The Basement Tapes

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The Basement Tapes
Studioalbum von Bob Dylan und The Band
Veröffentlichung 26. Juni 1975
Label Columbia
Genre Rock, Folk, Blues, Country
Anzahl der Titel 24
Laufzeit 76:41

Besetzung

  • Bob Dylan – Gesang, Gitarre, Mundharmonika, Keyboards
  • Rick Danko – Bass, Mandoline, Violine, Gesang
  • Levon Helm – Schlagzeug, Mandoline, Bass, Gesang
  • Garth Hudson – Orgel, Klavier, Akkordeon, Saxophon
  • Richard Manuel – Klavier, Mundharmonika, Schlagzeug, Gesang
  • Robbie Robertson – Leadgitarre, Schlagzeug, Gesang
Produktion Bob Dylan und The Band
Chronologie
Blood On The Tracks (1974) The Basement Tapes Desire (1976)

The Basement Tapes ist der Titel eines 1975 erschienen Studioalbums von Bob Dylan und The Band.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Bob Dylan verunglückte am 29. Juli 1966 in der Nähe seiner Wohnung mit seinem Motorrad, einer 500 cm³-Triumph Tiger 100 (Baujahr 1964), und zog sich nach einem Fahrfehler Rückenverletzungen zu. Nach seiner Genesung zogen die Mitglieder seiner Begleitband The Band (Robbie Robertson, Levon Helm, Garth Hudson und Rick Danko) in die Nähe von Woodstock. Sie mieteten im Februar 1967 in West Saugerties ein Haus, das sie wegen seines Außenanstrichs „Big Pink“ nannten. Im Keller („Basement“) des Hauses trafen sich die fünf Musiker und verschiedene Gäste zwischen Juni und Oktober 1967, um bei Jam-Sessions spontan und informell miteinander zu musizieren.

„Big Pink“, West Saugerties, New York

Garth Hudson installierte zu Beginn ein Tonaufnahme-Equipment, bestehend aus einem geliehenen Zweispur-Tonbandgerät, Stereo-Mixern und 4 Mikrophonen.[1] Pro Tag entstanden so zwischen 7 und 15 Titel, anfangs klassisches Rock- und Folkmaterial, später auch etwa 30 neue Dylan-Kompositionen. Nicht alle Sessions wurden auf Band festgehalten. Die Aufnahmequalität war selbst für damalige Verhältnisse schlecht, weil keiner der Beteiligten Kenntnisse eines Toningenieurs oder Musikproduzenten hatte und die Akustik der Wohnräume für Musikaufnahmen nicht geeignet war. Insgesamt entstanden so 105 Titel, ohne dass zunächst ernsthaft eine Veröffentlichung in Erwägung gezogen wurde. Nach Ende der Sessions im Oktober 1967 wurde ein Demoband mit 14 Aufnahmen extrahiert, über den Musikverlag Dwarf Music (gehörte Dylan und seinem Manager Albert Grossman) zum Copyright angemeldet und anderen Musikern als Demos angeboten.

Veröffentlichung durch andere Interpreten[Bearbeiten]

Als erstes griff das Folk-Trio Peter, Paul & Mary die Dylan-Komposition Too Much of Nothing auf und veröffentlichte den Song im November 1967, konnte damit jedoch lediglich Rang 35 der Pop-Charts belegen. Die britische Popband Manfred Mann wählte Mighty Quinn aus und nahm den Titel am 2. November 1967 endgültig auf, nachdem sie mit verschiedenen Takes nicht einverstanden war. Nach Veröffentlichung am 12. Januar 1968 entwickelte sich diese Version zum Nummer-eins-Hit in vielen Ländern, darunter in Großbritannien und Deutschland. Er wurde weltweit über 2 Millionen Mal verkauft[2] und damit zum erfolgreichsten Titel der Basement Tapes. Der Song erschien auch auf der Manfred Mann-LP Mighty Garvey!, die am 28. Juni 1968 auf den Markt kam. Am 2. April 1968 brachten die Dylan-erfahrenen Byrds You Ain't Goin' Nowhere heraus, drangen hiermit jedoch lediglich bis Rang 74 vor. Die britische, jazzorientierte Band Julie Driscoll, Brian Auger & The Trinity griff im Juni 1968 This Wheel’s on Fire auf und brachte den Song bis auf Platz 5 der britischen Charts.

