Oloron-Sainte-Marie

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Oloron-Sainte-Marie
Wappen von Oloron-Sainte-Marie
Oloron-Sainte-Marie (Frankreich)
Oloron-Sainte-Marie
Region Aquitanien
Département Pyrénées-Atlantiques
Arrondissement Oloron-Sainte-Marie
Kanton Hauptort von 2 Kantonen
Koordinaten 43° 12′ N, 0° 36′ W43.194166666667-0.60666666666667211Koordinaten: 43° 12′ N, 0° 36′ W
Höhe 194–1.380 m
Fläche 68,31 km²
Einwohner 10.854 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 159 Einw./km²
Postleitzahl 64400
INSEE-Code
Website www.oloron-ste-marie.fr

Blick über Oloron-Sainte-Marie mit den Türmen von Sainte-Marie

Oloron-Sainte-Marie ist eine französische Stadt mit 10.854 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Pyrénées-Atlantiques in der Region Aquitanien. Sie ist Sitz der Unterpräfektur (frz. Sous-préfecture) des Arrondissements Oloron-Sainte-Marie, das aus zwölf Kantonen besteht.

Geografie[Bearbeiten]

Oloron-Sainte-Marie ist der Hauptort von Béarn, einer alten französischen Provinz an der Grenze zum Baskenland. Die Stadt liegt am Gave d’Oloron, der hier durch den Zusammenfluss des Gave d’Aspe und Gave d’Ossau entsteht. Durch die Stadt führt die Via Tolosana, einer der französischen Teile des Jakobsweges nach Santiago de Compostela. Sie wendet sich hier nach Süden in die Pyrenäen und führt entlang des Gave d’Aspe hinauf zum Col du Somport und der Grenze nach Spanien. Durch dieses Tal führt auch die Nationalstraße 134 nach Jaca in Spanien.

Geschichte[Bearbeiten]

Oloron ist eine römische Gründung, die erstmals im 3. Jahrhundert unter dem Namen Iluro erwähnt wird.[1] 506 nimmt an der Synode von Agde ein Bischof von Oloron teil. Danach wird ein Bischof erst wieder 1058 erwähnt. Möglicherweise war die Stadt in der Zwischenzeit verlassen worden.

1080 wird unter dem Namen Saint-Croix der Bau von Stadtbefestigungen und einer Kirche auf der Landzunge zwischen Gave d'Aspe und Gave d'Ossau begonnen. Dort lag auch die Burg des Vicomte von Béarn. Ab 1102 erbaute Gaston IV. de Bearne am linken Flussufer die Kirche und spätere Kathedrale Ste-Marie d’Oloron als Sitz des Bischofs.

Nachdem 1214 der Vicomte Gaston VI., der sich den Katharern angeschlossen hatte, als Folge des Albigenserkreuzzuges den Grundbesitz an Sainte-Marie an den Bischof abtreten musste, blieben beide Orte bis ins 19. Jahrhundert formal getrennt, auch wenn Sainte-Marie immer ökonomisch von Oloron abhängig war.

1802 wurde das Bistum Oloron aufgelöst. 1858 erfolgte die Vereinigung der beiden Orte.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Oloron ist eine Schokoladenfabrik von Lindt & Sprüngli ansässig.

Besonders bekannt sind die Manufakturen in Oloron, in denen die hier heimischen Baskenmützen sowie Espadrilles gefertigt werden.

Verkehr[Bearbeiten]

In Oloron endet der in Betrieb befindende Abschnitt der Bahnstrecke Pau–Canfranc, der weitere Streckenabschnitt über Bedous nach Canfranc in Spanien ist seit 1970, teilweise auch erst 1980 stillgelegt. Auf der Strecke nach Pau verkehren Regionalzüge im 2-Stunden-Takt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Chor und südliches Querschiff der Kirche Sainte-Marie

Kirche Sainte-Marie[Bearbeiten]

Von der ursprünglich im Jahr 1102 begonnen Kirche sind nur wenige Reste erhalten: einige Säulenkapitelle im Querschiff sowie das Hauptportal und die Säulen, auf denen der Glockenturm ruht.

