Toulon

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Toulon (Begriffsklärung) aufgeführt.
Toulon
Wappen von Toulon
Toulon (Frankreich)
Toulon
Region Provence-Alpes-Côte d’Azur
Département Var
Arrondissement Toulon
Kanton Hauptort von 9 Kantonen
Koordinaten 43° 8′ N, 5° 56′ O43.1255.930555555555610Koordinaten: 43° 8′ N, 5° 56′ O
Höhe 0–589 m
Fläche 42,84 km²
Einwohner 163.974 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 3.828 Einw./km²
Postleitzahl 83000
INSEE-Code
Website http://www.toulon.com/

Der Militärhafen von Toulon

Toulon [tuˈlõ] (okzitanisch: Tolon, italienisch: Tolone) ist die Hauptstadt des französischen Départements Var und liegt an der Mittelmeerküste am östlichen Ende des Golfe du Lion, rund 70 km südöstlich von Marseille. Die Hafenstadt hat 163.974 Einwohner (Stand 1. Januar 2011) und ist der Heimathafen der französischen Marine im Mittelmeer.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Küstenregion um Toulon ist mindestens seit dem Paläolithikum von Menschen besiedelt, wie Funde in der Henry-Cosquer-Höhle gezeigt haben. Seit etwa dem 7. Jahrhundert v. Chr. bestanden Handelsniederlassungen an der Küste, die von griechischen Seefahrern aus Kleinasien gegründet worden waren. Ab etwa dem 4. Jahrhundert v. Chr. sind Kelten in der Gegend nachweisbar. Im 2. Jahrhundert v. Chr. besetzten die Römer die Küstenregion und gründeten die Hafenstadt Telo Martius, benannt möglicherweise nach einer ligurischen Göttin "Telo" oder von lat. tolus = Fuß eines Hügels und dem Kriegsgott Mars, aus der später Toulon hervorging. In der Antike war Telo Martius als ein Zentrum der Herstellung von Purpur bekannt. Gegen Ende des Römischen Reichs wurden die Stadt und Region christianisiert. Im frühen Mittelalter war die Stadt wiederholt Angriffen von Sarazenen und Piraten ausgesetzt. Nach der Angliederung der Provence an Frankreich im Jahr 1486 wurde Toulon allmählich zum Militärhafen ausgebaut. Insbesondere unter dem Minister Ludwigs XIV. Jean-Baptiste Colbert wurden die Befestigungsanlagen und Hafenanlagen nach Plänen von Sébastien Le Prestre de Vauban erweitert. Im Spanischen Erbfolgekrieg wurde die Stadt durch Koalitionstruppen im Jahr 1707 belagert, konnte aber nicht erobert werden. Im 18. und 19. Jahrhundert war Toulon Ausgangspunkt für verschiedene französische Marineoperationen im Mittelmeer.

Place de la liberté in Toulon

Während der Französischen Revolution war die Auslieferung Toulons im September 1793 durch die Girondisten und Royalisten an die Briten Auslöser der Septemberbewegung in Paris. Am 19. Dezember 1793 eroberte nach sechswöchiger Blockade die Revolutionsarmee die Stadt und vertrieb die Briten aus dem Ort. Dabei spielte Napoleon Bonaparte erstmals eine wichtige militärische Rolle. Nach der Einnahme der Stadt folgte ein blutiges Strafgericht durch die Jakobiner. Am 19. Mai 1798 brach Napoléon mit seiner Armee von Toulon aus zur Ägyptischen Expedition auf.

Luftaufnahme des Hafens von Toulon am 28. November 1942 mit den brennenden französischen Kriegsschiffen Strasbourg, Colbert, Algérie und Marseillaise (v.l.n.r.)

Toulons Nachbarort Sanary-sur-Mer war Exilort zahlreicher deutscher Schriftsteller in der Zeit des Nationalsozialismus: Heinrich und Thomas Mann, Arnold Zweig, Lion Feuchtwanger, Franz Hessel und Bertolt Brecht. Am 27. November 1942 besetzten deutsche Truppen im Rahmen des Unternehmens Lila Toulon. Um nicht in deutsche Hände zu fallen, versenkte sich daraufhin die in Toulon ankernde französische Flotte selbst (Selbstversenkung der Vichy-Flotte). Der 24. November 1943 brachte der Stadt den schwersten alliierten Bombenangriff mit rund 500 Toten.

Hitler ernannte im Januar 1944 alle wichtigen Hafenstädte im Westen – so auch Toulon – zur „Festung“ – eine vor allem symbolische Handlung. In OKW-Befehlen von Februar 1944 zur Verteidigung von Festungen wurde befohlen, „bis zum letzten Mann“ zu kämpfen und keinesfalls zu kapitulieren.

