Pangaea

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Dieser Artikel beschreibt den ehemaligen Superkontinent. Zu weiteren Bedeutungen siehe Pangaea (Begriffsklärung).
Pangaea im späten Perm, 260 Ma
Entwicklung von Avalonia, Baltica und Laurentia zum nördlichen Superkontinent Laurussia (Ordovizium bis Devon). 50 Ma später (im Karbon) erfolgte die Vereinigung mit Gondwana zu Pangaea.
Avalonia-Basement in Europa
Die Entstehung der Appalachen
Animation: Pangaea zerbricht, die heutigen Kontinente bilden sich

Pangaea, andere Schreibweise Pangäa, selten auch Pangea (von altgriechisch πᾶν pān „ganz“ und γαῖα gaia „Erde“, „Land“, wörtlich also „Ganze Erde“)[1], war der letzte globale Superkontinent der Erdgeschichte.

Er existierte als zusammenhängende Landmasse vor etwa 300 bis 150 Millionen Jahren (Karbon bis Jura), also in dem Abschnitt der Erdgeschichte, in dem sich das große Massenaussterben am Ende des Perm abspielte und sich die Dinosaurier entwickelten.

Geschichte des Begriffs[Bearbeiten]

Das Konzept, dass zu Ende des Paläozoikums alle Kontinente in einem Superkontinent vereinigt waren, geht zurück auf Alfred Wegener, der die Idee 1912 erstmals publizierte.[2] Später erweiterte er diese Arbeit zu seinem berühmten Buch Die Entstehung der Kontinente und Ozeane, das ab 1915 in sechs Auflagen erschien. In der zweiten, völlig überarbeiteten Auflage von 1920 erscheint erstmals der Begriff Pangäa.[3] Der Begriff fand dann als Pangaea Eingang in die deutsche Literatur[4] sowie in die englischsprachige Literatur (vor allem durch den Symposiumsband zu einem Meeting der American Association of Petroleum Geologists im November 1926[5]). Alfred Wegener selbst benutzte den Begriff jeweils nur ein einziges Mal in seinen Arbeiten.

Entstehung[Bearbeiten]

Pangaea entstand durch den Zusammenprall von Laurussia – dem Old-Red-Kontinent – und Gondwana – dem Großen Südkontinent – durch Schließung des Iapetus-Ozeans und des Rheischen Ozeans.

Die kleineren Peri-Gondwana-Elemente Perunica, Armorica, aber auch die Kratone des heutigen Sibirien, Kasachstans, Nord- und Südchinas sowie mehrere vulkanische Inselbögen waren weitere Konstituenten. Umgeben war Pangaea vom weltumspannenden Ozean Panthalassa und seiner riesigen östlichen Bucht, der Tethys.

Gebirgsbildungen[Bearbeiten]

Im Zuge der Kollisionen der Kontinentalschollen im Paläozoikum und der Hebung der durch Subduktion entstandenen Geosynklinalen bzw. Tiefseerinnen kam es zur Bildung von vielen noch heute vorhandenen Faltengebirgen und Gebirgsbildungen durch Akkretion und Vulkanismus.

Stark verfaltete und abgetragene Terrane Avalonias – aus der ersten Kollision mit Baltica und der zweiten Kollision mit Laurentia – findet man in Neufundland, England, Norddeutschland, im Karpatenbogen und auf der Balkanhalbinsel sowie in Spanien und Marokko.

Die ersten dieser Gebirgsbildungen sind die Takonische und die Kaledonische Orogenese im späten Ordovizium und im Silur (444–416 mya). Davon betroffen waren

Einige zehn Millionen Jahre später (die Phasen gehen ineinander über) folgte die Akadisch-Variszische Orogenese im Devon und Karbon (390–310 mya).

In der Trias (ab 250 mya) bildeten sich im späteren Mitteleuropa die Schichten der Germanischen Entwicklung durch die Erosion der Varisziden, während es im Bereich des heutigen Mittelmeers und der Alpen zu massiven Ablagerungen der Tethys kam. In Russland vollendete sich das Zusammenquetschen des russischen Kratons Balticas – damals Teil Laurussias – mit dem westlichen sibirischen und kasachischen Kraton, das bereits den Ural geformt hatte.

