Pfaffendorfer Brücke

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50.3531194444447.6046138888889Koordinaten: 50° 21′ 11,2″ N, 7° 36′ 16,6″ O

f1

B49 Pfaffendorfer Brücke
 Pfaffendorfer Brücke
Die Pfaffendorfer Brücke mit dem dahinter gelegenen Kurfürstlichen Schloss
Nutzung Bundesstraße
Überführt

Bundesstraße 49

Querung von

Rhein

Ort Koblenz
Konstruktion Balkenbrücke
Gesamtlänge 311,32 m
Längste Stützweite 104,56 m
Baubeginn 1862, 1952
Fertigstellung 1864, 1953
Eröffnung 3. Juni 1864
Lage
Pfaffendorfer Brücke (Deutschland)
Pfaffendorfer Brücke
Straßenkarte Raum Koblenz
Bruecken koblenz.png
6 = Pfaffendorfer Brückep1

Die Pfaffendorfer Brücke ist die älteste Brücke über den Rhein in Koblenz. Sie ermöglicht die Rheinüberquerung der B 49 und verbindet die Innenstadt mit den Stadtteilen Pfaffendorf und Ehrenbreitstein. Eine erste Rheinbrücke wurde hier bereits im Jahre 1864 für die Eisenbahn fertiggestellt. Nach dem Umbau zur Straßenbrücke 1934 und der Kriegszerstörung 1945 stammt der heutige Brückenbau aus dem Jahr 1953.

Geschichte[Bearbeiten]

Eisenbahnbrücke[Bearbeiten]

Das Brückenmonument in den Rheinanlagen mit der Pfaffendorfer Brücke dahinter 2011

Eine Säule in den Rheinanlagen (gegenüber dem Weindorf) erinnert noch heute an den ersten Bau der Pfaffendorfer Brücke in den Jahren 1862 bis 1864. Die Inschrift auf der Vorderseite der Säule nennt den Tag der Grundsteinlegung unter der Regierung König Wilhelms I., den 11. November 1862 und den Tag der Einweihung, den 9. Mai 1864.

Die erste feste Rheinbrücke in Koblenz wurde nach Plänen des Eisenbahningenieurs Emil Hermann Hartwich im Auftrag der Rheinischen Eisenbahngesellschaft errichtet. Sie war zunächst eine reine Eisenbahnbrücke, über die die Züge bis Niederlahnstein fuhren. Von hier bestand seit 1864 ein Anschluss nach Oberlahnstein zur Nassauische Rheinbahn. Sie verband somit das Netz der linken mit bis dahin gebauten südlichen Abschnitt der rechten Rheinstrecke. Mit drei Bogen aus Schmiedeeisen-Konstruktion, jeder Bogen 97 m lang, überspannte sie den Rhein. Die Höhe der Bogen betrug 3,14 m. Die Bogenstücke überragten hoch die Fahrbahn. Zwei 10 m hohe Festungstürme, die mit eisernen Toren versehen waren und geschlossen werden konnten, riegelten die beiden Enden der Brücke ab. Zusätzlich wurde der rechtsrheinische Anschluss noch durch die 1864–1867 entstandene Horchheimer Torbefestigung mit einer Verbindung zum Ehrenbreitsteiner Hafen gesichert. Die Brücke wurde von Zeitgenossen als „schönste Eisenbrücke Deutschlands“ bezeichnet.[1] Ihre Konstruktion stand später Modell für die 1873 fertiggestellte Duisburg-Hochfelder Eisenbahnbrücke.

Dem Brückenbau waren verkehrspolitische Verhandlungen zwischen Preußen und dem Herzogtum Nassau vorangegangen. Preußen wünschte neben der bestehenden Bahnlinie am linken Rheinufer eine weitere im rechtsrheinischen Hinterland, die im Fall eines Krieges mit Frankreich nicht so schnell durch gegnerische Vorstöße unterbrochen worden wäre. Nassau befürwortete dagegen eine Linie unmittelbar am rechten Rheinufer. Auf der anderen Seite suchte Nassau nach einer Möglichkeit, sein Eisenbahnnetz mit der Strecke am linken Rheinufer zu verbinden. Die Einigung zog 1857 die nassauische Konzession für die Lahntalbahn über die preußischen Städte Gießen und Wetzlar durch nassauisches Gebiet nach Koblenz auf der einen Seite und auf der anderen den Bau der Pfaffendorfer Brücke nach sich. Während der Bauzeit der Pfaffendorfer Brücke wurde als Zwischenlösung zur vorzeitigen Verbindung der linken mit der rechten Rheinstrecke das Trajekt Stolzenfels–Oberlahnstein eingesetzt.