Bootleg-LP und offizielle LP[Bearbeiten]

Inzwischen war durch diese Hits der Fachwelt und dem Publikum bekannt geworden, dass unveröffentlichte Tonbandaufnahmen aus dem Keller („Basement Tapes“) existierten. Denn am 22. Juni 1968 brachte der Herausgeber des Musikmagazins Rolling Stone, Jann S. Wenner, unter der Überschrift „Dylan’s Basement Tape Should be Released“ eine Titelstory über die der Öffentlichkeit vorenthaltenen Aufnahmen heraus.[3] Die Original-Mitschnitte der Basement Tapes, von Jann S. Wenner als Demoaufnahme klassifiziert, kursierten ab Juli 1969 als erstes Bootleg der Rockgeschichte unter dem Namen Great White Wonder (Doppel-LP), das angeblich 350.000 Exemplare umgesetzt haben soll.[4] Allerdings enthielt die illegale Pressung mit 23 Tracks auch Interviews und Songs, die nichts mit den Basement Tapes zu tun hatten.[5] Erst am 26. Juni 1975 erschien die offizielle Columbia Doppel-LP The Basement Tapes, welche jedoch mit 24 Tracks recht lückenhaft war (z.B. ohne Mighty Quinn).[6] Bob Dylan singt bei 16 der 24 Lieder, bei den übrigen acht Liedern singen Mitglieder von The Band. Das Album konnte sich in der US-LP-Hitparade auf Rang 7 platzieren, entwickelte jedoch nicht diese starke Nachfrage, die aufgrund des großen Interesses erwartet worden war.

Inhalt der offiziellen Doppel-LP / -CD[Bearbeiten]

LP 1 / CD 1
  1. Odds and Ends – 1:43
  2. Orange Juice Blues (Blues for Breakfast) – 3:40
  3. Million Dollar Bash – 2:30
  4. Yazoo Street Scandal – 3:26
  5. Goin' to Acapulco – 5:25
  6. Katie's Been Gone – 2:49
  7. Lo and Behold! – 2:43
  8. Bessie Smith – 4:17
  9. Clothesline Saga – 2:56
  10. Apple Suckling Tree – 2:47
  11. Please, Mrs. Henry – 2:31
  12. Tears of Rage – 4:17
LP 2 / CD 2
  1. Too Much of Nothing – 3:00
  2. Yea! Heavy and a Bottle of Bread – 2:14
  3. Ain't No More Cane (Traditional) – 3:57
  4. Crash on the Levee (Down in the Flood) – 2:06
  5. Ruben Remus – 3:11
  6. Tiny Montgomery – 2:51
  7. You Ain't Going Nowhere – 2:39
  8. Don't Ya Tell Henry – 3:12
  9. Nothing Was Delivered – 4:22
  10. Open the Door, Homer – 2:47
  11. Long Distance Operator – 3:38
  12. This Wheel's on Fire – 3:55

Weitere Kompilationen[Bearbeiten]

Die Angebotsbreite der Kompilationen mit dem „Basement-Material“ ist unüberschaubar. The Band veröffentlichte im Juli 1968 ebenfalls Material der Sessions auf der LP Music from Big Pink, insgesamt 11 Titel. Darunter befand sich auch die Dylan-Komposition I Shall be Released, mit 41 Versionen der am häufigsten gecoverte Titel der Basement Tapes. Am 25. Oktober 1990 erschienen auf den Labels Wild Wolf und Scorpio (Wiederveröffentlichung 1999) The Genuine Basement Tapes, eine 5 CDs umfassende, nahezu vollständige Sammlung der Aufnahmen von 1967, wiederum als Bootleg („unofficial release“). Es handelte sich um Originalaufnahmen, ohne nachträgliche professionelle Remixes und Overdubs. Hierauf sind 2 Versionen von The Mighty Quinn enthalten. Beide Versionen finden sich auch im offiziellen Dylan-Katalog, die erste auf der LP Self Portrait (8. Juni 1970), die zweite Version erschien auf dem Album Biograph (7. November 1985). Am 31. März 2009 erschien eine nachbearbeitete Remastering-Version.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nigel Williamson, The Rough Guide to Bob Dylan, 2006, S. 67
  2. Joseph Murrells, Million Selling Records, 1985, S. 265
  3. Wordpress mit dem Artikel
  4. David Schwartz, Strange Fixation: Bootleg Sound Recordings Enjoy the Benefits of Improving Technology
  5. Daniel Martin, Diskografie über Great White WonderVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter
  6. Liste in der en-Wikipedia