Silvius Magnago

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Silvius Magnago (* 5. Februar 1914 in Meran, Südtirol; † 25. Mai 2010 in Bozen) war ein Jurist und Politiker. Als langjähriger Südtiroler Landeshauptmann trug er zur Erlangung des Autonomiestatus von Südtirol bei.

Leben[Bearbeiten]

Magnago entstammte einer zweisprachigen Familie. Sein Vater Silvius Magnago sen., k.k. Oberlandesgerichtsrat in Meran, war ethnischer Italiener aus Trient, seine Mutter Helene, geborene Redler (sie war Schwester des Landeshauptmanns Ferdinand Redler[1]), stammte aus Vorarlberg.[2]

Silvius Magnago wurde 1914 in der Villa Marchetti in Meran geboren. Ein Jahr nach seiner Geburt übersiedelte die Familie nach Bozen, wo er 1936 die Matura am Franziskanergymnasium Bozen ablegte. Danach wurde er zur italienischen Armee eingezogen, besuchte bis Juni 1937 die Reserveoffiziersschule in Palermo und war dann bis Mai 1938 Reserveleutnant im 1. Grenadierregiment in Rom. Gleichzeitig studierte er Rechtswissenschaft an der Universität Bologna und schloss sein Studium im Juni 1940 ab. Wegen seiner Ablehnung des italienischen Faschismus' optierte er 1939 für Deutschland, blieb jedoch zunächst in Südtirol, wo er in Bozen für eine Kommission zur Schätzung der Vermögenswerte der Optanten arbeitete. Im Dezember 1942 wurde Magnago als Optant jedoch zur deutschen Wehrmacht einberufen und kam als Leutnant der Gebirgsjäger an die Ostfront. Während eines Fronturlaubs heiratete er am 18. Oktober 1943 in Landeck die aus Essen stammende Sophia Cornelissen, die er in seiner Zeit beim italienischen Militär in Rom kennengelernt hatte. Kurze Zeit darauf wurde er an der Ostfront bei einem Granatwerferangriff am Dnjepr, nahe der Stadt Nikopol, schwer verwundet. Als Folge der Verwundung wurde ihm ein Bein amputiert; er konnte nur durch mehrere Operationen gerettet werden. Bis 1945 blieb er in verschiedenen Lazaretten.[3]

Nach dem Krieg kehrte Magnago nach Südtirol zurück und ließ sich mit seiner Frau in Bozen nieder. Er arbeitete zunächst für die Nachkriegsfürsorge und später als Sparkassenbeamter. 1947 wurde er in den Bozner Gemeinderat entsandt, wodurch seine politische Karriere begann. Im Jahr darauf wurden erstmals nach dem Krieg Gemeinderatswahlen abgehalten, bei denen Magnago die meisten Vorzugsstimmen erhielt. Dadurch wurde er zum Vizebürgermeister ernannt. Gleichzeitig wurde er als Regionalrat für die Südtiroler Volkspartei in den Südtiroler Landtag gewählt. Bei den nächsten Gemeinderatswahlen 1952 trat er jedoch nicht mehr an und pausierte eine Legislaturperiode; in dieser Zeit praktizierte Magnago hauptberuflich als Anwalt[4]. 1957 kehrte er in die Politik zurück und wurde am 25. Mai zum Obmann der SVP ernannt. Er änderte darauf die strategische Ausrichtung der Partei und verkündete am 17. November 1957 auf Schloss Sigmundskron vor 35.000 Südtirolern seine berühmte Losung „Los von Trient“.[5] Sein Ziel war es, von Maximalforderungen zur Autonomie der historischen Region Tirols, zu der auch das Trentino gehört, abzukehren und stattdessen eine politisch realistischere Autonomie für den mehrheitlich deutschsprachigen Teil Südtirols zu fordern. 1959 wurde er Ehrenpräsident des Südtiroler Kriegsopfer- und Frontkämpfer-Verbandes.