Dies geschah in keiner der Hafenstädte – eine Woche nach der Einschließung kapitulierten die deutschen Truppen in Toulon.[1]

1968 wurde die Universität Toulon-Var gegründet.

1995 erreichte die rechtsextreme Partei Front National bei Kommunalwahlen in Toulon erstmals in einer französischen Großstadt die Mehrheit und stellte mit Jean-Marie Le Chevallier den Bürgermeister; dieser wurde 2001 von Hubert Falco von der UMP abgelöst.

Bevölkerungsentwicklung von Toulon[2]
Jahr Einwohner
1962 161.797
1968 174.746
1975 181.801
1982 179.423
1990 167.619
1999 160.639
2006 167.816

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: In Blau ein durchgehendes goldenes Kreuz.

Politik[Bearbeiten]

Die Bürgermeister seit 1900:

  • 1900–1904: Victor Micholet
  • 1904–1909: Marius Escartefigue
  • 1909–1909: Muller
  • 1909–1912: Joseph Gasquet
  • 1912–1919: Victor Micholet
  • 1919–1929: Émile Claude
  • 1929–1940: Marius Escartefigue
  • 1940–1944: Albert Coulon
  • 1944–1945: Franck Arnal
  • 1945–1947: Jean Bartolini
  • 1947–1948: Paul Baylon
  • 1948–1953: Louis Puy
  • 1953–1955: Édouard Le Bellégou
  • 1953–1955: Célestin Forno
  • 1955–1959: Édouard Le Bellégou
  • 1959–1985: Maurice Arreckx
  • 1985–1995: François Trucy
  • 1995–2001: Jean-Marie Le Chevallier
  • seit 2001: Hubert Falco

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kathedrale, Innenansicht
Kathedrale, Außenansicht
Der Tour royale in Toulon
Die Oper von Toulon

Zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt zählen unter anderem:

  • Place Puget mit der Fontaine aux Dauphins (1780)
  • Place Raimu mit Oper
  • Place de la Liberté
  • Kathedrale Sainte-Marie de la Seds, Bischofskirche des Bistums Fréjus-Toulon
  • Mont Faron (542 m) mit Zoologischem Garten
  • Fort Balaguier
  • Le Musée nationale de la Marine
  • Le Marché du Cours Lafayette
  • Les Anciennes Fortifications de la Rade
  • Denkmal 'Heinrich Heine' im Botanischen Garten / Mourillon. Das Heine-Denkmal wurde von Louis Hasselriis 1873 im Auftrage der Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn für den Park ihres Schlosses Achilleion auf Korfu geschaffen. Nachdem Kaiser Wilhelm II. das Schloss erworben hatte, wurde das Denkmal entfernt und gelangte zuerst nach Hamburg und schließlich nach Toulon.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Bedeutendste Wirtschaftszweige sind der Schiffbau sowie der Handel, der über den Hafen abgewickelt wird. Auch das Militär ist ein bedeutender Arbeitgeber.

Verkehr[Bearbeiten]

Satellitenbild

Neben dem Hafen, von dem aus Schiffsverbindungen u.a. nach Korsika und zu den Îles d’Hyères angeboten werden, existiert ein Fernbahnhof an der Bahnstrecke Marseille–Ventimiglia mit Verbindungen nach Marseille und Nizza. Beide Städte sind auch über die Küstenautobahnen A50 (Marseille) und A57 (Nizza) zu erreichen, die (in östlicher Richtung mit Ampeln, in westlicher Richtung untertunnelt) durch Toulon führen. Der Flughafen Toulon-Hyères liegt ca. 20 km östlich von Toulon, zu erreichen über die A570 bzw. mit dem Airport-Bus von Sodetrav. Von dort aus gibt es Flüge unter anderem nach Paris-Orly und London-Stansted (Stand: Februar 2006). Der nächste größere Flughafen ist Marseille-Marignane.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Toulon unterhält Städtepartnerschaften mit Mannheim (Deutschland) und Herzlia (Israel) sowie mit den (Kriegs-)Hafenstädten La Spezia (Italien), Norfolk (Virginia, USA) und Kronstadt (Russland). Zudem ist Toulon Mitglied des Bundes der europäischen Napoleonstädte.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Maurice Arreckx: Vivre sa ville. La Table ronde, Paris 1982; Toulon, ma passion, 1985
  • Jean-Pierre Thiollet: Le Chevallier à découvert. Laurens, Paris 1998

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Toulon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Lieb: Konventioneller Krieg oder Weltanschauungskrieg? Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44, Oldenbourg Verlag 2007, Seite 484
  2. INSEE: Bevölkerungsentwicklung von Toulon 1962-1999