Sachsen-Altenburg

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Herzogtum. Zum Freistaat siehe Freistaat Sachsen-Altenburg. Zur Stammliste der Herzöge von Sachsen-Altenburg siehe Stammliste des Hauses Wettin.
Sachsen-Altenburg
Wappen Flagge
Wappen von Sachsen-Altenburg Flagge Sachsen-Altenburgs[1]
Lage im Deutschen Reich
Lage von Sachsen-Altenburg im Deutschen Reich
 
Landeshauptstadt Altenburg
Regierungsform Monarchie
Staatsoberhaupt Herzog
Dynastie Wettiner
Bestehen 1603–1672
1826–1918
Fläche 1.324 km² (1910)
Einwohner 216.128 (1910)
Bevölkerungsdichte 163 Einwohner/km² (1910)
Entstanden aus Sachsen-Weimar (1603)
Sachsen-Gotha-Altenburg (1826)
Aufgegangen in Sachsen-Gotha-Altenburg und Sachsen-Weimar (1672)
Freistaat Sachsen-Altenburg (1918)
Stimmen im Bundesrat 1 Stimme
Kfz-Kennzeichen SA
Karte
Herzogtum Sachsen-Altenburg

Sachsen-Altenburg war ein Herzogtum und Bundesstaat des Deutschen Reiches im Gebiet des heutigen Bundeslandes Thüringen. Es entstand 1603, als ein Teil des Herzogtums Sachsen-Weimar abgetrennt und den Söhnen von Herzog Friedrich Wilhelm I. überlassen wurde.[2]

Territorium[Bearbeiten]

Das Herzogtum Sachsen-Altenburg bestand aus zwei räumlich voneinander getrennten Gebieten, dem Ostkreis mit den Städten Altenburg, Schmölln, Gößnitz, Lucka und Meuselwitz mit den Exklaven Mumsdorf, Roschütz, Hilbersdorf, Neukirchen bei Waldenburg und Rußdorf bei Chemnitz sowie dem Westkreis mit den Städten Eisenberg, Kahla, Orlamünde und Roda und der Exklave Ammelstädt. Der Ostkreis des Herzogtums entsprach in seinen Grenzen ungefähr dem heutigen Landkreis Altenburger Land im Freistaat Thüringen, zusätzlich gehört das Gebiet um Ronneburg zum Landkreis Greiz. Der Westkreis liegt heute größtenteils im Saale-Holzland-Kreis, zu kleineren Teilen auch in angrenzenden Landkreisen.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Herzogtum gehörte im Mittelalter zur Markgrafschaft Meißen und seit der Leipziger Teilung von 1485 zum Gesamtbesitz der Ernestiner. Nach weiteren Landesteilungen gehörte es seit 1672 mit Sachsen-Gotha zu Sachsen-Gotha-Altenburg. Durch einen Erbteilungsvertrag von 1680 wurde das Territorium auf mehrere Herzogtümer verteilt. Der Altenburger Anteil der 1660 aufgelösten Grafschaft Henneberg (im Kahlaer Vertrag geregelt), ging dabei an das Herzogtum Sachsen-Meiningen verloren. Das bei der Teilung 1680 ebenfalls entstandene Herzogtum Sachsen-Eisenberg bestand bis 1707 und fiel dann zurück an Sachsen-Gotha-Altenburg.

Nach dem Aussterben dieser Linie 1826 fiel ganz Sachsen-Hildburghausen und der Saalfelder Teil von Sachsen-Coburg-Saalfeld an Sachsen-Meiningen. Herzog Friedrich III. von Sachsen-Hildburghausen erhielt dafür im Gegenzug Sachsen-Altenburg als selbständiges Herzogtum mit dem ehemaligen Teil von Sachsen-Eisenberg.

Nachdem das Herzogtum Sachsen-Altenburg am 29. April 1831 eine Verfassung erhalten hatte, trat es 1833/34 als souveräner Bundesstaat dem Deutschen Zollverein bei, 1867 dem Norddeutschen Bund und schließlich 1871 dem Deutschen Reich.