Nach den Zerstörungen des Albigenserkreuzzuges wurde die Kirche im 13. Jahrhundert neu gebaut. 1302 brannte das Kirchenschiff ab, und eine erneute Rekonstruktion im gotischen Stil wurde notwendig. Weitere Umbauten erfolgten im 17. und 19. Jahrhundert.

Die Kirche besitzt drei Längsschiffe, an die sich je zwei Kapellen anschließen. Die Enden der Querschiffe ragen über deren Ausdehnung hinaus. Auch Chor und Chorumgang sind von einem Kapellenkranz umgeben. Die Gewölbe sind als Kreuzrippengewölbe ausgeführt. Der massive Eindruck der Kirche stammt von den drei gedrungenen Türmen: einer über dem südlichen Querschiff, einer über dem Chor und der Glockenturm, der vor dem Westportal eine offene Vorhalle bildet.

Tympanon im Portal der Kirche

Das romanische Portal besteht aus zwei Türen, zwischen den zwei Atlanten eine Säule tragen. Darüber erhebt sich ein halbkreisförmiger Tympanon, unterteilt durch zwei kleinere Halbkreise über den einzelnen Türen. Die drei dadurch entstehenden Felder sind als Reliefs aus Marmor gestaltet. Die beiden unteren sind bei der Restauration im 19. Jahrhundert ersetzt worden und zeigten ursprünglich wohl andere Szenen. Bis auf die Kapitelle stammen alle anderen Teile aus dem 12. Jahrhundert. Sie wurden jedoch erkennbar von zwei unterschiedlichen Künstlern gestaltet: Die Archivolte mit ihrem Figurenschmuck in der Wölbung und den beiden seitlichen Skulpturen, die den Tod nach keltischer Tradition darstellen (links in Form der provencalische Tarasque, einem menschenfressenden Ungeheuer, dessen Opfer aber ins Reich Christi eingehen wird, weil es ein Kleid trägt samt einem Gürtel, der es keusch verschließt und in Form eines liegenden Kreuzes als positives Symbol gestaltet ist, und rechts als Reiter, dessen Pferd einen bärtigen, d. h. sündigen Mann niedertrampelt) entspricht der romanischen Kunst aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, während das mittlere Marmorfeld an die Arbeit eines Elfenbeinschnitzers erinnert. Es zeigt, einmalig im Béarn, die Kreuzabnahme in einer Weise, wie sie aus der byzantinischen Kunst bekannt ist. Josef von Arimathäa hebt den Leichnam Jesu vom Kreuz, während Nikodemus die linke Hand löst und Maria die rechte ergreift. Über den Armen des Kreuzes sind Sonne und Mond dargestellt.[2]

Die Kirche Sainte-Marie ist seit 1998 als Teil des Weltkulturerbe der UNESCOJakobsweg in Frankreich“ ausgezeichnet.

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die romanische Kirche Saint-Croix aus dem Jahr 1080, besitzt eine Zentralkuppel im byzantinischen Stil. Sie hat dem ältesten Viertel von Oloron ihren Namen gegeben.
  • Der Tour de Grede, ein Wohnturm aus dem 13./14. Jahrhundert
  • Die neoromanische Kirche Notre-Dame aus dem 19. Jahrhundert mit ihrem 52 Meter hohen Kirchturm
  • Im Parc Pommé sind über 400 verschiedene Baumarten zu finden.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Paul Raymond: Dictionnaire topographique du département des Basses-Pyrénées. Imprimerie Impériale, Paris 1863 (Reproduction photomécanique: Dictionnaire topographique Béarn Pays basque. Princi Néguer, Pau 1999, ISBN 2-905007-80-X).
  2. Jaques Lacoste: Le portail roman de Sainte-Marie d'Oloron. In: Revue de Pau et de Béarn. No. 1, 1973, ISSN 0241-7413, S. 45–78.

Weblinks[Bearbeiten]