Im Dezember 1960 wurde Magnago zum Südtiroler Landeshauptmann gewählt und löste Alois Pupp ab. Dieses Amt behielt er ununterbrochen bis zum 17. März 1989 und konnte jeweils bei allen Landtagswahlen die meisten Vorzugsstimmen für sich erreichen. In dieser Zeit führte er die Verhandlungen zur Autonomie der Region und gilt deshalb als „Vater des Südtirol-Pakets“. In den politisch heißen 1960er Jahren trat Magnago entschlossen gegen Gewalt zum Erreichen politischer Ziele auf. Er lehnte die Aktionen des Befreiungsausschuss Südtirol ab, der Bombenanschläge auf Strommasten und faschistische Denkmäler verübte.[6] Die Bevölkerung, die teilweise mit den Aktivisten sympathisierte, versuchte er in unermüdlichem Einsatz vom friedlichen Weg zu überzeugen. Dem Pragmatiker Magnago gelang es schließlich, die Südtiroler auf seinen Weg einzustimmen: Am 22. November 1969 wurden die 137 Schutzbestimmungen des Autonomiestatus auf der Landesversammlung der Südtiroler Volkspartei in Meran mit einer hauchdünnen Mehrheit von 52,8 Prozent angenommen.[7] Daraufhin kam es zum berühmt gewordenen Handschlag mit Peter Brugger, dem Wortführer der unterlegenen Fraktion. Die Paketgegner in der SVP hatten bis dahin eine Autonomie als politisches Ziel abgelehnt und sich stattdessen für eine Wiedervereinigung mit Nordtirol, d. h. einen Anschluss an Österreich, ausgesprochen.[8] Es sollte jedoch noch bis zum Jahr 1992 dauern, bis alle Bestimmungen des Südtirolpaketes endgültig völkerrechtlich ratifiziert wurden.

1989 trat Magnago aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Wahl als Landeshauptmann an und übergab das Amt an Luis Durnwalder. Bis 1992 blieb er jedoch Obmann der SVP, ein Amt, das er 34 Jahre lang innegehabt hatte. Von 1989 bis 1994 war Silvius Magnago Mitglied jener Kommissionen, die mit Rom die Durchführungsbestimmungen zum neuen Autonomiestatut verhandelten. Er war auch einer der Vordenker des Europa der Regionen.

Wegen seiner fortgeschrittenen Parkinsonerkrankung zeigte er sich in den letzten Jahren nur mehr selten in der Öffentlichkeit, lebte aber weiterhin in der Altstadt von Bozen. 2003 wurde er zum Witwer, als seine Frau Sophia starb. Am 16. Mai 2010 stürzte Magnago aus seinem Rollstuhl, wobei er sich das Schlüsselbein brach. Nach Verschlechterung seines Zustands wurde er am 21. Mai ins Bozener Spital eingeliefert, wo er am 25. Mai 2010 an den Folgen einer Lungenentzündung im Alter von 96 Jahren verstarb. Seinem Begräbnis am Bozner Friedhof wohnten unter anderem der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann und dessen Stellvertreter Josef Pröll bei.[9]

Magnagos Nachlass befindet sich seit 2011 im Südtiroler Landesarchiv.[10]

Politische Ämter[Bearbeiten]

  • 1947: Auf der ersten SVP-Landesversammlung beginnt seine politische Karriere, er wird Mitglied des Parteiausschusses
  • 1947: SVP-Vertreter im damals noch ernannten Bozner Gemeinderat – 1947
  • 1948-1952: Vizebürgermeister von Bozen
  • 1948-1960: Erster Landtagspräsident, abwechselnd Präsident des Regionalrates
  • 1957-1960: Fraktionssprecher im Bozner Gemeinderat
  • 1957-1991: Obmann der Südtiroler Volkspartei
  • 1961-1989: Landeshauptmann von Südtirol
  • 1991-2010 (bis zum Tode): Ehrenobmann der Südtiroler Volkspartei

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Magnago war Träger hoher Auszeichnungen, unter anderem der Länder Tirol, Kärnten, Steiermark, Bayern, der Bundesrepublik Deutschland und der Universität Innsbruck, sowie Ehrenbürger zahlreicher Gemeinden und Ehrenmitglied vieler Vereine (z.B. verschiedener Sportschützenvereine).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Karl Peterlini: Silvius Magnago. Das Vermächtnis. Bekenntnisse einer politischen Legende. Edition Raetia, Bozen 2007, Seite 10
  2. OTS.at: "Alt-LH Magnago hat eine Epoche Südtirols geprägt" - Aussendung des Vorarlberger Landeshauptmanns Herbert Sausgruber vom 25. Mai 2010
  3. Presseamt der Autonomen Provinz Bozen Südtirol: Lebenslauf von Silvius Magnago, Pressemitteilung vom 25. Mai 2010
  4. Aussage der Anwaltskammer der Autonomen Provinz Bozen
  5. Silvius-Magnago-Akademie: Zur Person Silvius Magnago
  6. Südtirol Online: Magnagos Leben im Rückblick - Fotos
  7. ORF Tirol: Alt-LH Silvius Magnago gestorben (vom 25. Mai 2010)
  8. Südtiroler Volkspartei: „Wichtigste Persönlichkeit der Südtiroler Nachkriegszeit“, von Siegfried Brugger (vom 25. Mai 2010)
  9. Artikel bei www.stol.it
  10. Magnago-Nachlass im Landesarchiv. Pressemitteilung der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol, abgerufen am 7. Oktober 2012.