Tektonische Begleiterscheinungen und Folgen[Bearbeiten]

Alle Gebirgszüge dieser Epochen sind durch Erosion soweit sedimentiert, dass die ehemaligen Sechs- bis Achttausender-Gipfel bestenfalls als Rumpfgebirge sichtbar sind oder Schichten in späteren Gebirgsbildungen bilden. Besonders interessant erscheint die Tatsache, dass Sedimente des Iapetus-Ozeans sowohl in den Appalachen als auch in den Kaledonischen Bergen als Sutur nachweisbar sind. Dies bedeutet, dass genau an der ursprünglichen Verschweißungszone der Kontinentalschollen nach 150 Millionen Jahren – zumindest zum Teil – auch deren Bruch erfolgte.

So wie bei jeder Gebirgsbildung kam es auch hier zur Hebung älterer Gesteinsschichten: In der Böhmischen Masse des Waldviertels in Niederösterreich wurden durch die variszischen Hebungsereignisse Gneise aus dem Superkontinent Rodinia von vor 1,1 Milliarden Jahren zutage gefaltet bzw. auf jüngere Gesteinsschichten überschoben.

Die variszischen Gebirgsbildungen hatten auch Magma-Aufstiege aus der Tiefe zur Folge, die verschiedenorts zu Erzlagerstätten geführt haben. Durch die im Vorland der Geosynklinalen auftretenden Senkungen sind dort auch abgetragene Massen von Gebirgsschutt und Feinsedimenten abgelagert worden (siehe auch Sedimentbecken). Diesen Vorgängen verdankt u.a. das Ruhrgebiet seine zahlreichen Kohlenflöze.

Auflösung[Bearbeiten]

Durch plattentektonische Vorgänge zerbrach Pangaea im Jura – vor etwa 150 Ma – unter Ausbildung der Paratethys im heutigen Mitteleuropa und Südeuropa vorerst wieder in die Großkontinente Laurasia und Gondwana, aus denen es entstanden war und die später in der Kreidezeit – vor etwa 135 Ma – im Zuge der Spreizung des Atlantiks und der Umbildung der Tethys zum Indischen Ozean und Antarktischen Ozean in die uns heute bekannten Kontinente zerfielen.

Die Böhmische Masse, aber auch die anderen südlichen Teile der Varisziden, bildete – beginnend vor etwa 100 Ma – das „Widerlager“ zur Afrikanischen Platte auf ihrem Weg nach Norden. Diese Kollision warf und wirft bis heute unter anderem die Alpen auf.

Diese jüngeren Bergketten sind insbesondere die alpidischen Gebirgszüge der Alpen, des Apennin, der Karpaten, Balkangebirge und Pyrenäen in Europa, des Himalaya in Asien, das Atlasgebirge in Nordafrika oder die Rocky Mountains in Nordamerika und die Anden in Südamerika, welche sich etwa um die Kreide-Tertiär-Grenze vor 65 Millionen Jahren aus dem Urozean erhoben.

Der Erdmantel unter Pangaeas ehemaliger Position ist noch immer heiß. Wegen der damit im Zusammenhang stehenden Konvektionsströmung des Magmas liegt Afrika etwa zehn Meter höher als die übrigen Kontinente.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Alfred Wegener: Die Entstehung der Kontinente und Ozeane. 2. Aufl., 135 S., Friedrich Vieweg & Sohn, Braunschweig 1920, Online bei archive.org
  • Alfred Wegener: The origin of continents and oceans. transl. by J. G. A. Skerl, 212 S., Methuen & Co, London 1924 (S.192)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pangaea – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Pangäa – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wilhelm Gemoll: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch. München/Wien 1965.
  2. Alfred Wegener: Die Entstehung der Kontinente. Dr. A. Petermann's Mitteilungen aus Justus Perthes' Geographischer Anstalt, 58(1): Gotha 1912
  3. Wegener (1920), S. 120
  4. Erich Jaworski: Die A. Wegenersche Hypothese der Kontinentalverschiebung. Geologische Rundschau, 13: 273-296, Berlin 1922. Online bei digizeitschriften.de
  5. Willem A. J. M. van Waterschoot van der Gracht (und 13 weitere Autoren): Theory of Continental Drift: a Symposium of the Origin and Movements of Land-masses of both Inter-Continental and Intra-Continental, as proposed by Alfred Wegener. X + 240 S., Tulsa, Oklahoma, USA, The American Association of Petroleum Geologists & London, Thomas Murby & Co.