Parketthandel

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traditioneller Parketthandel an der New York Stock Exchange

Der Präsenzhandel, Parketthandel oder Criée-Handel (franz.: criée bedeutet „zugerufen“) ist eine Form des freien Handelns mit Wertpapieren und beeinflusst bzw. prägt somit die Kursbildung an Börsen an einem Markt. Gelegentlich werden hierfür auch die Bezeichnungen Ringhandel, Zurufhandel oder der englische Ausdruck open outcry trading verwendet.

Bezeichnungen[Bearbeiten]

  • Criée-Handel bezeichnet eine Form des Börsenhandels, bei der die Händler sich die (Verkaufs-)Preise zurufen (à la criée) und/oder mit Handzeichen zu verstehen gegeben, dass sie mit dem Kauf zu diesem Preis einverstanden sind. Zurufe und Handzeichen gehören zu den (meist ungeschriebenen) Börsenusancen. Der eigentliche Handel wird von Personen im Hintergrund abgewickelt. So bedeutet im Wertpapierhandel der Ausruf „Geld“, dass jemand kaufen will. „Brief“ hingegen wird gerufen, wenn jemand verkaufen will.
  • Parketthandel bezeichnet eine Form des Börsenhandels, bei der sich die Marktteilnehmer persönlich zu festgelegten Zeiten an einem vorgegebenen Ort, dem sogenannten Parkett, treffen, um dort zu handeln.
  • Präsenzhandel besagt, dass die persönliche Anwesenheit der handelnden Personen (z.B. Börsenmakler) ein wesentliches Merkmal ist.

Geschichte und Bedeutung (heute)[Bearbeiten]

computergestützter Parketthandel in Frankfurt, 2008
Börsenparkett der New York Stock Exchange, 2008

Zu den Börsenhandelszeiten versammeln sich dort die zugelassenen Unternehmen, deren Händler und die Skontroführer. Die Händler sind Mitarbeiter von Kreditinstituten und Finanzunternehmen. Sie kaufen und verkaufen im Auftrag ihrer Kunden oder auf eigene Rechnung.

Der Parketthandel im ursprünglichen Sinne wird heute immer mehr von computergestützten Handelssystemen verdrängt. Dies geschieht über elektronische Orderleitsysteme (z. B. Xetra in Deutschland), die die Aufträge der Bank direkt an die Börse und somit ins Orderbuch der Skontroführer weiterleiten.

Teilweise wird auf dem Parkett nur noch von 09:00 bis 14:30 Uhr gehandelt (z.B. Light, Sweet Crude Oil Futures and Options). Der nachbörsliche Handel findet ausschließlich computerisiert statt.

Die weltweit bedeutendste Parketthandelsbörse ist die New York Stock Exchange. Auch an den großen Terminbörsen Nordamerikas, der NYMEX und der CBOT, sowie an der Londoner Metallbörse findet nach wie vor Präsenzhandel statt.

Sogenannte Computerbörsen oder elektronische Handelssysteme (Computerhandelssysteme, wie Xetra) sind weltweit allgemein zugänglich und verdrängen den klassischen Parketthandel. Über 95 Prozent des deutschen Aktienhandels − gemessen an den Geschäftsanteilen am Kurswert − wird über Xetra abgewickelt. Der Handel an der Präsenzbörse in Frankfurt am Main wurde am 20. Mai 2011 eingestellt.

Kursbildung am Parketthandel[Bearbeiten]

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Die klassische Form der Order über einen Börsenmakler unterscheidet sich vom Xetra-Handel insbesondere dadurch, dass Käufer einen Verkäufer suchen und umgekehrt. Bei Computerhandelssystemen (z. B. XETRA) oder Computerbörsen (z. B. SIX Swiss Exchange) werden hingegen die Aufträge ohne Rücksicht auf die Person einfach nach Gegenpositionen abgesucht und anhand der Limits abgearbeitet. Beim Xetra-Handel kann es unter Umständen dazu kommen, dass ein Auftrag in mehrere Aufträge gesplittet wird. Der Makler führt jedoch meist den gesamten Auftrag zusammen aus.

Handel und Preisfeststellung an der CBoT[Bearbeiten]

Das Parkett der CBOT im Jahre 1993

Im Präsenzhandel oder Open Outcry des Chicago Board of Trade treffen sich die Händler bzw. Broker in einem Pit (meist achteckige Plattform; dem Parkett ähnlich), um die gewünschten Futures oder Optionen zu handeln. Jeder einzelne Kontrakt wird in einem gesonderten Pit gehandelt.

Obwohl das Treiben in den Pits von Außenstehenden oftmals als "hektisch" oder "ungeordnet" charakterisiert wird, herrschen genaue Regeln über die Prozedur zum Kauf oder Verkauf[1].

Hierzu wurde ein ausgeklügeltes System entwickelt, welches es den Tradern ermöglicht, sich mit Handzeichen über das ganze Pit zu verständigen und so effektiver zu handeln. Möchte ein Pit-Trader kaufen, zeigen die Handrücken grundsätzlich nach außen, den anderen Tradern entgegen. Will ein Pit-Trader verkaufen, zeigen seine Handflächen nach außen, den anderen Tradern entgegen. Der Verkäufer ruft nun dem Käufer, oder der Käufer dem Verkäufer, den Preis laut zu. Ist der Verkäufer mit dem Preis einverstanden, ruft er in der Regel "sold". Nun schreiben sich beide Händler die Händlernummer des anderen auf; es handelt sich hierbei um eine doppelte Buchführung. Der Handel ist hiermit abgeschlossen.

In der Mitte der Pits, dort ist die Akustik am besten, sitzen Angestellte der Börse und notieren die Kurse, zu dem Geschäfte stattfinden. Dies geschieht anhand der ausgerufenen Preise in Verbindung mit "sold" oder "done". Auf diese Weise kann der Preis zu jeder Zeit auch außerhalb des Pits, z.B. via Internet, in Echtzeit nachvollzogen werden.

Parkettbörsen in Europa[Bearbeiten]

Die wichtigsten Parkettbörsen in Europa sind bzw. waren:

  • Deutschland – Frankfurter Wertpapierbörse – der Parketthandel endete 2011[2]
  • Großbritannien – Londoner Börse
  • Österreich – der Parketthandel wurde 1997 eingestellt
  • Schweiz – der Parketthandel wurde 1996 abgeschafft

Insbesondere Regionalbörsen halten jedoch am Präsenzhandel fest, indem sie versuchen, Nischen zu besetzen. So konzentriert sich die Börse Berlin auf Auslandswerte, und die Börse Stuttgart führt den Optionsscheinhandel an.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Art of Hand Signals Handels-Signale | 455 Kibibyte
  2. Deutsche Börse: Frankfurter Börse: Klassischer Parketthandel endet vom 23. Mai 2011. Abgerufen am 3. Juli 2011.