Savièse

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Savièse
Wappen von Savièse
Staat: Schweiz
Kanton: Wallis (VS)
Bezirk: Sionw
BFS-Nr.: 6265i1f3f4
Postleitzahl: 1965
Koordinaten: 591877 / 12206946.2500037.33332820Koordinaten: 46° 15′ 0″ N, 7° 20′ 0″ O; CH1903: 591877 / 122069
Höhe: 820 m ü. M.
Fläche: 71.0 km²
Einwohner: 7149 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 101 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 13,2 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.saviese.ch
Savièse

Savièse

Karte
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Savièse (dt. Safiesch) ist eine politische Gemeinde im Bezirk Sion im französischsprachigen Teil des Kantons Wallis in der Schweiz. Die Gemeinde setzt sich aus mehreren Dörfern zusammen, die sich auf einem Plateau oberhalb der Weinberge nördlich von Sitten befinden.

Geographie[Bearbeiten]

Savièse liegt auf 820 m ü. M. nördlich des Kantonshauptorts Sitten auf der rechten, nördlichen Seite der Rhone-Ebene. Der Grossteil des Siedlungsgebiets liegt am Ausläufer des Prabé (2'042 m ü. M.), der hier steil abfällt. Die Gemeinde erstreckt sich von 515 m ü. M. in der Nähe von Vuisse bis 3'176 m ü. M. auf dem Gipfel des Mont Pucel im Wildhornmassiv, der hier die Grenze zur Gemeinde Ayent bildet.

Vom gesamten Gemeindegebiet von 71.0 km² sind 40.53 km² unproduktive Fläche (meist Gebirge), 15.05 km² landwirtschaftliche Nutzflächen, 11.24 km² Wald und Gehölz und 3.36 km² Siedlungsfläche. 0.83 km² entfallen auf Gewässer. Somit ist sie flächenmässig die mit Abstand grösste Gemeinde im Bezirk Sion.

Das Gemeindegebiet liegt auf der Wasserscheide zwischen den Einzugsgebieten von Rhone und Rhein. Während sich der grösste Teil von Savièse über die Morge und ihren Nebenfluss Nétage in die Rhone entwässert, fliesst die auf der nördlichen Seite des Sanetschpasses entspringende Saane via Aare in den Rhein. Ein kleines Gebiet am Sex Rouge (2'315 m ü. M.) fliesst via Lizerne in die Rhone.

Savièse wird begrenzt von der Morge im Westen, von den Berner Alpen im Norden, von der Sionne im Osten und vom Rhonetal im Süden. Die Grenze zum Kanton Bern wird gebildet (von West nach Ost) vom Oldenhorn (3'123 m ü. M.), das gleichzeitig auch die Grenze zum Kanton Waadt bildet, Sanetschhorn (2'924 m ü. M.), Gstellihorn (2'820 m ü. M.), Schluchhorn (2'579 m ü. M.) und Spitzhorn (2'807 m ü. M.). Weitere Gipfel auf dem Gemeindegebiet sind unter anderem der Arpelistock (3'035 m ü. M.) und der Le Sérac (2'817 m ü. M.).

Der Sanetschsee

Im nördlichen Teil der Gemeinde erstreckt sich der Tsanfleurongletscher, dem die Morge entspringt, mit dem angrenzenden glatt polierten Gesteinsfeld Lapis de Tsanfleuron sowie der Sanetschsee, der die junge Saane staut.

Man findet auch dutzende Bergseen, darunter den Dürrsee und im Rhonetal mehrere Weiher, unter anderem den Lac de Mouchy, Etang de Motone, Etang de Binii, Etang de Rocher und den Etang d'Arvisi. Weitere kleine Gewässer sind die Tsanfleuronne und die Contheysanne, die einen Abschnitt der Gemeindegrenze zu Conthey bildet.

Zu Savièse gehören die Hauptsiedlung St-Germain mit den Weilern Prinzières und La Crettaz im Zentrum, die Siedlung Drône mit Monteiller und La Sionne im Osten, Granois und Chandolin im Westen und Roumaz wie auch Ormône mit den Weilern La Muraz und Diolly im Süden, sowie eine grosse Anzahl von Einzelhöfen.