Nach dem Deutschen Krieg von 1866 wurde das Herzogtum Nassau von Preußen annektiert. Nun wurde die rechte Rheinstrecke weiter nach Norden über Ehrenbreitstein bis nach Deutz verlängert. Dies erforderte eine Abzweigung von der Pfaffendorfer Brücke nach Norden. Dazu wurde 1869 ein gebogener Viadukt angelegt wurde, der die Horchheimer Torbefestigung durchschnitt.

Ursprünglich war die Pfaffendorfer Brücke nicht für den Fahr- und Fußgängerverkehr freigegeben, doch konnte bereits ab 1865 für Stunden, in denen keine Züge verkehrten, die südliche Seite für den allgemeinen Verkehr genutzt werden. Erst mit dem Bau der Horchheimer Eisenbahnbrücke im Jahr 1879 wurde die Südseite ganz dem allgemeinen Verkehr überlassen.

Im Jahre 1899 wurde die Brücke ganz der Coblenzer Straßenbahn-Gesellschaft überlassen, die damit die Gelegenheit erhielt, ihr Verkehrsnetz auf der rechten Rheinseite auszubauen. Die letzten Eisenbahnzüge überquerten die Pfaffendorfer Brücke zu Beginn des Ersten Weltkrieges im August 1914.

Umbau zur Straßenbrücke[Bearbeiten]

Im Jahre 1932 nahm die Stadt Koblenz die Pfaffendorfer Brücke in Besitz und beschloss einen Umbau der Brücke, der sich fast zu einem Neubau gestaltete. Die umgebaute Straßenbrücke wurde 1934 fertiggestellt. Mit vier Fahrspuren und zwei Fußgängerwegen erreichte sie eine Gesamtbreite von 16 m. Die Brückentürme wurden abgerissen, an der Städtischen Festhalle erhielt sie eine neue Zufahrtsrampe, wobei ein Teil der Rheinanschlusskaserne überbaut wurde. Auf dem rechten Rheinufer neben der Abfahrtsrampe wurde noch eine Zufahrt über die Eisenbahnlinie zur Umgehungsstraße EhrenbreitsteinLahnstein (heute B 42) errichtet.

Kriegszerstörung und Neubau[Bearbeiten]

Blick von der Einfahrt des Glockenbergtunnels auf die Pfaffendorfer Brücke
Die Pfaffendorfer Brücke gesehen von den Rheinanlagen

Wie alle Koblenzer Brücken wurde auch die Pfaffendorfer Brücke am 7. März 1945 von den sich zurückziehenden Einheiten der Wehrmacht gesprengt. Anfang 1946 begann bereits der Bau einer Behelfsbrücke. Die Zustimmung zum Wiederaufbau einer neuen festen Rheinbrücke erfolgte im Jahr 1950. Man hatte sich für eine Stahlbalkenbrücke entschieden. Der Neubau der Pfaffendorfer Brücke sollte die Wiederherstellung der Schiffbrücke für immer ausschließen. Die neue Brücke erhielt eine vierspurige Fahrbahn, danebenliegende Radwege von 1,60 m und beiderseits Gehwege von 2,60 m Breite. Am 18. Juli 1953 wurde die Brücke dem Verkehr übergeben. Die Behelfsbrücke wurde abgebrochen.

In den 1960er Jahren wurde der Anschluss auf der Innenstadtseite neu geordnet. Nachdem bereits 1952 die Städtische Festhalle abgerissen und durch die nach hinten versetzte Rhein-Mosel-Halle ersetzt wurde, musste 1956 auch das Barbara-Denkmal der neuen Verkehrsplanung weichen. Damit wurde ein kreuzungsfreier Anschluss an den Friedrich-Ebert-Ring und an die Neustadt erreicht.

Um auch auf der östlichen Brückenseite einen kreuzungsfreien Anschluss an die B 42 zu verwirklichen, wurde am 27. Juni 2003 nach zwölfjähriger Bauzeit der 265 m lange Glockenbergtunnel eröffnet.

Brückenschäden[Bearbeiten]

Am 1. Oktober 2008 wurde die von Norden zur Pfaffendorfer Brücke führende Rampe, die über den ehemaligen Eisenbahnviadukt führt, wegen akuter Einsturzgefahr für den Verkehr gesperrt. Nachdem die Schäden provisorisch repariert wurden, konnte dieser Bereich am 27. November 2009 wieder freigegeben werden.[2]

