Saint-Maurice VS

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VS ist das Kürzel für den Kanton Wallis in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Saint-Mauricef zu vermeiden.
Saint-Maurice
Wappen von Saint-Maurice
Staat: Schweiz
Kanton: Wallis (VS)
Bezirk: Saint-Mauricew
BFS-Nr.: 6217i1f3f4
Postleitzahl: 1890
UN/LOCODE: CH SMA
Koordinaten: 566493 / 11848246.2169517.004429414Koordinaten: 46° 13′ 1″ N, 7° 0′ 16″ O; CH1903: 566493 / 118482
Höhe: 414 m ü. M.
Fläche: 15.08 km²
Einwohner: 4516 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 299 Einw. pro km²
Website: www.st-maurice.ch
Saint-Maurice

Saint-Maurice

Karte
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Saint-Maurice (deutsch Sankt Moritz, in römischer Zeit Agaunum) ist eine politische Gemeinde und Hauptort des gleichnamigen Bezirks im französischsprachigen Teil des Kantons Wallis in der Schweiz. Die nordöstliche Gemeindegrenze bildet die Rhone, die hier auch die Kantonsgrenze zum Kanton Waadt ist.

In Saint-Maurice befindet sich neben der Abtei Saint-Maurice auch ein Konvent der Kapuziner sowie das 1906 gegründete Kloster mit Augustinerinnen.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung

Weisses Kleeblattkreuz auf blau-rot gespaltenem Wappenschild

Geschichte[Bearbeiten]

Saint-Maurice, Blick auf die Abteikirche

Saint-Maurice war zunächst der keltische Ort Acauno[2], der wegen seiner strategischen Lage am Eingang zum oberen Rhônetal die Aufmerksamkeit der Römer auf sich zog. Nach der Eroberung richteten sie dort einen Militärposten und eine Zollstation ein, um Abgaben von den Händlern zwischen Italien und Gallien zu erheben, denn der Ort lag an einer der grossen Handelsstrassen, die über den Mont-Joux-Pass[3] von Italien nach Germanien und Gallien führte.

Zahlreiche römische Legionen waren hier stationiert, von denen die sog. Thebäische Legion besonders bekannt wurde. Mauritius, der Hauptmann einer Abteilung dieser Legion, erlitt dort angeblich mit allen seinen Soldaten gegen Ende des 3. Jahrhunderts den Märtyrertod. Die Überreste von Mauritius und seinen Gefährten wurden von Bischof Theodor (auch: Theodul), dem ersten Bischof des Wallis, in ein Heiligtum an der Basis des Felsens beim heutigen Ort Saint-Maurice überführt.

Im Jahr 515 beauftragte König Sigismund von Burgund Mönche, hier ein Kloster zu errichten. Dieses Datum gilt als Gründung der Abtei Saint-Maurice, die damit als eine der ältesten Abteien der Schweiz anzusehen ist.

Von Anfang an war die Abtei ein grosser Anziehungspunkt für Pilger aus Germanien, Gallien und Italien. Die merowingischen und karolingischen Könige zeigten grosses Interesse an diesem Ort, war er doch der Zugang zu den Alpenpässen nach Italien. Die Ausstrahlung der Abtei zog nicht nur viele Pilger, sondern auch ständige Bewohner an. Daher ist die Geschichte des Ortes aufs Engste mit der des Klosters verbunden. Gegen Ende des 4. Jahrhunderts hiess der Ort Agaune. Im 9. Jahrhundert fügte man den Namen von Mauritius hinzu und so nannten Ort und Abtei sich von da an Saint-Maurice d’Agaune.

Wenn die Stadt auch am Ruf der Abtei Anteil hatte, so war sie sich auch der durch ihre strategische Lage bedingten Gefährdungen bewusst. So gab es Plünderungen durch die Langobarden im Jahr 574 und durch die Sarazenen Mitte des 10. Jahrhunderts. Der Ort wurde auch Zeuge der Gründung des 2. Burgunderreiches: Rudolf I. wurde 888 in der Abtei gekrönt. Nach 1032 kam der Ort unter die Herrschaft der Grafen von Savoyen und erhielt im 13. Jahrhundert von ihnen Freiheitsbriefe. Seit Ende des 15. Jahrhunderts die Walliser das Chablais eroberten, ist St-Maurice Verwaltungssitz des Unterwallis.

1798 wird die Unabhängigkeit des Wallis proklamiert: Die Repräsentanten des Ober- und Unterwallis vereinigen sich in Saint Maurice und beschliessen, die Republik Wallis auszurufen. Saint Maurice wird Distrikt-Hauptort. Durch die Intervention des französischen Direktoriums (1795–1798) wird das Wallis der von Frankreich geschaffenen Helvetischen Republik eingegliedert. Die Rebellion des Oberwallis gegen die neue Ordnung wird gewaltsam durch französische Truppen gebrochen.

Während der Mediationszeit wird das Wallis zunächst eine unabhängige Republik, dann ein Teil Frankreichs. Bis 1814 ist Saint-Maurice eine Unterpräfektur des Departements Simplon. 1815 schliesst sich das Wallis wieder der Schweizerischen Eidgenossenschaft an und Saint-Maurice wird der Hauptort eines der 13 Distrikte des neuen Kantons Wallis.

Auch heute ist Saint-Maurice Sitz mehrerer religiöser Institutionen und von Bildungseinrichtungen. Der Ort ist bekannt durch die Mauritius-Verehrung, die Basilika und ihren Schatz, die Naturgrotten und das Schloss mit Museum.

Seit dem 1. Januar 2013 gehört auch die ehemals selbständige Gemeinde Mex zum Gebiet der Gemeinde Saint-Maurice.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

  • Le Collège de l’Abbaye, geht auf die alte Mönchsschule von 581 zurück und kann in seiner heutigen Form 2006 auf 200 Jahre Geschichte zurückblicken; mehr als 1'000 Schülerinnen (seit 1969) und Schüler
  • Le Collège de la Tuilerie, benannt nach einer ehemaligen Ziegelei, 450 Schülerinnen (seit 1987) und Schüler
  • La Haute école pédagogique (HEP-VS), die 1994 gegründete pädagogische Hochschule des französisch sprechenden Wallis (deutschsprachiger Zweig in Brig), etwa 160 Studentinnen und Studenten (2003)

Partnerschaften[Bearbeiten]

Saint-Maurice ist partnerschaftlich verbunden mit

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Saint-Maurice VS – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. lateinisch Acaunus, dann Acaunum, schliesslich Agaunum
  3. Grosser St. Bernhard (lat. Mons Jovis, Berg des Jupiter)
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