Als letzter Regent des Herzogtums Sachsen-Altenburg dankte am 13. November 1918 Herzog Ernst II. ab und der Freistaat Sachsen-Altenburg wurde gegründet. Letzter herzoglicher Staatsminister war Waldemar von Wussow (1915–1918).

Staatsorganisation und Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Amtsgericht Altenburg

Das Herzogtum besaß eine Stimme im Bundesrat und hatte Altenburg als Landeshauptstadt. Im Bereich der Justiz gab es für die Thüringischen Staaten das Oberlandesgericht Jena, das Herzogtum Sachsen-Altenburg bildete den Bezirk des Landgerichtes Altenburg mit den Amtsgerichten Altenburg, Eisenberg, Kahla, Roda, Ronneburg und Schmölln. Militärisch gehörte das Herzogtum zum Ersatzbezirk des IV. Armee-Korps, wobei Altenburg Garnison des I. und II. Bataillons des 8. Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 153 war. Das III. Bataillon des Regiments lag in Merseburg.

Im Jahr 1876 wurden im Ostkreis die beiden Verwaltungsbezirke Altenburg und Schmölln eingerichtet und im Westkreis der Verwaltungsbezirk Roda. Der Verwaltungsbezirk Schmölln wurde 1881 wieder aufgelöst und sein Gebiet in den Verwaltungsbezirk Altenburg eingegliedert. Am 1. April 1900 wurde im Westkreis der Verwaltungsbezirk Roda in das Landratsamt Roda überführt. Gleichzeitig wurde der Ostkreis unterteilt in die kreisfreie Stadt Altenburg sowie die neuen Landratsämter Altenburg und Ronneburg. 1910 umfasste das Herzogtum insgesamt 438 Gemeinden, von denen nur Altenburg als Mittelstadt bezeichnet werden konnte.

Die Landratsämter Altenburg und Ronneburg

Einwohner[Bearbeiten]

Das Herzogtum zählte

  • 1871: 142.122 Einwohner
  • 1875: 145.844 Einwohner
  • 1880: 155.036 Einwohner
  • 1900: 194.914 Einwohner
  • 1905: 206.508 Einwohner
  • 1910: 216.128 Einwohner

Größte Städte[Bearbeiten]

Stadt Einwohner
1. Dez. 1837
Altenburg 13.697
Ronneburg 4.995
Eisenberg 4.744
Schmölln 3.616
Kahla 2.417
Roda 2.357
Stadt Einwohner
1. Dez. 1910
Veränderung
seit 1837
Altenburg 39.976 +192 %
Schmölln 11.345 +214 %
Eisenberg 10.749 +127 %
Ronneburg 6.631 +33 %
Kahla 6.398 +165 %
Roda 4.359 +85 %

Außerdem lagen 1910 im Vergleich zu 1837 folgende Orte über der Marke von 2.000 Einwohnern: Stadt Meuselwitz (8.865 – 1.527; +481 %), Stadt Gößnitz (5.813 – 1.528; +280 %), Gemeinde Rußdorf (3.579 – 1.031; +247 %), Gemeinde Hermsdorf (3.417 – 1.046; +227 %), Gemeinde Bad Klosterlausnitz (2.204 – 1.090; +102 %), Stadt Lucka (2.086 – 1.245; +68 %) und Gemeinde Kauerndorf (2.024 – 102; +1884 %).

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Altenburg besaß das Herzogtum eine Spielkartenfabrik von Weltruf, wie auch in Kahla eine Porzellanindustrie. In geringem Umfang wurden auch Maschinen- und Metallwaren produziert, wichtig zu nennen wäre hier der weltbekannte Nähmaschinenhersteller Vesta. Die Landwirtschaft betrieb vor allem, durch die ertragreichen Lößböden Ostthüringens begünstigt, den Anbau von Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Kartoffeln, Obst und Gemüse. Für das Jahr 1907 wird der Viehbestand des Herzogtums mit 12.401 Pferden, 67.745 Rindern, 7.568 Schafen, 77.681 Schweinen und 15.594 Ziegen wiedergegeben. Im selben Jahr produzierte der Bergbau im Meuselwitz-Rositzer Revier 3.060.777 Tonnen Braunkohle. Ein Mineralbad mit Kurbetrieb in Ronneburg förderte den Tourismus. Der durchaus lebhafte Handel des Herzogtums wurde durch den Betrieb von 185 km Eisenbahnstrecken, einer Landes- und Sparbank, sowie 19 Sparkassen unterstützt.

