Tupolew Tu-128

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Tupolew Tu-128
Tupolew Tu-128
Tupolew Tu-128
Typ: Langstrecken-Abfangjäger
Entwurfsland: Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion
Hersteller: Tupolew
Erstflug: 18. März 1961[1]
Indienststellung: 1963
Produktionszeit: 1963 bis 1970
Stückzahl: 198

Die Tupolew Tu-128 (russisch Туполев Ту-128, NATO-Codename: „Fiddler“) war ein sowjetischer Langstrecken-Abfangjäger. Er wurde 1957 bei Tupolew in Auftrag gegeben und basierte auf der als Langstreckenbegleitjäger konzipierten Tu-102. Eine frühe Bezeichnung der Tu-128 war auch Tu-28 oder Tu-28P. Sie ist das weltweit größte jemals in Serie gebaute Jagdflugzeug.

Entwicklung[Bearbeiten]

Hintergrund der Entwicklung der Tu-128 war der Bedarf nach einer weiträumigen Luftverteidigung in den entlegenen Grenzgebieten der Sowjetunion, die Anfang der 1950er Jahre weder von damaligen Abfangjägern noch von den frühen Luftabwehrraketen wie der S-75 abgedeckt werden konnte. Die Konstruktion begann 1958 auf Grundlage eines früheren Bomberentwurfes mit der Bezeichnung Tupolew Tu-98. Ein Konkurrenzentwurf war die Lawotschkin La-250.

Der Bau des Prototyps begann 1959. Erste Rollversuche fanden am 27. Februar 1961 statt. Am 18. März starteten die Piloten M. Koslow und K. Malchassjan zum Erstflug und bereits am 9. Juli wurde der Prototyp auf der Tuschinoer Luftparade erstmals in der Öffentlichkeit gezeigt. Der Prototyp trug die Bezeichnung Tu-28, die Produktionsbezeichnung lautete Isdelije (Erzeugnis) 1. Am 12. Dezember 1963 erhielt das Flugzeug die Bezeichnung Tu-128. Die erste Serienvariante besaß noch zwei Stabilisierungsflossen unter dem Heck, eine große Rumpfwanne für Elektronikausrüstung und eine Bewaffnung aus zwei Lenkraketen. Auf der Luftparade 1967 wurde dann die verbesserte Tu-128P ohne Rumpfwanne und Stabilisierungsflossen, mit verändertem Cockpit und auf vier Raketen verstärkter Bewaffnung gezeigt. Eine Tu-128P wurde mit modernisierten Triebwerken ausgerüstet und erreichte damit einen Schub von bis zu 15.000 kg. Die Entwicklung einer Tu-128B als taktischer Bomber ist nie zum Abschluss gekommen, da das Projekt Suchoi Su-24 besser für diesen Zweck geeignet war.

Die Hauptbewaffnung bestand aus Luft-Luft-Raketen vom Typ K80 (NATO-Bezeichnung: AA-5 „Ash“) mit Radar- und Thermozielerfassung. Diese liefen später je nach Ausführung unter der Bezeichnung R-4R und R-4T in verschiedenen Varianten. Einsatzgebiet war vor allem das Abfangen von sehr hoch fliegenden Zielen, wie Langstreckenbombern. Auf Grund ihrer relativ großen Reichweite konnte die Tu-128 3 bis 3,5 Stunden patrouillieren.

Varianten[Bearbeiten]

Es wurden in der Zeit von 1962 bis 1971 insgesamt 198 Stück dieser Maschine gebaut.

Tu-28 „Fiddler-A“

Für die Erprobung wurden zwei Prototypen erbaut. Diese hatten noch zwei Stabiloflossen unter dem Heck und lediglich zwei Lenkwaffenstartschienen.

Tu-128 „Fiddler-B“

Die Tu-128 wurde in der ursprünglichen Form in zwei bekannten Modifikationen ausgeliefert. Die Basisvariante wurde 1964 und den Dienst aufgenommen. Sie verfügt über vier Lenkwaffenstartschienen und wurde als Gesamtwaffenkomplex als Tu-128S-4 benannt. Im Westen wurde sie auch als Tu-28P oder Tu-128P benannt.

Tu-128UT „Fiddler“

Die Tu-128UT war mit einem zusätzlichen Cockpit vorne anstatt eines Radars als Trainingsmaschine ausgelegt. Von dieser Variante wurden lediglich 10 neu gebaut und vier Maschinen umgebaut.

Tu-128M „Fiddler“

Ab 1971 wurden auf Basis der alten Maschine Tests durchgeführt, um die Maschine flexibler zu machen. Sie sollte für den bodennahen Kampf in Bereichen 500–1500 Meter über Grund einsetzbar sein und gleichzeitig die Dienstgipfelhöhe verbessert und die Geschwindigkeit erhöht werden. Kernpunkte dieser Modifikation waren der Einbau eines neuen Radars vom Typ RP-SM „Smertsch-M“, einer Verbesserung des in der MiG-25 verwendeten RP-SA „Smertsch-A“, und Vorrichtungen zur Aufnahme verbesserter Raketen vom Typ R-4RM und R-4TM. Diese Variante wurde als Tu-128M bezeichnet; bis 1979 wurden alle verbliebenen Maschinen umgerüstet und standen bis 1990 im Dienst. Nachfolgemuster der Tu-128M war in den meisten Einheiten die MiG-31.

Technische Daten[Bearbeiten]

Tu-128
Dreiseitenriss
Kenngröße Daten
Länge 27,43 m
Spannweite 19,80 m
Höhe 7,00 m
Flügelfläche 78,00 m²
Leermasse 18.000 kg
Startmasse normal 35.500 kg, maximal 38.500 kg
Triebwerk zwei TL Ljulka AL-21F, je 11.200 kp ohne und je 12.350 kp mit Nachbrenner
Höchstgeschwindigkeit 1.850 km/h in 11.000 m
Steiggeschwindigkeit 125,00 m/s
Gipfelhöhe 20.000 m
Reichweite normal 2.500 km, maximal 4.500 km
Startrollstrecke 1.350 m
Landerollstrecke 1.050 m
Besatzung 2

Bewaffnung[Bearbeiten]

Tu-128
  • Bisnowat R-4R (K-80 bzw. AA-5 "Ash") halbaktiver radargesteuerter Kurzstrecken Luft-Luft-Lenkflugkörper[2]
  • Bisnowat R-4T (K-80 bzw. AA-5 "Ash") infrarotgesteuerter Kurzstrecken Luft-Luft-Lenkflugkörper
Tu-128M
  • Bisnowat R-4MR (K-80 bzw. AA-5 "Ash") halbaktiver radargesteuerter Kurzstrecken Luft-Luft-Lenkflugkörper
  • Bisnowat R-4MT (K-80 bzw. AA-5 "Ash") infrarotgesteuerter radargesteuerter Kurzstrecken Luft-Luft-Lenkflugkörper

Quellen[Bearbeiten]

  1. Nikolai Jakubowitsch: Tupolews Ausflug ins Jägerfach – Raketenträger. In: Klassiker der Luftfahrt Nr. 1/2013, S. 46
  2. A.B. Schirokorad : Wooruschenie Sowjetskoj Awiazij 1941–1991. 2004, ISBN 985-13-2049-8, S. 625

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tupolev Tu-128 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien