Kastelruth

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Kastelruth
(ital.: Castelrotto, ladin.: Ciastel)
Wappen von Kastelruth
Kastelruth (Südtirol)
Kastelruth
Kastelruth
Lage von Kastelruth in Südtirol
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen (Südtirol)
Bezirksgemeinschaft: Salten-Schlern
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2013)
6.465/6.624
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
80,94 % deutsch
3,69 % italienisch
15,37 % ladinisch
Koordinaten 46° 34′ N, 11° 34′ O46.56666666666711.5666666666671060Koordinaten: 46° 34′ N, 11° 34′ O
Meereshöhe: 400–2958 m s.l.m. (Zentrum: 1060 m s.l.m.)
Fläche: 117,8 km²
Dauersiedlungsraum: 21,1 km²
Fraktionen: Kastelruth, Seis am Schlern, Seiser Alm, St. Michael, St. Oswald, St. Valentin, St. Vigil, Tagusens, Tisens, Bula (Pufels), Runcadic (Runggaditsch), Sureghes (Überwasser)
Nachbargemeinden: Barbian, Campitello di Fassa, Lajen, Ritten, St. Christina in Gröden, Tiers, St. Ulrich in Gröden, Völs am Schlern, Waidbruck
Partnerschaft mit: Matrei in Osttirol, Rottach-Egern
Postleitzahl: 39040
Vorwahl: 0471
ISTAT-Nummer: 021019
Steuernummer: 80006410213
Politik
Bürgermeister (2010): Andreas Colli (SVP)

Kastelruth (italienisch Castelrotto, ladinisch Ciastel) ist eine Marktgemeinde mit 6624 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013) im Südtiroler Schlerngebiet in der Nähe von Bozen (Italien).

Die Gemeinde besteht aus dem Hauptort Kastelruth und insgesamt zehn Fraktionen, darunter Seis am Schlern, sowie einer Reihe weiterer, kleinerer Ortschaften (St. Michael, St. Oswald, St. Vigil, Tagusens, Tisens); zu den Fraktionen der Gemeinde gehört auch die weitläufige Seiser Alm, die als Hochfläche fast die Hälfte des Gemeindegebietes ausmacht. Die Seiser Alm ist Landschaftsschutzgebiet, ein kleinerer Teil gehört zum Naturpark Schlern-Rosengarten. Drei Fraktionen, nämlich Pufels, Runggaditsch und Überwasser bis zum Jenderbach, liegen an der südwestlichen Talseite Grödens und gehören somit zum ladinischen Sprachgebiet.

Geschichte[Bearbeiten]

Kastelruth im Jahr 1911 auf einem Gemälde von Eduard Burgauner

Erste Erwähnungen von Kastelruth als Castelruptum (zerstörte Burg) finden sich aus den Jahren 928 bis 988. 1272 wurde die Burg Kastelruth von Bischof Bruno von Brixen an Graf Meinhard II. von Tirol übergeben.

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Der Name Castelruptum erscheint zum ersten Mal in einer Urkunde der Jahre 928 bis 987, in der Bischof Albuin von Brixen mit dem Bischof Eticho von Augsburg Kircheneinkünfte austauscht. Im Jahre 985 erscheint der Name Castelruptum in einer Urkunde, eine Ruine bezeichnend. Wie das Schloss und die Ortschaft in früheren Zeiten geheißen haben, wissen wir nicht; über Aussehen, Bauart und Größe der Burg ist nichts Näheres bekannt. Ohne Zweifel aber stand diese großartige vorgeschichtliche Befestigung auf dem im Norden des heutigen Dorfes gelegenen Schlossberg, Kofel genannt. Nach Ansicht der Geschichtsforscher dürfte das uralte Schloss, diese rätische Festung, wahrscheinlich zur Zeit als die Römer ins Land kamen (15 v. Chr.), oder wie andere behaupten, zur Zeit des Slaweneinfalls (617 n. Chr.) zerstört und später wieder aufgebaut worden sein. Der wuchtige viereckige Turm auf dem Kofel könnte die Stelle bezeichnen, wo einst das Schloss stand. Aus Forschungen weiß man, dass in der näheren und weiteren Umgebung Reste von Wallburgen vorgefunden wurden. Auch außerhalb der Ringwälle konnten Spuren von gemauerten Hütten festgestellt werden. Das deutet darauf hin, dass sich aus der ursprünglich befestigten Siedlung die dorfähnliche Siedlung entwickelt hat. Später wurden dann bequeme Stätten aufgesucht, um Ackerbau, Weide und weitere Ausdehnungsmöglichkeiten zu gewährleisten. Manche Bewohner dürften Einzelsiedlungen bevorzugt haben, und so könnten die Bauernhöfe entstanden sein, von denen sich viele sehr weit zurückführen lassen. Auch erscheint die ganze Gegend schon früh als wohlbebaut.