Religion[Bearbeiten]

Die meisten Einwohner gehörten der Evangelischen Landeskirche an, deren Oberhaupt der Herzog von Sachsen-Altenburg als summus episcopus war. Diese gliederte sich 1907 in acht Amtsbezirke mit 103 Pfarrbezirken. Die Katholiken unterstanden dem Apostolischen Vikariat Sachsen mit Sitz in Dresden.

Herzöge[Bearbeiten]

Sachsen-Altenburg 1603–1672
Joseph Karl Stieler: Familienporträt des Herzogs Joseph von Sachsen-Altenburg, 1847–1848
  1. 1603–1618 vormundschaftlich Kurfürst Christian II. von Sachsen und Johann Georg I. von Sachsen anstelle von Johann Philipp, Friedrich (1599–1625), Johann Wilhelm (1600–1632) und Friedrich Wilhelm II., Söhne von Friedrich Wilhelm I.
  2. 1618–1639 Johann Philipp (1597–1639)
  3. 1639–1669 Friedrich Wilhelm II. (1603–1669)
  4. 1669–1672 vormundschaftlich Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen und Herzog Moritz von Sachsen-Zeitz anstelle von Friedrich Wilhelm III. (1657–1672), Sohn von Friedrich Wilhelm II.
Sachsen-Gotha-Altenburg 1672–1826

Sachsen-Altenburg 1826–1918

  1. 1826–1834 Friedrich (1763–1834)
  2. 1834–1848 Joseph (1789–1868)
  3. 1848–1853 Georg (1796–1853) – Bruder von Joseph
  4. 1853–1908 Ernst I. (1826–1908)
  5. 1908–1918 Ernst II. (1871–1955) – Neffe von Ernst I.

Residenzschlösser[Bearbeiten]

Die herzogliche Familie residierte ab 1826 wieder im Residenzschloss in Altenburg. Das Eisenberger Residenzschloss war lediglich von 1681 bis 1707 Wohnort des Herzogs Christian von Sachsen-Eisenberg. Das Jagdschloss Zur Fröhlichen Wiederkunft in Wolfersdorf wurde 1548 bis 1551 im Renaissancestil erbaut (neogotische Umbauten 1858) und wurde nach der Rückkehr von Kurfürst Johann Friedrich I. aus Kriegsgefangenschaft benannt. Seine Funktion ging im 17. Jahrhundert auf das Jagdschloss Hummelshain über, 1880 bis 1885 wurde dann das Neue Jagdschloss Hummelshain im Stil der Neorenaissance erbaut.

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann B. Homann: Die Herzogtümer Gotha, Coburg und Altenburg 1729, Historische Karte: Tabula Geographica Principatus Gotha, Coburg, Altenburg, Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, Reprint 1757/1999, ISBN 3-929000-78-4
  • Matthaeo (Matthias) Seutter: Die Ämter Altenburg und Ronneburg 1757, Historische Karte: Praetecturae Altenburgensis et Ronneburgensis earumque vicinia serenissimo duci saxo gothano, Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, Reprint 1757/1999, ISBN 3-932554-57-4
  • Löbe, D. J.; Löbe, C.: Geschichte der Kirchen und Schulen des Herzogthums Sachsen-Altenburg mit besonderer Berücksichtigung der Ortsgeschichte. 3 Bände, Altenburg 1891.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Thüringisches Staatsarchiv Altenburg (Hrsg.): Rautenkranz und rote Rose: Die Hoheitszeichen des Herzogtums und des Freistaates Sachsen Altenburg. Sax-Verlag, Altenburg, 2010.
  2. Georg Wilhelm Sante (Hg.): Geschichte der deutschen Länder – „Territorien-Ploetz“. Bd. 1: Die Territorien bis zum Ende des alten Reiches. A.-G.-Ploetz-Verlag, Würzburg 1964, S. 468.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sachsen-Altenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien