Train Bleu

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Dieser Artikel behandelt den zwischen Calais und der Riviera verkehrenden Luxuszug; zum nach dem Zug benannten Restaurant im Pariser Gare de Lyon siehe Le Train Bleu.

Der Train Bleu (von den Briten Blue Train genannt), offiziell Calais-Mediterranée Express, war ein Luxuszug, der von 1886 bis 1939 und von 1947 bis 2007 zwischen Calais und der französisch-italienischen Riviera verkehrte. Seinen Namen verdankt er der dunkelblauen Farbe der 1922 durch den Betreiber CIWL erstmals beschafften Schlafwagen aus Stahl.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Im Dezember 1883 führte die Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL) als ihren zweiten Luxuszug nach dem im Juni dieses Jahres eingeführten Orient-Express den neuen Calais-Nice-Rome Express ein. Aufgrund der zwischen dem Konkurrenten der CIWL, der europäischen Pullman-Gesellschaft, und der Strade Ferrate dell'Alta Italia (SFAI) abgeschlossenen Verträge konnte der Zuglauf nicht den Mont-Cenis-Tunnel nutzen. Fahrgäste der CIWL nach Rom mussten den zeitaufwändigen Umweg über die Riviera fahren. 1885 fusionierte die SFAI mit anderen Gesellschaften zur Rete Adriatica. Damit ergab sich für die CIWL die Möglichkeit, den Zug als Rome-Express zwischen Paris und Rom über den Mont Cenis zu führen. Der verbleibende Zuglauf von Calais an die Riviera erhielt den Namen Calais-Mediterranée Express und wurde bis zum italienischen Grenzbahnhof Ventimiglia verkürzt.

Calais-Méditerranée[Bearbeiten]

Der Calais-Méditerrannée Express wurde im Winterfahrplan 1886/1887 eingeführt. Ab dem Winterfahrplan 1889/1890 führte der Zug für einige Jahre den Namen Méditerrannée Express. Die Strecke wurde bis San Remo verlängert, der nördliche Ausgangspunkt bis Paris verkürzt. Der Abschnitt zwischen Paris und Calais wurde vom aus Salonwagen bestehenden Club Train übernommen, in Paris Gare du Nord bestand direkter Anschluss. Am 15. November 1890 wurde der neue Rome Express eingeführt. Die beide Züge bildeten zwischen Paris und Mâcon einen Zug.

Strecke und Fahrplan 1892[Bearbeiten]

Streckenverlauf in Frankreich
Südwärts Bahnhof km Nordwärts
Club Train
15:00 London Charing Cross 22:43
15:00 London Victoria 22:43
14:55 Holborn Viaduct 22:47
22:47 Paris Nord 15:15
Méditerrannée Express
23:40 Paris Nord 14:20
08:49 Lyon 06:06
14:25 Marseille 00:30
18:18 Cannes 20:43
19:00 Nice 20:00
19:37 Monte Carlo 18:52
20:14 Menton 18:36
20:36 Ventimiglia 18:14

Nachdem die englische London, Chatham and Dover Railway (LC&DR) 1893 den Vertrag für dem Club Train kündigte, verkehrte der Zug bis zum Ersten Weltkrieg wieder als Calais-Méditerrannée Express ab Calais.

„Train Bleu“ von 1922 bis 1939[Bearbeiten]

1922 beschaffte die CIWL für den Calais-Mediterranée Express neue Schlafwagen des Typs S, die erstmals komplett aus Stahl gebaut wurden. Anstelle der bisherigen Teakholz-Verkleidung erhielten diese Wagen einen stahlblauen Anstrich mit goldener Beschriftung. Ab 1929 wurden diese Schlafwagen durch den neuen Typ Lx10 ersetzt, der zehn geräumige Kabinen für Einzelreisende aufwies und dessen Interieur von renommierten Innenarchitekten gestaltet worden war. Jeder Waggon hatte einen eigenen Steward, der sich während der Fahrt um die Wünsche der Passagiere kümmerte. Der Speisewagen erlangte Berühmtheit durch seine opulenten Fünf-Gänge-Menüs, ein gesonderter Bar- und Salonwagen sorgte für weitere Annehmlichkeiten. Aufgrund der Farbgebung erhielt der Zug von den Reisenden schnell den Spitznamen „Train Bleu“. Wie alle Luxuszüge der CIWL zu dieser Zeit war auch der Calais-Mediterranée Express ein reiner Erste-Klasse-Zug.

Die Jungfernfahrt des als erster CIWL-Zug mit den neuen Wagen ausgestatteten „Train Bleu” fand am 8. Dezember 1922 statt. Er wurde von der CIWL betrieben, die Lokomotiven stellte die Chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée, kurz PLM, auf deren Strecken der Zug lief. Wie bereits in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg wurde er vielfach von wohlhabenden britischen Reisenden an die südfranzösische Riviera genutzt. Die höchste Auslastung hatte der „Train Bleu” von November bis April – also in jenen Monaten, in welchen die reisefreudige britische Geld- und andere Aristokratie die unfreundliche Witterung der Insel gegen das angenehme Klima der Französische Riviera eintauschte.

