Navarrenx

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Navarrenx
Wappen von Navarrenx
Navarrenx (Frankreich)
Navarrenx
Region Aquitanien
Département Pyrénées-Atlantiques
Arrondissement Oloron-Sainte-Marie
Kanton Navarrenx (Hauptort)
Koordinaten 43° 19′ N, 0° 46′ W43.321666666667-0.75944444444444127Koordinaten: 43° 19′ N, 0° 46′ W
Höhe 118–269 m
Fläche 6,21 km²
Einwohner 1.061 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 171 Einw./km²
Postleitzahl 64190
INSEE-Code
Website Webseite der Gemeinde

Gave d’Oloron von den Festungsmauern

Navarrenx ist eine französische Gemeinde mit 1061 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Pyrénées-Atlantiques in der Region Aquitanien. Sie ist Hauptort des gleichnamigen Kantons. Durch Kleinstadt führt der Fernwanderweg GR 65, welcher weitgehend dem historischen Verlauf des französischen Jakobsweges Via Podiensis folgt.

Geografie und Verkehr[Bearbeiten]

Navarrenx liegt im Südwesten Frankreichs am Fuß der Pyrenäen. Der Ort gehört zum historischen Gebiet des Béarn, nahe der Grenze zum französischen Baskenland, am Fluss Gave d’Oloron. Die nächste Stadt ist Orthez welche man in nördlicher Richtung über die D947 nach circa 22 Straßenkilometern erreicht. Die nächsten französischen Großstädte sind Toulouse (180 km) im Osten und Bordeaux (169 km) im Norden.[1]
Der nächste internationale Flughafen ist der Aéroport de Pau-Pyrénées, der über die Route D111, D281, D2, D509 in circa 40 Straßenkilometern erreicht wird. Der nächste Bahnhof befindet sich in Orthez, er ist an das TGV-Netz der SNCF angeschlossen. An das französische Fernstraßennetz ist Navarrenx über die A64 Briscous (am Atlantik, nahe der spanischen Grenze) - Toulouse angebunden. Die nächsten Autobahnanschlüsse an die A64 sind Orthez (8) und Artix (9).

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Navarrenx bezieht sich auf das Königreich Navarra, an dessen Grenze sich die Ansiedlung am Fluss Gave d’Oloron befand. Die erste schriftliche Erwähnung findet der Ort 1078 anlässlich einer Vereinbarung zur Beseitigung von Schäden zwischen den Herrschern von Béarn und Soule. Im Jahre 1188 wird eine steinerne Brücke über den Gave d’Oloron gebaut und der Ort erhält das Marktrecht. Die heute noch vorhandene Brücke stammt aus dem 13. Jahrhundert, allerdings ist der damals entstandene Wehrturm über der Brücke nicht mehr vorhanden. Anfang des 14. Jahrhunderts wurde Navarrenx zur Bastide ausgebaut, was noch heute an den schachbrettartigen Straßenverläufen und dem zentralen Platz zu erkennen ist. 1523 wurde die Stadt durch die Truppen Philibert de Chalons eingenommen und die Befestigungsanlagen wurden zerstört. Im 16. Jahrhundert ließ der König von Navarra die Stadt neu gestalten und nach dem Vorbild der toskanischen Stadt Lucca zu einer Zitadelle ausbauen. Diese Mauern sind noch heute erhalten und umschließen den gesamten Stadtkern. Im Jahr 1569 bewies die Zitadelle ihre Wirksamkeit, denn in ihr verteidigten sich die Hugenotten von März bis Juli gegen französische Truppen, bis das Entsatzheer des Grafen Montgomery eintrifft. 1620 besucht Louis XIII. den Ort anlässlich der Vereinigung des Königreichs von Navarra und dem Béarn unter französischer Hoheit. In der Kirche wurde zu diesem Anlass eine römisch-katholische Messe zelebriert. Es ist der gleiche Ort, an dem sich die Großmutter des Königs, Jeanne d'Albret, am Ostersonntag 1563 öffentlich zum Calvinismus bekannte. Der König nutzte diesen Besuch, um die verbliebenen Schätze der Könige von Navarra an sich zu bringen. 1814 verteidigen napoleonische Truppen unter General Soult die Zitadelle gegen Truppen von Arthur Wellesley. 1871 wird die Zitadelle außer Dienst gestellt und die Garnison aufgelöst.