Nachbargemeinden von Savièse sind Sitten, Conthey, Grimisuat, Arbaz und Ayent im Kanton Wallis, Gsteig und Lauenen im Kanton Bern sowie Ormont-Dessus im Kanton Waadt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ruinen des Château de la Soie bei Granois

Die erste urkundliche Erwähnung von Savièse erfolgte im Jahr 1200 unter dem Namen Saviesi. Für das Jahr 1224 ist der Name Savisia belegt.

Im Jahr 1219 erbaute Landri de Mont in Savièse die Burg Château de la Soie (dt. Seta). Der Bau verschlechtere die Beziehungen zum Haus Savoyen rapide, da sie ein Risiko für die Pläne der Savoyer darstellte, die Region Sitten unter ihre Herrschaft zu bringen.[3]

Savièse litt im 13. sowie im 14. Jahrhundert erheblich an den Savoyer Einfällen und dies trotz eines Vertrages im Jahr 1260 zwischen Peter von Savoyen und Heinrich von Raron, dem Bischof von Sitten, welcher Peter alle Gebiete westlich der Morge zusprach. Dazu kamen Streitigkeiten mit dem damals zu Savoyen gehörenden Conthey um Gebiete im Tal der Morge, so dass es zu blutigen Auseinandersetzungen kam. Conthey hatte Unterstützung von den Savoyern, den Schafiescher wurde von den Oberwallisern geholfen.[4]

Im 14. Jahrhundert war die Burg Seta Schauplatz eines langen Kampfes zwischen Guichard Tavelli und der Familie von Turn. Am 8. August 1375 artete der Streit aus und endete mit dem Fenstersturz, den von Ritter Anton von Turn in Auftrag gegebenen Mord an Bischof Witschard Tavel.[5]

1415 flüchtete Witschard von Raron, Nachkomme von Heinrich von Raron und Familienoberhaupt der von Raron, während des Raronhandels mit seiner Familie auf die Burg Seta, welche danach von den Landleuten belagert wurde. Die Landleute zwangen dem Bischof, welcher ein Neffe Witschards war, den Vertrag von Seta auf. Darin verpflichtete sich der Bischof das Mitspracherecht des Landrates anzuerkennen, unter anderem bei der Wahl des Landvogtes und allen wichtigen Ämtervergaben und Entscheidungen die das Wallis betrafen. 1417 wurde die Burg Seta schliesslich geplündert und niedergebrannt und 1447 wurde Savièse das Landrecht vergeben.

Als sich der Konflikt mit Savoyen immer mehr aufstachelte wurde das Dorf schliesslich am 2. November 1475 während der Burgunderkriege von den Savoyern niedergebrannt. Dabei verschwanden die Dörfer Malerna und Zuschuat von der Landkarte. Am 13. November wurden die Savoyer in der Schlacht auf der Planta vernichtend geschlagen und das ganze Unterwallis bis Saint-Maurice wurde von den Wallisern besetzt und einverleibt. Der Konflikt mit Conthey wurde gelöst und die Gemeinde trat mehrere Maiensässe an Savièse ab.

1798, während der französischen Revolution, kommt es zum Franzoseneinfall und daraufhin 1801 zur Besetzung von Savièse auf Geheiss von General Louis-Marie Turreau de Garambouville. Ab 1802 gehörte die Gemeinde zur unabhängigen Republik Wallis, von 1810 bis 1814 dann zum Département du Simplon im ersten französischen Kaiserreich und seit dem Wiener Kongress 1815 zur Schweizerischen Eidgenossenschaft. Hier gehörte sie von 1815 bis 1839 dem Zehnden Hérens und seit 1839 dem Bezirk Sion an.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1850 1703
1860 1825
1870 2013
1880 2075
1888 2089
1900 2259
1910 2492
1920 2563
1930 2'672
1941 2'887
1950 3'131
1960 3'203
1970 3'585
1980 4'097
1990 4'763
2000 5'341
2008 6'365
2012 6'939

Sprachen[Bearbeiten]

Von den Bewohnern sind 93.9 % französischsprachig, 3.5 % deutschsprachig und 1.0 % portugiesischsprachig (Stand 2000).