Kastelruth wechselt mehrmals seinen Besitzer. Nach den Herren von Kastelruth geht das Gebiet in den Besitz Meinhardts II., Grafen von Tirol, über. Dieser wieder überlässt es bald dem Edlen Rupert Maulrappen, Besitzer der Feste Wolkenstein in Gröden. Die Linie der Maulrappen stirbt in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts aus. 1348 wird Herzog Konrad Teck, Hauptmann an der Etsch, Pfandinhaber von Schloss und Gericht. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts sind Schloss und Landgericht Kastelruth gemeinschaftliches Eigentum des Adelsgeschlechtes Wolkenstein-Trostburg. Ihm gehörte auch Hauenstein und Salegg sowie ausgedehnte Güter. In dieser Zeit erschienen die ersten abgabenpflichtigen Höfe, „Ronsol“, „Mutz“, „Vall“, „Mallai in Ratzes“ und „Psoi in St. Valentin“.

In der neueren Geschichte von Kastelruth spielt die Familie Kraus von Sala eine hervorragende Rolle. Sie stammt aus Ungarn und sind durch Heirat nach Tirol gekommen. Michael Kraus war Großherr und Edler am Plattensee. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts kam er in die Grafschaft Tirol, kaufte sich hier an und wurde später in die Adelsmatrikel von Tirol eingetragen. Von 1584 bis 1588 war er Pfleger (Richter) auf Hauenstein. Unmittelbar vor seinem Tod machte er die Stiftung für die Armen in Kastelruth, wozu er ein Kapital von 6500 Gulden, der Gulden zu 60 Kreuzer, bereitstellte, das einen jährlichen Zinsertrag von 1000 Kronen gab. Damit mussten in erster Linie Gottesdienste für die Herren von Kraus bestritten werden und mit dem Überschuss sollten die Dorfarmen beschenkt werden (Brot- und Salzverteilung an die Armen jeweils im Oktober jeden Jahres). Am 11. April starb Michael Kraus. Sein Grabstein ist in der Turmkapelle an der Mauer links des Portals befestigt. Jakob Kraus, der Neffe Michaels, errichtete an der Nordseite des Dorfplatzes den mächtigen Ansitz Krausegg, das heutige Gemeindehaus. Die Vorderseite des Hauses zeigt noch das Kraus'sche Wappen. Krausegg wurde 1607, am 2. Juni, durch Kaiser Rudolf II. zum adeligen Ansitz erhoben. Unter der Kraus'schen Herrschaft wurde das alte Römerkastell auf dem Kofel bis auf dem Turm abgebrochen. Aus dem Turm schufen sie eine Dorfkapelle, deren untere Teil dem Hl. Antonius geweiht ist. Der Schlossberg selbst wurde von Georg Kraus in einen Naturpark einbezogen (1675) und die sieben kleinen Kapellen geben ihm das Gepräge eines Kalvarienberges. Im Jahre 1847 starb das Geschlecht in männlicher Linie aus. Durch die Mildtätigkeit und durch die Baulust (die ehemaligen Kraussitze tragen heute noch die Zinnen) hatten sie sich große Verdienste erworben.

Im heutigen Turmwirtshaus erinnert der mit Wappen verzierte Ofen an das Geschlecht: Vier Kraus'sche Porträts schmücken den Gemeindesitzungssaal. Neben den bereits aufgezählten Geschlechtern finden wir noch einige Edelgeschlechter, wie Pray, Lafay und die Stamphart. Die Pray saßen auf den Prayhöfen (Ober- und Unterpray), die heute noch mit den Namen Rauch und Hohenhaus existieren, die Lafay und Stamphart auf den gleichnamigen Höfen. Die Lafay hatten im ausgedehnten Mittelalter das Richteramt inne. Kastelruth besaß nämlich in alter Zeit das Landesgericht mit höherer Gerichtsbarkeit, denn es übte auch den Blutbann aus und hatte einen Galgen. Der Galgenhügel war am Telfnerbühel. Meistens waren Erbstreitigkeiten, Ehezwiste und sonstige Delikte zu Verhandlung und Delikte zu Verhandlung und Abteilung gelangt. Eine besondere Rolle spielen die Hexenprozesse.