Einwohnerentwicklung
(Quelle: [2])
1793 1806 1836 1846 1876 1901 1936 1962 1982 1990 1999 2006
1.445 1.186 1.574 1.922 1.300 1.288 1.057 1.070 1.160 1.036 1.133 1.136
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz


Jakobsweg (Via Podiensis)[Bearbeiten]

Vor dem Bau der Brücke in Navarrenx konnte der Gave d’Oloron von den Jakobspilgern nur mit dem Boot oder bei günstigem Wasserstand durch eine Furt bei Charre überwunden werden. Lange Zeit gab es in der Nähe der Süd-Kommandantur ein Hospiz zur Betreuung der Pilger. Heute befindet sich im ehemaligen Arsenal eine Pilgerherberge (französisch: Gîte d'étape). Darüber hinaus gibt es zwei weitere kommunale Pilgerherbergen, ein Hotel, Privatzimmer (französisch: Chambre d'hôtes), sowie einen Campingplatz und eine Touristeninformation. In der Kirche findet täglich eine Pilgermesse statt, nach der die Gemeinde zum gemeinsamen Zusammensein bei einem Glas Wein einlädt. Der GR 65 verlässt Navarrenx durch das Tor Saint Antoine und die Brücke über den Gave d’Oloron. Weiter führt der Weg durch welliges Gelände mit Maisfeldern, Wiesen und Wäldern über zahlreiche kleine Bäche. Mit der Überquerung des Gave de Mauléon wird das Béarn verlassen und das französische Baskenland erreicht. Vor Aroue gibt es noch Übernachtungsmöglichkeiten in den Weilern Lichos und Behoteguia. Nach Aroue führt als Straßenverbindung die D115.

Kultur und Wirtschaft[Bearbeiten]

  • Die Kernstadt ist noch mit den Festungsmauern aus dem 16. Jahrhundert umgeben. Erst im späten 19. Jahrhundert wurde die Festung aufgegeben und die beiden Tore Porte de France und des Mousquetaires konnten abgetragen werden, um einen freien Zugang zur Stadt zu erhalten. Das Tor Saint Antoine von 1645, Richtung Gave d’Oloron, ist bis heute erhalten.
  • Weitere erhaltene Bauwerke der Festung sind der Pulverturm, der Kasernenplatz, der militärische Brunnen, gotische Häuser am Rathausplatz sowie das Arsenal.
  • Jeweils Ende Juli finden die Weltmeisterschaften im Lachsfischen statt.
  • Die Kirche Saint-Germain d’Auxerre stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die beiden Seitenschiffe wurden erst 1862 hinzugefügt.

Ein großer Teil der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft, in der Vieh- und Pferdezucht, sowie im Tourismus. Bei den landwirtschaftlichen Produkten dominiert der Maisanbau. Die wenigen vorhandenen Industriebetriebe mussten in den letzten Jahren aufgeben.[3]

Mit der Stadt verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Catherine de Bourbon (1559 - 1604), die jüngere Schwester des französischen Königs Heinrich IV. Aufgrund der Kriegsvorbereitungen des Königreichs Navarra gegen die Katholische Liga musste sich Katharina 1585 nach Navarrenx, dem einzigen befestigten Platz des Fürstentums, begeben.
  • Francis Jammes (1868 - 1938), Schriftsteller. Er war eng mit Navarrenx verbunden, wo seine Mutter herstammte und wo seine Eltern heirateten.
  • Henri Lefebvre (1901 - 1991), marxistischer Soziologe und Philosoph. Er lebte in einem Haus in Navarrenx, das er von seiner Tante geerbt hatte und starb auch hier.
  • Mady Mesplé (1931 -), Sopranistin. Seit einigen Jahren führte sie eine Meisterklasse in Navarrenx, und ist Ehrenpräsidentin des Verbandes der Association des Pierres Lyriques, dessen Aufgabe die Förderung der Oper im Béarn ist.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Quellen und weiterführende Informationen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bettina Forst: Französischer Jakobsweg. Von Le Puy-en-Velay nach Roncesvalles. Alle Etappen – mit Varianten und Höhenprofilen. Bergverlag Rother, München (recte: Ottobrunn) 2007, ISBN 978-3-7633-4350-8 (Rother Wanderführer).
  • Bert Teklenborg: Radwandern entlang des Jakobswegs. Vom Rhein an das westliche Ende Europas. (Radwanderreiseführer, Routenplaner). 3. überarbeitete Auflage. Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck 2007, ISBN 978-3-7022-2626-8.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gemeindeinformation auf annuaire-mairie.fr (französisch) Abgerufen am 21. Januar 2010
  2. Navarrenx auf Cassini.ehess.fr (französisch) Abgerufen am 4. Februar 2010
  3. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.quid.frGemeindeinformation auf quid.fr (französisch) Abgerufen am 21. Januar 2010.