Religion und Konfessionen[Bearbeiten]

Im Jahr 2000 gab es 86.40 % römisch-katholische-, 4.7  % evangelisch-reformierte-, 2.04 % orthodoxe- und 0.32 % christkatholische Christen. Daneben findet man 2.88 % Konfessionslose und 0.54 % Muslime. 3.97  % der Bevölkerung machten keine Angaben zu ihrem Glaubensbekenntnis.

Herkunft und Nationalität[Bearbeiten]

Von den Ende 2013 7149 Bewohnern waren 6208 Schweizer Staatsangehörige.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Kirche Saint-Germain in Savièse

Die Pfarrkirche von Savièse wurde im 12. Jahrhundert erbaut und 1475 von den Savoyern zerstört. 1523 wurde der Bau einer neuen Kirche vom Architekten Ulrich Ruffiner im gotischen Stil vollendet und später mehrmals erweitert. In Savièse stehen auch mehrere Kapellen. Die Kapelle Sainte-Marguerite bei Binii wurde in den Jahren 1430 bis 1447 während dem Bau der Bisse Torrent-Neuf errichtet. Die in Chandolin stehende Kapelle Notre-Dame des Corbelins wurde 1666, die Kapelle in Drône 1694 und die in Monteiller im Jahr 1662 erbaut.[7]

Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Ruinen der Burg Château Seta aus dem Jahr 1219, das im Jahr 1568 erbaute Gemeindehaus sowie der 2008 neu eröffnete Wanderweg entlang der Bisse du Torrent-Neuf, einer Suone nordwestlich von Savièse im Tal der Morge.

Kultur[Bearbeiten]

In Savièse haben viele Maler gelebt und oder ihre Inspiration gefunden, darunter Raphael Ritz, Ernest Bieler, Édouard Vallet und Albert Chavaz. So entstand hier eine Künstlerkolonie, die unter dem Namen Schule von Savièse (frz. l'École de Savièse) bekannt wurde.[8]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Das Hôtel du Col du Sanetsch

War früher noch die Viehwirtschaft der wichtigste Erwerbszweig, ist es heute der Rebbau. So beschränkte sich der Rebbau am Ende des 19. Jahrhunderts noch auf eine kleine Fläche bei Diolly. Heute zählt Savièse etwa 300 Hektaren Rebfläche, was ca. 4.2% der Gemeindefläche ausmacht. Als 1941 noch 75% der Erwerbstätigen im tertiären Sektor beschäftigt waren, sind es im Jahr 2005 nur noch 34%.[6] Auch der Tourismus spielt eine Rolle. Das bekannteste Hotel ist das Hôtel du Col du Sanetsch, das als Kulturgut ausgeschrieben ist. Weiterhin kann man in Savièse neben Wandern, Mountainbiken und Klettern auch Höhlenwandern. Die grösste Höhle, die Grotte des Pinogouins, erreicht dabei eine Höhendifferenz von 270 Metern bei einer Länge von 2.5 Kilometern.[9]

Sendeantenne[Bearbeiten]

Savièse war seit 1948 Standort eines Mittelwellen-Füllsenders des Landessenders für den Kanton Wallis, der auf der Gemeinschaftswelle 1485 kHz mit 1 Kilowatt Sendeleistung betrieben wurde. Als Hauptantenne verwendete dieser Sender eine an einem geerdeten Turm abgespannte Drahtantenne, als Reserveantenne einen selbststrahlenden Sendemast ungewöhnlicher Bauart. Der Sender wurde im Dezember 2005 abgeschaltet und ein Jahr später demontiert.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Savièse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung Schweizer Bundesverwaltung
  3. Burg Seta saviese-tourisme.ch
  4. Zeitschrift: Anzeiger für schweizerische Alterthumskunde (1872-1875) (Cache) ETH Bibliothek, digitalisierte Zeitschriften
  5. Burganlage Seta Historisches Lexikon der Schweiz
  6. a b Savièse Historisches Lexikon der Schweiz
  7. Savièse Tourismus saviese-tourisme.ch
  8. Walliser Museen museen-wallis.ch
  9. Höhlen in der Schweiz mit mehr als 1000 m Gesamtlänge Schweizerische Gesellschaft für Höhlenforschung