Erwähnenswert scheint, dass einige Höfe dem Landgericht gegenüber zu besonderen Leistungen verpflichtet waren. So oblag es z. B. dem jeweiligen Besitzer des Mesnerhofes in St. Michael, die schuldigen Personen gefangen zu halten, sie zu züchtigen, zu binden u. a. m. Durch die jährliche Abgabe von einem Star Weizen und zwei Star Roggen konnte er sich allerdings von dieser leidigen Aufgabe befreien. Ähnliche Verpflichtungen hatten der Fill-, Ritsch- und Malsinhof in St. Michael. Die letzte Urteilsvollstreckung des Landesgerichts Kastelruth erfolgte 1778, wobei ein gewisser Peter Insam wegen Brandstiftung mittels Strang und Scheiterhaufen hingerichtet wurde. Bis ungefähr zum Jahre 1924 hatte Kastelruth ein eigenes Bezirksgericht, das aber dann nach Klausen verlegt wurde.

Die ergiebigste Erwerbsquelle für die Bewohner dieses Landesgerichtes war die Viehzucht, unterstützt von den weiten und futterreichen Alpen- und Bergwiesen. Aus Kastelruth-Völs-Gröden wurden jährlich an die 1600 gemästete Rinder nach Bozen und in das italienische Tirol verkauft und der Bestand an Kühen überschritt diese Zahl um das Dreifache.

In Kastelruth hat schon im frühen Mittelalter eine Kirche bestanden. Um das Jahr 1191 wird erstmals die Pfarrei Sankt Peter erwähnt. Diese wurde im Jahre 1823 zum Dekanat erhoben. Der Pfarrbezirk des Dorfes mit der nächsten Umgebung hieß St. Peter-Malgrei. Unter Malgrei verstand man das Gebiet all jener Höfe, die zur selben Kirche gehörten.

Am 24. Mai des Jahres 1752 (oder 1753) wurde der Ort von einem furchtbaren Brand heimgesucht, dem die Pfarrkirche, der Turm und ein Großteil des Dorfes zum Opfer fielen. Das Dorf wurde wieder neu aufgebaut. Der heutige Turm steht an der Stelle des früheren gotischen Turmes, der beim Großbrand so stark gelitten hat, dass nach der Urkunde des Pfarrarchivs sämtliche acht Glocken geschmolzen sind.

Im Jahre 1835 ging der Kofel an die Gemeinde über und dient heute hauptsächlich als Aufenthaltsort für Touristen sowie als beliebter Tummelplatz für Dorfjugend.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Dorfwasserleitungen gelegt, um das Jahr 1905 das elektrische Licht installiert. Im Jahr 1925 wurde die alte Postkutsche vom Postauto abgelöst.

Bis zum Jahre 1925 war in Kastelruth jeglicher Autoverkehr verboten.

Wintersport[Bearbeiten]

Das Marinzen genannte Skigebiet bestand bis 2010 aus einem Doppelsessel- und zwei Schleppliften, die einige als mittelschwer (rot) eingestufte Pisten erschlossen.[1] Da die Anlagen veraltet waren, wurden sie 2011/2012 nicht mehr in Betrieb genommen; an einem Konzept zur Modernisierung und Erweiterung wird noch überlegt.[2] Die Hauptpiste wurde 2012 noch beschneit und für einen Sprungwettbewerb genutzt. Die Liftanlagen waren im März schon abgebaut.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Sehr bekannt ist auch die Musikgruppe Kastelruther Spatzen.

Turm der Kirche Sankt Peter und Paul
Der Schlern

Alljährliche Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Oswald von Wolkenstein Ritt (Ende Mai/Anfang Juni)
  • Kastelruther Spatzen Open Air (Mitte Juni)
  • Kastelruther Dorffest (Ende August)
  • Kastelruther Spatzenfest (Mitte Oktober)

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Leo Santifaller: Regesten des Kirchenarchivs Kastelrut: 1295–1570 (Schlern-Schriften 2), Innsbruck: Wagner 1923.
  • Karl Außerer: Die Besiedelung des Kastelruther Berges – eine siedlungsgeschichtliche und namenkundliche Studie (Schlern-Schriften 25), Innsbruck: Wagner 1934.
  • Josef Nössing (Hrsg.): Gemeinde Kastelruth – Vergangenheit und Gegenwart. Ein Gemeindebuch zum 1000-Jahr-Jubiläum der Erstnennung der Orte Seis und Kastelruth, Kastelruth: Gemeinde Kastelruth, 1983.
  • Paul Gleirscher u. a.: Der Kofel in Kastelruth – Burgberg, Kalvarienberg, Kastelruth 1990.
  • Helmut Stampfer (Hrsg.): Bauernhöfe in Südtirol, Bd. VI/2: Kastelruth, Völs, Bozen: Athesia 2007. ISBN 978-88-8266-418-3

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ADAC Skiguide Alpen 2001 S. 448
  2. http://www.marinzen.com/joomla/images/fotos/LiftanlagenMarinzen.pdf

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kastelruth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien