Russ Feingold

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Russ Feingold

Russell Dana „Russ“ Feingold (* 2. März 1953 in Janesville, Wisconsin) ist ein US-amerikanischer Politiker (Demokratische Partei). Von 1993 bis 2011 vertrat er den Bundesstaat Wisconsin im US-Senat.

Feingold ist besonders für die „Bipartisan Campaign Reform Act“ („McCain-Feingold Bill“, Wahlkampffinanzierungsreform) bekannt, sowie dafür, dass er als einziger Senator gegen die Einführung des USA PATRIOT Act 2001 stimmte. Er wurde als möglicher Präsidentschaftskandidat 2008 gehandelt, allerdings gab er im November 2006 bekannt, dass er nicht antreten würde.[1]

Kindheit[Bearbeiten]

Feingold ist als eines von vier Kindern in eine jüdische Einwandererfamilie, die sich 1917 in Janesville niederließ, hineingeboren. Seine Eltern kommen aus Russland und Galizien. In seiner Jugend hegte er sehr große Bewunderung für John F. Kennedy, Robert F. Kennedy und Martin Luther King.

Nach dem Besuch der Joseph A. Craig High School studierte Feingold an der Universität von Wisconsin-Madison und schloss das Studium 1975 als Bachelor of Arts cum laude ab. Er war Mitglied des Phi-Beta-Kappa-Studentenrings. 1977 ging er mit einem Rhodes-Stipendium nach Oxford, wo er einen weiteren Bachelor of Arts erwarb. In Harvard machte Feingold 1979 seinen Abschluss in Rechtswissenschaften.

Karriere[Bearbeiten]

Feingold arbeitete von 1979 bis 1985 bei den privaten Anwaltsfirmen Foley & Lardner und La Follette & Sinykin. Ab 1982 saß er im Senat von Wisconsin, bis er in den Senat der Vereinigten Staaten gewählt wurde. Während seiner Anfangszeit im Kongress stand ihm Senator Paul Simon als Mentor zur Seite.

Familienleben[Bearbeiten]

Feingold heiratete zweimal, Sue Levine und Mary Speerschneider. Er heiratete Sue 1977 und hatte zwei Kinder mit ihr (Jessica und Ellen), bevor die Ehe neun Jahre später auseinanderbrach. Danach heiratete er die ebenfalls geschiedene Mary Speerschneider, die zwei Söhne (Sam und Ted) mit in die Ehe brachte. Am 11. April 2005 kündigten sie gemeinsam an, sich scheiden lassen zu wollen.

Senat[Bearbeiten]

Wahl 1992[Bearbeiten]

Russ Feingolds Karriere als Senator begann 1992 mit einem überraschenden Sieg über den republikanischen Amtsinhaber Bob Kasten. Am bemerkenswertesten waren dabei die fünf Wahlversprechen, die er in Vertragsform auf sein Garagentor schrieb:

  1. Ich werde mich bei den meisten meiner Beiträge auf die Bürger von Wisconsin verlassen.
  2. Ich werde in Middleton, Wisconsin leben. Meine Kinder werden hier zur Schule gehen und ich werde die meiste Zeit hier in Wisconsin verbringen.
  3. Ich werde während meiner sechsjährigen Amtszeit keine Gehaltserhöhungen akzeptieren.
  4. Ich werde in jedem Jahr meiner sechsjährigen Amtszeit eine „Sprechstunde“ in jedem der 72 Countys von Wisconsin halten.
  5. Ich werde die Mehrheit meiner Senatsmitarbeiter aus Leuten aus Wisconsin oder mit Hintergrund aus Wisconsin (Wisconsin backgrounds) zusammenstellen (engagieren). [2]

Auch wurde von Feingolds Wahlkampagne Notiz genommen, welche oft mit der siegreichen Senatskampagne, die der führende Kandidat Paul Wellstone in Minnesota benutzte, verglichen wurde. Er machte Werbung in Form von kurzen „Home Movies“, Amateurfilmen, in denen er als „the underdog running for U.S. senate“ porträtiert wurde. Er wurde als mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehend dargestellt und stellte den Leuten auch sein Heim und seine Kinder vor, welche auf eine öffentliche Schule (also keine Privatschule) gehen. Damit wurde dargestellt, dass die Feingolds nah am Volk sind und sich nicht abheben. Seine Wahlwerbungen zeugten auch von seinem Sinn für Humor. Eine zeigte Feingold dabei, wie er all seine Wandschränke öffnet, um zu beweisen, dass er keine Skelette darin versteckt hat (Im Deutschen würde man sagen: „Dass er keine Leichen im Keller hat“).

Während der Kampagne stellte Feingold einen 82-Punkte-Plan vor, der das Haushaltsdefizit durch Steuererhöhungen und Einschnitten im Verteidigungsetat (der in den USA übrigens eine große Rolle spielt, da florierende Rüstungsunternehmen Arbeitsplätze schaffen) ausgleichen sollte. Er wurde dafür von den Republikanern als „Extremist“ und von seinen demokratischen Konkurrenten als „zu liberal“ kritisiert. Für die Amtsperiode kündigte Feingold eine umfangreiche Finanz- und Gesundheitsreform an und stimmte gegen neue Steuersenkungen.