Wie zuvor schon bei der Koblenzer Europabrücke, wurde im Mai 2011 bekannt, dass auch die Pfaffendorfer Brücke starke Schäden aufweist. Die aus vier Teilen (Flussbrücke, Brückenstraße, Vorlandbrücke und Radwegebrücke) bestehende Rheinbrücke ist unterschiedlich geschädigt. Vor allem die Zufahrten (rechtsrheinische Brückenstraße und linksrheinische Vorlandbrücke) müssen dringend erneuert werden.[3] Da eine Ertüchtigung als unwirtschaftlich erscheint, ist ein völliger Neubau der Rheinquerung im Gespräch. Bei den für 2017 geplanten Arbeiten muss vor allem beachtet werden, dass die historischen Unterbauten denkmalgeschützt sind und erhalten bleiben müssen. Um die wichtige Verkehrsader offen zu halten, die täglich von etwa 30.000 Fahrzeuge genutzt wird, soll das neue Brückenbauwerk neben der jetzigen Brücke errichtet und dann verschoben werden.[4] Im Juli 2014 wurde mit der Sanierung von Stahlelementen der Übergangskonstruktion begonnen, um die Brücke bis zum Neubau 2017 verkehrssicher zu halten.[5] Auch eine Brücke am Anschluss auf der Innenstadtseite ist geschädigt und muss bis zum Neubau gestützt werden.[6]

Bau[Bearbeiten]

Die Pfaffendorfer Brücke ist eine 311,32 m lange Balkenbrücke über den Rhein. Die Widerlager auf beiden Uferseiten ruhen auf den historischen Teilen der Vorgängerbrücke.

Von der alten Brücke sind die beidseitigen Brückentürme, die bis auf das Straßenniveau abgebrochen und auf der heutigen Brücke durch rechteckige Ausbuchtungen erkennbar sind, sowie ein überdeckter Rundturm an der Nordabzweigung und der kasemattierte Eisenbahnviadukt (heute Straßenzufahrt von Norden) auf der rechten Rheinseite erhalten. Auf der linken Rheinseite sind der Landbogen mit der Kaiserhalle und die südliche Stirnwand der ehemaligen Rheinanschlusskaserne sichtbar geblieben. Alle Bauteile wurden aus hellem Sandstein errichtet, wobei Schießscharten an den Verbindungsmauern sowie die Fenster und Kanten an den Brückentürmen mit dunkleren Steinen hervorgehoben sind. Die Bögen des Viaduks wurden zu Lagerräumen umfunktioniert und deshalb mit Tür- und Fensteröffnungen geschlossen.


Denkmalschutz[Bearbeiten]

Die Unterbauten der Pfaffendorfer Brücke sind geschützte Kulturdenkmale nach dem Denkmalschutzgesetz (DSchG) und in der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz eingetragen. Sie liegen linksrheinisch in Koblenz-Südliche Vorstadt in der Denkmalzone Kaiserin-Augusta-Anlagen und rechtsrheinisch in Koblenz-Pfaffendorf.[7]

Seit 2002 ist die Pfaffendorfer Brücke Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Energieversorgung Mittelrhein GmbH (Hrsg.): Geschichte der Stadt Koblenz. Gesamtredaktion: Ingrid Bátori in Verbindung mit Dieter Kerber und Hans Josef Schmidt
    • Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Ende der kurfürstlichen Zeit. Theiss, Stuttgart 1992. ISBN 3-8062-0876-X
    • Bd. 2: Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart. Theiss, Stuttgart 1993. ISBN 3-8062-1036-5
  • Fritz Michel: Die Kunstdenkmäler der Stadt Koblenz. Die profanen Denkmäler und die Vororte, München Berlin 1954, (Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz Erster Band).
  • Stadt Koblenz: Koblenz Stadt der Brücken Dokumentation zur Einweihung der Koblenzer Balduinbrücke, Koblenz, August 1975
  • Atlas zur Zeitschrift für Bauwesen. Jg. XIV, Berlin 1864 Tafeln 47ff. Download bei der Zentral- und Landesbibliothek Berlin
  • Ulrike Weber (Bearb.): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Band 3.3: Stadt Koblenz. Stadtteile. Werner, Worms 2013, ISBN 978-3-88462-345-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pfaffendorfer Brücke – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Caspar Scheuren: Die Rhein-Anlagen bei Coblenz. Loeillot, Berlin 1866.
  2. Brückenstraße wird am Freitag wieder freigegeben in: Rhein-Zeitung, 25. November 2009
  3. Ingo Schneider: Pfaffendorfer Brücke muss dringend saniert werden. In: Rhein-Zeitung, 19. Mai 2011
  4. Pfaffendorfer Brücke: Neubau statt Sanierung? in: Rhein-Zeitung, 5. Oktober 2013
  5. Koblenz: An Pfaffendorfer Brücke drohen lange Staus in: Rhein-Zeitung, 8. Juli 2014
  6. Koblenz: Brücke an der Neustadt muss gestützt werden in: Rhein-Zeitung, 08. August 2014
  7. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler - Kreisfreie Stadt Koblenz (PDF; 1,5 MB), Koblenz 2013