der katholischen Pfarrgemeinde St. Laurentius befindet sich im Zentralen Pfarrbüro in Königswinter

Literatur[Bearbeiten]

  • Ferdinand Schmitz: Die Mark Dollendorf. Bergisch Gladbach 1925.
  • Heinrich Neu: Nieder- und Oberdollendorf in den letzten anderthalb Jahrhunderten. Oberdollendorf 1972.
  • Albert Verbeek: Heisterbach und Oberdollendorf. Neuss 1979 (2, veränderte Auflage Neuss 1982).
  • Heimatverein Oberdollendorf und Römlinghoven e.V. und Kreis der Heimatfreunde Niederdollendorf e.V. (Hrsg.): "So war's einmal in Oberdollendorf, Niederdollendorf, Heisterbach und Römlinghoven". Königswinter 1983
  • Oberdollendorf und Römlinghoven. Ein Festbuch,, hrsg. v Heimatverein Oberdollendorf und Römlinghoven e. V., Königswinter 1986.
  • Jean Assenmacher: Dolldep on Dolldep eß zweierlei und andere Schmunzelgedichte. 62 Seiten. 1985. 2. Aufl. 1991.
  • Jean Assenmacher: Heiter bis wolkig - Doppelsinniges und Ironisches in Reim und Prosa 160 Seiten. 1993.
  • Jean Assenmacher: Wir Kinder von gestern Heitere Erinnerungen an bescheidene Zeiten 176 Seiten. 1992. 2. Aufl. 1994.
  • Jean Assenmacher: Meine kleine Welt Liebeserklärung an eine Stadt (Königswinter) 176 Seiten. 1994.
  • Heimatverein Oberdollendorf und Römlinghoven e.V. (Hrsg.): Erinnerung an eine verworrene Zeit - 1. Teil Nieder- und Oberdollendorfer Bürger blicken zurück auf die Kriegs- und Nachkriegsjahre. Königswinter 1996
  • Jean Assenmacher: Herrgotts Kostgänger - Originale, Gauner, Schelme und Sonderlinge im Siebengebirge 172 Seiten. 1989. 4. Aufl. 1998.
  • Heimatverein Oberdollendorf und Römlinghoven e.V. (Hrsg.): Erinnerung an eine verworrene Zeit - 2. Teil Nieder- und Oberdollendorfer Bürger blicken zurück auf die Kriegs- und Nachkriegsjahre. Königswinter 2001
  • Karl Josef Klöhs: Kaiserwetter am Siebengebirge, Königswinter 2003.
  • Dieter Mechlinski: Der Geheime Regierungsrat Ottmar Edwin Strauss - Biografie eines vergessenen Königswinterer Mitbürgers, hrsg. v. Heimatverein Oberdollendorf und Römlinghoven e.V.. 6., stark erweiterte Auflage, Königswinter 2010
  • Helmut Vreden: Jüdische Metzger und Viehhändler in Oberkassel bei Bonn, hrsg. v. Heimatverein Oberdollendorf und Römlinghoven e.V.. 6., erweiterte Auflage, Königswinter 2011
  • Karl Schumacher: Die Mühlen im Heisterbacher Tal - Wie sie klapperten vom Mittelalter bis zur Neuzeit --- Wasserwirtschaft, Historische Entwicklung, Mühlentechnik, Legenden und Gedichte, Prinzip-Lageplan. Hrsg.: Heimatverein Oberdollendorf und Römlinghoven e.V.. 2., durchgesehene Aufl., Königswinter 2011. 120 Seiten.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oberdollendorf – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b ohne Nebenwohnsitze; Einwohnerstatistik der Stadt Königswinter (PDF; 36 kB)
  2. Wilhelm Fabricius: Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, 5. Band, Bonn 1898, S. 315.
  3. Ferdinand Schmitz: Die Mark Dollendorf. Bergisch Gladbach 1925, S. 46/47 u. 52/53.
  4.  Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 84.
  5. Der Rhein-Sieg-Kreis. Herausgeber: Oberkreisdirektor Paul Kieras. Stuttgart 1983, S. 276.