Die Abfahrt vom Ausgangsbahnhof Gare Maritime in Calais war um 13.00 Uhr. Die Fahrt führte zunächst nach Paris, erst zum Gare du Nord, dann über die Grande Ceinture line zum Gare de Lyon, wo er am frühen Abend weiter fuhr nach Dijon, Chalon-sur-Saône und Lyon. In den frühen Morgenstunden erreichte er Marseille, um von dort über Toulon in die renommierten Badeorte der Côte d’Azur weiterzufahren: Saint-Raphaël, Cannes, Juan-les-Pins, Antibes, Nizza, Beaulieu-sur-Mer, Monte-Carlo, Monaco. Endstation war in Menton nahe der italienischen Grenze.

Bedingt durch die Weltwirtschaftskrise und damit der Abwertung des britischen Pfunds ging die Zahl vor allem der aus Großbritannien stammenden Reisenden Ende der zwanziger Jahre stark zurück. 1936 wurde der Zug um Personenwagen zweiter und dritter Klasse ergänzt, da sich infolge des in Frankreich eingeführten zweiwöchigen Urlaubsanspruchs für alle Berufstätigen die Zahl der dem Süden zustrebenden einheimischen Urlauber drastisch erhöht hatte.

1938 wurden in Frankreich sämtliche Bahngesellschaften verstaatlicht und zur Société nationale des chemins de fer français (SNCF) zusammengefasst. Zunächst als gewöhnlicher Nachtexpresszug von der SNCF weiter betrieben wurde er während des Zweiten Weltkrieges aus dem Fahrplan genommen.

Bekannte Passagiere dieser Zeit im „Train Bleu“ waren unter anderem der spätere britische König Eduard VIII., Charlie Chaplin, die Modeschöpferin Coco Chanel, der britische Premierminister Winston Churchill oder die Schriftsteller F. Scott Fitzgerald, Evelyn Waugh und William Somerset Maugham.

Von 1947 bis 2007[Bearbeiten]

Ab 1947 bezeichnete die CIWL den Zug auch offiziell als „Train Bleu“. Er verlor allerdings mit dem Ausbau des Luftverkehrs zunehmend seine Bedeutung als Luxuszug. Ab den sechziger Jahren wurde der Zug erst ab Paris eingesetzt und die Strecke um einige Kilometer bis Ventimiglia verkürzt. Die Verbindung Calais–San Remo wurde nun mit einem neuen Schnellzug, dem Flandres Rivièra Express bedient.

Ab 1978 begann man damit, den „Train Bleu“ auch mit einfachen Liegewagen zu bestücken, um ihn für Reisende mit kleinerem Geldbeutel attraktiv zu machen, die originalen Fahrzeuge wurden nach und nach außer Dienst gestellt. Zu Beginn der 1980er Jahre wurde die Strecke Paris–Lyon für den Hochgeschwindigkeitszug TGV neugebaut, in den folgenden Jahren kamen weitere Streckenabschnitte bis Marseille hinzu. Die Fahrzeit verkürzte sich damit von zwanzig auf fünf Stunden und so endete mangels Schlafwagenbedarfs das Zeitalter des Schlafwagenzuges zur Riviera. Am 9. Dezember 2007 wurde der Zug eingestellt.

Literarische und künstlerische Bedeutung[Bearbeiten]

Für viele Künstler war der „Train Bleu“ ähnlich inspirierend wie der Orient-Express. Bereits zwei Jahre nach der Einführung des Zugs wurde 1924 das gleichnamige Ballett von Serge Diaghilev und seinen Ballets Russes mit der Choreografie von Bronislava Nijinska uraufgeführt; den Text dazu schrieb Jean Cocteau, die Kostüme stammten von Coco Chanel und das Bühnenbild von Pablo Picasso.

Agatha Christie ließ 1928 unter dem Titel The Mystery of the Blue Train (dt. Der blaue Express) in ihm morden – noch vor dem legendären Mord im Orientexpress. Georges Simenon machte ihn 1949 ebenfalls zum Schauplatz eines Krimis (Mon Ami Maigret, dt. Mein Freund Maigret – für das Fernsehen verfilmt 1973 und 2001).

Angelehnt an Kriminalgeschichten der französischen Autoren Pierre Boileau und Thomas Narcejac entstand 1965/66 die französische Fernsehserie Le train bleu s’arrete 13 fois (= Der Blaue Zug hält dreizehn mal / keine dt. Synchronisierung).

1963 wurde das um 1900 erbaute pompöse Belle Époque-Restaurant im Gare de Lyon in Paris als Hommage an den legendären Zug in Le Train Bleu umbenannt. Auch einen Cocktail namens „Le Train Bleu“ gibt es, er besteht aus Sekt, Cognac und Ananassaft.

Die „Blue Train Races“[Bearbeiten]

In den zwanziger und dreißiger Jahren gab es die Blue Train Races, eine Wettfahrt von (Bentley-)Automobilen gegen den legendären Zug.

Literatur[Bearbeiten]

  • George Behrend: Grosse Expresszüge Europas. Orell Füssli, Zürich 1967
  • George Behrend, Histoire des Trains de luxe, Office du Livre-Fribourg 1977
  • Albert Mühl, Jürgen Klein: Reisen in Luxuszügen. Die Internationale Schlafwagen-Gesellschaft. EK-Verlag, Freiburg im Breisgau 2006, ISBN 3-88255-696-X
  • Clive Lamming: LaRousse des trains et des chemins de fer. Paris 2007.
  • Jim Ring, Riviera – The Rise and Rise of the Côte d’Azur. London, John Murray Publishers 2006.