Es gab in der Vorwahl der Demokraten zwar zwei führende Kandidaten (Joe Checota und Jim Moody), aber Feingold gewann als lachender Dritter, weil er den Wählern eine gute Alternative zu den Programmen seiner Konkurrenten bot und nicht wie diese eine „Schlammschlacht“ führte. Auch dies wurde in einem Wahlwerbespots mit seinen Gegnern aus Pappe, die sich eine Schlammschlacht liefern, bildhaft dargestellt. Die eigentliche Wahl gewann er gegen Kasten mit 53 % zu 46 %.

Wahl 1998[Bearbeiten]

Während der Kampagne für seine Wiederwahl 1998 vermied Feingold wieder einen Wahlkampf, der mit viel Geld finanziert wird. Er lehnte es ab, mehr als einen Dollar für jeden Bürger von Wisconsin (3,8 Mio.) auszugeben. Zusätzlich setzte er sich für die Beschaffung des Geldes die gleichen Grenzen, denen er auch unter dem McCain-Feingold-Gesetz ausgesetzt worden wäre und ließ sich auch nicht von seiner Partei mit sogenanntem „Soft Money“ (Geld, das nicht direkt gespendet wird, sondern z.B. über den Umweg über die Partei) helfen.

Sein republikanischer Gegner Mark Neumann begrenzte sich daraufhin auch auf 3,8 Mio. Dollar, kassierte aber soft money.

Feingold wurde damals von vielen Parteifreunden kritisiert, weil er ihrer Meinung nach seine politische Karriere unnötig aufs Spiel setzen würde. Am Wahltag gewann Feingold dank der starken Wählerschaft in den Demokratenhochburgen Milwaukee und Madison mit etwa zwei Prozentpunkten Vorsprung.

Wahl 2004[Bearbeiten]

Russ Feingold mit Elena Kagan, der Kandidatin für den Obersten Gerichtshof (2010)

Bei den Senatswahlen 2004 besiegte Feingold seinen republikanischen Gegner, den Baulöwen Tim Michaels, mit zwölf Prozentpunkten Vorsprung. Er begrenzte wieder seine Wahlkampfkosten, erhöhte die Grenze aber und gab schließlich fast 11 Millionen Dollar aus.

Als die Republikaner versuchten, Feingold mit seinen Geldbegrenzungen als Heuchler hinzustellen, konnte er erfolgreich nachweisen, dass 90 % des Geldes von Privatleuten aus Wisconsin (im Durchschnitt 60 Dollar) kamen. Feingolds hoher Wahlsieg wurde von vielen als allgemeine Zustimmung zu den kontroversen Standpunkten, die er während seiner zweiten Amtszeit eingenommen hatte, gesehen. Feingold gewann sogar in Countys, die Präsident George W. Bush unterstützen.

Feingold hielt auch in der Folge regelmäßig seine Sprechstunden in allen 72 Countys ab und hörte sich die Sorgen seiner Bürger an. Seit seiner Wahl '92 hat er schon über 850 gehalten.

Gegen Weihnachten 2004 wurde Feingold zu einem von vier „deputy whips“ für die demokratische Fraktion im Senat ernannt. Feingold versicherte, dass die neue Rolle, die in etwa einem stellvertretenden Fraktionsgeschäftsführer entspricht, seine Unabhängigkeit in der Partei oder der Kammer nicht beeinträchtigen würde.

Ablehnung der Präsidentschaftskandidatur 2008[Bearbeiten]

Im späten Januar 2005 sagte Feingold dem Tiger Bay Club von Volusia County in Florida, dass er beabsichtige, erst im Land herumzureisen, bevor er seine Entscheidung für oder wider eine Präsidentschaftskandidatur 2008 fällen wollte. Im März 2005 registrierten seine Mitarbeiter die Internet-Seite www.russfeingold08.com online, ebenso .org- und .net-Versionen für seine potentielle Kampagne.

Nach dem Sieg der Demokraten bei den Wahlen im November 2006 gab er allerdings bekannt, dass er nicht antreten werde, da dies „sein berufliches (als Senator) und persönliches Leben zerstören würde“.[1]

Wahl 2010[Bearbeiten]

Bei den Senatswahlen 2010 unterlag Feingold seinem republikanischen Herausforderer Ron Johnson, der 51,9 % der Stimmen auf sich vereinigen konnte, und schied somit im Januar 2011 aus dem Kongress aus. Grund für sein Abschneiden mit nur noch 47 % war wahrscheinlich die noch immer angespannte wirtschaftliche Lage in Wisconsin, für das die Wähler die regierenden Demokraten verantwortlich machten.[3]

Progressives United[Bearbeiten]

Nachdem der United States Supreme Court im Januar 2010 unbegrenzte Wahlkampfspenden von Konzernen zuließ, gründete Feingold die Initiative Progressives United, deren Ziel es ist, nur noch Spenden von Privatleuten zuzulassen, den Lobbyismus einzudämmen und die Korruption zu bekämpfen.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Russ Feingold – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Russ Feingold – Zitate (Englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Milwaukee Journal Sentinel. Feingold rules out 2008 run for president. 11. November, 2006. (eng.)
  2. Promises Made, Promises Kept. Abgerufen am 6. Juni 2007.
  3. http://elections.nytimes.com/2010/results/wisconsin
  4. http://www.progressivesunited.org/about/